Maria Mandel – Die schöne Bestie von Auschwitz, die über Leben und Tod entschied und am Ende selbst vor dem Galgen stand

Maria Mandel – Die schöne Bestie von Auschwitz, die über Leben und Tod entschied und am Ende selbst vor dem Galgen stand

Am 6. Juni 1944 begann am Strand der Normandie das Ende eines Reiches, das sich für unbesiegbar gehalten hatte. Tausende Schiffe lagen vor der französischen Küste. Junge Männer sprangen aus Landungsbooten in kaltes Wasser, während Maschinengewehre über den Sand peitschten und der Himmel vom Donner der Flugzeuge zerrissen wurde. Es war D-Day, die größte Landungsoperation der Geschichte, und von diesem Morgen an wusste jeder, der noch klar sehen konnte: Hitlers Europa begann zu zerbrechen.

Die Hinrichtung der grausamsten NS-Aufseherin in KZ Auschwitz und Ravensbrück - Maria Mandl

Doch während im Westen die Alliierten vorrückten, brannte im Osten noch immer eine andere Hölle. Eine Hölle ohne Frontlinien, ohne Schlachtfeld, ohne Soldatenehre. Dort starben keine Menschen im Kampf. Dort wurden sie nummeriert, entkleidet, gedemütigt, ausgehungert, erschlagen, vergast, verbrannt.

Im Juli 1944 erreichte die Rote Armee Majdanek. Es war eines der ersten großen Konzentrations- und Vernichtungslager auf polnischem Boden, das nahezu unversehrt in die Hände der Befreier fiel. Was die Soldaten dort fanden, ließ selbst kriegserfahrene Männer verstummen: Baracken voller Überlebender, die kaum noch wie Menschen wirkten; Lagerhäuser mit geraubter Kleidung, Schuhen, Haaren; Gaskammern; Krematorien; Asche.

Die Überlebenden waren nur ein kleiner Rest. Viele waren so schwach, dass sie nicht einmal weinen konnten. Ihre Gesichter waren eingefallen, die Haut spannte sich über Knochen, ihre Augen wirkten zu groß für ihre Schädel. Sie hatten Monate oder Jahre der Zwangsarbeit, Folter, Krankheit und Angst überstanden. Aber sie hatten nicht wirklich überlebt. Nicht ganz.

Und hinter diesen Orten standen nicht nur Männer.

Auch Frauen hatten Türen geöffnet, Befehle gebrüllt, Peitschen geschwungen, Selektionen begleitet und andere Frauen in den Tod geschickt.

Eine von ihnen hieß Maria Mandel.

Sie wurde am 10. Januar 1912 in Münzkirchen geboren, einem kleinen Ort in Oberösterreich, damals noch Teil der Habsburgermonarchie. Ihr Vater war Schuhmacher. Maria wuchs nicht in einer Villa auf, nicht in militärischer Umgebung, nicht in einer Familie großer politischer Macht. Sie war ein Mädchen aus einfachen Verhältnissen, besuchte die Volksschule und arbeitete später als Sekretärin bei der österreichischen Post.

Eine gewöhnliche junge Frau.

Genau das macht ihre Geschichte so erschreckend.

Denn Maria Mandel wurde nicht als Dämon geboren. Sie wurde zu einer Täterin, Schritt für Schritt, Entscheidung für Entscheidung, bis aus einer Postangestellten eine der gefürchtetsten Aufseherinnen im nationalsozialistischen Lagersystem wurde.

Im März 1938 marschierten deutsche Truppen in Österreich ein. Der Anschluss wurde von vielen Österreichern bejubelt, besonders von jenen, die sich längst als Teil des nationalsozialistischen Deutschlands sahen. Auf den Straßen standen Menschenmassen, Fahnen wehten, Hitler wurde in seiner alten Heimat empfangen wie ein Erlöser. Viele wollten nicht sehen, was mit ihm kam. Andere sahen es sehr wohl und begrüßten es.

Maria Mandel gehörte zu denen, die sich dem neuen System nicht widersetzten.

Im September 1938 zog sie nach München. Nur einen Monat später bekam sie eine Stelle als Aufseherin im Konzentrationslager Lichtenburg.

Lichtenburg war eines der frühen Lager des NS-Regimes, eingerichtet in einem alten Renaissanceschloss. Zwischen dicken Mauern, in einem Gebäude, das einst Macht und Ordnung repräsentiert hatte, entstand ein Ort der Erniedrigung. Ab 1937 wurden dort vor allem weibliche Gefangene festgehalten: politische Gegnerinnen, sogenannte „Asoziale“, Jüdinnen, Zeuginnen Jehovas, Frauen, die nicht in das Bild des Regimes passten.

Dort begann Mandel zu lernen, wie man Menschen bricht.

Zeuginnen berichteten später, dass sie Gefangene entkleiden ließ, sie an Pfähle band und auspeitschte. Nicht als plötzlicher Ausraster. Nicht als Ausnahme. Sondern als Teil einer Ordnung, in der Grausamkeit als Disziplin galt und Mitleid als Schwäche.

Am 15. Mai 1939 wurde Mandel nach Ravensbrück versetzt.

Ravensbrück war das größte Frauenkonzentrationslager des Deutschen Reiches. Es lag nördlich von Berlin, in einer Landschaft aus Wald und Wasser, fast idyllisch, wenn man nicht wusste, was hinter den Zäunen geschah. Ab Mai 1939 wurden dort Frauen aus ganz Europa eingesperrt: Polinnen, Russinnen, Jüdinnen, Sinti und Roma, Französinnen, Deutsche, Tschechinnen, politische Gefangene, Widerstandskämpferinnen, Mütter, Töchter, Studentinnen, Arbeiterinnen.

Etwa 132.000 Frauen und Kinder wurden nach Ravensbrück verschleppt. Mehr als 90.000 überlebten nicht.

Das Lager war nicht nur ein Ort des Leidens. Es war auch eine Schule der Täterinnen. Rund 3.500 Frauen wurden dort zu SS-Aufseherinnen ausgebildet. Manche kamen freiwillig. Andere wurden angeworben, weil die Bezahlung gut war und der Dienst als sicherer Arbeitsplatz galt. Sie lernten, Gefangene zu bewachen, Appelle durchzuführen, Strafen zu verhängen, Arbeitseinsätze zu kontrollieren und jede Spur von Mitgefühl abzulegen.

Maria Mandel passte in dieses System erschreckend gut.

Zunächst arbeitete sie als Einsatzleiterin und überwachte Arbeitskommandos. Sie fiel durch Härte auf, durch körperliche Kraft, durch ein aufbrausendes Temperament. In einer normalen Welt wären solche Eigenschaften vielleicht ein Problem gewesen. In Ravensbrück wurden sie belohnt.

Anfang 1940 wurde sie Aufseherin im Lagergefängnis. Im April 1941 trat sie der NSDAP bei. Im April 1942 stieg sie zur Oberaufseherin auf.

Jetzt kommandierte sie andere Aufseherinnen. Sie leitete Appelle. Sie überwachte Strafen. Sie entschied mit, welche Frauen zur Arbeit mussten, welche geschlagen wurden, welche in Strafkommandos kamen, welche für medizinische Experimente ausgesucht wurden.

Und dann kam Auschwitz.

Am 7. Oktober 1942 wurde Maria Mandel in das besetzte Polen versetzt. Auschwitz war zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr nur ein Lager. Es war ein riesiger Komplex aus Stammlager, Birkenau, Nebenlagern, Fabriken, Baracken, Rampen, Krematorien und Gaskammern. Es war ein Ort, an dem Mord industriell organisiert wurde.

Mandel wurde Oberaufseherin des Frauenlagers. Sie berichtete direkt an Kommandant Rudolf Höss. Über die weiblichen Gefangenen und über die untergeordneten Aufseherinnen hatte sie nahezu unbegrenzte Macht.

Für die Frauen in Auschwitz bedeutete ihr Name Angst.

Sie nannte Gefangene „Tiere“. Sie behandelte sie auch so. Ein Blick, eine Geste, ein falsch sitzendes Kleidungsstück, ein zu langsamer Schritt konnten ausreichen, um geschlagen, selektiert oder in den Tod geschickt zu werden.

Eine ihrer engsten Vertrauten war Irma Grese, eine junge Aufseherin, die später selbst als „Hyäne von Auschwitz“ berüchtigt wurde. Mandel förderte Grese und setzte sie als Aufseherin im Frauenlager von Birkenau ein. Es war eine Verbindung zweier Frauen, die in Auschwitz nicht nur Befehle ausführten, sondern ihre Macht mit sichtbarer Grausamkeit ausübten.

Besonders grausam war Mandels Umgang mit Kindern.

In der Zeit, in der sie in Auschwitz diente, wurden Säuglinge und Kleinkinder oft unmittelbar nach der Geburt oder nach der Ankunft ermordet. Einige wurden ertränkt, andere in die Nähe der Krematorien gebracht. Zeugen berichteten von unvorstellbaren Szenen, in denen Neugeborene nicht als Menschen galten, sondern als Störung im Ablauf der Vernichtung.

Eine besonders erschütternde Aussage berichtete, Mandel habe befohlen, ein Neugeborenes im Freien auszusetzen, damit Ratten es anfielen. Ob jedes Detail einzelner Zeugenaussagen historisch vollständig überprüfbar ist, ändert nichts an der dokumentierten Realität: In Auschwitz wurden Kinder systematisch ermordet, und Mandel gehörte zu den Frauen, die diese Ordnung verwalteten, schützten und vorantrieben.

Auch schwangere Frauen waren in größter Gefahr. Viele wurden selektiert, getötet oder medizinischen Prozeduren ausgeliefert. In Auschwitz gab es Täter wie Josef Mengele und Josef Klehr, Männer, die im Namen pseudowissenschaftlicher Medizin mordeten. Phenolinjektionen direkt ins Herz wurden benutzt, um Menschen schnell zu töten. Mandel lieferte Frauen und Kinder diesem System aus.

Aber ihre Gewalt zeigte sich nicht nur in den großen Mordaktionen. Sie zeigte sich auch in den kleinen Regeln, die in Auschwitz tödlich werden konnten.

Eine Frau durfte ihr Haar nicht locken. Es war verboten. Ein Detail, lächerlich in einer normalen Welt, aber im Lager konnte es den Tod bedeuten. Wenn Mandel eine Locke entdeckte, trat sie die Gefangene nieder und schlug ihr auf den Kopf. Manchmal ließ sie der Frau den Kopf kahl scheren und führte sie mit einem Schild durch das Lager: „Ich habe gegen die Lagerordnung verstoßen und mir die Haare gelockt.“

Eine andere Gefangene mit welligem Haar wurde von Mandel in die Wäscherei gebracht. Dort zwang sie die Frau, sich über ein Becken zu beugen. Dann ließ sie abwechselnd heißes und kaltes Wasser über ihren Kopf laufen. Als die Gefangene vor Schmerz protestierte, schlug Mandel sie mit einem Gummiknüppel so heftig, dass ihr Gesicht blutüberströmt war.

So funktionierte Terror: nicht nur durch den Tod, sondern durch die Gewissheit, dass alles zum Anlass werden konnte.

Mandel soll häufig am Tor von Birkenau gestanden haben. Dort wartete sie, bis eine Gefangene den Kopf drehte und sie ansah. Ein Blick konnte genügen. Die Frau wurde aus der Reihe gerissen und verschwand.

Niemand fragte, wohin.

In Auschwitz war Verschwinden eine Antwort.

Im Sommer 1943 kehrten etwa 500 Frauen von der Arbeit im Effektenlager „Kanada“ zurück. Dort wurden die Habseligkeiten der Ermordeten sortiert: Kleidung, Schmuck, Koffer, Brillen, Schuhe, Haare, alles, was Menschen aus ihrem früheren Leben geblieben war. Die Frauen kamen erschöpft zurück. Mandel befahl, jede zehnte Frau auszupeitschen. Die Gefangenen mussten sich in Reihen aufstellen. Aus jeder Reihe wurde eine ausgewählt. Die Strafe hatte keinen Sinn außer Schrecken.

Ein anderes Mal gab eine Gefangene einer anderen Frau etwas mehr Suppe. In Auschwitz konnte ein Löffel Suppe den Unterschied zwischen Leben und Zusammenbruch bedeuten. Mandel sah es. Sie schüttete die Suppe über den Kopf der Frau und schlug sie mit der Peitsche. Danach schickte sie sie in die Strafkompanie im berüchtigten Block 11. Vier Monate lang wurde die Frau dort gequält, geschlagen, zur schwersten Arbeit gezwungen.

Im Dezember 1944 stieß eine Gefangene versehentlich mit Mandel zusammen. Sie entschuldigte sich sofort. Es half nichts. Mandel bestrafte sie mit sieben Nächten in einer Stehzelle, einem engen Raum, in dem man weder sitzen noch liegen konnte. Tagsüber musste die Frau weiter in der Küche arbeiten.

So wurde der Körper langsam zerstört. Nacht für Nacht kein Schlaf. Tag für Tag Arbeit. Und immer die Angst, dass die nächste Begegnung mit Mandel die letzte sein könnte.

Im Winter 1942 oder 1943 ließ Mandel einen Appell durchführen. Die Frauen mussten stundenlang in der Kälte stehen. Manche trugen kaum Kleidung, viele waren krank, viele ausgehungert. Wer zusammenbrach, wurde geschlagen oder weggebracht. Die Kälte war nicht nur Wetter. Sie war ein Werkzeug.

Und doch gab es eine Seite von Mandel, die besonders verstörend wirkt: Sie gründete in Auschwitz das Frauenorchester.

Auf den ersten Blick klingt Musik wie etwas Menschliches. In Auschwitz wurde sie zur Waffe. Die Musikerinnen mussten spielen, wenn Arbeitskommandos ausrückten und zurückkehrten. Sie mussten spielen, wenn Züge ankamen. Sie mussten spielen, während andere in den Tod gingen. Für einige Musikerinnen bedeutete das Orchester eine größere Überlebenschance. Für die meisten Gefangenen aber war es ein grausamer Kontrast: Melodie vor dem Krematorium, Takt vor der Vernichtung.

Mandel liebte Ordnung. Sie liebte Disziplin. Sie liebte offenbar die Vorstellung, dass selbst das Grauen nach ihrem Rhythmus funktionierte.

Sie konnte höflich wirken. Gepflegt. Korrekt. Manche beschrieben sie als äußerlich attraktiv, als diszipliniert, als Frau mit sauberer Uniform und kontrollierter Haltung. Gerade darin lag der Schock. Sie war nicht die Karikatur eines Monsters. Sie konnte aussehen wie eine Büroangestellte, eine Nachbarin, eine Frau, die auf der Straße niemand fürchten würde.

Doch im Lager entschieden solche Hände über Leben und Tod.

Im November 1944 wurde Mandel aus Auschwitz abgezogen und zurück nach Bayern versetzt, in das Außenlager Mühldorf, das zum Dachauer Lagersystem gehörte. Zu diesem Zeitpunkt rückten die Fronten näher. Das Reich zerfiel. Befehle wurden hektischer, Spuren wurden verwischt, Gefangene auf Todesmärsche getrieben.

Auschwitz wurde im Januar 1945 von der Roten Armee befreit.

Die Täter versuchten zu fliehen.

Maria Mandel gelang es zunächst, unterzutauchen. Aber der Krieg war vorbei, und Europa war voller Menschen, die Namen nicht vergessen hatten. Überlebende erinnerten sich an Gesichter. An Stimmen. An Schritte. An die Frau am Tor.

Am 10. August 1945 wurde Mandel von amerikanischen Truppen in Bayern festgenommen. Später wurde sie an Polen ausgeliefert, denn dort lagen ihre schwersten Verbrechen. Dort standen die Ruinen von Auschwitz. Dort lebten die Zeugen. Dort lagen die Toten.

Im November 1947 begann in Krakau der Auschwitz-Prozess gegen ehemalige SS-Angehörige. Auf der Anklagebank saßen Männer und Frauen, die im Lager Dienst getan hatten. Unter ihnen Maria Mandel.

Sie war nicht mehr die Herrin des Frauenlagers. Keine Peitsche. Keine Uniformmacht. Keine Untergebenen. Kein Tor, an dem ihr Blick Menschen verschwinden ließ.

Jetzt musste sie selbst zuhören.

Überlebende sagten aus. Sie sprachen von Selektionen, Misshandlungen, Kindern, schwangeren Frauen, Appellen, Strafaktionen, von der Musik des Orchesters und vom Terror einer Frau, deren Launen tödlich sein konnten.

Mandel versuchte, sich zu verteidigen. Wie viele Täter behauptete sie, Befehle befolgt zu haben. Sie habe nicht entschieden, nur ausgeführt. Sie sei Teil eines Systems gewesen.

Aber genau das war der Kern ihrer Schuld.

Sie war Teil des Systems gewesen, ja.

Und sie hatte darin Macht gesucht, bekommen und genutzt.

Am 22. Dezember 1947 wurde Maria Mandel zum Tod durch den Strang verurteilt.

In den letzten Tagen vor ihrer Hinrichtung war nichts mehr übrig von der Frau, vor der Gefangene einst zitterten. Sie saß in einer Zelle in Krakau. Draußen war Winter. Die Welt hatte sich weitergedreht. Hitler war tot. Das Reich war zerstört. Auschwitz war befreit. Die Namen der Opfer begannen langsam aus der Asche zurückzukehren.

Am 24. Januar 1948 wurde Maria Mandel hingerichtet.

Sie wurde 36 Jahre alt.

Ein kurzes Leben, wenn man nur die Jahre zählt.

Ein endloses Verbrechen, wenn man die Opfer zählt.

Maria Mandel war keine Randfigur. Historiker schätzen, dass sie für die Selektion und den Tod unzähliger Frauen und Kinder mitverantwortlich war. Ihr Name steht neben anderen weiblichen Täterinnen des NS-Regimes, die lange unterschätzt wurden, weil die Nachkriegsgesellschaft Gewalt oft nur männlich dachte.

Doch Auschwitz hatte auch Frauenstimmen, die Befehle brüllten.

Frauenhände, die schlugen.

Frauenaugen, die selektierten.

Maria Mandel erinnert daran, dass Grausamkeit kein Geschlecht braucht. Sie braucht Macht, Ideologie, Gehorsam und die Bereitschaft, den anderen nicht mehr als Menschen zu sehen.

Vielleicht ist das Erschreckendste an ihrer Geschichte nicht, dass sie so außergewöhnlich war.

Sondern dass sie einmal gewöhnlich gewesen war.

Eine Tochter eines Schuhmachers. Eine Postsekretärin. Eine junge Frau aus Österreich.

Dann kam ein System, das Hass zur Karriere machte.

Und Maria Mandel sagte nicht Nein.

Sie ging hinein.

Sie stieg auf.

Sie herrschte.

Und am Ende stand sie selbst dort, wo sie andere so oft hingeschickt hatte: vor einem Urteil, gegen das keine Macht mehr half.

Die Opfer von Auschwitz bekamen ihr Leben nicht zurück. Kein Prozess konnte die Kinder retten, die Frauen heilen, die Asche wieder zu Körpern machen. Aber die Namen der Täter wurden festgehalten, damit niemand später sagen konnte, das Grauen sei gesichtslos gewesen.

Es hatte Gesichter.

Eines davon war Maria Mandel.