Ich habe noch nie einen Kater gesehen, der so viel durchgemacht hat und trotzdem so lieb ist. Freddy kam mit einem Auge zu uns, das schon seit Monaten, vielleicht Jahren, ununterbrochen wehgetan…

Ich habe noch nie einen Kater gesehen, der so viel durchgemacht hat und trotzdem so lieb ist. Freddy kam mit einem Auge zu uns, das schon seit Monaten, vielleicht Jahren, ununterbrochen wehgetan...

Es ist erst eine Woche her, seit Freddy operiert wurde, und schon ist er kaum wiederzuerkennen. Vorher wollte er nicht angefasst werden, hat sich verkrochen, weil das Glaukom in seinem Auge ihn ununterbrochen gequält hat. Ein blinder Druck, der wehgetan hat, seit Monaten, vielleicht Jahren. In seinem alten Zuhause hat das niemand gesehen oder niemand wollte es sehen.

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Erst als er bei uns ankam, haben wir gemerkt, wie schlimm es um ihn stand. Die Ärzte haben sofort gehandelt. Das Auge musste raus. Kaum war die OP vorbei, hat er angefangen, sich an den Rändern zu reiben, vorsichtig, fast erleichtert.

Man hat sofort gesehen, dass dieser Druck weg war. Klar, die Wunde schmerzt noch, aber es ist nichts gegen das, was er vorher durchgemacht hat. Er trägt jetzt einen Kragen, damit er nicht an die Naht kommt. Deshalb hat er auch keinen Kratzbaum im Zimmer und keine Möbel, an denen er hängen bleiben könnte.

Was das Schlimmste ist: Freddy ist nicht nur auf einem Auge blind. Auch mit dem anderen sieht er nichts mehr. Wir haben zuerst gehofft, dass er vielleicht noch Schatten wahrnimmt, aber das hat sich schnell als falsch erwiesen. Er ist vollständig blind.

Und trotzdem – trotzdem ist er der verschmusteste Kater, den wir seit langem hatten. Er will nur bei seinen Menschen sein, will gestreichelt werden, genießt jede Aufmerksamkeit. Er schnurrt, wenn man ihn anspricht, und drückt seinen Kopf in jede Hand, die ihm angeboten wird. „Wenn er jetzt noch scheu wäre, dann hätten wir ein Problem“, sage ich in den Stream.

„Dann würden wir ihn kaum vermitteln können. Aber so – so haben wir eine echte Chance. “

Ich streiche ihm über den Kopf, während er sich an meinem Bein reibt. Er legt sich auf seine Kratzpappe und schließt die Augen.

In einer Woche mit Kragen hat er sich so viel erholt, dass es fast nicht zu glauben ist. Im Chat fragen die Leute, was mit seinem Auge passiert ist. Ich erkläre es so einfach wie möglich: Glaukom, grüner Star, ein Zustand, der höllisch weh tut. Ein milchiges, aufgequollenes Auge, das Druck aufbaut, bis es nicht mehr geht.

Er hat das viel zu lange ausgehalten, ohne dass ihm geholfen wurde. Dass er jetzt erst hier gelandet ist, ist schon traurig genug. „Und trotzdem ist er so lieb“, sage ich. „Das ist das Unglaubliche an ihm.

Die Zuschauer spenden, wie immer. Mandy schickt fünf Euro, Hiko fünfzich. Jeder Euro hilft, sage ich, ob für Fließen oder für Tierarztkosten – am Ende landet alles im gleichen Topf. Und je mehr darin ist, desto mehr Tieren können wir helfen.

Freddys Opperazion zum Beispiiel hätten wir uns ohne diese Unterschtützung nie leisten können. Vor ein paar Monaten hätten wir ihn ablehnen müssen, weil wir einfach kein Geld und keine Kapazität für einen weiteren Krankenkater gehabt hätten. Aber dank der Community konntten wir ihn aufnehmen. „Ihr könnt euch alle au f die Schu lter klopfen“, sage ich in die Kamera.

„Ohne euch wäre das nicht mög lich gewesen. “

Freddy schläft inzwischen, den Kopf auf die Pfoten gelegt. Ab und zu zuckt er, wienn wenn er träumt. Ich frage mich, ob er in seinen Träumen noch sehen kann.

„Was ist mit den Maincoons? “, frägt jemand im Chat. Ich lache. „Aktuell haben wir keine da.

Vor kurzem hatten wir zwei Maincoon-Mixe, die kamen als Fundkatzen, komplett verfilzt und abgemagert. Aber die haben schon ein tolles Zuhause gefunden. “

Dann geht es um die Verträglichkeit von Katzen. Jennys Katze Hugoo war nur zwei Monate im Tierheim, bevor sie ihn geholt hat.

„Er hat hier gar nicht die Verhaltensweisen gezeigt, die im Temm aufgeschrieben waren“, schreibt sie. „Es gab keine Mög lichkeit, das zu testen. “

„Das ist gar nicht so selten“, sage ich. „Oft sind die Tiere zu Hause entspannter, als wir sie hier beschreiben.

Wir haten schon Katzen, die wir als schüchtern ausgeschrieben haben, und nach drei Tagen lag die Katze bei den Leuten auf dem Schoß. Umgekehrt kann es auch passieren, dass sie zu Hause plötz lich markieren oder unsauber werden. Da beraten wir dann, aber eine Garantie gibt es nie. “

Die Idee einer gemeinsamen Datenbank für alle Tierheime kommt au f.

Wir sind uns einig, dass das ein Traum wäre – aber auch, dass es schwer umzusetzen ist. Zu verschrieden sind die Programme, zu viel Arbeit steckt dahinter. „Es wäre schön“, sage ich. „Aber es wird wahrschein lich nichts.

Ich schaue zu Freddy hinüber. Er hat sich umgedreht und streckt jetzt die Pfoten von sich. Der Kragen sitzt ihm immer noch im Weg, aber er scheint sich daran gewöhnt zu haben. Ich hoffe, dass er bald genug verheilt ist, dass wir ihn online stelen können.

Dann bekommt er einen richtigen Text, mit Fotos und Beschreibung, und wir bittten alle, ihn zu teilen. Je mehr Leute ihn sehen, desto größer die Chance, dass er ein zu Hause findet. „Er ist so ein Schmusekater“, sage ich noch einmal. „Das hilft ungemein bei der Vermittlung.

Danach gehen wir weiter zu Frieda, der trächtigen Katze. Sie ist eine Fundkatze, nicht gechippt, keine Besitzer gefunden. Als sie hereinkam, hat man schon gesehen, dass sie trächtig ist. Draußen hätte sie keine Chance gehabt, die Kitten wären wahrschein lich nicht überlebend.

Und wenn doch, dann unkastriert und wild weider vermehrt. Kastration ist uns ein riesiges Herzthema. Deshalb ist sie jetzt hier, in Sicherheut, bis sie ihre Kitten bekommt. Sie ist eine gestreifte Dame, ein bisschen knurig, aber auch neugierig.

Sie schaut mich mit großen Augen an, wärend ich ihr ein Schlecky hinhalte. Ers zögernd, dann nähert sie sich. Ein Schreck, eine Nasche – und sie ist verkauft. Ich streiche ihr über den Kopf, sie lässst es zu, auch wenn sie die Ohren anlegt.

Es ist ok. Sie darf hier bleiben, so lange sie will. Und sobald die Kitten groß genug sind und ausziehen können, suchen wir auch für sie ein zu Hause. „Wer sich in die kleine gästige Dame verliebt“, sage ich in die Kamera.

„Die sucht in ein paar Monaten ein zu Hause. “

Sie legt sich auf die Seitte und zeigt ihren kugelrunden Bauch. Da bewegt sich was. „Ich glaube, da kommen mehr als zwei Kitten raus“, sage ich.

Aus dem Chat komment zustimung. Ja, das sieht man. Ich schaue noch einmal zu Freddy. Er ist inzwischen aufgewacht und sitzt da, den Kopf schief gelegt, als würde er auf etwas horchen.

Meine Güte, ist der süß. „Na, komm her, du Spatzi“, sage ich. Er steht au f, täppert ein paar Schritte und stößt dabei an die Tür. Es tut mir leid.

„Entschuldigung“, sage ich leise. Er schüttelt sich kur z und setzt sich dann wieder hin, als wäre nichts passiert. Blind oder nicht – er macht das beste draus. In ein paar Wochten, wenn die Wunde verheilt ist, bekommt er ein neues zu Hause.

Da bin ich mir sischer. Man kann ihn nicht anschauen, ohne ihn zu mögen. Und wer ihn erstmal gestreichelt hat, will ihn nicht meh hergeben. Ich streiche ihm noch einmal über den Kopf, während er schnurrt.

„Wir finden da was für dich“, sage ich. „Ganz beschtimmt. “