Im Jahr 1943 war der Balkan kein gewöhnlicher Kriegsschauplatz mehr.

Die Berge Jugoslawiens waren zu einem endlosen Kampfgebiet geworden.
Deutsche Truppen kämpften gemeinsam mit kroatischen Verbänden und anderen Verbündeten der Achsenmächte gegen die Partisanenbewegung unter Josip Broz Tito.
Doch der Krieg traf nicht nur bewaffnete Gegner.
Er traf vor allem die Menschen, die zwischen den Fronten lebten.
Dorfbewohner.
Familien.
Alte Menschen.
Kinder.
Jeder Angriff auf deutsche Einheiten führte häufig zu Vergeltungsaktionen.
Dörfer wurden niedergebrannt.
Geiseln wurden erschossen.
Menschen wurden aus ihren Häusern vertrieben.
Die deutsche Militärsprache bezeichnete diese Aktionen als „Antipartisanenoperationen“.
Doch für viele Bewohner bedeuteten sie Terror, Zerstörung und Tod.
Eine der Einheiten, die an diesen Operationen beteiligt war, war die 369. kroatische Infanterie-Division.
Ihr Spitzname:
Die Teufelsdivision.
An ihrer Spitze stand ein deutscher General, der für Disziplin, Gehorsam und die kompromisslose Umsetzung von Befehlen bekannt war.
Sein Name war Fritz Neidhold.
Ein Offizier, dessen Karriere im Kaiserreich begann und im Zweiten Weltkrieg in einem Krieg endete, der Millionen Menschenleben zerstörte.
Seine Geschichte zeigt, wie militärischer Gehorsam und ideologische Kriegsführung zu Verbrechen führen können.
Fritz Neidhold wurde am 16. November 1887 in St. Kilian geboren, damals Teil des Deutschen Kaiserreichs.
Sein Vater war evangelischer Pfarrer.
Das familiäre Umfeld war geprägt von Religion, Disziplin und festen Regeln.
Doch obwohl er in einem kirchlichen Haushalt aufwuchs, fühlte sich der junge Fritz stärker zum Militär hingezogen.
Uniformen.
Ordnung.
Ränge.
Befehle.
Diese Welt faszinierte ihn mehr als der geistliche Weg seines Vaters.
Für viele junge Männer im Deutschen Kaiserreich galt der Militärdienst als Ausdruck von Ehre und Pflicht.
Auch Neidhold sah darin seine Zukunft.
Am 30. August 1907 trat Fritz Neidhold, noch keine zwanzig Jahre alt, in die deutsche Armee ein.
Seine erste Einheit war das 6. Thüringische Infanterie-Regiment Nr. 96.
Dort begann er die klassische Ausbildung eines Offiziers.
Märsche.
Gefechtsübungen.
Gehorsam.
Befehlsketten.
Die Armee des Kaiserreichs legte großen Wert auf Disziplin.
Der einzelne Soldat sollte nicht hinterfragen.
Er sollte ausführen.
Diese Denkweise prägte Neidholds gesamte militärische Laufbahn.
Als im Sommer 1914 der Erste Weltkrieg begann, zog Neidhold mit seinen Männern in den Krieg.
Deutschland und seine Verbündeten kämpften gegen die Alliierten.
Seine Einheit wurde zunächst an der Westfront eingesetzt.
Unter anderem kämpfte sie in Belgien nahe Namur.
Später wurde Neidhold an die Ostfront versetzt.
Während des Krieges übernahm er verschiedene Aufgaben.
Er diente direkt an der Front.
Aber auch in militärischen Stäben.
Er wurde verwundet.
Für seine Leistungen erhielt er mehrere Auszeichnungen.
Darunter beide Klassen des Eisernen Kreuzes sowie weitere militärische Ehrungen.
Doch der Krieg endete 1918 mit der Niederlage Deutschlands.
Das Kaiserreich brach zusammen.
Eine neue politische Ordnung entstand:
Die Weimarer Republik.
Viele Offiziere verloren nach dem Krieg ihre Stellung.
Doch Neidhold blieb beim Militär.
Er trat in die Reichswehr ein.
Diese neue deutsche Armee war durch den Versailler Vertrag stark begrenzt.
Nur 100.000 Soldaten waren erlaubt.
Schwere Waffen und bestimmte militärische Fähigkeiten waren verboten.
Trotz dieser Einschränkungen blieb die militärische Kultur bestehen.
Disziplin.
Gehorsam.
Hierarchie.
Neidhold passte in dieses System.
Er war kein politischer Revolutionär.
Er war ein Berufssoldat.
Ein Mann, der Befehle ausführte und innerhalb der militärischen Ordnung aufstieg.
Die politische Landschaft Deutschlands veränderte sich nach 1933 dramatisch.
Adolf Hitler und die Nationalsozialisten übernahmen die Macht.
Die Reichswehr wurde Schritt für Schritt in die neue Wehrmacht umgewandelt.
Die Wiederaufrüstung begann.
Der Versailler Vertrag wurde offen gebrochen.
Viele Offiziere akzeptierten die Zusammenarbeit mit Hitler.
Einige aus Überzeugung.
Andere, weil sie darin die Möglichkeit sahen, Deutschlands militärische Stärke wieder aufzubauen.
Neidhold erlebte diese Entwicklung innerhalb der Armee.
1935 trat er zunächst in den Ruhestand.
Doch die politischen Ereignisse sollten ihn nicht lange außerhalb des Militärs lassen.
Im Dezember 1938 wurde Fritz Neidhold wieder in den aktiven Dienst zurückgerufen.
Europa stand kurz vor einem neuen Krieg.
Am 1. September 1939 begann Nazi-Deutschland den Angriff auf Polen.
Der Zweite Weltkrieg begann.
Neidhold erhielt wieder militärische Aufgaben.
Ende September 1939 war er Kommandeur des 322. Infanterieregiments.
Seine Einheit wurde zunächst im besetzten Polen eingesetzt.
Später wechselte sie an die Westfront.
Im Mai 1940 begann der deutsche Westfeldzug.
Nach dem Sieg über Frankreich wurden Neidhold und seine Soldaten erneut umorganisiert.
Doch der Krieg ging weiter.
Im Sommer 1941 begann Deutschland den Angriff auf die Sowjetunion.
Das Unternehmen Barbarossa war der größte Landkrieg der Geschichte.
Neidhold nahm ebenfalls an diesem Feldzug teil.
Für seine militärischen Leistungen erhielt er später das Deutsche Kreuz in Gold.
Diese Auszeichnung wurde für besondere Tapferkeit oder außergewöhnliche Führung verliehen.
Doch während die Wehrmacht im Osten kämpfte, entwickelte sich gleichzeitig ein brutaler Vernichtungskrieg.
Die deutsche Besatzungspolitik führte zu Massenverbrechen gegen Zivilisten und Gefangene.
Im Juni 1942 wurde Neidhold in die Führerreserve versetzt.
Er wartete auf eine neue Verwendung.
Diese sollte wenige Monate später kommen.
Am 1. September 1942 erhielt er den Auftrag, die Führung einer neuen Einheit zu übernehmen.
Der 369. kroatischen Infanterie-Division.
Diese Formation hatte eine besondere Zusammensetzung.
Ihre Soldaten kamen überwiegend aus dem faschistischen Unabhängigen Staat Kroatien.
Ein Satellitenstaat Deutschlands unter Kontrolle des Ustaša-Regimes.
Die Offiziere hingegen kamen größtenteils aus der deutschen Wehrmacht.
Die Division wurde in Österreich aufgestellt.
Sie entstand teilweise aus den Resten eines früheren kroatischen Regiments, das an der Ostfront eingesetzt worden war und bei Stalingrad zerstört wurde.
Die neue Einheit übernahm den Namen einer früheren kroatischen Formation aus dem Ersten Weltkrieg.
Auch ihr Spitzname wurde übernommen:
Teufelsdivision.
Doch dieses Mal sollte dieser Name nicht durch militärischen Mut berühmt werden.
Sondern durch die Gewalt, die mit ihrem Einsatz verbunden wurde.
Ursprünglich war vorgesehen, die Division erneut an die Ostfront zu schicken.
Doch die Lage auf dem Balkan änderte diesen Plan.
In Jugoslawien wurde der Widerstand gegen die Besatzungsmächte immer stärker.
Titos Partisanenbewegung kontrollierte große Gebiete.
Die deutschen Truppen standen vor einem schwierigen Problem:
Der Feind versteckte sich in den Bergen.
Unterstützung kam häufig aus der lokalen Bevölkerung.
Die deutsche Antwort war brutal.
Die Grenze zwischen militärischem Kampf und Bestrafung der Zivilbevölkerung verschwand immer mehr.
Und unter Fritz Neidholds Kommando sollte die 369. Division bald Teil dieser Gewalt werden…

