„Nein, nein, nein, das darf nicht passieren“, flüsterte Leonard Bergmann, während seine Knie nachgaben. Auf den zwölf Großbildschirmen seines Frankfurter Vorstandsbüros wurden alle Zahlen gleichzeitig rot. Milliarden verpufften in Echtzeit. Sein Lebenswerk, die Bergmann Capital Group, der Ausweg aus dem Sozialbau in Offenbach, sein Versprechen an die sterbende Mutter – alles zerbröckelte.

Die Glastüren flogen auf. Seine Assistentin Johanna stand kreidebleich im Raum. „Leonard, wir haben die Kontrolle über alle Server verloren. “ Sein Sicherheitschef Lukas stürmte hinterher.
„Vierzehn Minuten, dann sind die Transfers irreversibel. Sie schleusen das Geld über Offshore-Kaskaden. “ Leonard zitterte. Vierzehn Minuten, um drei Milliarden zu verlieren.
Alles scheiterte. Jeder Versuch, den Wurm zu stoppen, erstickte im Nichts. Johanna schluchzte. Und dann öffnete sich leise die Tür.
Ein kleines Mädchen stand im Rahmen. Acht Jahre vielleicht, Zöpfe, eine viel zu große Brille, ein abgenutztes lila T-Shirt und ein knallpinker Laptop unter dem Arm. „Entschuldigung, ich wollte nicht stören, aber ich habe Geschrei gehört. “ Johanna kniete sich hin.
„Schatz, wo sind denn deine Eltern? “ „Mein Papa arbeitet hier. Er ist der Hausmeister. Ich bin Lina.
“ Leonard wollte sie fortschicken. Doch Lina deutete auf die Bildschirme. „Das ist kein normaler Angriff. Das ist ein Quantenwurm.
Der kann nur mit einem adaptiven Gegen-Wurm gestoppt werden. “ Stille. „Woher weißt du das? “, fragte Lukas misstrauisch.
Lina zuckte mit den Schultern. „Ich habe es in der Nachtbibliothek gelesen. Und ich habe selbst ein System geschrieben. Es ist noch nicht fertig, aber vielleicht hilft es.
“
Leonard lachte fast. Ein Kind mit einem pinken Laptop. Doch dann zeigte Lina ihm den Code. Leonard erstarrte.
Was er sah, hätte das Entwicklerteam Jahre gekostet. „Wer hat dir das beigebracht? “, flüsterte er. „Niemand.
Ich wollte ein System bauen, das Krankenhäuser schützt. “ Ihre Stimme war klein, aber ihre Augen waren ernst. „Darf ich es anschließen? “
Lukas schüttelte den Kopf.
„Das ist lächerlich. “ Doch Leonard blickte auf die Uhr. 3 Minuten. „Mach es“, sagte Leonard leise.
Lina rannte zu einem freien Terminal. Ihr Laptop summte. Ihre kleinen Finger flogen über die Tastatur. Leonard beobachtete, wie ihre Zeilen mit denen des Angreifers verschmolzen.
Da geschah etwas Unglaubliches: Der Angriff begann zu zögern. Die roten Zahlen stockten. „Es funktioniert“, rief Lukas. „Sie hält ihn auf!
“
Doch dann schlug die finale Welle ein. Eine Druckwelle, die jedes normale System pulverisiert hätte. Der Raum wurde still. Alle sahen zu, wie Linas System aufschrie, kurz wackelte – und dann standhielt.
Die roten Zahlen wurden grün. Die Transfers stoppten. Leonard atmete aus. Es war vorbei.
Doch er wusste: Etwas hatte sich verändert. Denn wenn ein Kind mit einem pinken Laptop eine Nation schützen konnte, dann würde die Welt sie niemals mehr in Ruhe lassen. Da vibrierte sein Handy. Ein Bild.
Ohne Absender. Ohne Text. Leonard öffnete es. Sein Blut gefror.
Er hob den Kopf. Lina stand noch immer am Terminal, ahnungslos. Auf dem Foto, das er gerade erhalten hatte, stand ein kleines Mädchen mit Zöpfen – mit einer viel zu großen Brille. Dazu die Worte: „Wir kommen.
“


