ER WAR EIN GENERAL DER WEHRMACHT… DOCH EIN EINZIGER BEFEHL FÜHRTE IHN VOR DAS ERSTE ALLIIERTE KRIEGSGERICHT

ER WAR EIN GENERAL DER WEHRMACHT… DOCH EIN EINZIGER BEFEHL FÜHRTE IHN VOR DAS ERSTE ALLIIERTE KRIEGSGERICHT

Am Ende des Zweiten Weltkriegs mussten viele deutsche Soldaten eine Frage beantworten, die bis heute von historischer Bedeutung ist:

Wo endet Gehorsam?

Und wo beginnt persönliche Verantwortung?

Jahrelang behaupteten viele ehemalige Angehörige der Wehrmacht, sie hätten nur Befehle ausgeführt.

Sie hätten nichts gewusst.

Sie hätten keine Wahl gehabt.

Doch nach 1945 wurde immer deutlicher, dass viele Offiziere nicht nur Zuschauer eines verbrecherischen Systems gewesen waren.

Einige unterstützten Befehle.

Einige führten sie aus.

Und einige trafen eigene Entscheidungen, die das Leben unschuldiger Menschen kosteten.

Einer dieser Männer war General Anton Dostler.

Ein hochrangiger Offizier der deutschen Wehrmacht.

Ein Mann mit jahrzehntelanger militärischer Erfahrung.

Und der erste deutsche General, der nach dem Krieg von einem alliierten Militärgericht wegen eines Kriegsverbrechens zum Tode verurteilt wurde.

Sein Fall wurde zu einem wichtigen Präzedenzfall.

Denn das Urteil stellte eine klare Botschaft fest:

Ein Soldat kann nicht jede Verantwortung abgeben, indem er sagt:

„Ich habe nur Befehle befolgt.“


Anton Dostler wurde am 10. Mai 1891 in München geboren.

Er wuchs im Deutschen Kaiserreich auf.

Zu dieser Zeit spielte das Militär eine bedeutende Rolle in der deutschen Gesellschaft.

Für viele junge Männer galt eine Karriere in der Armee als Zeichen von Ehre, Disziplin und sozialem Aufstieg.

Im Juni 1910 trat der damals 19-jährige Dostler als Kadett in das 6. Infanterieregiment der bayerischen Armee ein.

Zwei Jahre später wurde er zum Leutnant befördert.

Seine militärische Laufbahn begann kurz vor einem Ereignis, das Europa für immer verändern sollte.

Dem Ersten Weltkrieg.


Am 28. Juli 1914 begann der Krieg.

Dostler diente als Offizier der deutschen Armee.

Im Januar 1916 wurde er zum Oberleutnant befördert.

Im Oktober 1918 erreichte er den Rang eines Hauptmanns.

Für seinen Einsatz erhielt er mehrere militärische Auszeichnungen.

Darunter beide Klassen des Eisernen Kreuzes und den Bayerischen Militärverdienstorden.

Doch der Krieg endete mit einer Niederlage Deutschlands.

Am 11. November 1918 unterzeichnete die deutsche Führung im Wald von Compiègne den Waffenstillstand.

Das Deutsche Kaiserreich brach zusammen.

Eine neue politische Ordnung entstand:

Die Weimarer Republik.


Nach dem Krieg wurde die deutsche Armee durch den Versailler Vertrag stark eingeschränkt.

Die Reichswehr durfte nur 100.000 Soldaten umfassen.

Viele ehemalige Offiziere sahen diese Regelungen als Demütigung.

Dostler blieb jedoch im Militär.

Er wurde Teil dieser neuen Reichswehr.

Am 1. Oktober 1924 wurde er in das militärische Nachrichtenreferat des Reichswehrministeriums nach Berlin versetzt.

Gleichzeitig studierte er an der Universität.

1932 wurde er zum Major befördert.

Zu diesem Zeitpunkt ahnte niemand, wie stark sich Deutschland innerhalb weniger Jahre verändern würde.


Im Januar 1933 übernahmen Adolf Hitler und die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei die Macht.

Der Staat wurde schrittweise in eine Diktatur verwandelt.

Auch die Streitkräfte wurden verändert.

Das Verhältnis zwischen Wehrmacht und NS-Regime war komplex.

Viele Offiziere standen der radikalen Ideologie Hitlers zunächst skeptisch gegenüber.

Doch gleichzeitig sahen viele in ihm einen politischen Führer, der die Beschränkungen des Versailler Vertrags beseitigen wollte.

Hitler versprach eine Wiederaufrüstung.

Eine stärkere Armee.

Die Möglichkeit, verlorene Gebiete zurückzugewinnen.

Viele Generäle akzeptierten deshalb die Zusammenarbeit.

Andere profitierten direkt vom neuen System.

Einige erhielten finanzielle Vorteile.

Sonderzahlungen.

Geschenke.

Landbesitz.

Privilegien.


1935 wurde die Wehrpflicht wieder eingeführt.

Im gleichen Zeitraum verschmolz die Armee immer stärker mit der nationalsozialistischen Ideologie.

Nach den Nürnberger Gesetzen wurden jüdische Menschen aus vielen Bereichen des öffentlichen Lebens ausgeschlossen.

Auch jüdische Soldaten wurden aus den Streitkräften entfernt.

1938 übernahm Hitler offiziell den Oberbefehl über die Wehrmacht.

Zu diesem Zeitpunkt war die Armee weitgehend in das politische System des NS-Staates eingebunden.

Viele junge Soldaten kamen direkt aus Organisationen wie der Hitlerjugend oder dem Reichsarbeitsdienst.

Sie waren bereits durch nationalsozialistische Propaganda geprägt.


Als Deutschland am 1. September 1939 Polen überfiel, begann der Zweite Weltkrieg.

Die Wehrmacht erzielte zunächst große militärische Erfolge.

Doch hinter der Front entwickelte sich gleichzeitig ein brutaler Vernichtungskrieg.

Nach dem Angriff auf die Sowjetunion im Juni 1941 begann das sogenannte Unternehmen Barbarossa.

Der Krieg im Osten wurde nicht nur als militärischer Konflikt geführt.

Er war auch ein ideologischer Krieg.

Die Wehrmacht arbeitete mit den Einsatzgruppen zusammen.

Diese mobilen Mordkommandos verübten Massenerschießungen an jüdischen Männern, Frauen und Kindern.

Historiker gehen davon aus, dass zwischen 1,5 und 2 Millionen jüdische Menschen durch diese Einheiten und ihre Unterstützer ermordet wurden.

Die Wehrmacht war über diese Verbrechen informiert.

Viele Offiziere wussten davon.

Nur wenige widersetzten sich offen.


Anton Dostler übernahm während dieser Zeit wichtige militärische Aufgaben.

Während des Angriffs auf die Sowjetunion befehligte er die 57. Infanteriedivision.

Diese Einheit nahm am Feldzug der Heeresgruppe Süd teil.

Die Heeresgruppe Süd stand unter dem Kommando von Generalfeldmarschall Walter von Reichenau.

Reichenau war ein überzeugter Nationalsozialist.

Unter seiner Führung arbeitete die Wehrmacht eng mit den Einsatzgruppen zusammen.

Ein besonders bekanntes Beispiel war das Massaker von Babyn Jar bei Kiew.

Am 29. und 30. September 1941 ermordeten deutsche SS- und Polizeieinheiten sowie ihre Helfer Tausende jüdische Einwohner der Stadt.

Innerhalb weniger Tage wurden mehr als 30.000 Menschen erschossen.

Das Massaker wurde zu einem Symbol für die systematische Vernichtungspolitik im Osten.


Zwischen 1942 und 1944 übernahm Dostler weitere Kommandos.

Er führte unter anderem die 163. Infanteriedivision, die während des Krieges auch in Finnland eingesetzt wurde.

Am 1. Januar 1943 wurde er zum Generalleutnant befördert.

Später erhielt er das Kommando über das 75. Armeekorps.

Diese Einheit wurde 1944 nach Italien verlegt.

Dort sollte Dostler eine Aufgabe übernehmen, die ihn später vor Gericht bringen würde.

Die Küstenverteidigung.

Die Bekämpfung von Partisanen.

Und die Sicherung deutscher Stellungen.


Im Frühjahr 1944 befand sich Italien nach dem Sturz Mussolinis und der Kapitulation der italienischen Regierung in einer chaotischen Lage.

Deutsche Truppen besetzten große Teile des Landes.

Widerstandsgruppen wurden aktiver.

Die deutsche Führung reagierte mit harter Unterdrückung.

In diesem Umfeld ereignete sich der Fall, der Anton Dostlers Namen für immer verändern sollte.

Am 22. März 1944 landeten 15 amerikanische Soldaten an der italienischen Küste.

Sie gehörten zu einer Kommandoeinheit der US-Armee.

Ihr Auftrag:

Eine wichtige Eisenbahnverbindung zwischen La Spezia und Genua zu zerstören.

Sie trugen reguläre amerikanische Uniformen.

Sie waren keine Spione in Zivilkleidung.

Sie waren Soldaten einer feindlichen Armee.

Zwei Tage später wurden sie von deutschen und italienisch-faschistischen Truppen gefangen genommen.

Sie wurden nach La Spezia gebracht.

Dort begann eine Entscheidung, die später als klares Kriegsverbrechen bewertet werden sollte.

Denn der Befehl, der als Nächstes erteilt wurde…

sollte das Schicksal von Anton Dostler für immer besiegeln.