„Gib mir dein Essen“, sagt das Kind und ich muss lachen, während die kleine Katze neben mir genüsslich an meinem Finger knabbert. Eigentlich wollte ich nur kurz in den Pausenraum, um mich hinzusetzen, aber die Katzen haben andere Pläne mit mir. Die Kitten sind heute das große Thema. Wir haben gerade einen Wurf, der komplett weiß geboren wurde, aber es sind Points – die bekommen später blaue Abzeichen.

Wir dachten erst, es wären zwei Kater, aber es sind Katze und Kater. Und die anderen Kitten, die ihr gerade seht, da wissen wir das Geschlecht noch nicht, weil wir die Mutter nicht stressen wollen. „Ab wann vermittelt ihr die Jungen? “, fragt jemand im Chat.
Mit zwölf Wochen, antworte ich. Und immer zu zweit. Das ist uns ganz wichtig. Kitten nur zu zweit abzugeben, das ist eine große Bitte.
Selbst wenn man schon eine ältere Katze zu Hause hat – holt euch bitte zwei Kitten. Das Sozialverhalten wird dadurch ganz stark geprägt. Man tut den Katzen keinen Gefallen, wenn man sie einzeln hält. Bei erwachsenen Katzen aus dem Tierschutz ist das etwas anderes.
Wenn die ihr Leben lang alleine gelebt haben, sind sie oft fehlgeprägt. Die geben wir dann auch alleine ab, weil es einfach nicht funktioniert. Aber Kitten – immer zu zweit. „Gebt ihr die dann als Paar und als Trio ab?
“, fragt jemand. Wenn es so einfach wäre, ja. Aber ganz viele wollen keine drei Katzen, was ich total verstehe. Es ist schwierig, ein Dreiergespann zu vermitteln.
Viele sind mit zwei Katzen okay, aber es ist auch eine Geldfrage – Tierarztkosten und so. Aber wenn jemand drei Katzen adoptieren will, dann geben wir die sehr gern als Dreiergespann ab. „Gibt es Rabatt für Fünferpack? “, fragt jemand.
Nein. Unsere Tierschutzverein muss ja auch irgendwie überleben. Es gibt keine Mengenrabatte bei unseren Katzen, da fangen wir gar nicht erst an. Ich schaue auf die Uhr.
Eigentlich wollten wir längst Schluss machen, aber es gibt noch so viel zu tun. Wir machen eine kleine Snackrunde zu den Hunden. Gerade ist Jaro im OP und wird kastriert, aber das dürfen wir nicht zeigen. Blut und so, wir wollen niemanden verschrecken.
Ich selbst kann das auch nicht gut sehen. Dann sehen wir den Hund, den wir eigentlich nicht zeigen sollten. Aber jetzt doch. Eine große Hündin, total verfilzt.
Die Unterwolle ist verdreckt und in Stücken, das Fell hängt in Klumpen. Sie ist ängstlich und kann schlecht laufen, sieht aus, als würde gleich der Weltuntergang kommen. Aber sie ist ein Herzchen von Hund. Groß, aber so ein Hund, mit dem man sofort Mitleid hat.
„Ist sie sediert oder genießt sie das? “, fragt jemand. Sie schläft, aber ganz so entspannt ist sie nicht. Das Entfilzen ziept und ist unangenehm.
Scheren ist keine Option bei der Verfilzung – wir scheren nur in allergrößter Not. Das ist nicht angenehm, auch wegen der Temperaturen. Und es lässt sich tatsächlich sehr gut rauskämmen. Also nehmen wir uns die Zeit und zupfen da eine ganze Weile rum, damit noch einiges an Fell dran bleibt.
Es fängt an zu regnen. Ich verziehe mich gleich rein, aber vorher verteile ich noch ein paar Snacks. Isa kriegt einen. B darf keinen, der bekommt sonst Durchfall.
Rosa hat noch nichts bekommen, ich hatte nichts Passendes dabei, aber wir gucken gleich. „Ist die Arbeit im Tierheim ehrenamtlich oder Vollzeitjob? “, fragt jemand. Ich bin Angestellte im Minijob im Social-Media-Bereich.
Den Stream machen wir ehrenamtlich. Aber grundsätzlich haben wir hier Vollzeitangestellte, sonst würde das Tierheim nicht laufen. Nur durch Ehrenamtler lässt es sich nicht tragen. Wir suchen aber definitiv Ehrenamtler, die Bock haben, uns zu unterstützen – Hunden Gesellschaft leisten, Gassi gehen, Katzen streicheln.
Ich gehe extra für euch in den Regen raus. Das hat schon was zu bedeuten. Ich hasse Regen, wir haben keinen Sommer, aber ich mache das für euch. Gero kriegt noch einen Snack.
„Sitz, Gero, sitz. “ Bitteschön. Für dich werde ich voll geregnet. Tschüss, Gero.
Jetzt muss ich mich beeilen, es ist schon 14:45 Uhr und wir wollen eigentlich gleich ausmachen. Aber Loki darf nicht vergessen werden. „Willst du auch einen Snack? Dreh dich im Kreis.
Andersrum und noch eine Runde. Ja. Gut. Bitteschön.
Noch einer. Platz. Sitz, dreh dich. “ Loki kriegt auch seinen Snack abgehakt.
Dann sehe ich Hubi. Hubi ist neu bei uns – er war sonst am anderen Standort und musste jetzt zu uns umziehen. Ein kleiner Jack-Russell-Mix, schon elfeinhalb Jahre alt und sucht ganz dringend ein Zuhause. Ein Senior, der Herzmedikamente bekommt, aber gut eingestellt ist.
Er ist verträglich mit anderen Hunden, kommt aber auf die Sympathie an. Zum Menschen ist er super nett, geht gerne laufen, ist noch aktiv – und eigentlich nur ein kleiner Schoßhund. Paul ist übrigens ausgezogen. Hier sitzt der Otis, aber Paul ist weg.
Dafür ist jetzt der kleine Senior Hubi eingezogen. Wir werden am Sonntag mehr Zeit mit ihm verbringen und ihn euch genauer vorstellen. Für heute schaffen wir es leider nicht mehr. Michelle sagt, wir müssen ausmachen.
„Schiebst du das bitte nicht auf mich? “, sage ich. Wir haben vorher was abgemacht und jetzt haben wir schon überzogen. „Was?
Wir überziehen doch nicht“, sagt sie. Wir tanzen doch gar nicht dort. Die Tierärzte wollen unbedingt tanzen vor der Kamera. Ich habe gesagt, getanzt wird erst, wenn jemand 50 Euro spendet.
Ich dachte, das sei easy. Aber jetzt sagen sie die ganze Zeit, sie wollen tanzen. Ich frage den Chat: „Wollt ihr sie tanzen sehen? “ Die Leute sagen ja, aber erst wenn jemand 50 Euro spendet, sonst nicht.
Ich überlege. Eigentlich würde ich von meinen Prinzipien abweichen. „Auf gar keinen Fall“, sage ich zu Jenny. „Achilles, das kostet mehr.
Kostet 70. “
Jaro liegt da, frisch kastriert, und schläft friedlich. „Ach Jaro, du bist so friedlich, wenn du schläfst“, sage ich. Bei Kindernarkose ist es nicht so schön wie bei einer Spritze, aber beides deutlich ruhiger.
Das stimmt wohl.


