Ich stand vor der kleinen Höhle, in der Mausi ihre zwei Kitten versteckt hielt. Sie hatte sich tief in den Unterschlupf zurückgezogen, und ich wusste, dass ich die Kleinen wiegen musste, um zu sehen, ob sie gut zunehmen. Aber Mausi war frischgebackene Mama und beschützte ihren Nachwuchs mit aller Kraft. „Komm, Mausi, ich will nur kurz die Kitten wiegen“, sagte ich und versuchte, sie mit einer Decke und Leckerlis herauszulocken.

Sie ließ sich zwar streicheln, aber sobald ich näher an die Höhle kam, zog sie sich zurück. Ich konnte nur ein kleines weißes Schwänzchen sehen, das sich im Dunkeln bewegte. Ich überlegte, ob ich meine Hand in das Loch stecken sollte, aber das Risiko war mir zu groß. Katzenbisse sind gefährlich, und eine Mutter, die ihre Jungen beschützt, beißt schnell zu.
Ich hatte keinen Bock auf eine Verletzung, nur um die Kitten zu wiegen. Also versuchte ich es weiter mit Futter und Geduld. „Willst du was essen, Mausi? “, fragte ich und hielt ihr einen Napf mit Nassfutter hin.
Sie kam zögernd heraus, schnappte sich einen großen Brocken und verschwand damit wieder in der Höhle. Ich musste lachen. Sie hatte sich das Futter mitgenommen, als ob sie wusste, dass ich sie nur locken wollte. Dann, nach einiger Zeit, kam sie doch noch einmal heraus.
Ich nutzte die Gelegenheit und griff vorsichtig nach dem ersten Kitten. Es ließ sich ohne Probleme anfassen. Ich wog es: 93 Gramm. Ein kleiner Kater.
Ich konnte die beiden gut unterscheiden – das eine hatte ein dunkles Ohr, das andere war ganz weiß. „Du darfst gleich wieder zu deiner Mama“, sagte ich und setzte das Kitten zurück. Mausi holte es sich sofort und verschwand wieder in der Höhle. Das zweite Kitten war schwieriger.
Es krabbelte zwar in unsere Richtung, aber sobald ich es greifen wollte, zog es sich zurück. Es schien, als wollte es einfach nicht gewogen werden. Wir warteten, versuchten es erneut mit Futter und Leckerlis, aber das Kitten mit dem grauen Ohr blieb bei seiner Mutter. Mausi hatte offenbar beschlossen, dass es genug war.
Sie nahm ihr Junges und verschwand damit in der Höhle. „Na gut“, seufzte ich. „Dann müssen wir es später nochmal versuchen. “ Ich zeigte den Zuschauern noch die kleine Achterbahnfahrt, die das Kitten gemacht hatte, als es über den Boden krabbelte.
Es war zum Schreien süß, aber es wollte einfach nicht gewogen werden. Am Ende mussten wir aufgeben. Das Kitten mit dem grauen Ohr blieb ungewogen. Ich wechselte die Schuhe, holte einen neuen Akku für die Kamera und übergab an Michelle.
Wir wollten uns noch den neuen Hund Paul ansehen, aber das Kitten würde uns noch beschäftigen. Mausi hatte uns gezeigt, dass sie ihre Jungen beschützen würde, koste es, was es wolle. Und ich hatte gelernt, dass manche Dinge nicht mit Gewalt zu erreichen sind – manchmal braucht es einfach Geduld und ein bisschen Futter.


