Als mein Vater damals in Jugoslawien diente, erzählte er nie von den Dörfern – nur dass Befehle Befehle sind. Er sagte: „Wir haben getan, was getan werden musste.“ Aber ich habe die Akten gesehen,…

Als mein Vater damals in Jugoslawien diente, erzählte er nie von den Dörfern – nur dass Befehle Befehle sind. Er sagte: „Wir haben getan, was getan werden musste.“ Aber ich habe die Akten gesehen,...

Jugoslawien, 1943. Der Krieg auf dem Balkan kennt keine Gnade mehr. Deutsche Truppen kämpfen Seite an Seite mit kroatischen und anderen Verbänden der Achsenmächte – nicht nur gegen Titos kommunistische Partisanen, sondern auch gegen die Zivilisten, die sie versorgen und verstecken. Jeder Hinterhalt bringt brutale Vergeltung: Dörfer werden niedergebrannt, Geiseln erschossen, Familien aus ihren Häusern vertrieben.

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Offiziell heißen diese Aktionen „Antipartisanenoperationen“, in Wirklichkeit sind es Massaker. Ganze Landstriche versinken in Schutt und Asche, und jeder Bewohner lernt, den Anblick deutscher Uniformen zu fürchten. Zu den Divisionen, die diesen Feldzug führen, gehört eine neue Formation aus kroatischen Freiwilligen und deutschen Offizieren: die 369. kroatische Infanteriedivision, berüchtigt unter ihrem düsteren Spitznamen „Teufelsdivision“.

Ihr Ruf eilt ihr voraus, Feuer und Tod hinterlässt sie auf ihrem Weg. An ihrer Spitze steht ein deutscher General, der Befehle ohne Zögern ausführt. Sein Name: Fritz Neithold. Geboren am 16.

November 1879 in St. Kilian im damaligen Deutschen Kaiserreich, wächst Fritz als Sohn eines evangelischen Pfarrers auf. Sein Vater vermittelt ihm die Werte von Disziplin und Gehorsam – doch nicht die Kirche fesselt die Vorstellungskraft des jungen Fritz, sondern das Militär. Der Anblick von Uniformen, die Ordnung von Rang und Kommando sprechen ihn mehr an als jedes Priestertum.

Am 30. August 1907, noch keine zwanzig Jahre alt, tritt er in die deutsche Armee ein. Es ist eine Zeit, in der das Kaiserreich stolz dasteht und junge Männer glauben, der Dienst für Kaiser und Vaterland sei die höchste Ehre, die ein Leben bieten kann. Neithold beginnt seine Laufbahn im 6.

Thüringischen Infanterieregiment Nr. 96. Durch Drill und Märsche lernt er das Soldatenhandwerk und steigt langsam auf. Als der Erste Weltkrieg im Sommer 1914 ausbricht, zieht er mit seinen Männern an die Front.

Zuerst kämpfen sie in Belgien nahe Namür, später wird die Einheit an die Ostfront verlegt. Während der Kriegsjahre dient er an verschiedenen Frontabschnitten, aber auch in militärischen Stäben. Er wird verwundet und erhält mehrere Auszeichnungen, darunter das Ritterkreuz des Königlich Sächsischen Albrechtsordens mit Schwertern und beide Klassen des Eisernen Kreuzes. Als der Krieg mit der deutschen Niederlage endet, bleibt Neithold in der Armee der jungen Weimarer Republik.

Das Kaiserreich ist verschwunden, die Monarchie gefallen – doch die Gewohnheit des Gehorsams bleibt. Er dient still durch die 1920er Jahre, einer von vielen Offizieren, die die wechselnde Politik Weimars weder hinterfragen noch sich ihr widersetzen. Er ist kein Visionär, sondern ein reiner Berufssoldat: methodisch, präzise, völlig dem Kommando ergeben. Die Armee ist durch den Versailler Vertrag auf hunderttausend Mann begrenzt, doch Neithold bleibt lange genug, um zu erleben, wie sich die Reichswehr nach Hitlers Machtübernahme im Januar 1933 langsam in die Wehrmacht verwandelt.

Am 21. Mai 1935 tritt Neithold nach der Wiederaufrüstung der deutschen Armee in den Ruhestand – vielleicht in der Hoffnung auf Frieden. Doch der Frieden kommt nie. Im Dezember 1938, während Deutschland erfolgreich aufrüstet, wird er in den aktiven Dienst zurückgerufen.

Der Zweite Weltkrieg beginnt am 1. September 1939 mit dem Überfall auf Polen, und Neithold ist wieder im Feldeinsatz. Ende September 1939 kommandiert er das 322. Infanterieregiment im besetzten Polen.

Später wird das Regiment an die Westfront verlegt, und er führt seine Soldaten durch den Westfeldzug, der am 10. Mai 1940 beginnt. Doch im März 1941 werden sie erneut einberufen. Eine neue Aufgabe wartet auf Neithold – eine, die seinen Namen für immer mit den Schrecken des Balkanfeldzugs verbinden wird.

Deutschlands Blick hat sich nach Südosten gerichtet, und Fritz Neithold soll an vorderster Front stehen, wenn das Dritte Reich seine Macht über Jugoslawien ausdehnt. Was als militärischer Auftrag beginnt, wird sich in eine Kette von Gräueltaten verwandeln, die in den offiziellen Berichten nur als „Bandenbekämpfung“ firmieren. Die Teufelsdivision ist bereit, ihr blutiges Werk zu beginnen.