Isabella Henderson stand zitternd im eisigen Londoner Regen, ihr maßgeschneidertes Seidenkleid durchnässt, und hämmerte mit blutenden Knöcheln gegen die hohen, eichenen Tore der St. Paul’s Cathedral. Drinnen hatte die aristokratische Familie ihres Verlobten die Hochzeit stillschweigend abgesagt und lachte gerade über ihre Demütigung. Sie dachten, sie hätten gewonnen.

Sie dachten, sie hätten eine Bürgerliche erfolgreich aussortiert. Aber sie wussten nicht, wer in der Limousine am Ende der Straße zusah. Und sie hatten keine Ahnung, dass die Tore jeden Moment von der königlichen Garde durchbrochen werden würden. Isabella hatte nie nach der High Society verlangt.
Mit 31 Jahren war sie eine engagierte Archivarin am National History Museum in London, eine Frau, die ihre Tage damit verbrachte, königliche Korrespondenz aus dem 17. Jahrhundert akribisch zu katalogisieren. Sie war brillant, bodenständig und in einem bescheidenen Arbeiterhaushalt in Leeds aufgewachsen, wo ihr alleinerziehender Vater Thomas, ein pensionierter Lokführer, jeden Penny zusammenkratzte, um ihr das Studium in Oxford zu ermöglichen. Isabella war rundum zufrieden mit ihrem ruhigen akademischen Leben.
Dann traf sie Jonathan Cavendish. Jonathan war der Erbe der Cavendish Group, einem milliardenschweren Immobilien- und Schifffahrtsimperium, dessen Wurzeln angeblich bis zur Magna Carta zurückreichten. Er war charmant, aufmerksam und schien sie wirklich zu lieben. Seine Mutter, Agnes Cavendish, war jedoch alles andere als begeistert.
Agnes war eine eiskalte, berechnende Frau, die Isabella von Anfang an als Bedrohung ansah. Sie ließ keine Gelegenheit aus, Isabella herabzuwürdigen, sei es mit subtilen Spitzen über ihre Herkunft oder offener Verachtung. Isabella ertrug es, weil sie Jonathan liebte. Sie dachte, ihre Liebe würde reichen.
Die Hochzeitsvorbereitungen wurden zum Albtraum. Agnes übernahm die Planung und machte Isabella zur Randfigur. Isabella durfte nur 20 Gäste einladen, während Agnes 500 der feinsten Gesellschaftsschichten einlud. Die Brautjungfern, das Menü, sogar das Brautkleid – alles wurde von Agnes bestimmt.
Doch Isabella hielt durch, denn sobald sie neben Jonathan stehen würde, sollte all das nichts mehr bedeuten. Am Morgen der Hochzeit war Isabella aufgeregt, aber nervös. Die Limousine mit ihr, ihrem Vater und den Brautjungfern sollte sie zur Westminster Abbey bringen. Doch 20 Minuten nach Beginn der Fahrt blickte Isabella aus dem regennassen Fenster und erkannte, dass sie nicht in Richtung Westminster unterwegs waren.
Die Straßen wurden immer leerer, die Gebäude immer heruntergekommener. „Wo sind wir?


