„Kannst du Otis kurz aussperren? “, fragte Michelle, und ich nickte, während ich die Tür zum Gehege schloss. Einen Moment später hörte ich ein Winseln. „Okay, Meldung zurück.

Sorry, bitte Otis wieder reinlassen. “ Ich seufzte. „Ich gehe ihn kurz reinlassen, Sekunde. “
Es war einer dieser Tage im Tierheim, an dem alles gleichzeitig passierte.
Die Streams waren voller Unterstützung, die Abos flogen nur so rein, und trotzdem stand da ein Hund, der einfach keinen Platz in einem Zuhause fand. Otis, ein junger Kerl mit ordentlich Energie, hatte noch nicht eine einzige Anfrage bekommen. „Leute, das hat immer noch keine einzige Anfrage“, sagte ich in die Kamera. „Absolut noch ohne Interessenten, der Gute.
Falls ihr jemanden kennt, der Bock hat auf einen Steffix – er ist richtig cool, er hat richtig Bock auf Arbeit. Zu seiner Bezugsperson ist er ein Schatz. “
Ich erzählte, dass Otis nur eine einzige Sache als Thema hatte: Manipulation. „Wenn ihr beim Tierarzt seid und er festgehalten wird, weil er eine Impfung bekommt – dann würde er definitiv beißen.
Er trägt aber einen Maulkorb ohne Probleme. Das ist für ihn wie eine Brille tragen. “
Dann ging ich weiter, vorbei an den Katzen, und blieb vor einem Zwinger stehen, in dem ein alter Hund saß. Paul.
Ein Schäferhund-Collie-Mischling, elfeinhalb Jahre alt. „Paul saß drei Tage neben seinem verstorbenen Herrchen, bis er gefunden wurde“, sagte ich leise. Das Ordnungsamt hatte keine Angehörigen ausfindig machen können. Also kam Paul ins Tierheim.
„Er ist hier komplett verloren. Es gehört kein Tier ins Tierheim, aber so ein Paul hat es einfach so schwer hier. “
Ich sah zu, wie er erst jetzt an sein Frühstück ging, weil er Gesellschaft hatte. „Er hat sich das mehr als verdient, hier ganz schnell rauszukommen.
Elfeinhalb Jahre hat er vermutlich bei seinem Herrchen gelebt. Er hat dessen Tod miterlebt, war drei Tage hilflos dort, bis er gefunden wurde. Jetzt sitzt er alleine im Zwinger. “ Wir versuchten, ihm so viel Ansprache wie möglich zu geben, aber wir waren rappelvoll.
„Man muss sich klar sein: Ein Seniorhund kann schnell in die Tierarztkosten schießen. Aber er ist eine arme Seele, und es tut mir richtig leid. “
Immerhin gab es Hoffnung. „Wir hatten jetzt eine Anfrage.
Michelle hat heute mit den Leuten telefoniert, die ihn kennenlernen wollen. Ich hoffe, dass er bald ausziehen darf. “
Dann ging es weiter zu Isa. „Isa hatte mal Interessenten.
Die haben abgesagt, aber am gleichen Tag haben sich neue Leute gemeldet. Die waren gestern zum Kennenlernen da. Grundsätzlich können wir uns das gut vorstellen. Sie überlegen sich das natürlich noch einmal.
Wir hoffen, dass es klappt. “
Ich machte die Katzenrunde und kam schließlich zu Freddy. Einem blinden Kater, der einen Kragen trug. „Freddy hatte eine Augen-OP, er hatte ein Glaukom“, erklärte ich.
„Er hat sich leider viel zu doll gekratzt und seine Wunden wieder aufgerissen. Jetzt trägt er einen Kragen, damit er nicht mehr rankommt. “
Freddy war als Privatabgabe gekommen, ein Notfall. „Die Besitzerin meinte, er ist ein Streuner, aber er ist in der Zeit schon dreimal mit ihr umgezogen.
Na ja, auf jeden Fall hatte er ein Glaukom, einen grünen Star. Das ist super schmerzhaft für die Katzen, und er hat es schon einige Monate oder Jahre gehabt. Das Auge musste komplett entfernt werden. “
Dann stellte sich heraus, dass Freddy auch auf dem zweiten Auge blind war.
„Er konnte sich gar nicht orientieren, ist überall gegen gelaufen. Deshalb ist es wichtig, dass seine Zimmer-Einrichtung genauso bleibt. Vorher standen hier Kratzbäume, die mussten nach dem Saubermachen immer genau wieder dorthin, weil er sich sonst nicht zurechtfand. “ Nach der OP hatte er sich die Wunde immer wieder aufgekratzt.
Jetzt trug er einen süßen kleinen Kragen, und die Kratzbäume mussten raus. „Die Gefahr ist zu groß, dass er sich verletzt. Sobald es verheilt ist, bekommt er sie zurück. “
Ich schaute in die Kamera.
„Freddy sucht auch ein Zuhause. Es wird vermutlich nicht leicht, ein Zuhause zu finden für einen blinden Kater, der nicht mehr sonderlich jung ist. Er wird auf sieben, acht Jahre geschätzt. “
Ich hielt kurz inne.
„Wir sind ab Mai wieder mittwochs im Tierheim. Und nächste Woche macht Michelle wahrscheinlich den Stream mit euch alleine. Aber jetzt gehe ich erstmal mit Paul raus, an die frische Luft. Der Gute hat es verdient.
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