Es begann mit einem Tennisspiel gegen die Prinzessin von Holland, als ich zwölf war und dachte, das Leben wäre ein einziger Sonnentag. Jahrzehnte später sah man mich nur noch in Schwarz, und die…

Es begann mit einem Tennisspiel gegen die Prinzessin von Holland, als ich zwölf war und dachte, das Leben wäre ein einziger Sonnentag. Jahrzehnte später sah man mich nur noch in Schwarz, und die...

Am 14. Mai 1940 stand ich auf einem Bahnsteig in Berlin, als die Nachricht durch die Lautsprecher dröhnte: Rotterdam war bombardiert worden, die Niederlande hatten kapituliert. Um mich herum jubelten die Menschen, aber ich spürte einen Stich in der Brust, ein Ziehen, das ich mir damals nicht erklären konnte. Ich war in diesem Zoo in Berlin angestellt, um Tierpsychologie zu studieren, doch in Wirklichkeit hatte mich etwas ganz anderes nach Deutschland geführt: die Bewunderung für eine Bewegung, die ich für die Zukunft Europas hielt.

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Ich hatte Hitlers „Mein Kampf“ verschlungen, die Schriften von Alfred Rosenberg, und in den Sommern in Berlin hatte mich diese Kameradschaft, diese Disziplin, dieser glühende Glaube an eine große Sache ergriffen. Als ich hörte, dass mein Heimatland gefallen war, entschied ich mich sofort: Ich würde zurückkehren. Nicht, um zu trauern, sondern um mitzuhelfen, das neue Regime aufzubauen. Ich war damals sechsundzwanzig Jahre alt, die Tochter eines angesehenen Bankiers aus Hilversum, und ich glaubte fest daran, dass ich auf der richtigen Seite der Geschichte stand.

Mein Name ist Florentine Sophie Häubel, und ich wurde am 14. November 1914 in Amsterdam geboren, das jüngste von vier Kindern. Mein Vater war Deutscher, ein Mann, der als junger Bankkaufmann in die Niederlande gekommen war und dort die Tochter seines Arbeitgebers geheiratet hatte. Wir lebten in einem großen Haus in Hilversum, die Familie genoss hohes Ansehen, und als die junge Prinzessin Juliana die Stadt besuchte, wurden mein Bruder Wim und ich ausgewählt, mit ihr Tennis zu spielen.

Ich wuchs in einer Welt auf, die von Wohlstand und gesellschaftlicher Anerkennung geprägt war, aber innerlich suchte ich etwas Größeres, etwas, das über diese behütete Existenz hinausging. In den 1930er Jahren fanden Wim und ich es: Wir traten der Nationale Jeugdstorm bei, der Jugendorganisation der NSB, die nach dem Vorbild der Hitlerjugend geformt war. Ich studierte Biologie an der Universität Utrecht, spezialisierte mich auf Tierpsychologie, aber meine wahre Leidenschaft gehörte der Politik. Als Hitler 1933 an die Macht kam, beobachtete ich die Entwicklungen in Deutschland mit fieberhafter Spannung.

Im Sommer 1936 verbrachte ich eine Zeit in Berlin, die mein Leben für immer verändern sollte. Ich sah die Aufmärsche, die Fahnen, die Gleichschaltung aller Lebensbereiche, und ich war zutiefst beeindruckt. Diese Bewegung verkörperte alles, was mir in der niederländischen Politik fehlte: Hingabe, Opferbereitschaft, einen klaren Feind und ein klares Ziel. Ein Jahr später reiste ich nach Niederländisch-Indien, und als ich zurückkehrte, trat ich aus der NSB aus.

Der Grund war nicht etwa Zweifel an der nazistischen Ideologie, sondern das genaue Gegenteil: Ich fand, dass die Partei in den Niederlanden die sogenannte Rassenhygiene nicht konsequent genug umsetzte. Anton Mussert, der Führer der NSB, teilte meine Bedenken nicht, und so wandte ich mich von ihm ab, nicht von der Sache. Als der Krieg am 1. September 1939 mit dem Überfall auf Polen begann, blieben die Niederlande acht Monate lang neutral.

Ich verfolgte die Ereignisse aus der Ferne und hoffte, dass mein Heimatland klug genug sein würde, sich dem Schicksal Europas nicht zu widersetzen. Doch am 10. Mai 1940 endete diese Hoffnung. Deutsche Fallschirmjäger eroberten Brücken und Flugplätze, die Luftwaffe bombardierte Rotterdam, Hunderte Zivilisten starben, die Innenstadt wurde ausgelöscht, und nach gerade einmal fünf Tagen kapitulierte die niederländische Armee.

Königin Wilhelmina und die Regierung flohen nach London, und die Besatzung begann. Ich arbeitete zu dieser Zeit in einem Zoo in Berlin und studierte das Verhalten von Tieren, aber als ich von der Besetzung hörte, wusste ich: Meine Zeit war gekommen. Ich kehrte in die Niederlande zurück, nicht als zurückkehrende Tochter, sondern als überzeugte Anhängerin des neuen Regimes. Kurz nach der Invasion organisierte die NSB eine große „Befreiungsversammlung“ in Amsterdam, und ich besuchte sie mit brennendem Eifer.

In der Menge sah ich einen Mann, der sofort meine Aufmerksamkeit erregte: groß, charismatisch, mit einer Aura von Macht und Entschlossenheit. Sein Name war Meinoud Rost van Tonningen, und er war zwanzig Jahre älter als ich. Er war bereits verheiratet und hatte ein Kind, und ich wusste, dass es Gerüchte über seine „Rassenreinheit“ gab, Zweifel, die in den Kreisen, in denen ich mich bewegte, schwer wogen. Aber ich kümmerte mich nicht darum.

Er war der Präsident der Niederländischen Zentralbank, ein Mann von Einfluss, und er teilte meine Überzeugungen, oder zumindest glaubte ich das. Wir kamen ins Gespräch, und ich war sofort hingerissen von seiner Intensität, seiner Hingabe an die Sache. Er sah in mir eine gleichgesinnte Seele, eine Frau, die bereit war, alles für die Bewegung zu geben. Wir heirateten, und ich wurde Florentine Rost van Tonningen.

Unsere Ehe war keine Liebesheirat im herkömmlichen Sinne, sondern eine Verbindung aus Überzeugung und Ehrgeiz. Er war mein Zugang zu den höchsten Kreisen der Macht, und ich war seine Gefährtin, seine Stütze, seine öffentliche Repräsentation. Wir lebten in einem luxuriösen Haus, umgeben von Dienern, feinen Möbeln und Kunstwerken, während draußen auf den Straßen die Juden zusammengetrieben wurden. Im Juli 1942 begannen die systematischen Deportationen.

Ich wusste davon, ich konnte nicht anders, als davon zu wissen. Ich hörte die Geschichten über die Transporte nach Sobibor und Auschwitz, über die Züge, die jeden Tag aus den Niederlanden abfuhren, vollgepackt mit Männern, Frauen und Kindern. Ich hörte die Gerüchte über die Gaskammern, über die Vernichtung, und ich tat nichts. Ich wollte nichts tun.

Ich glaubte, dass diese Menschen das Schicksal verdienten, das ihnen auferlegt wurde, dass sie die Feinde waren, die vernichtet werden mussten, damit eine neue Ordnung entstehen konnte. Ich sah die leeren Wohnungen, die zurückgelassenen Habseligkeiten, die Nachbarn, die plötzlich verschwanden, und ich empfand nichts, oder ich erlaubte mir nicht, etwas zu empfinden. Ich war überzeugt, dass der Zweck die Mittel heiligte, dass der Sieg unserer Sache alle Opfer rechtfertigte. Meinoud wurde immer mächtiger, aber auch immer rücksichtsloser.

Er war ein fanatischer Anhänger der SS, radikaler noch als viele andere in der NSB, und er machte sich Feinde, sowohl unter den Deutschen als auch unter seinen eigenen Landsleuten. Ich unterstützte ihn bedingungslos, auch als seine Ehe mit seiner ersten Frau endete und er ganz zu mir zog. Wir waren ein Paar, das für seine Überzeugungen brannte, und ich war stolz darauf, an seiner Seite zu stehen. Doch der Krieg wendete sich.

1944, die Alliierten rückten vor, die Niederlande wurden befreit, und unsere Welt brach zusammen. Meinoud wurde verhaftet, noch bevor der Krieg offiziell endete. Ich wurde ebenfalls festgenommen und in verschiedene Gefangenenlager gebracht. Ich verbrachte Jahre in Haft, aber ich bereute nichts.

Ich war überzeugt, dass wir die Wahrheit vertreten hatten, dass wir nur verloren hatten, weil die Welt zu schwach war, unsere Vision zu verstehen. Und dann kam die Nachricht, die mein Leben ein zweites Mal prägte: Meinoud war im September 1945 im Gefängnis von Scheveningen gestorben. Offiziell hieß es, er habe Selbstmord begangen, indem er sich in der Badewanne die Pulsadern aufschnitt. Ich glaubte kein Wort davon.

Für mich war er ein Märtyrer, ermordet von seinen Feinden, und diese Überzeugung wurde zum Kern meiner weiteren Existenz. Ich schwor, sein Andenken zu verteidigen, seine Unschuld zu beweisen, und ich widmete den Rest meines Lebens diesem Kampf. Nach meiner Freilassung begann ich, das Erbe meines Mannes zu pflegen. Ich gründete einen Fonds, sammelte Dokumente, schrieb Briefe und pflegte Kontakte zu anderen ehemaligen Nationalsozialisten, auch zu verurteilten Kriegsverbrechern.

Ich besuchte sie im Gefängnis, unterstützte ihre Familien, organisierte Proteste gegen ihre Verurteilungen. Ich wurde zu einer bekannten Figur in rechtsextremen Kreisen, nicht nur in den Niederlanden, sondern in ganz Europa. Die Presse gab mir den Spitznamen „Schwarze Witwe“, wegen meiner schwarzen Kleidung, die ich seit dem Tod meines Mannes trug, und wegen meiner unerschütterlichen Hingabe an seine Sache. Ich leugnete den Holocaust öffentlich und wiederholt.

Ich nannte die Berichte über die Gaskammern eine Erfindung der Alliierten, eine Propagandalüge, dazu bestimmt, das deutsche Volk zu diffamieren. Ich sagte, dass die Juden, die deportiert worden waren, einfach nach Osten umgesiedelt wurden, um dort zu arbeiten, und dass die Geschichten über ihre Vernichtung von Kommunisten und Zionisten erfunden wurden, um die Wahrheit zu vertuschen. Ich wusste, dass diese Behauptungen falsch waren, aber ich wiederholte sie trotzdem, mit einer Überzeugung, die selbst meine Anhänger manchmal verblüffte. Vielleicht hatte ich mir selbst so oft gelogen, dass ich irgendwann nicht mehr zwischen Wahrheit und Lüge unterscheiden konnte.

Vielleicht war die Lüge meine einzige Möglichkeit, mit dem weiterzuleben, was ich gesehen und was ich getan hatte. Die Jahre vergingen, und ich blieb unbeugsam. Ich trat in Fernsehsendungen auf, gab Interviews, schrieb Artikel und hielt Reden vor kleinen, aber treuen Gruppen von Anhängern. Die niederländische Regierung versuchte, mich mundtot zu machen, aber es gelang ihnen nie ganz.

Ich wurde mehrmals verurteilt, wegen Volksverhetzung, wegen Leugnung des Holocaust, aber ich zahlte die Geldstrafen und machte weiter. Ich war eine öffentliche Person, eine Ikone des Rechtsradikalismus, und ich genoss die Aufmerksamkeit, die Feindschaft, den Hass. Sie zeigten mir, dass ich immer noch zählte, dass meine Stimme immer noch Gewicht hatte. Aber mit zunehmendem Alter wurde die Isolation größer.

Viele meiner alten Weggefährten starben, andere waren zu krank oder zu alt, um noch aktiv zu sein. Die junge Generation von Rechtsextremen war nicht wie wir, sie hatte nicht gekämpft, nicht gelitten, sie verstand die Sache nicht wirklich. Ich blieb zurück, eine Reliquie aus einer anderen Zeit, umgeben von Erinnerungen, die niemand teilen wollte. Und dann, gegen Ende meines Lebens, begann ich, mich einer Aufgabe zu widmen, die meine letzten Jahre prägte: die Veröffentlichung der Memoiren meines Mannes, die er während seiner Haft geschrieben hatte.

Ich redigierte sie, ergänzte sie, machte sie zu einem Vermächtnis. Ich wollte, dass die Welt seine Version der Geschichte kennt, seine Rechtfertigung, seinen Kampf. Ich arbeitete jahrelang an diesem Projekt, oft bis spät in die Nacht, umgeben von Papieren und Fotografien, die längst vergilbt waren. Und als das Buch endlich fertig war und veröffentlicht wurde, war ich zu alt und zu krank, um den Erfolg zu genießen, den ich mir erhofft hatte.

Die Verkaufszahlen waren enttäuschend, die Kritiken feindselig, und die Öffentlichkeit zeigte wenig Interesse daran, die Erinnerungen eines verurteilten Kriegsverbrechers zu lesen. Ich hatte mein Leben einem Traum gewidmet, und der Traum war am Ende nur noch eine Fußnote in den Geschichtsbüchern. Am 8. März 1993 starb ich in einem Pflegeheim in Waasenaar, neunundsiebzig Jahre alt.

Ich wurde still und unbeachtet beerdigt, auf einem abgelegenen Friedhof, um einen Zustrom von Neofaschisten zu verhindern, die gekommen wären, um mir die letzte Ehre zu erweisen. Aber ich war nicht allein. In den Archiven der rechtsextremen Bewegung blieben meine Briefe, meine Aufsätze, meine Reden als Erinnerung an eine Frau, die nie aufgehört hatte zu glauben, selbst als die ganze Welt sie für wahnsinnig hielt. Und vielleicht war ich genau das: wahnsinnig.

Oder vielleicht war ich einfach nur eine Frau, die zu tief in eine Ideologie verstrickt war, um je einen Ausweg zu sehen, selbst als der Ausweg direkt vor ihr lag. Die Geschichte, die man mir erzählt hatte, die Geschichte, die ich mir selbst erzählt hatte, sie war mein Leben geworden, und ich konnte nicht mehr zwischen dem, was wahr war, und dem, was ich glauben wollte, unterscheiden. Ich war Florentine Rost van Tonningen, die „Schwarze Witwe“, die Frau, die den Holocaust leugnete und die Kriegsverbrecher umarmte, und ich bereute nichts. Nicht einmal am Ende, als der Tod zu mir kam, nicht als Erlösung, sondern als letzte Station eines Weges, den ich freiwillig gewählt hatte, mit offenen Augen und ohne Zögern.

Ich hatte mein Leben einem Glauben gewidmet, der sich als falsch herausgestellt hatte, aber ich hatte geglaubt, und das, so sagte ich mir bis zum Schluss, war alles, was zählte.