„Belial, mach Platz“, sage ich und klopfe ihm auf die Flanke. Er grummelt kurz, rührt sich aber nicht von der Stelle. „Ich kann nicht“, sagt er mit diesem typischen Hundeblick, als wäre das tatsächlich eine ausweglose Situation. Ich muss lachen.

Jetzt sitzt er wirklich direkt auf meinem Schoß und hat absolut keine Absicht, das zu ändern. Ich schaue auf die Uhr. Es ist kurz vor zwei, und ich muss gleich mit Jenny tauschen. „Na gut, großer.
Dann machen wir uns eben auf den Weg. “ Er winselt kurz, aber ich weiß genau, dass er das nur macht, weil er noch ein bisschen kuscheln will. „Ja, viel Hund bist du, ne? Genau das, was manche suchen.
“ Ich streiche durch sein dickes Fell und merke, wie meine Klamotten langsam voller Haare werden. Egal. Hauptsache, wir konnten ein bisschen kuscheln. Wir laufen durch das Tierheim, vorbei an den Zwingeranlagen.
Die Sonne brennt, und ich bin froh, dass ich mir vorhin eine Sonnenbrille geschnappt habe. „Können wir noch kurz bei den Spitzen vorbeirennen? Wir gehen da eh vorbei“, frage ich in die Runde. Keine Einwände.
Also ab zu den zwei kleinen weißen Wirbelwinden. Jaro und Kanani drehen sich aufgeregt im Kreis, sobald sie uns sehen. „Oh mein Gott, ihr seid so perfekt“, sage ich und gebe ihnen Küsschen durchs Gitter. „Ich liebe sie so sehr.
“ Jemand fragt, ob es neue Anfragen gibt. „Ja, ein paar allgemeine Leute, die wirklich gut sind. Die lass ich jetzt alle kommen. Vielleicht verliebt sich ja einer in einen von den beiden.
“ Das wäre der Traum. „Er kann das besser, wenn man vor ihm steht“, ruft Jenny. Ich übergebe das Handy und schaue zu, wie Jaro auf Kommando dasitzt und die Pfote gibt. „Du liebst ihn.
Ich liebe ihn auch. “ Kurze Stille. Dann lacht jemand: „Bitte, bitte mach du auch einmal. “ Jaro dreht sich, gibt Pfötchen, ist einfach bildhübsch.
„Ich weine, wenn sie nicht vermittelt werden“, sage ich leise. Wir reden über die Kosten. „Ich wünschte, du hättest nicht 6. 000 oder 7.
000 Euro für Oly ausgeben müssen, dann hättest du noch einen Spitz nehmen können“, merkt jemand an. „Vielleicht monatlich sehr viel, typisch Berlin“, antworte ich. Das Medikament für einen anderen Hund, Cyclosporin, kostet für 30 Tage zwischen 300 und 400 Euro. Furchtbar.
„Aber sie kann ein anderes Zuhause haben. Ich habe genug junge Hunde hier. Wenn ich einen nehmen würde, dann würde ich diesen nehmen. “
Wir laufen weiter.
Kurz Hände waschen, ein bisschen enthaaren. Kaltes Wasser, ein Traum. „Ich muss gleich mit Oly schwimmen gehen oder sowas“, sage ich. Dann bringe ich noch die Snacks von Rosalie weg, und danach gibt es endlich wieder ein bisschen Jenny Content.
Die Zuschauer freuen sich immer darauf. Jemand schreibt im Chat: „Jenny muss auch mal Hundekontent machen. Wir schaffen immer die Katzen, aber die Hälfte der Hunde fehlt. “ Ich muss grinsen.
„Gönn dir“, sage ich und hole mir eine eiskalte Cola aus dem Kühlschrank. „Cheers, Leute, ich gönn mir jetzt mein Loki. “ Ein Vorschlag kommt auf: Tauschstag. Einmal wechseln.
Michelle macht Katzen, Jenny Hunde. „Da haben wir per se beide kein Problem mit“, antworte ich. Keine große Sache. Ich höre schon, wie das Kind sich meldet.
„Hallo ihr Lieben. Ich wünsche euch ganz viel Spaß. Ich mache hier mal kurz auf leise. “ Die Kleine ist wach, hat Hunger.
Rosalie hat schon was zu trinken bekommen. Ich wechsle kurz die Windel, das volle Ding wandert in den Müll. Dann überlegen wir: eine komplette Snack-Runde für alle Hunde, damit wir heute wenigstens jedem einmal Hallo gesagt haben. Danach wiegen wir Isa.
Und dann? „Gehen wir noch ein bisschen zu den Katzen. Ist das ein Deal? “ „Ist ein Deal“, kommt es zurück.
Gut, dass wir drüber gesprochen haben. Ich packe Snacks ein. Tüte voll. Unterwegs fällt mir ein: „Wir brauchen noch Rinderfettpulver.
Das ist unsere letzte Dose. “ Ein paar Hunde, wie Kangaru, sind viel zu dünn. Sie bekommen das Pulver zusätzlich ins Futter. „Falls jemand Bock hat, uns eine Kleinigkeit zu spenden – es steht auf unserer Wunschliste.
“ Ich schaue in die Kamera. „Aber ihr könnt es auch einfach überhören, wenn ihr nichts spenden wollt. Jeder, wie er will. “ Trotzdem: Wenn jemand uns eine große Freude machen will, dann neues Rinderfettpulver.
Wir machen die Runde. Erst Belial, der schon wieder einen Snack abstaubt. Dann Heidi. „Heidi hat übrigens einen Interessenten“, sage ich.
„Da wird bald eine Vorkontrolle gemacht, und wenn das gut geht, darf sie hoffentlich bald in ein Zuhause ziehen. “ Das wäre so schön. Ich muss kurz in den Schatten gehen, um das Handy zu lesen. „Toptick, vielen, vielen Dank für die Spende von Rinderfettpulver.
Ey, crazy. Danke schön vom Herzen. “ Die Community ist wirklich unglaublich. Wir laufen zu den Ausläufen.
Da wird gerade das Fundament gebaut. „Die Hunde buddeln gern, und die Steine sind als Untergrabschutz. Hier kommt noch Beton rein, dann die Zwingerelemente drauf, dann ist es fertig. “ Jemand fragt: „Morgen fertig?
“ Ich lache. „Nein, das dauert noch eine ganze Weile. Aber es geht voran, und wir sind sehr happy. “ Ich mache ein paar Fotos für Social Media, damit alle sehen, dass wir vorankommen.
Hinter mir sitzen zwei Hunde, die wir noch nicht zeigen dürfen. „Die sind noch gesperrt vom Amt. Da läuft das Verfahren noch, deswegen dürft ihr die leider nicht sehen. “ Ich verteile weiter Snacks.
Misch will gerade eine Ehrenamtlerin anpöbeln. „Wir pöbeln hier niemanden an“, sage ich scherzhaft. „Du bist ja ein Sack. “ Sie kriegt trotzdem einen Snack.
Weiter zu Isa. „Isa ist unser Pflegehund. Die wohnt bei uns zu Hause, gehört aber dem Verein. “ Sie guckt mich an, als würde sie sagen: Nimm mich wieder mit nach Hause.
Was soll ich hier? „Wir müssen Isa wiegen, weil die kleine Maus muss abnehmen. Ich hoffe, wir haben wieder ein paar Gramm geschafft. “
Anduin hat noch keinen Snack.
„Wo sitzt denn Anduin? “, frage ich. Keiner weiß es genau. Ich schaue in die Runde.
Da war er vorhin nicht mit im Auslauf – das war Ronaldo. „Ronaldo ist einer der Endlostöpsel“, erkläre ich. „Den haben wir als Welpen vermittelt. Im Juli kam er durch eine Fortbildung zurück.
Die Besitzer waren überfordert mit ihm, und der ist schon ein kleiner Psycho geworden. Der ist nicht ohne. “ Aber er kriegt seinen Snack. Knödel ist heute friedlich.
„Pöbelknödel hat sich mit mir angefreundet. Man mag es kaum glauben, aber wir sind mittlerweile ganz cool. “ Dolly ist ein bisschen ressourcenhungrig, also passe ich auf, wenn ich ihr den Snack gebe. „Dolly kriegt noch einen.
“ Sie balanciert kurz, verliert fast das Gleichgewicht. Ich muss lachen. Dann zu den Spitzen. „Habt ihr auch richtige Problemhunde, die einen Knacks haben?
“, fragt jemand im Chat. „Oh ja, wir haben einige Problemhunde. Definitiv. “ Ich erzähle von Gero, dem Schäferhund.
„Der ist leider gar nicht ohne. Da wird es richtig schwer, den zu vermitteln. Wir haben einige Hunde, die Beißvorfälle hatten oder definitiv beißen würden. Das bleibt leider nicht aus.
“
Jaro und Kanani haben richtig, richtig Bock auf Action. „Die wollen gefördert und gefordert werden. Das sind keine Couch-Potatoes. Die wollen kopfmäßig ausgelastet werden, die wollen raus, die wollen die Welt erleben, die wollen mitwandern.
Wer aktiv ist, hat richtig Spaß mit denen. “ Sie sind, wie es ihre Rassebeschreibung sagt: typisch Spitz. Und unendlich witzig. Otis Weißspitz ist auch so ein Fall.
„Der würde definitiv in manchen Situationen beißen. Der kennt und kann Maulkorb und ist sonst ein richtig cooler Hund. Der muss nur in die richtigen Hände. “ Leider hat Otis viele Allergien.
„Ein Sack Futter, 14 Kilo, kostet uns 100 Euro. Ein Partent schickt ihm immer eine Monatsration – das nimmt uns ein Riesenlast ab. “ Otis darf keine Snacks. „Er kriegt sofort Durchfall oder Hautprobleme.
Das einzige Futter, das er verträgt, ist das. “
Dann ist da noch Paul. „Paul ist schon elfeinhalb Jahre alt, ein Bordercollie-Schäferhund-Mischling. Er hat drei Tage neben seinem verstorbenen Besitzer gesessen, bis jemand vorbeigegangen ist und ihn gefunden hat.
“ Ich schlucke kurz. „Der gehört nicht ins Tierheim. Der gehört auf eine Couch. “ Es gibt eine Anfrage, die gut klang.
„Die Interessenten kommen nächste Woche vorbei. Ich glaube, Mittwoch. Drückt ganz, ganz doll die Daumen, dass es klappt und er bald ausziehen darf. “
Amazon klingelt.
„Oreo durfte ausziehen“, sage ich. Sein Zwinger ist jetzt leer. „Der hat sein großes Glück gefunden. “ Loki dagegen hat immer noch keine Anfragen.
„Loki ist leider auch nicht ohne. Er darf nur mit Maulkorb nach draußen. Aber für ihn ist das gar kein Problem – der kennt Maulkorb, der kann Maulkorb, ist wie eine Brille tragen. Das stört die gar nicht.
Manche kommen immer mit: Oh nein, der Arme mit Maulkorb. Nee, Maulkorb schenkt Freiheit. “ Loki wartet jetzt auf eine Runde Gassi. „Es tut mir leid, mein Schatz, aber du warst schon laufen.
“
Ich weiß, wem noch ein Snack fehlt. Gero. Der sitzt am anderen Ende, ganz außerhalb. „Er geht auf Dynamik ab, dreht sich richtig hoch und kann dann gar nicht entspannen.
Er hat leider schon Beißvorfälle gehabt. “ Ich gehe zu seinem Zwinger. Er kreist. „Gero läuft hier seine Runden, den ganzen Tag.
Zwischendurch wird er eingeschobert, damit er etwas runterkommt. “ Ich halte ihm einen Snack hin. „Du musst dafür deinen Kong ausspucken“, sage ich sanft. Er gibt ihn ab.
„Bitteschön. “
Gero ist auch Allergiker. Er bekommt Josera Sensi Plus. „Gero sucht übrigens auch Paten, genauso wie Otis, genauso wie Misch.
“ Ich erkläre, wie eine Patenschaft funktioniert: „Ab 15 Euro im Monat seid ihr dabei. Jederzeit kündbar. Ihr bekommt eine Urkunde nach Hause geschickt und regelmäßig Infos mit Fotos und Videos in einer WhatsApp-Gruppe. Das Geld fließt ins Futter, ins Training, für Ausflüge oder in den Tierarztfonds.
“ Ein Tier kann auch mehrere Paten haben. „Ja, definitiv. Mit 15 Euro kommen wir nicht weit. Gero kriegt zwei bis drei Tabletten am Tag, das kostet viel Geld.
Da nehmen wir gerne mehrere Paten auf. “
Es gibt auch allgemeine Partnerschaften ab 10 Euro im Monat. „Da legt ihr euch nicht auf einen Hund fest, sondern unterstützt da, wo es am wichtigsten ist. Für alle Tiere im Heim zusammen.
“ Den Leuten ist es egal, was wir bevorzugen. „Uns eigentlich auch. Die Einzelpatenschaft ist schön, wenn ihr ein Lieblingstier habt. Die allgemeine hilft da, wo gerade Lücken sind.
Alles hilft. “
Für Rosalie, das Schwein, gibt es keine Patenschaften. „Das kriegen wir zeitlich nicht zusätzlich betreut, weil wir auch immer Infos schicken wollen. Aber ihr könnt über Ausrufezeichen spenden, einen Dauerauftrag einrichten und als Nachricht ‚Support Rosalie‘ dazuschreiben.
Dann wissen wir, wofür es ist. “
Ein Raid kommt mit 41 Leuten. „Herzlich willkommen bei uns im Tierheim“, sage ich. „Wir machen gerade unsere Endrunde.
Wir waren bei allen unseren Hunden – außer einem. Anduin. Ich weiß gerade nicht, wo er sitzt. “ Ich lache hilflos.
„Da müssen wir jetzt noch mal auf die Suche gehen. “
Ich gucke in die Runde, dann in die Kamera. Irgendwo da draußen sitzt Anduin und wartet auf seinen Snack.
Und ich werde ihn finden.


