TEIL 1 – DER AUFSTIEG EINES TÄTERS
Am 24. Januar 1948 öffnete sich im Montelupich-Gefängnis in Krakau eine Zellentür. Zwei Wärter standen davor. Sie waren gekommen, um einen Gefangenen abzuholen, dessen Name mit einem der dunkelsten Orte der europäischen Geschichte verbunden war. Maximilian Grabner wusste, weshalb sie gekommen waren. Er wusste, dass es keine Verhandlung mehr gab, bei der er seine Geschichte neu schreiben konnte. Kein Vorgesetzter würde ihn retten. Keine Uniform würde ihm Schutz geben. Keine Akte konnte die Zeugenaussagen verschwinden lassen. Der Mann, der in Auschwitz über Verhöre, Gefangene und Hinrichtungen mitentschieden hatte, begann plötzlich zu flehen. Nach den späteren Berichten kniete er nieder und versuchte sogar, die Stiefel der Männer zu küssen, die ihn abholen sollten. Doch die Geschichte hatte sich gedreht. Jahre zuvor hatten andere Menschen vor ihm gekniet. Nun war er selbst derjenige, der um Gnade bat. Wenn du verstehen willst, wie ein einfacher Polizeibeamter aus Wien zu einem der gefürchtetsten Männer der politischen Abteilung von Auschwitz wurde, dann beginnt diese Geschichte nicht in Polen und auch nicht im Krieg. Sie beginnt viele Jahre früher, in einer politisch zerrissenen Stadt an der Donau.

Maximilian Grabner wurde am 2. Oktober 1905 in Wien geboren, damals noch in Österreich-Ungarn. Seine Familie stammte nicht aus der Welt der großen Beamten, Offiziere oder wohlhabenden Unternehmer. Grabner wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf und erhielt nur eine grundlegende Schulbildung. Seine Jugend fiel in eine Zeit, in der die alte Ordnung Europas zerbrach. Der Erste Weltkrieg hatte Millionen Menschen getötet. Das Habsburgerreich existierte nicht mehr. Österreich musste sich neu definieren. Viele Menschen lebten in wirtschaftlicher Unsicherheit, während politische Lager immer radikaler wurden. Auf den Straßen trafen kommunistische, sozialistische, konservative und nationalistische Gruppen aufeinander. Gewalt war keine Seltenheit. In einer solchen Atmosphäre konnten einfache Versprechen von Ordnung, Stärke und nationaler Erneuerung eine enorme Wirkung entfalten.
Grabner arbeitete zunächst als Holzfäller. Die Arbeit war hart und körperlich. Er war daran gewöhnt, lange zu arbeiten und Befehle auszuführen. Später wechselte er in den Polizeidienst. 1930 trat er in die österreichische Polizei ein. Nach seiner Ausbildung wurde er zunächst gewöhnlicher Polizeibeamter und später Kriminalbeamter bei der Wiener Polizei. Für einen Mann aus einfachen Verhältnissen bedeutete dieser Schritt einen gesellschaftlichen Aufstieg. Er hatte nun eine Uniform, eine feste Stellung und eine Aufgabe, die ihm Autorität verlieh. Doch seine politische Haltung entwickelte sich gleichzeitig immer stärker in Richtung Nationalsozialismus.
Am 1. August 1932 trat Grabner der NSDAP bei. Zu diesem Zeitpunkt war die Partei in Österreich bereits ein bedeutender politischer Faktor, obwohl sie dort später verboten wurde. Grabner hatte sich damit nicht nur einer politischen Organisation angeschlossen. Er stellte sich bewusst hinter eine Bewegung, deren Ideologie von Antisemitismus, Rassismus, Nationalismus und der Vorstellung einer autoritären Gesellschaft geprägt war. Ein Jahr später wurde Adolf Hitler in Deutschland Reichskanzler. Von diesem Moment an wuchs der Druck auf Österreich. Das nationalsozialistische Deutschland wollte Österreich in das Deutsche Reich eingliedern. Österreichische Nationalsozialisten erhielten Unterstützung aus Deutschland und arbeiteten daran, den österreichischen Staat zu destabilisieren.
Am 12. März 1938 marschierten deutsche Truppen in Österreich ein. Der sogenannte Anschluss wurde vollzogen. Für österreichische Nationalsozialisten war es ein Triumph. Menschen, die zuvor politische Gegner gewesen waren, wurden nun verfolgt. Jüdische Bürger wurden öffentlich gedemütigt. Gegner des Regimes wurden verhaftet. Die nationalsozialistische Verwaltung wurde in kürzester Zeit auf Österreich übertragen. Grabner gehörte zu den Männern, die von dieser Entwicklung profitierten. Im September 1938 trat er der Gestapo bei, der Geheimen Staatspolizei. Gleichzeitig wurde er Mitglied der SS. Damit gelangte er in den inneren Machtbereich des nationalsozialistischen Unterdrückungsapparates.
Die Gestapo war keine gewöhnliche Polizei. Sie sollte politische Gegner verfolgen, Widerstand unterdrücken und die rassistische Politik des Regimes durchsetzen. Die SS entwickelte sich während des Nationalsozialismus zu einem zentralen Instrument von Terror, Verfolgung und Massenmord. Grabner befand sich nun innerhalb eines Systems, das seine Befugnisse nicht dazu nutzte, Bürger zu schützen, sondern Menschen zu überwachen, zu verhaften und zu vernichten. Als der Krieg begann, war sein beruflicher Weg bereits vorgezeichnet.
Am 1. September 1939 griff Deutschland Polen an. Der Krieg begann. Doch der militärische Angriff war nur ein Teil dessen, was folgte. Hinter der Wehrmacht bewegten sich Sicherheits- und Polizeieinheiten. Sie verfügten über Listen mit Namen von Menschen, die verhaftet werden sollten. Lehrer, Priester, Beamte, Juristen und Angehörige der polnischen Elite wurden verfolgt. Die Besatzungspolitik zielte darauf, die polnische Gesellschaft zu unterwerfen und ihre Führungsschichten zu zerstören. Gefängnisse füllten sich. Erschießungen fanden statt. Neue Lager wurden eingerichtet.
Grabner wurde ab November 1939 als Kriminalsekretär bei der Gestapo in Katowice eingesetzt. Seine Aufgabe bestand darin, Menschen zu identifizieren, zu verhören und gegen Personen vorzugehen, die das Regime als Feinde betrachtete. Katowice lag in einem Gebiet, das nach der deutschen Besatzung Teil des nationalsozialistischen Machtbereichs wurde. Grabner arbeitete nun nicht mehr nur als Polizist. Er war Teil einer politischen Polizei, deren Tätigkeit zunehmend mit Verfolgung und Terror verbunden war.
Währenddessen bereitete das nationalsozialistische Deutschland die Errichtung eines neuen Konzentrationslagers vor. Bei der polnischen Stadt Oświęcim, die von den Deutschen Auschwitz genannt wurde, entstand ein Lager, das zunächst vor allem zur Inhaftierung polnischer Gefangener diente. Im Mai 1940 wurde Auschwitz eröffnet. Nur wenige Menschen konnten damals ahnen, welche Bedeutung dieser Ort innerhalb weniger Jahre bekommen würde.
Die ersten Häftlinge mussten das Lager selbst aufbauen. Sie errichteten Baracken, fällten Bäume, legten Wege an und zogen Zäune. Das war mehr als reine Zwangsarbeit. Die Gefangenen bauten den Ort, an dem sie selbst eingesperrt werden sollten. Das Lager wuchs. Die SS organisierte seine Verwaltung. Bewachung und Kontrolle wurden immer stärker ausgebaut. Und innerhalb dieser Struktur entstand eine politische Abteilung, die für einen besonders wichtigen Bereich zuständig war: die Kontrolle über die Gefangenenakten und die Verfolgung von Widerstand.
Ende Mai 1940 wurde Maximilian Grabner Leiter dieser politischen Abteilung.
Damit begann der entscheidende Abschnitt seines Lebens.
Die politische Abteilung war nicht einfach ein Büro. Sie führte Häftlingsakten, untersuchte Fluchtversuche, führte Verhöre und beschäftigte sich mit Widerstand. Grabner arbeitete mit dem Lagerkommandanten Rudolf Höß zusammen, unterstand aber offiziell den Gestapo-Strukturen außerhalb des Lagers. Diese besondere Stellung gab ihm großen Handlungsspielraum. Innerhalb von Auschwitz war er einer der Männer, die über Informationen verfügten, Entscheidungen vorbereiteten und Verhöre organisieren konnten.
Schon bald entwickelte sich sein Ruf.
Häftlinge bezeichneten ihn als einen der mächtigsten Männer des Lagers. Manche nannten ihn den „Herrn von Auschwitz“. Dieser Name war kein Ausdruck von Respekt. Er beschrieb die Angst, die Grabner bei den Gefangenen auslöste. Wer in die politische Abteilung gerufen wurde, wusste oft nicht, ob er zurückkehren würde. Ein Verhör konnte mit Schlägen beginnen und mit einer Einweisung in den Bunker von Block 11 enden. Dort befand sich das Lagergefängnis. Menschen wurden eingesperrt, gefoltert und getötet.
Die politische Abteilung war damit ein Ort, an dem Bürokratie und Gewalt miteinander verbunden waren. Akten wurden geführt, Namen notiert, Vernehmungen protokolliert. Gleichzeitig wurden Menschen geschlagen, aufgehängt und unter Druck gesetzt. Der Schreibtisch und der Folterraum gehörten zum selben System. Ein Eintrag auf Papier konnte das Schicksal eines Gefangenen verändern.
Grabner nutzte seine Stellung.
Nach späteren Zeugenaussagen wurden Gefangene während der Verhöre mit Peitschen, Stöcken und anderen Gegenständen geschlagen. Manche wurden mit gefesselten Armen aufgehängt. Andere wurden in Zellen gesperrt oder ohne ausreichenden Schlaf und Nahrung verhört. Gewalt sollte Informationen erzwingen. Aber oft war das Ziel nicht nur eine Aussage. Es ging darum, Angst zu verbreiten.
Ein frühes Beispiel dafür war die Flucht des polnischen Häftlings Tadeusz Wiejowski am 11. Juli 1940. Als die Flucht entdeckt wurde, reagierte die Lagerleitung mit kollektiver Bestrafung. Die Gefangenen mussten stundenlang im Freien stehen. Sie erhielten keine ausreichende Nahrung und durften ihre Notdurft nicht verrichten. Die SS drohte mit weiteren Strafen. Die Botschaft war eindeutig: Wenn einer flieht, leiden alle.
Grabner ließ nach Informationen über die Flucht suchen.
Er versprach Gefangenen, dass ihnen nichts geschehen würde, wenn sie Aussagen machten.
Einige glaubten ihm.
Vielleicht hofften sie, dass ein österreichischer Polizist anders handeln würde.
Vielleicht glaubten sie, dass Kooperation ihre Kameraden retten könnte.
Sie wussten nichts über die Flucht.
Trotzdem meldeten sich einige.
Dann begann das Verhör.
Nach den Aussagen des Überlebenden Felix Miwick wurden Gefangene auf einem Bock festgehalten. Grabner stellte Fragen. Andere SS-Männer schlugen die Häftlinge. Die Aussagen wurden niedergeschrieben. Das Versprechen, dass den Informanten nichts geschehen würde, erwies sich als Lüge.
Die Männer, die sich gemeldet hatten, wurden noch in derselben Nacht getötet.
Für Grabner war die Episode damit beendet.
Für die Gefangenen blieb sie eine Erinnerung daran, dass selbst ein Versprechen des Mannes aus der politischen Abteilung keinen Wert hatte.
Das Lager wurde immer größer.
Und mit ihm wuchs die Macht der Männer, die es kontrollierten.
Block 11 erhielt einen besonders gefürchteten Ruf. Im Hof zwischen den Gebäuden befand sich die sogenannte Schwarze Wand. Dort wurden Gefangene erschossen. Menschen konnten aus ihren Zellen geholt und unmittelbar zur Hinrichtung geführt werden. Für die Häftlinge bedeutete schon das Geräusch von Schritten auf dem Korridor eine mögliche Todesnachricht.
Grabner war an diesen Vorgängen beteiligt.
Nach Zeugenaussagen wurden Menschen zur Schwarzen Wand geführt, erschossen und anschließend entfernt. Eine Frau überlebte einen Schusswechsel, weil sie vor Angst das Bewusstsein verlor und für tot gehalten wurde. Ihr Körper wurde zu den Leichen gelegt. Als sie wieder zu sich kam und um ihr Leben flehte, wurde Grabner informiert. Er kam persönlich und erschoss sie.
Obwohl einzelne Details solcher Aussagen aus der Erinnerung von Überlebenden stammen und Jahrzehnte später historisch bewertet werden mussten, blieb das Gesamtbild eindeutig: Grabner gehörte zu den Verantwortlichen, die in Auschwitz Gewalt, Verhöre und Tötungen organisierten oder persönlich daran beteiligt waren.
Dann veränderte sich die Funktion von Auschwitz erneut.
Ab 1942 wurde das Lager zu einem zentralen Ort des nationalsozialistischen Massenmordes an den europäischen Juden. Auschwitz II-Birkenau entwickelte sich zum wichtigsten Vernichtungszentrum. Deportationszüge brachten Menschen aus vielen Teilen Europas. Familien kamen an, oft ohne zu wissen, was sie erwartete. An der Rampe wurden Menschen selektiert. Einige wurden zur Arbeit eingeteilt. Andere wurden unmittelbar in die Gaskammern geschickt.
Die politische Abteilung war auch in diesem System beteiligt.
Nach Aussagen des Überlebenden Filip Müller und des Angehörigen der politischen Abteilung Pery Broad spielte Grabner eine Rolle bei der Täuschung der Opfer. Menschen, die zur Vergasung bestimmt waren, wurden beruhigt. Man sagte ihnen, sie sollten sich ausziehen, weil sie anschließend duschen und essen würden. Die Worte sollten verhindern, dass Panik entstand.
Hinter diesen Worten stand eine tödliche Täuschung.
Die Menschen wurden nicht zum Baden geführt.
Sie wurden in Gaskammern ermordet.
Zyklon B wurde eingesetzt.
Familien, die vielleicht wenige Stunden zuvor noch gemeinsam in einem Zug gesessen hatten, wurden innerhalb kürzester Zeit ausgelöscht.
Die Bürokratie ging währenddessen weiter.
Namen wurden registriert.
Transporte wurden dokumentiert.
Todesfälle wurden eingetragen.
Und gerade diese Papiere konnten später eine wichtige Rolle bei der Aufklärung der Verbrechen spielen.
Denn die nationalsozialistische Vernichtungsmaschinerie versuchte nicht nur, Menschen zu töten.
Sie versuchte auch, die Spuren ihrer Verbrechen zu kontrollieren.
Grabner war nach den vorliegenden Angaben an der Fälschung oder Verschleierung von Todesursachen beteiligt. Nach Hinrichtungen konnten Todesfälle als Krankheiten wie Typhus registriert werden. Ein Mord wurde damit in eine scheinbar gewöhnliche Todesmeldung verwandelt.
Das war eine besondere Form der Gewalt.
Der Mensch starb.
Dann wurde sogar die Wahrheit über seinen Tod manipuliert.
Im September 1942 erhielt Grabner das Kriegsverdienstkreuz zweiter Klasse mit Schwertern. Die Auszeichnung zeigt, wie sehr das Regime Männer wie ihn in seine Strukturen integrierte. Für das nationalsozialistische System waren Loyalität und brutales Durchsetzen seiner Ziele keine Gründe für Bestrafung. Im Gegenteil: Sie konnten belohnt werden.
Doch innerhalb der SS begann sich gleichzeitig etwas zu verändern.
Denn Grabner hatte nicht nur gegen Gefangene Gewalt angewendet.
Er hatte sich offenbar auch innerhalb des SS-Systems Feinde gemacht.
Und diesmal ging es nicht um Menschlichkeit.
Es ging um Korruption, Diebstahl und eigenmächtiges Töten.
Am 30. November 1943 wurde Grabner plötzlich seines Amtes enthoben.
Dann wurde er selbst verhaftet.
Der Mann, der in Auschwitz andere verhört hatte, saß nun auf der anderen Seite des Verhörraums.
Die Ermittlungen wurden von SS-Richter Georg Konrad Morgen geführt. Morgen untersuchte Korruption und eigenmächtige Tötungen innerhalb des Konzentrationslagersystems. Gegen Grabner wurden schwere Vorwürfe erhoben. Er soll etwa zweitausend Häftlinge ohne entsprechende Genehmigung erschossen haben. Außerdem wurde ihm vorgeworfen, sich am Eigentum ermordeter jüdischer Häftlinge bereichert zu haben.
Das war die groteske Logik des NS-Systems.
Menschen zu ermorden konnte innerhalb des Systems funktionieren.
Aber sich eigenmächtig an dem Besitz der Ermordeten zu bereichern, konnte als Verstoß gegen die Ordnung gelten.
Grabner wurde damit nicht deshalb verfolgt, weil er Menschen getötet hatte.
Zumindest nicht ausschließlich.
Er war ins Visier geraten, weil er die Regeln seines eigenen verbrecherischen Systems verletzt hatte.
Diese Tatsache sollte später zu einem der erschütterndsten Aspekte seiner Geschichte werden.
Im Oktober 1944 begann in Weimar ein Verfahren vor einem SS- und Polizeigericht. Der Staatsanwalt forderte eine lange Haftstrafe wegen schweren Diebstahls und Mordes. Doch das Verfahren geriet in Schwierigkeiten. Heinrich Müller, der Leiter der Gestapo, verweigerte offenbar die Zusammenarbeit bei der Aufklärung.
Dann brach das Deutsche Reich immer stärker zusammen.
Die Fronten bewegten sich.
Die Bombardierungen nahmen zu.
Die deutsche Niederlage wurde immer wahrscheinlicher.
Der Prozess gegen Grabner wurde unterbrochen.
Er wurde nie abgeschlossen.
Und plötzlich war der Mann, der wenige Monate zuvor selbst Gefangener eines SS-Verfahrens gewesen war, wieder im Dienst.
Grabner kehrte zur Gestapo nach Katowice zurück.
Später wurde er nach Pressburg versetzt.
Die SS hatte ihn nicht endgültig beseitigt.
Der Krieg ging weiter.
Doch inzwischen war die Zeit gegen ihn.
Im Januar 1945 begann die sowjetische Offensive.
Auschwitz wurde evakuiert.
Die SS versuchte, Beweise zu beseitigen und Gefangene wegzubringen.
Viele Häftlinge mussten auf Todesmärsche gehen.
Andere wurden in Züge gepfercht.
Die Lagerstruktur zerfiel.
Und mit ihr die Macht der Männer, die sie kontrolliert hatten.
Am 27. Januar 1945 erreichte die Rote Armee Auschwitz.
Die Soldaten fanden Tausende kranke und erschöpfte Menschen, die zurückgeblieben waren.
Die Welt begann, das Ausmaß des Verbrechens zu erkennen.
Doch Grabner war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr dort.
Er versuchte, sich zu verstecken.
Er nahm eine falsche Identität an.
Er gab sich als Landarbeiter aus.
Vielleicht hoffte er, dass sein Name vergessen worden war.
Vielleicht glaubte er, dass die Nachkriegszeit chaotisch genug sein würde, um ihn verschwinden zu lassen.
Doch die Überlebenden hatten ihn nicht vergessen.
Und die Ermittler begannen, die Namen der Verantwortlichen zusammenzutragen.
Am 4. August 1945 wurde Grabner während der Feldarbeit verhaftet.
Der Mann, der einst in Auschwitz über Gefangene verfügt hatte, wurde nach Wien gebracht.
Nun begann die letzte Phase seines Lebens.
Und diesmal gab es keine SS, die ihn schützen konnte.
ENDE TEIL 1

