Ich höre schon, wie das Kind sich meldet, während ich noch schnell ein paar Snacks für die Hunde hole. Draußen ist es brütend heiß, und ich habe Fell im Gesicht, auf der Kleidung, überall. Aber das ist ja der Job, den wir lieben. Jenny und ich leiten ein Tierheim, und die Zuschauer, die uns gerade live über Twitch folgen, wollen heute vor allem eines sehen: Hunde.

Ganz viele Hunde. Wir laufen durch die Zwingeranlage und verteilen Snacks. Jeder Hund bekommt seine Aufmerksamkeit, ein Leckerli, ein paar Streicheleinheiten. Belial, der große Rüde, hat vorhin mit mir gekuschelt, bis ich ihn kaum noch vom Schoß heben konnte.
Jetzt läuft er mir hinterher, als hätte er Angst, irgendetwas zu verpassen. „Mach Platz, Belial“, sage ich und versuche, mich durch die Tür zu schieben. Er grummelt kurz, weicht aber doch zur Seite. „Gut bist du.
Ja, so ein braver Hund bist du. “
Wir biegen zu den Spitzen ab, den beiden kleinen weißen Wirbelwinden. Hanami und Jaro, beide etwa ein Jahr alt, beide voller Energie. Sie drehen sich ständig im Kreis, die kleinen Rüden, und suchen dringend ein Zuhause, das mit ihrer Energie mithalten kann.
„Die sind keine Couch-Potatoes“, erkläre ich den Zuschauern. „Die wollen gefordert werden, kopfmäßig ausgelastet. Wer aktiv ist, hat mit denen richtig Spaß. “
Ein Blick auf die Uhr.
Es ist nach 14 Uhr, und ich grinse in die Kamera. „Ich muss gleich mit Jenny tauschen, aber vorher machen wir noch eine richtige Snackrunde. Die Hunde haben sich ihren Willen verdient. “
Die Snacks hole ich in der Küche.
Eine Tüte voll mit Hähnchenstückchen und ein paar Kauknochen, dazu schaue ich kurz nach Rosalie, unserem Schwein, auch wenn für sie keine Patenschaften angeboten werden. Als ich zurückkomme, geht es weiter durch die Anlage: Knödel, der friedliche Pöbelknödel, wie ich ihn liebevoll nenne, Dolly, die ein bisschen ressourcenfixiert ist und ihren Snack nur bekommt, wenn die anderen Hunde woanders hinschauen, und dann Ronaldo, der Endlbuche. „Ronaldo kam im Juli als Welpe zu uns“, erzähle ich. „Wurde vermittelt, kam aber leider zurück, weil die Besitzer mit ihm überfordert waren.
Inzwischen ist er ein kleiner Psycho geworden, aber er ist nicht ohne. “
Wir laufen weiter. Paul, der elfeinhalb Jahre alte Bordercollie-Schäferhund-Mischling, begrüßt uns freundlich. Seine Geschichte ist eine der traurigsten: Er saß drei Tage neben dem toten Körper seines Besitzers, bis jemand vorbeikam und sie fand.
„Der gehört nicht ins Tierheim“, sage ich leise. „Der gehört auf eine Couch. “
Aber es gibt Neuigkeiten. „Er hat eine Anfrage, die ganz gut klang.
Die Interessenten kommen nächste Woche vorbei, Mittwoch, um ihn kennenzulernen. Drückt die Daumen, dass es klappt. “
Mein Blick wandert weiter. Loki, ein Schäferhund-Rottweiler-Mix, hat es nicht leicht.
Er darf nur mit Maulkorb nach draußen, weil er einige Themen hat. „Maulkorb schenkt Freiheit“, erkläre ich den Zuschauern. „Der kennt das, das stört ihn überhaupt nicht, wie eine Brille tragen. “
Bei Anduin, dem letzten Hund, der noch einen Snack bekommen muss, muss ich kurz suchen.
„Ich dachte, er sitzt da, aber da ist nur Loki“, murmle ich. Dann kommt der Moment, auf den ich vorbereitet bin, der aber trotzdem immer wieder etwas in mir auslöst. Wir laufen ans andere Ende des Tierheims, zu dem Zwinger, der extra abgeschottet wurde. Gero.
Einer unserer Problemhunde. Gero kommt ursprünglich aus dem Tierheim Berlin, wo es ihm psychisch sehr schlecht ging. Er ist ein Schäferhund, der auf Dynamik abfährt, sich hochdreht, nicht mehr entspannen kann. Er hatte schon Beißvorfälle.
Den ganzen Tag kreist er in seinem Zwinger. „Gero“, rufe ich sanft. „Komm, mein Schatz. Wir haben dir einen Snack mitgebracht, aber du musst dafür deinen Kong ausspucken.
“
Er dreht weiter seine Bahnen, das sieht man wirklich deutlich. Die Zuschauer fragen, ob man das durch den Zwinger und den Schatten erkennen kann. Ja, man sieht es. Gero kann nicht runterkommen.
Sobald er andere Hunde hört, geht er am Gitter hoch. „Er ist Allergiker“, füge ich hinzu. „Er bekommt Josera Sensi Plus. Gero sucht übrigens auch Paten, so wie Otis und andere.
“
Ich erkläre den Zuschauern die Patenschaftsmodelle: Für 15 Euro im Monat kann man eine Einzelpatenschaft für einen bestimmten Hund übernehmen, für 10 Euro eine allgemeine Patenschaft, mit der wir die Stellen abdecken, wo das Geld gerade am dringendsten gebraucht wird. Es gibt sogar Patenschaften für die Hunde, die im Tierarztfond landen, damit wir bei Impfungen, kleinen OPs oder Checkups nicht überrascht werden. Ein Zuschauer fragt, was uns lieber ist. Ich lächle.
„Letztendlich ist es uns ganz egal. Alles hilft. Die allgemeinen Patenschaften stopfen die Lücken, die Einzelpatenschaften sichern ein bestimmtes Tier ab. “
Dann muss ich noch einmal kurz unterbrechen.
„Leider habe ich kaum was verstanden wegen schlechtem Empfang. Sagt Bescheid, wenn es wieder geht, dann wiederhole ich es gern. “
Währenddessen entdecke ich noch einen neuen Zuschauer. „Ein Raid mit 41 Leuten.
Herzlich willkommen bei uns im Tierheim. Wir machen gerade unsere Endrunde, waren bei allen Hunden, nur einen suche ich noch. “
Ich gehe weiter, die Kamera in der Hand. Der Schweiß läuft mir den Rücken hinunter, aber ich bin zufrieden.
Die Hunde haben alle einen Snack bekommen, wir haben über die Ausläufe gesprochen, die gerade gebaut werden, über die Spenden, über Raid for 8, wo wir 15. 000 Euro bekommen haben, mit denen wir die Zwinger-Elemente finanzieren. Immer wieder danke ich den Zuschauern, für Abos, für Spenden, fürs Rinderfettpulver, das uns gerade ausgegangen ist und dringend nachbestellt werden muss. „Jeder braucht Rinderfettpulver“, scherze ich.
„Na ja, Isa nicht, die ist dick genug. “
Dann erinnere ich mich an Isa, unseren Pflegehund, der bei uns zu Hause lebt, aber dem Verein gehört. „Wir müssen Isa wiegen“, sage ich. „Das kleine Mädchen muss abnehmen, und ich hoffe, dass wir wieder ein paar Gramm gut gemacht haben.
“
Ich sammle die Snacktüte wieder ein, werfe die leere Tüte in den Müll, wasche mir kurz die Hände und rufe in die Kamera: „So, und dann geht’s noch zu den Katzen. “
Einer der Hunde bellt aufgeregt. Ich schaue zurück, sehe die erwartungsvollen Augen und kann nicht anders als zu grinsen. Das hier ist laut, chaotisch, heiß und anstrengend.
Aber es ist auch das Beste, was wir tun können.


