Der 20. Juli 1944 begann für Erwin Rommel wie jeder andere Tag an der Westfront, wo er die Verteidigung gegen die Alliierten befehligte. Da erreichte ihn die Nachricht: Ein Attentat auf Hitler war fehlgeschlagen. Der Führer überlebte, nur leicht verletzt.

Rommel, der seit Monaten wusste, dass es Verschwörer in der Armee gab, die Hitler stürzen wollten, spürte sofort, dass das seine Welt für immer verändern würde. Er hatte das Attentat nicht selbst geplant, aber er hatte davon gewusst und es nicht gemeldet – aus Überzeugung, dass Hitler Deutschland in den Abgrund führte. Seine Karriere war steil gewesen. Vom einfachen Infanterieoffizier im Ersten Weltkrieg, der mit waghalsigen Vorstößen und überraschenden Flankenangriffen berühmt wurde, stieg er in der Reichswehr auf.
Im Zweiten Weltkrieg wurde er zum Gesicht des Afrika-Feldzugs, der „Wüstenfuchs“, dessen Name sogar beim Feind Respekt einflößte. Hitler mochte ihn, weil er unkonventionell dachte und seine Truppen wie kein zweiter führte. Doch der Krieg hatte Rommel verändert. In Afrika hatte er gesehen, wie sinnlos das Sterben war, und in Frankreich erkannte er, dass der Krieg nicht mehr zu gewinnen war.
Er begann, den Wahnsinn hinter Hitlers Befehlen zu durchschauen. Nach dem Attentat lief die Razzia der Gestapo auf Hochtouren. Überall wurden Offiziere verhaftet, gefoltert, vor den Volksgerichtshof gezerrt und hingerichtet. Rommel wusste, dass sein Name in den Aussagen der Verschwörer gefallen war.
Er versuchte, so zu tun, als wäre nichts gewesen, aber die Schlinge zog sich zu. Sein eigenes Haus wurde von der Gestapo beobachtet. Eines Abends, als er mit seiner Frau Lucia dasaß, wusste er, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis sie kamen. Die Anklage lautete auf Hochverrat.
Doch Hitler zögerte. Rommel war ein Held des Volkes, und ein öffentlicher Prozess hätte das Vertrauen in die Wehrmacht zerstört. Also wurde ein anderer Weg gewählt. Am 14.
Oktober 1944 rollten zwei Autos vor Rommels Haus in Herrlingen vor. Zwei Generäle stiegen aus und verlangten, mit ihm allein zu sprechen. Sie überbrachten die Wahl: Entweder er begeht Selbstmord, um sich selbst und seiner Familie die Schande des Prozesses zu ersparen, oder er wird vor Gericht gestellt, und seine Familie wird mit ihm verhaftet. Rommel stand auf, ging zu seiner Frau und sagte ruhig: „In einer Viertelstunde bin ich tot.
“ Seine Stimme war flach, ohne Zittern. Er trug seine Uniform, wie immer. Als er das Haus verließ, drehte er sich noch einmal um und sah seine Frau an. Dann stieg er in das Auto, das ihn in den Wald brachte.
Eine halbe Stunde später wurde gemeldet, dass Generalfeldmarschall Rommel an den Folgen einer Embolie gestorben sei – ein plötzlicher Herztod, hieß es offiziell. Kein Wort über die Zyanidkapsel, die er kurz vorher geschluckt hatte.


