Es begann mit Kissen. Ich kam an einem Mittwochabend nach Hause, und das marineblaue Kissen lag rechts, nicht links. Meine Mutter war in meiner Wohnung gewesen. Ich bin Diana, 26, und hatte drei Monate zuvor meine erste eigene Wohnung in Hamburg bezogen.

Bei der Schlüsselübergabe bat meine Mutter um einen Ersatz – „nur für Notfälle“, sagte sie mit diesem weichen Blick. Ich gab ihn ihr. Damals schien es vernünftig. Dann standen Tupperdosen auf meiner Arbeitsplatte.
Lasagne, Kartoffelsalat, Kekse. Eine SMS von Mama: *Ich hoffe, du hast das Essen gefunden. * Sie hatte den Hausverwalter überredet. Ich tauschte die Schlösser.
Drei Wochen Frieden. Dann fand ich mein Fenstersieb auf dem Boden – und frische Wäsche, gefaltet auf meinem Bett. Sie war über das Balkongeländer geklettert, durch mein Fenster im zweiten Stock eingestiegen. Meine 55-jährige Mutter.
Als ich sie zur Rede stellte, sagte sie: „Es ist kein Einbruch, wenn es Familie ist. “ Papa nannte mich egoistisch und paranoid. Ich verstand: Schlösser würden niemals genügen. Sie glaubten, sie hätten ein Recht auf mich.
Also verschwand ich. Neue Wohnung, Hafencity, 20 Stockwerke, Concierge. Ich sagte keinem von ihnen die Adresse. Als sie meine leere Wohnung fanden, rief Mama hysterisch an.
Ich hörte ihre Panik und blieb ruhig. Vier Monate später wissen sie immer noch nicht, wo ich wohne. Letzte Woche schrieb Mama: *Ich habe Schmorbraten gemacht. Möchtest du am Sonntag vorbeikommen?
* Ich starrte lange auf die Nachricht. Dann tippte ich: *Ich bin um 18 Uhr da. *


