TEIL 1 – DER WEG IN DIE MASCHINERIE DES TERRORS
Josef Riegler war erst vierundzwanzig Jahre alt, als er in Landsberg auf den Tod wartete. Hinter ihm lagen keine Jahrzehnte eines langen Lebens, sondern nur wenige Jahre, in denen aus einem jungen Mann aus Linz ein Funktionär des SS-Lagersystems geworden war. Er hatte Menschen geschlagen, Gefangene misshandelt, Hinrichtungen überwacht und war an der Jagd auf entflohene Häftlinge beteiligt gewesen. Nun war der Krieg vorbei. Der Mann, der einst hinter Zäunen und Uniformen Macht über andere besessen hatte, saß selbst als Gefangener hinter Gittern. Doch seine Geschichte begann nicht mit einem Mord und auch nicht mit einem Gefängnistor. Sie begann in Linz, in einer Zeit, in der ein ganzes Land innerhalb weniger Monate politisch und gesellschaftlich verändert wurde.

Wenn dich historische Geschichten interessieren, die zeigen, wie ein Mensch Schritt für Schritt Teil eines verbrecherischen Systems werden konnte, bleib bis zum Ende. Denn bei Josef Riegler geht es nicht um die Legende eines geborenen Monsters. Es geht um Entscheidungen, um Ideologie, um Gehorsam und um die Frage, wie weit ein junger Mensch gehen kann, wenn ein Staat Gewalt nicht nur erlaubt, sondern organisiert und belohnt. Seine Geschichte führt mitten hinein in die Geschichte des nationalsozialistischen Österreichs und schließlich in eines der berüchtigtsten Konzentrationslagers des Deutschen Reiches.
Am 12. März 1938 überschritten deutsche Truppen die österreichische Grenze. Es kam zu keinem bewaffneten Widerstand. Vielerorts wurden die Soldaten mit Blumen und Jubel empfangen. Adolf Hitler wurde bei seinen Besuchen in Linz und später in Wien von großen Menschenmengen gefeiert. Für die nationalsozialistische Propaganda war der Anschluss ein Triumph. Doch während die einen jubelten, wussten andere sofort, dass sich ihr Leben verändert hatte. Jüdische Familien, politische Gegner und Menschen, die den Nationalsozialismus ablehnten, versuchten verzweifelt, das Land zu verlassen, bevor die Grenzen für sie praktisch unpassierbar wurden.
Die neue Realität zeigte sich schon in den ersten Wochen. Österreichische Nationalsozialisten und andere Anhänger des Regimes gingen gegen jüdische Menschen vor. Menschen wurden geschlagen, öffentlich gedemütigt und zu erniedrigenden Arbeiten gezwungen. Sie mussten Straßen schrubben, Toiletten reinigen oder unter den Augen von Zuschauern Demütigungen über sich ergehen lassen. In Wien bildeten sich vor den Konsulaten lange Schlangen. Menschen hofften auf Visa und eine Möglichkeit zur Flucht. Für viele kam die Erkenntnis zu spät. Österreich wurde innerhalb kurzer Zeit tiefgreifend nazifiziert.
Josef Riegler stammte aus Linz. Er wurde am 5. Juli 1922 geboren. Sein Vater war Fabrikarbeiter, seine Mutter hieß Katharina. Er wuchs nicht in einem politischen Zentrum des Reiches auf, sondern in einer österreichischen Arbeiterfamilie. Nach den Angaben aus den vorliegenden Quellen war Riegler ein guter Schüler. Zunächst dachte er daran, Lehrer zu werden. Das Bild eines jungen Mannes, der später in einem Konzentrationslager Gefangene misshandeln würde, passt kaum zu diesem frühen Lebensabschnitt. Genau darin liegt jedoch eine der wichtigsten Fragen seiner Geschichte: Was geschah zwischen dem Jungen aus Linz und dem SS-Mann von Mauthausen?
Riegler war zehn Jahre alt, als Adolf Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannt wurde. Für einen Jungen seines Alters war Politik zunächst wahrscheinlich etwas, das Erwachsene betraf. Doch die nationalsozialistische Herrschaft drang immer stärker in den Alltag junger Menschen ein. Propaganda, Organisationen, Uniformen und die Vorstellung einer angeblich neuen nationalen Gemeinschaft prägten die Gesellschaft. Österreich blieb zunächst ein eigener Staat, doch deutsche Nationalsozialisten unterstützten österreichische Nazis bei einer Kampagne aus Propaganda und Terror.
Ab Mai 1933 verschärfte sich diese Entwicklung. Österreichische Nationalsozialisten arbeiteten auf eine Vereinigung mit Deutschland hin. Deutschland unterstützte ihre Aktivitäten. Der Druck wuchs. Die politische Landschaft wurde zunehmend von Gewalt und Einschüchterung geprägt. Als Hitler im März 1938 schließlich den Anschluss Österreichs durchsetzte, war Riegler fünfzehn Jahre alt. Er gehörte zu einer Generation, die während des Aufstiegs des Nationalsozialismus aufwuchs und deren Vorstellungen von Ordnung, Stärke und Gehorsam stark von dieser Ideologie geprägt werden konnten.
Nur einen Monat nach dem Anschluss trat der fünfzehnjährige Riegler der SS bei. Das war keine unbedeutende Entscheidung. Die SS war zu diesem Zeitpunkt längst zu einem zentralen Instrument der nationalsozialistischen Herrschaft geworden. Ihre verschiedenen Organisationen waren an Verfolgung, Terror und später an den Verbrechen der Konzentrationslager beteiligt. Besonders die SS-Totenkopfverbände übernahmen die Bewachung und Verwaltung der Lager. Riegler entschied sich damit für einen Weg, der ihn immer tiefer in die nationalsozialistische Gewaltordnung führen sollte.
Nach 1934 unterstanden die Konzentrationslager der SS. Sicherheitspolizei, Gestapo und Kriminalpolizei verfügten über weitreichende Befugnisse bei Verhaftungen und anderen staatlichen Maßnahmen. Doch innerhalb der Lager lag die unmittelbare Macht über die Gefangenen in den Händen der SS-Wachmannschaften und der Lagerführung. Wer hinter dem Stacheldraht lebte, war dem Personal ausgeliefert. Eine Beschwerde hatte kaum Bedeutung. Ein Befehl konnte über Leben und Tod entscheiden. Ein junger Mann wie Riegler konnte innerhalb dieses Systems sehr schnell lernen, dass Brutalität nicht bestraft, sondern oft als Stärke angesehen wurde.
Riegler erhielt seine militärische Ausbildung in Oranienburg. Dort wurde er auf seine Tätigkeit innerhalb der SS vorbereitet. Die Ausbildung bedeutete mehr als körperliche Vorbereitung. Sie machte ihn mit Hierarchie, Disziplin und bedingungslosem Gehorsam vertraut. In einer Organisation, die Menschen nach ideologischen Kriterien in wertvoll und wertlos einteilte, war Gehorsam eine zentrale Voraussetzung. Riegler entwickelte sich damit immer weiter von seinem ursprünglichen Gedanken, Lehrer zu werden, weg.
Dann begann der Krieg.
Am 1. September 1939 griff Deutschland Polen an. Riegler war siebzehn Jahre alt. Der Überfall markierte den Beginn des Zweiten Weltkriegs in Europa. Für einen jungen SS-Angehörigen bedeutete der Krieg eine weitere Radikalisierung der Welt, in der er lebte. Gewalt wurde alltäglich. Grenzen wurden überschritten. Millionen Menschen wurden in den kommenden Jahren Opfer von Besatzung, Verfolgung und Massenmord.
Im April 1940 nahm Riegler an der deutschen Besetzung Norwegens teil. Die Operation Weserübung diente unter anderem der Kontrolle wichtiger Seewege und der Sicherung strategischer Rohstoffzufuhr. Für Riegler war dies eine weitere Station seines militärischen Weges. Der junge Mann aus Linz bewegte sich inzwischen in einem Europa, das von deutscher Expansion und Krieg geprägt war.
Ein Jahr später folgte der Angriff auf die Sowjetunion. Im Juni 1941 begann der deutsche Feldzug im Osten. Riegler wurde dort eingesetzt. Die Bedingungen waren hart. Schließlich erlitt er Erfrierungen an beiden Füßen und musste zur Behandlung zurückgeschickt werden. Was für ihn persönlich eine schwere Verletzung war, sollte gleichzeitig den Weg für seinen nächsten Einsatz öffnen.
Im Februar 1942 wurde Riegler nach Mauthausen versetzt.
Mauthausen war wenige Jahre zuvor entstanden. Am 8. August 1938 hatte die SS dort die ersten Gefangenen aus Dachau eintreffen lassen. Das Lager war nach dem Anschluss Österreichs errichtet worden. Der Standort war strategisch gewählt worden, unter anderem wegen des nahegelegenen Granitsteinbruchs und der Nähe zu Linz. Von Anfang an war die Arbeitskraft der Gefangenen ein zentraler Bestandteil des Systems.
Die ersten Häftlinge waren überwiegend Männer aus Deutschland und Österreich. Sie mussten das Lager selbst errichten und gleichzeitig im Steinbruch arbeiten. Sie bauten die Infrastruktur eines Ortes, an dem sie später selbst gefangen gehalten werden sollten. Steinblöcke wurden unter extremen Bedingungen bewegt. Arbeit, Hunger, Gewalt und Krankheiten machten das Überleben zu einem täglichen Kampf.
Im Dezember 1939 ordnete die SS den Bau eines weiteren Lagers in Gusen an. Es lag nur wenige Kilometer von Mauthausen entfernt und nahm im Mai 1940 den Betrieb auf. Mit dem Fortschreiten des Krieges entstand rund um Mauthausen ein immer größeres Netz von Außenlagern. Gefangene wurden dorthin gebracht, wo Arbeitskräfte gebraucht wurden. Die Lager waren damit nicht isolierte Einrichtungen, sondern Teil eines umfassenden Systems aus Zwangsarbeit, Terror und Vernichtung.
Die Kommandanten der Außenlager unterstanden der Führung des Mauthausener Lagerkommandanten Franz Ziereis. Gefangene wurden aus dem Hauptlager in die Außenlager transportiert. Dort mussten sie unter Bedingungen arbeiten, die für viele tödlich waren. Hunger, Krankheiten, Misshandlungen und Erschöpfung forderten unzählige Opfer. Die Grenzen zwischen Zwangsarbeit und bewusster Vernichtung waren fließend.
Die Lebensbedingungen waren so brutal, dass fast die Hälfte der Häftlinge von Mauthausen und seinen Nebenlagern durch Mord, Misshandlung, Hunger und Krankheit ums Leben kam. Das Lager war kein Ort, an dem Menschen einfach eingesperrt wurden. Es war ein System, das ihre körperliche und psychische Widerstandskraft systematisch zerstörte.
Im Jahr 1941 begann die SS in Mauthausen mit dem Bau einer Gaskammer und weiterer Einrichtungen für den systematischen Mord an größeren Gruppen. Die Methoden des Tötens waren unterschiedlich. Einige Gefangene wurden vergast. Andere starben durch Zwangsarbeit. Menschen wurden erschossen. Es gab tödliche Misshandlungen und andere Formen der Gewalt. Die Vernichtung konnte organisiert, bürokratisch und gleichzeitig erschreckend persönlich sein.
Franz Ziereis, der Lagerkommandant, schilderte später nach seiner Gefangennahme verschiedene Methoden, mit denen Häftlinge getötet wurden. Dazu gehörten Vergasungen, Tod durch harte Arbeit und Erschießungen. Gefangene konnten gezwungen werden, bei extremer Kälte nackt im Freien zu stehen. Andere mussten schwere Steine tragen, bis sie zusammenbrachen. Starben sie anschließend, konnte ihr Tod als angeblicher Fluchtversuch dokumentiert werden.
In dieser Umgebung wurde Josef Riegler zum Blockführer.
Damit erhielt er unmittelbare Macht über Gefangene. Er war nicht länger nur ein junger Mann in einer großen Organisation. Er war nun Teil des täglichen Lagerbetriebs. Seine Aufgabe brachte ihn in direkten Kontakt mit Menschen, die der SS vollständig ausgeliefert waren.
Schon bald beschreiben Zeugenaussagen ihn als besonders brutal. Riegler soll Gefangene häufig geschlagen und misshandelt haben, teilweise ohne erkennbaren Anlass. Für einen Menschen hinter dem Stacheldraht konnte eine Begegnung mit einem solchen Wachmann jederzeit lebensgefährlich werden. Es gab keine normale Rechtsordnung, die ihn geschützt hätte. Der Mann in Uniform hatte die Macht, der Häftling hatte keine.
Besonders erschütternd ist der Bericht über einen Transport mit etwa dreihundert Gefangenen. Die Menschen waren gezwungen worden, die gesamte Nacht nackt auf dem Lagergelände zu verbringen. Sie waren bereits erschöpft und geschwächt. Als der Morgen kam, befanden sie sich in einem Zustand äußerster körperlicher Not. Nach den vorliegenden Berichten ging Riegler anschließend brutal gegen die Überlebenden vor.
Die Gewalt war damit nicht bloß eine Begleiterscheinung des Systems. Für bestimmte SS-Männer wurde sie zu einem Teil des alltäglichen Umgangs mit Gefangenen. Riegler gehörte nach den Zeugenaussagen zu denen, die diese Grenze immer wieder überschritten.
Ein anderer Bericht betrifft einen spanischen Häftling. Riegler soll einen Knüppel genommen und den Gefangenen erschlagen haben, während dieser an eine Wand gefesselt war. Der Mann konnte sich nicht verteidigen. Es gab keinen Kampf zwischen zwei gleich starken Gegnern. Es war die Ausübung absoluter Macht über einen wehrlosen Menschen.
Die Anwesenheit vieler Spanier in Mauthausen hatte einen historischen Hintergrund. Nach dem Ende des Spanischen Bürgerkriegs 1939 waren zahlreiche Republikaner nach Frankreich geflohen. Viele von ihnen hatten gegen die Truppen Francos gekämpft. Nach dem deutschen Sieg über Frankreich gerieten zahlreiche spanische Flüchtlinge in die Hände der Besatzungsmacht beziehungsweise kollaborierender Behörden. Viele wurden schließlich in deutsche Konzentrationslager deportiert.
Mauthausen wurde für diese Menschen zu einem weiteren Ort des Exils, diesmal unter Bedingungen, die auf Zwangsarbeit und Vernichtung hinausliefen. Männer, die bereits einen Bürgerkrieg, Flucht und Internierung erlebt hatten, fanden sich hinter dem Stacheldraht wieder.
Riegler stieg innerhalb der Lagerhierarchie weiter auf. Mitte November 1942 war er an der Hinrichtung von sechsundzwanzig jugoslawischen Gefangenen beteiligt. Zu diesem Zeitpunkt war er SS-Unterscharführer. Außerdem hatte er eine Funktion als Rapportführer und beaufsichtigte Blockführer. Seine Rolle war damit unmittelbar mit der Organisation des Lageralltags und mit Hinrichtungen verbunden.
Zwischen 1943 und 1945 soll Riegler zehn bis fünfzehn Hinrichtungen durch Erhängen beaufsichtigt haben. Das bedeutet, dass sein Name nicht nur mit spontaner Gewalt gegen einzelne Gefangene verbunden war. Er war auch an geplanten Tötungen beteiligt. Er stand damit mitten in einer bürokratisch organisierten Maschinerie, in der Hinrichtungen vorbereitet, durchgeführt und dokumentiert wurden.
Für die Opfer waren diese Vorgänge das Ende ihres Lebens. Für die Täter wurden sie als Dienstaufgabe behandelt. Gerade diese Normalisierung des Mordens macht die Geschichte des Lagers so erschütternd. Menschen konnten am Morgen zur Arbeit erscheinen, Befehle ausführen und später wieder in ihre Unterkünfte zurückkehren, während hinter den Mauern Menschen starben.
Riegler soll nach den Berichten eine besondere Gleichgültigkeit gegenüber dem Leiden der Gefangenen gezeigt haben. Wenn er nach Einsätzen zurückkehrte, soll er teilweise betrunken gewesen sein und mit den begangenen Morden geprahlt haben. Ob jedes Detail späterer Zeugenaussagen unabhängig bestätigt werden kann, muss die historische Forschung im Einzelfall prüfen. Die überlieferten Aussagen zeichnen jedoch ein eindeutiges Bild seiner Beteiligung an der Gewalt.
Dann kam das Jahr 1945.
Der Krieg näherte sich seinem Ende.
Doch im Lager bedeutete das nicht automatisch Hoffnung.
Im Gegenteil.
Als sich die Fronten verschoben, wurden Gefangene aus anderen Lagern evakuiert. Mauthausen und seine Außenlager mussten immer mehr Menschen aufnehmen. Die Lager waren überfüllt. Nahrung wurde noch knapper. Krankheiten breiteten sich aus. Zehntausende Menschen kamen in den letzten Monaten des Krieges in einem Zustand an, der kaum noch als Leben bezeichnet werden konnte.
Und in dieser Atmosphäre geschah in der Nacht zum 2. Februar 1945 etwas, das später als eine der dramatischsten Fluchtaktionen aus Mauthausen bekannt wurde.
Etwa fünfhundert Häftlinge, überwiegend sowjetische Offiziere, entschieden sich für einen verzweifelten Ausbruch.
Sie wussten, dass die Chancen minimal waren.
Aber sie hatten nur zwei Möglichkeiten.
Bleiben.
Oder laufen.
Sie entschieden sich zu laufen.
FORTSETZUNG FOLGT …
TEIL 2 – DIE JAGD, DER PROZESS UND DAS ENDE
In dieser Nacht griffen die Gefangenen mehrere Wachtürme an. Es gelang ihnen, einen Turm zu besetzen. Um den elektrisch geladenen Stacheldraht zu überwinden, verwendeten sie nasse Decken. Damit versuchten sie, die elektrische Wirkung des Zauns zu unterbrechen und sich einen Weg nach draußen zu schaffen. Für Männer, die bereits durch Hunger, Krankheit und Zwangsarbeit geschwächt waren, war jeder Schritt hinter dem Zaun ein Kampf gegen die eigene Erschöpfung.
Viele schafften es nicht weit. Einige brachen zusammen, bevor sie die Wälder erreichten. Andere wurden noch in derselben Nacht von SS-Männern erschossen. Diejenigen, die weiterkamen, wussten nicht, wohin sie laufen sollten. Hinter ihnen lag das Lager. Vor ihnen eine verschneite Landschaft, Dunkelheit und die Aussicht auf eine Verfolgung, die bereits organisiert wurde.
Die SS reagierte sofort. Eine großangelegte Suchaktion begann. Angehörige der SS aus dem Lager, Gendarmerie, militärische Einheiten, die SA und Gruppen der Hitlerjugend wurden eingesetzt. Auch Teile der Zivilbevölkerung beteiligten sich an der Suche. Der Befehl war nicht darauf gerichtet, die Gefangenen wieder sicher in das Lager zurückzubringen. Die Flüchtigen sollten nicht lebend zurückkehren.
Damit begann eine Menschenjagd, die von der SS zynisch als „Mühlviertler Hasenjagd“ bezeichnet wurde. Der Name bezog sich auf die Region Mühlviertel, in der die Flucht und die Verfolgung stattfanden. Hinter dem Begriff verbarg sich eine Realität, in der Menschen wie gehetzte Tiere behandelt wurden.
Die Suche dauerte ungefähr drei Wochen. Patrouillen durchkämmten Wälder und Felder. Straßen wurden kontrolliert. Bauernhöfe und Gebäude konnten durchsucht werden. Für die Flüchtigen bedeutete jeder Schatten Gefahr. Sie mussten sich verstecken, obwohl viele von ihnen kaum noch Kraft hatten. Manche waren verletzt. Andere hatten keine angemessene Kleidung. Die Temperaturen waren niedrig.
Riegler war an dieser Jagd beteiligt.
Seine Rolle war damit nicht beendet, als ein Gefangener den Zaun überwunden hatte. Die Gewalt ging draußen weiter. Nach den vorliegenden Aussagen war Riegler an der Verfolgung und an der Tötung gefasster Gefangener beteiligt. Für die Männer, die in den Wäldern um ihr Leben liefen, war der Krieg noch nicht vorbei. Sie mussten vor Menschen fliehen, die sie nicht zurück ins Lager bringen, sondern töten wollten.
Die meisten der Flüchtigen wurden gefangen. Nur wenige überlebten. Abgesehen von einigen Offizieren wurden fast alle wieder aufgegriffen und viele von ihnen unmittelbar getötet. Die Aktion zeigte, wie weit der Einfluss des Lager- und Polizeisystems reichte. Es genügte nicht, hinter den Stacheldraht zu fliehen. Die Umgebung selbst konnte zu einem Teil des Gefängnisses werden.
Besonders bedrückend ist die Beteiligung von Zivilisten. Nach den in der Vorlage genannten Dokumenten und Zeugenaussagen wurden die beteiligten Menschen nicht einfach kollektiv dazu gezwungen. Einige beteiligten sich freiwillig. Das macht die Geschichte noch schwerer. Denn Terror kann von oben angeordnet werden, aber ein System gewinnt zusätzliche Macht, wenn Menschen außerhalb seiner unmittelbaren Organisation bereit sind, daran mitzuwirken.
Für Riegler war diese Zeit offenbar eine weitere Phase, in der Gewalt zum Alltag gehörte. Berichten zufolge kehrte er nach Einsätzen teilweise betrunken zurück und erzählte von den Menschen, die getötet worden waren. Er hatte sich damit immer weiter von dem jungen Mann entfernt, der einst in Linz gute schulische Leistungen gezeigt und möglicherweise Lehrer werden wollte.
Doch der Zusammenbruch des Deutschen Reiches rückte näher.
Die Front kam nach Österreich.
Die SS verlor die Kontrolle.
In den Lagern verschlechterten sich die Bedingungen weiter. Gefangene wurden aus Lagern in Frontnähe nach Mauthausen und in seine Außenlager gebracht. Große Transporte trafen ein. Die Zahl der Menschen stieg, während Nahrung und medizinische Versorgung immer knapper wurden.
Viele Häftlinge waren bereits krank, als sie ankamen. Andere starben nach kurzer Zeit. Epidemien breiteten sich aus. In den letzten Monaten von Mauthausen entstand eine Situation, in der Menschen nicht nur durch gezielte Morde starben, sondern auch durch Hunger, Krankheiten und völlige Erschöpfung. Das System hatte Menschen so weit zerstört, dass selbst die bevorstehende Befreiung für manche zu spät kam.
Am 5. Mai 1945 erreichten amerikanische Truppen Mauthausen und Gusen. Die meisten Wachleute waren bereits geflohen. Nur ein Teil war geblieben. Für die Gefangenen bedeutete das Ende der Bewachung einen Moment, auf den sie jahrelang gewartet hatten.
Doch Befreiung bedeutete nicht, dass sofort alles wieder normal wurde.
Viele Häftlinge waren zu schwach, um ihre Freiheit zu genießen. Einige starben in den Tagen und Wochen nach der Befreiung. Ihr Körper hatte die Jahre im Lager überlebt, aber die Folgen von Hunger, Krankheit und Misshandlung waren zu schwer. Andere mussten erst lernen, wieder selbst über ihr eigenes Leben zu bestimmen.
In der chaotischen Situation nach dem Zusammenbruch des Lagers kam es auch zu Racheakten. Gefangene griffen Menschen an, die sie mit den Verbrechen des Lagers in Verbindung brachten. Einige verbliebene SS-Männer wurden getötet. Auch Personen, die in den letzten Monaten als Kapos oder in anderen Funktionen mit der Lagerorganisation verbunden gewesen waren, wurden Opfer der Gewalt.
Das Ende des Krieges bedeutete damit keinen sauberen Übergang von Gewalt zu Frieden. Zu viel Blut war vergossen worden. Zu viele Menschen waren ermordet worden. Zu viele Überlebende waren von jahrelanger Gewalt geprägt.
Die Dimension von Mauthausen lässt sich kaum begreifen.
Zwischen August 1938 und Mai 1945 durchliefen schätzungsweise 197.000 Gefangene das Konzentrationslager Mauthausen und seine Außenlager.
Mindestens 95.000 von ihnen starben.
Mehr als 14.000 der Toten waren jüdische Gefangene.
Hinter diesen Zahlen standen einzelne Menschen. Väter. Söhne. Brüder. Ehemänner. Freunde. Männer mit Berufen, Familien und Zukunftsplänen. Manche hatten politische Überzeugungen. Andere waren aufgrund ihrer Herkunft verfolgt worden. Wieder andere waren Kriegsgefangene oder Menschen, die aus politischen Gründen als Feinde des Regimes betrachtet wurden.
Die Zahlen sind notwendig, um die Dimension zu verstehen.
Aber Zahlen allein können die Opfer auch unsichtbar machen.
197.000 ist eine Statistik.
197.000 einzelne Leben sind eine Katastrophe.
Und unter diesen Leben befanden sich die Menschen, die Josef Riegler als Gefangene sah.
Nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes konnte Riegler nicht mehr auf die Macht der SS zählen. Er versuchte, in der allgemeinen Unordnung unterzutauchen. Doch seine Vergangenheit holte ihn ein.
Am 13. Mai 1945 wurde er von Angehörigen der US-Armee im österreichischen Vöcklabruck festgenommen. Nur wenige Tage nach der Befreiung von Mauthausen war damit auch für ihn die Flucht beendet.
Riegler wurde nach Dachau gebracht. Dort begann eine neue Phase seines Lebens, die mit der Zeit im Lager nichts mehr gemeinsam hatte. Er war nicht länger derjenige, der Befehle gab. Er war nun der Angeklagte.
Der erste Prozess gegen das Personal von Mauthausen und Gusen begann am 29. März 1946 vor einem amerikanischen Militärgericht. Männer, die jahrelang innerhalb des Lagersystems Macht besessen hatten, mussten nun zu ihren Handlungen Stellung nehmen.
Riegler war zu diesem Zeitpunkt dreiundzwanzig Jahre alt.
Er hatte den Krieg überlebt.
Aber seine Opfer hatten diese Möglichkeit nicht gehabt.
Im Prozess wurden Zeugenaussagen und Dokumente vorgelegt. Es ging um die Funktionsweise der Lager, um Morde, Misshandlungen, Hinrichtungen und die Verantwortung einzelner Angehöriger des Personals.
Riegler selbst machte Angaben zu seiner Tätigkeit. Nach den vorliegenden Informationen räumte er ein, bei etwa achtzig bis hundert Gelegenheiten die Hinrichtung von Gefangenen vorbereitet zu haben. Außerdem bestätigte er seine Beteiligung an der Hinrichtung von sechsundzwanzig Jugoslawen.
Auch seine Beteiligung an der Verfolgung sowjetischer Gefangener nach dem Ausbruch wurde Teil seiner Aussage. Er gab an, Befehlen gefolgt zu sein, nach denen die gefassten Flüchtlinge getötet werden sollten.
Diese Aussagen waren entscheidend.
Denn sie zeigten, dass Riegler nicht nur zufällig in Mauthausen gewesen war. Er war Teil der Organisation. Er hatte Funktionen ausgeübt. Er hatte Befehle ausgeführt. Er hatte Hinrichtungen vorbereitet und überwacht.
Spätestens jetzt war seine Vergangenheit nicht mehr hinter einer Uniform verborgen.
Am 13. Mai 1946 wurde das Urteil verkündet.
Josef Riegler wurde zum Tod durch den Strang verurteilt.
Er war dreiundzwanzig Jahre alt.
Seine Eltern, Josef und Katharina Riegler, wollten den Tod ihres Sohnes verhindern. Sie stellten ein Gnadengesuch. Für sie war er weiterhin ihr Sohn. Vielleicht erinnerten sie sich an den Jungen aus Linz, an seine Schulzeit, an seine Pläne und an den Menschen, den sie glaubten, großgezogen zu haben.
Doch ein Gnadengesuch konnte die Vergangenheit nicht auslöschen.
Es konnte die Gefangenen von Mauthausen nicht zurückbringen.
Es konnte den spanischen Gefangenen nicht zurückbringen, den Riegler laut Zeugenaussagen erschlagen hatte.
Es konnte die sechsundzwanzig Jugoslawen nicht zurückbringen.
Es konnte die Männer nicht zurückbringen, die während der Mühlviertler Hasenjagd getötet worden waren.
Und es konnte die Zehntausenden nicht zurückbringen, die in Mauthausen und seinen Außenlagern starben.
Das Gesuch wurde abgelehnt.
Riegler blieb im Kriegsverbrechergefängnis von Landsberg.
Dort wartete er auf die Vollstreckung des Urteils. Ein junger Mann, der mit fünfzehn Jahren der SS beigetreten war, wartete nun mit vierundzwanzig Jahren auf seinen Tod.
Was in seinen letzten Monaten wirklich in ihm vorging, lässt sich nicht vollständig rekonstruieren. Historische Quellen können Handlungen und Aussagen dokumentieren, aber sie können nicht jeden Gedanken eines Menschen erfassen. Entscheidend ist daher nicht, eine dramatische letzte Reue zu erfinden, die sich nicht belegen lässt. Entscheidend ist, was dokumentiert ist: seine Beteiligung am Lagersystem, seine Aussagen im Prozess und die Verurteilung wegen seiner Verantwortung für Verbrechen.
Am 27. Mai 1947 wurde das Todesurteil im Kriegsverbrechergefängnis Landsberg vollstreckt.
Josef Riegler war vierundzwanzig Jahre alt.
Damit endete das Leben eines Mannes, dessen Weg in Linz begonnen hatte und über die SS, den Krieg und Mauthausen bis zum Galgen geführt hatte.
Seine Geschichte ist erschreckend, weil sie zeigt, wie kurz der Zeitraum zwischen Jugend und Verbrechen sein kann. Riegler war kein alter Funktionär, als er in Mauthausen diente. Er war ein junger Mann. Gerade deshalb ist die Geschichte eine Warnung vor der Vorstellung, dass nur bestimmte „Arten“ von Menschen zu Tätern werden können.
Er war fünfzehn, als er der SS beitrat.
Siebzehn, als Deutschland Polen überfiel.
Neunzehn, als er nach Mauthausen kam.
Noch keine vierundzwanzig, als er vor Gericht stand.
Sein Alter erklärt seine Taten nicht und entschuldigt sie nicht. Es macht vielmehr sichtbar, wie schnell eine Ideologie junge Menschen in ein System hineinziehen kann, in dem Gewalt als Pflicht dargestellt wird.
Doch ebenso wichtig ist die andere Seite dieser Geschichte.
Nicht jeder junge Österreicher wurde zum SS-Täter.
Nicht jeder, der unter dem Nationalsozialismus aufwuchs, entschied sich für diese Organisation.
Nicht jeder folgte jedem Befehl.
Deshalb bleibt die Frage der persönlichen Verantwortung zentral.
Riegler hatte Entscheidungen getroffen.
Er trat der SS bei.
Er ließ sich ausbilden.
Er diente in den Totenkopfverbänden.
Er arbeitete im Konzentrationslager.
Er beteiligte sich an Hinrichtungen.
Er war an der Verfolgung von Flüchtigen beteiligt.
Und schließlich musste er sich dafür vor einem Gericht verantworten.
Der Nationalsozialismus war ein verbrecherisches System. Aber ein verbrecherisches System besteht aus Institutionen und aus Menschen, die diese Institutionen ausführen. Ohne Täter, Helfer und Mitläufer können Befehle nicht in konkrete Gewalt umgesetzt werden.
Mauthausen ist deshalb nicht nur ein Ort, an dem Geschichte stattgefunden hat.
Es ist ein Ort, an dem sich die Folgen dieser Entscheidungen bis heute nachvollziehen lassen.
Der Steinbruch.
Die Stufen.
Die Baracken.
Die Mauern.
Die Orte der Hinrichtungen.
Sie erinnern daran, dass hinter der abstrakten Bezeichnung „Konzentrationslager“ Menschen standen, die jeden einzelnen Tag Angst hatten.
Menschen, die hungerten.
Menschen, die geschlagen wurden.
Menschen, die Angehörige verloren.
Menschen, die wussten, dass ein einziger Befehl ihren Tod bedeuten konnte.
Die Geschichte von Josef Riegler darf deshalb nicht zu einer Geschichte über einen Täter werden, in der die Opfer nur Hintergrund sind.
Sein Name ist Teil der Dokumentation der Verbrechen.
Aber die Opfer stehen im Mittelpunkt des Gedenkens.
Mindestens 95.000 Menschen starben in Mauthausen und seinen Außenlagern.
Mehr als 14.000 davon waren jüdische Gefangene.
Ihre Leben endeten nicht als Zahlen.
Sie hatten Namen.
Sie hatten Familien.
Sie hatten Hoffnungen.
Und viele hatten keine Möglichkeit mehr, selbst davon zu erzählen.
Heute können wir ihre Geschichte nur deshalb kennen, weil Überlebende ausgesagt, Dokumente überlebt und Historiker die Spuren zusammengetragen haben.
Auch deshalb ist Erinnerung keine Nebensache.
Sie ist eine Verantwortung.
Die Geschichte von Riegler zeigt außerdem, dass Verbrechen nicht plötzlich aus dem Nichts entstehen. Sie beginnen oft mit Sprache. Mit Propaganda. Mit der Behauptung, bestimmte Menschen seien weniger wert. Mit der Vorstellung, dass Gewalt notwendig sei. Mit dem Wegsehen, wenn ein Nachbar gedemütigt wird. Mit dem Gedanken, dass ein Befehl wichtiger sei als das Gewissen.
In Österreich begann der Anschluss 1938 nicht mit einem großen Schlachtfeld.
Deutsche Truppen überschritten die Grenze.
Menschen jubelten.
Andere flohen.
Juden wurden öffentlich gedemütigt.
Der Terror breitete sich aus.
Wenige Monate später wurde Mauthausen eröffnet.
Diese Entwicklung zeigt, wie schnell politische Radikalisierung in staatlich organisierte Gewalt übergehen kann.
Und sie zeigt, warum Erinnerung nicht erst beim Höhepunkt der Verbrechen beginnen darf.
Sie muss bei den ersten Schritten beginnen.
Bei der Propaganda.
Bei der Ausgrenzung.
Bei der Entmenschlichung.
Bei der Bereitschaft, einem anderen Menschen Rechte abzusprechen.
Denn wenn ein System Menschen zuerst als Feinde bezeichnet, kann der nächste Schritt die Gewalt sein.
Der übernächste die Gefangenschaft.
Und danach der Mord.
Josef Riegler wurde am Ende nicht als Held erinnert.
Er erhielt keinen Platz in der Geschichte, den er sich gewünscht hätte.
Er blieb als Teil des Mauthausener SS-Personals dokumentiert.
Seine Eltern baten um Gnade.
Das Gericht gewährte sie nicht.
Am 27. Mai 1947 endete sein Leben in Landsberg.
Vierundzwanzig Jahre alt.
Aber das Ende seiner Geschichte ist nicht der wichtigste Teil.
Der wichtigste Teil sind die Menschen, die nicht zurückkamen.
Die Gefangenen, die im Steinbruch starben.
Die Menschen, die erschossen wurden.
Die Opfer der Hinrichtungen.
Die Männer, die in den letzten Kriegsmonaten an Hunger und Krankheit starben.
Die sowjetischen Offiziere, die aus Mauthausen flohen und während der Mühlviertler Hasenjagd gejagt wurden.
Die jüdischen Gefangenen.
Die spanischen Republikaner.
Die Jugoslawen.
Die Polen.
Die Deutschen und Österreicher.
Menschen aus zahlreichen Ländern, die im System von Mauthausen gefangen waren.
Wenn man ihre Geschichte erzählt, geht es nicht darum, den Schrecken möglichst sensationell darzustellen.
Es geht darum, die Mechanismen zu verstehen.
Denn Erinnerung ist nicht nur Rückblick.
Sie ist eine Warnung.
Eine Warnung davor, was passiert, wenn ein Staat seine Macht benutzt, um Menschen systematisch auszugrenzen.
Eine Warnung davor, was passiert, wenn Gehorsam über Menschlichkeit gestellt wird.
Eine Warnung davor, was passiert, wenn Gewalt zur Routine wird.
Und eine Warnung davor, dass junge Menschen nicht automatisch vor Radikalisierung geschützt sind.
Josef Riegler war fünfzehn, als er seine Entscheidung traf.
Neunzehn, als er nach Mauthausen kam.
Vierundzwanzig, als er starb.
Zwischen diesen Zahlen liegt eine Geschichte von Krieg, Ideologie, Macht und Verbrechen.
Aber auch eine Geschichte über Verantwortung.
Er hatte eine Vergangenheit.
Er hatte Entscheidungen.
Und schließlich hatte er ein Urteil.
Heute erinnert Mauthausen nicht an die Macht der SS.
Es erinnert an die Menschen, denen diese Macht genommen hatte, was jedem Menschen zustehen sollte: Freiheit, Würde und das Recht zu leben.
Wenn dich diese Geschichte zum Nachdenken gebracht hat, kannst du in den Kommentaren „Wir erinnern uns“ schreiben. Nicht als einfache Floskel, sondern als Zeichen dafür, dass die Namen und Schicksale der Opfer nicht in den Statistiken verschwinden sollen.
Wenn du historische Geschichten wie diese verfolgen möchtest, unterstütze den Kanal und begleite uns bei weiteren Recherchen über die dunkelsten Kapitel des 20. Jahrhunderts. Dabei sollte es niemals darum gehen, Täter zu verherrlichen. Es geht darum, zu verstehen, was geschehen ist, wer darunter litt und welche Entscheidungen ein solches System möglich machten.
Josef Riegler begann sein Leben als Sohn einer Arbeiterfamilie in Linz.
Er hätte Lehrer werden können.
Er entschied sich für die SS.
Er wurde Teil von Mauthausen.
Er beteiligte sich an Gewalt und Hinrichtungen.
Er wurde nach dem Krieg gefasst.
Er wurde vor Gericht gestellt.
Und schließlich wurde er hingerichtet.
Aber die eigentliche Lehre dieser Geschichte liegt nicht im Fall eines einzelnen Mannes.
Sie liegt in den vielen Menschen, deren Leben durch das System ausgelöscht wurden.
Und in der Erkenntnis, dass kein Mensch, kein Staat und keine Ideologie das Recht haben darf, anderen Menschen ihre Würde abzusprechen.
Mauthausen steht heute als Erinnerung daran.
Nicht an Josef Riegler.
Sondern an diejenigen, die dort leiden und sterben mussten.
An diejenigen, die überlebten.
Und an die Pflicht der Nachgeborenen, nicht zu vergessen.
ENDE


