SIE WAR EINE DER FANATISCHSTEN ANHÄNGERINNEN DER WERWOLF-BEWEGUNG… UND WURDE TEIL EINES LETZTEN VERZWEIFELTEN PLANS DES NS-REGIMES

SIE WAR EINE DER FANATISCHSTEN ANHÄNGERINNEN DER WERWOLF-BEWEGUNG… UND WURDE TEIL EINES LETZTEN VERZWEIFELTEN PLANS DES NS-REGIMES

Am 6. Juni 1944 begann an der Küste der Normandie eine der größten Militäroperationen der Geschichte.

Alliierte Soldaten landeten in Frankreich.

Panzerverbände und Infanterieeinheiten durchbrachen die deutschen Verteidigungslinien.

Der D-Day wurde zum Wendepunkt des Zweiten Weltkriegs.

Für viele Menschen bedeutete dieser Tag den Anfang vom Ende der nationalsozialistischen Herrschaft in Europa.

Doch innerhalb der Führung des Dritten Reiches dachte man nicht an Aufgabe oder Kapitulation.

Man dachte an Widerstand.

An einen letzten Kampf.

An eine Bewegung, die selbst nach einer militärischen Niederlage weiterkämpfen sollte.

Heinrich Himmler, der mächtige Führer der SS, begann mit der Organisation einer geheimen Einheit.

Ihr Name:

Werwolf.

Die Mitglieder sollten hinter den alliierten Linien operieren.

Sie sollten Sabotageakte durchführen.

Besatzungstruppen angreifen.

Und den Wiederaufbau eines friedlichen Europas verhindern.

Viele dieser Freiwilligen waren junge Menschen, die jahrelang durch die nationalsozialistische Ideologie geprägt worden waren.

Eine der radikalsten Anhängerinnen dieser Bewegung war Ilse Hirsch.

Eine junge Frau, die nicht als Soldatin geboren wurde, sondern durch ein System aus Propaganda, Kontrolle und Fanatismus geformt wurde.

Ihre Geschichte zeigt, wie gefährlich politische Indoktrination sein kann, wenn eine ganze Generation mit Hass und Gehorsam erzogen wird.


Ilse Hirsch wurde am 21. Mai 1922 in Hamm geboren.

Sie wuchs in der Zeit der Weimarer Republik auf.

Deutschland war nach dem Ersten Weltkrieg politisch instabil.

Viele Menschen litten unter wirtschaftlichen Problemen.

Arbeitslosigkeit und gesellschaftliche Spannungen prägten das Land.

In dieser Atmosphäre gewann die nationalsozialistische Bewegung zunehmend Einfluss.

Als Ilse zehn Jahre alt war, wurde Adolf Hitler am 30. Januar 1933 von Reichspräsident Paul von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt.

Dieser Moment veränderte Deutschland grundlegend.

Die Nationalsozialisten begannen sofort damit, die Gesellschaft nach ihrer Ideologie umzugestalten.

Besonders wichtig war ihnen eine Gruppe:

die Jugend.

Denn Hitler und seine Anhänger wussten, dass eine Diktatur nicht nur durch Gewalt erhalten werden kann.

Sie muss auch neue Generationen beeinflussen.


Die Hitlerjugend und der Bund Deutscher Mädel wurden zu den wichtigsten Werkzeugen dieser Erziehung.

Junge Menschen sollten nicht nur politische Ideen lernen.

Sie sollten eine bestimmte Weltanschauung übernehmen.

Gehorsam gegenüber Hitler.

Treue gegenüber dem Staat.

Ablehnung von Menschen, die nicht in das rassistische Weltbild der Nationalsozialisten passten.

Als Ilse 16 Jahre alt war, trat sie dem Bund Deutscher Mädel bei.

Diese Organisation war die weibliche Abteilung der Hitlerjugend.

Während Jungen auf eine Zukunft als Soldaten vorbereitet wurden, sollten Mädchen nach nationalsozialistischer Vorstellung vor allem zukünftige Ehefrauen und Mütter werden.

Sie lernten Hausarbeit.

Nähen.

Kochen.

Krankenpflege.

Aber auch körperliche Ertüchtigung und Gemeinschaftsgefühl waren wichtige Bestandteile.

Alles diente einem Ziel:

eine neue Generation zu schaffen, die vollständig mit der Ideologie des Regimes verbunden war.


Die Entwicklung dieser Organisationen war enorm.

Im Januar 1933 hatte die Hitlerjugend etwa 100.000 Mitglieder.

Ende desselben Jahres waren es bereits mehr als zwei Millionen.

Mitgliedschaften wurden später immer stärker verpflichtend.

Ab 1936 mussten praktisch alle deutschen Jungen und Mädchen zwischen zehn und siebzehn Jahren den NS-Jugendorganisationen angehören.

Familien, die sich weigerten, konnten unter Druck geraten.

Die Organisationen gingen sogar so weit, ihre Mitglieder zu ermutigen, Informationen über Eltern, Lehrer oder Nachbarn weiterzugeben.

Der Staat wollte nicht nur das Verhalten junger Menschen kontrollieren.

Er wollte auch ihre Gedanken kontrollieren.


Auch Schulen spielten dabei eine entscheidende Rolle.

Kinder wurden von den ersten Schuljahren an mit dem Führerkult um Adolf Hitler konfrontiert.

Sein Bild hing in vielen Klassenzimmern.

Lehrbücher wurden verändert.

Unterrichtsinhalte wurden angepasst.

Die Schüler sollten lernen, den Staat zu verehren.

Militarismus wurde gefördert.

Rassismus und Antisemitismus wurden verbreitet.

Die nationalsozialistische Ideologie sollte nicht nur geglaubt werden.

Sie sollte selbstverständlich erscheinen.

In dieser Umgebung entwickelte sich Ilse Hirsch zu einer überzeugten Anhängerin des Regimes.

Sie wurde später eine wichtige Organisatorin des Bundes Deutscher Mädel in Monschau.


Als der Zweite Weltkrieg am 1. September 1939 mit dem deutschen Überfall auf Polen begann, hatte die NS-Jugendorganisation bereits eine ganze Generation geprägt.

Viele Jugendliche, die in den frühen 1930er Jahren eingetreten waren, waren nun alt genug, um aktiv am Krieg teilzunehmen.

Sie wurden Soldaten.

Sanitäterinnen.

Krankenschwestern.

Mitarbeiter verschiedener NS-Organisationen.

Jüngere Mitglieder unterstützten die Kriegsanstrengungen auf andere Weise.

Sie packten Versorgungspakete für Soldaten.

Halfen bei Hilfsaktionen nach Bombenangriffen.

Unterstützten die Behörden bei der Versorgung der Bevölkerung.


Je länger der Krieg dauerte, desto verzweifelter wurde die Lage für Deutschland.

Die alliierten Luftangriffe zerstörten zahlreiche Städte.

Es entstanden große Probleme bei Versorgung und Transport.

Das Regime griff immer stärker auf Jugendliche zurück.

Sie wurden für Aufgaben eingesetzt, die früher Erwachsenen vorbehalten waren.

1943 schuf die Waffen-SS eine besondere Einheit:

die SS-Division Hitlerjugend.

Sie bestand aus jungen Männern, die größtenteils 1926 geboren worden waren.

Viele waren erst 16 oder 17 Jahre alt.

Trotz ihres Alters wurden sie als Soldaten eingesetzt.

Die Einheit kämpfte später in Frankreich gegen die Alliierten.

Dabei kam es zu schweren Kriegsverbrechen.

Unter anderem wurden kanadische Kriegsgefangene im Massaker von Ardenne getötet.

Auch französische Zivilisten wurden Opfer von Vergeltungsaktionen.


Im Frühjahr 1945 war die Niederlage Deutschlands nicht mehr aufzuhalten.

Die Alliierten drangen immer weiter in deutsches Gebiet vor.

Die Rote Armee näherte sich von Osten.

Doch die nationalsozialistische Führung weigerte sich weiterhin, die Realität anzuerkennen.

Stattdessen entstand eine letzte Idee:

Der Kampf sollte auch nach dem Zusammenbruch der regulären Armee weitergehen.

Im Spätsommer 1944 begann Heinrich Himmler mit der Organisation der Werwolf-Bewegung.

Der SS-Obergruppenführer Hans-Adolf Prützmann erhielt den Auftrag, eine geheime Einheit aufzubauen.

Ursprünglich war geplant, dass die Werwölfe ähnlich wie Spezialeinheiten anderer Länder hinter den feindlichen Linien operieren sollten.

Sie sollten militärische Aktionen durchführen.

Nicht als einfache Terrorgruppe.

Nicht außerhalb jeder Kontrolle.

Doch mit der zunehmenden Niederlage veränderte sich die Idee.

Die Propaganda radikalisierte die Bewegung.


Am 23. März 1945 hielt Joseph Goebbels eine Rede, die später als „Werwolf-Rede“ bekannt wurde.

Er rief die deutsche Bevölkerung zum Kampf bis zum Tod auf.

Kurz darauf begannen Radiosendungen der Werwolf-Propaganda.

Mit Wolfsheulen als Erkennungssignal verbreiteten sie Drohungen gegen die Alliierten.

Die Botschaft war eindeutig:

Jeder Feind auf deutschem Boden sollte bekämpft werden.

Jeder Deutsche, der mit den Alliierten zusammenarbeitete, sollte als Verräter behandelt werden.

Die Sendungen sollten Angst verbreiten.

Und genau in dieser Atmosphäre schloss sich Ilse Hirsch Anfang 1945 der Werwolf-Bewegung an.

Sie war damals 22 Jahre alt.

Und sie erhielt eine Aufgabe, die sie für immer mit einem politischen Mord verbinden sollte.

Eine Operation mit dem Namen:

Karneval.

Das Ziel war ein Mann, den die Nationalsozialisten als Verräter betrachteten.

Franz Oppenhoff.

Der neue Bürgermeister von Aachen.

Und Ilse Hirsch sollte eine entscheidende Rolle bei seiner Ermordung spielen…