Ich war die Frau an der Seite des mächtigsten Mörders des Dritten Reiches – und doch erfuhr ich von seiner Affäre erst durch einen Anruf. Er, der ganz Europa in Angst versetzte, hatte zu Hause…

Ich war die Frau an der Seite des mächtigsten Mörders des Dritten Reiches – und doch erfuhr ich von seiner Affäre erst durch einen Anruf. Er, der ganz Europa in Angst versetzte, hatte zu Hause...

Sie erfuhr es nicht durch ein Geständnis, sondern durch einen Anruf, der sie zu einer Fremden in ihrem eigenen Leben machte. Es war 1941, mitten im Krieg, und Margarete Himmler glaubte, sie kenne ihren Mann besser als jeder andere. Heinrich war unbeholfen, sparsam, pedantisch – ein Mann, der zu Hause kaum ein Wort herausbrachte und der doch ganz Europa in Angst und Schrecken versetzte. Sie hatte ihn aufgebaut, ihm den Rücken freigehalten, sein Heim geführt, seine Tochter großgezogen.

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Sie war die Ehefrau des mächtigsten Mannes nach Hitler. Und doch hörte sie in jenem Telefonat zum ersten Mal den Namen Hedwig. Hedwig Potthast war jung, Anfang zwanzig, als sie 1936 als Sekretärin in Heinrichs Büro kam. Margarete war damals dreiundvierzig, fast sieben Jahre älter als ihr Mann, eine Frau, die längst gelernt hatte, dass die Blicke der SS-Führer an ihr vorbeiglitten.

Heinrich hatte sie einst wegen ihrer blonden Haare und blauen Augen geliebt, wegen ihrer gemeinsamen Begeisterung für Homöopathie, Kräuter und Landwirtschaft. Nun aber sah er in Hedwig das, was Margarete ihm nicht mehr geben konnte: Jugend, Schönheit, Bewunderung, Nachgiebigkeit. Als Margarete von der Affäre erfuhr, brach in ihr nicht nur das Herz. Es zerbrach auch der Stolz einer Frau, die jahrelang um ihren Platz in der SS-Gesellschaft gekämpft hatte.

Die Frauen der hohen Offiziere hatten sie ohnehin nie akzeptiert. Lina Heydrich, die Frau des Gestapo-Chefs, verspottete sie offen: „Unterwäsche Größe 50, mehr war da nicht. “ Andere tuschelten hinter vorgehaltener Hand über die „Straßenköterblonde“, die zu Hause hockte, während die jüngeren Frauen glänzten. Margarete hatte diese Demütigungen ertragen, weil sie glaubte, Heinrich stehe an ihrer Seite.

Doch Heinrich stand längst woanders. Die Ehe zerbrach, aber eine Scheidung kam nicht in Frage. Heinrich, der vor Hitler und der Welt als allmächtiger SS-Chef auftrat, wagte nicht, den Anschein einer intakten Familie zu zerstören. Margarete blieb also, verbittert und allein, während Heinrich mit seiner Geliebten zwei Kinder zeugte.

Er nannte seine Tochter Gudrun „Püppi“ und rief sie fast täglich an, besuchte das Haus in Gmund so oft wie möglich – nicht wegen Margarete, sondern wegen des Mädchens, das er über alles liebte. Margarete blieb zurück, die Frau, die offiziell immer noch an seiner Seite stand, und doch nur noch eine Formalität war. Sie hatte einst geglaubt, gemeinsam mit Heinrich Großes zu erreichen. Als er 1928 in die NSDAP eintrat, war sie begeistert gewesen.

Sie hatte seine antisemitischen Tiraden geteilt, hatte selbst geschrieben, wie sehr sie die Juden verachtete, hatte sich sogar über ihren ehemaligen Geschäftspartner Hauschild lustig gemacht: „Diese Juden sind alle gleich. “ Sie war stolz darauf, die ranghöchste Frau in der SS zu sein, lud die Ehefrauen der Offiziere zu Kaffee und Tee ein und bestand auf der ihr zustehenden Anerkennung. Doch je mächtiger Heinrich wurde, desto mehr zog sich Margarete zurück. Ihre Angst vor offenen Plätzen wurde stärker, sie verkroch sich zu Hause, und die Welt draußen gehörte anderen.

Im Krieg fand sie schließlich wieder eine Aufgabe: das Deutsche Rote Kreuz. Sie reiste durch besetzte Gebiete, organisierte Krankenhäuser, und in ihrem Tagebuch notierte sie, was sie sah. Im März 1940 schrieb sie über ihre Reise nach Polen: „Dieses jüdische Gesindel, die Polen, die meisten von ihnen sehen nicht einmal wie Menschen aus, und der Schmutz ist unbeschreiblich. “ Sie erreichte den Rang einer Oberstführerin, gab den Posten aber wieder auf, weil sie sich ständig mit den Ärzten stritt.

Danach verschwand sie zurück in ihr ruhiges Haus in Gmund, eine Frau, die längst von ihrer eigenen Familie und der Geschichte überholt worden war. Im Februar 1945 schrieb sie an Heinrichs Bruder Gebhard: „Wie wunderbar, dass er zu großen Aufgaben berufen wurde und ihnen gewachsen ist. Ganz Deutschland blickt auf ihn. “ Im April 1945 hörte sie zum letzten Mal von ihrem Mann.

Dann floh Heinrich, aber nicht mit ihr. Margarete und ihre Tochter Gudrun flohen mit SS-Hilfe nach Südtirol, nach Bozen, wo sie sich versteckten. Heinrich wurde von den Briten gefangen genommen und beging Selbstmord. Margarete erfuhr es erst später, in Internierungslagern, in denen sie und ihre Tochter festgehalten wurden.

Sie wurde verhört, doch sie wusste angeblich von nichts. Sie behauptete, keine Kenntnis von den Verbrechen ihres Mannes gehabt zu haben, und schob alle Schuld auf Hitler: Heinrich habe nur Befehle ausgeführt. Dabei hatte sie Dachau mehrfach besucht, um den Kräutergarten zu besichtigen, der zu Himmlers Gesundheitsprojekten gehörte. Sie hatte auch Ravensbrück gesehen.

Doch von dem, was sie dort gesehen haben musste, schwieg sie. Sie war die einzige Frau eines führenden Nazis, die das Innere des Konzentrationslagersystems kannte – und sie sagte nichts. Bei den Nürnberger Prozessen musste sie aussagen, wurde aber 1946 freigelassen. Danach beklagte sie sich, dass sie und ihre Tochter in Lagern festgehalten und behandelt worden seien, als müssten sie für die Sünden ihres Mannes büßen.

Sie starb am 25. August 1967 in München, mit 73 Jahren, eine verbitterte, vergessene Frau. In einem ihrer Briefe an Heinrich hatte sie einst geschrieben: „Ich bin so glücklich, einen so guten Mann zu besitzen, der seine Frau genauso liebt, wie sie ihn liebt. “ Wie konnte sie einen Mann lieben, der für den Tod von Millionen verantwortlich war, und ihn dennoch „gut“ nennen?

Margarete Himmler war nicht nur die Frau an der Seite eines Monsters. Sie war eine Frau, die die Verbrechen ihres Mannes nicht nur ertrug, sondern teilte – bis zu ihrem letzten Tag.