Am 29. September 1938 steht München im Rampenlicht. Kameras filmen die Ankunft der europäischen Staatschefs, als sie zu einer Konferenz eintreffen, die über das Schicksal der Tschechoslowakei entscheiden soll. Unter dem Druck Nazi-Deutschlands wird hier über Krieg und Frieden verhandelt, während die Welt den Atem anhält.

Inmitten der feinen Säle bewegt sich ein Mann, der für viele wie ein Playboy wirkt – der Schwiegersohn des italienischen Diktators Mussolini und zugleich Außenminister seines Landes. Galeo Ciano, so sein Name, schreitet selbstbewusst durch die Menge. Für die Kameras ist er der charmante Diplomat, doch in Wirklichkeit ist er ein loyaler Diener eines Regimes, das eng mit Hitler verbündet ist. Er ist kein Außenseiter, sondern einer der zentralen Architekten des faschistischen Italiens.
Galeo wird am 18. März 1903 in Livorno geboren, einer Hafenstadt an der toskanischen Küste. Sein Vater, Admiral Costanzo Ciano, ist ein Kriegsheld des Ersten Weltkriegs und wurde von König Viktor Emanuel III. zum Grafen ernannt.
Doch Costanzo ist auch tief korrupt. Als Gründungsmitglied der faschistischen Partei nutzt er sein öffentliches Amt, um Aktienkurse zu manipulieren und riesigen Besitz anzuhäufen – eine Zeitung, Ländereien in der Toskana, alles aufgebaut durch persönliche Bereicherung. In diesem Umfeld wächst Galeo auf, umgeben von Luxus und dem Gedanken, dass der Staat jenen dienen soll, die ihm treu sind. Im Oktober 1922 marschiert Galeo mit seinem Vater und Mussolinis Schwarzenhemden beim Marsch auf Rom – ein Spektakel, das die Faschisten an die Macht bringt.
Nach seinem Studium der Rechtsphilosophie und einer kurzen Zeit als Journalist tritt er in den diplomatischen Dienst ein. Er wird nach Rio de Janeiro und Buenos Aires entsandt und später Botschafter in China. Galeo ist charmant, gut aussehend und gesellschaftlich gewandt. Er heiratet Edda, die Tochter Mussolinis, und wird rasch zu einem der mächtigsten Männer Italiens.
Als Außenminister unterstützt er die aggressive Politik seines Schwiegervaters, doch der Zweite Weltkrieg bringt Niederlagen und wachsende Spannungen in die Achse. Galeo beginnt, an Mussolinis Führung zu zweifeln. Die militärischen Rückschläge und die zunehmende Abhängigkeit von Hitler wecken in ihm die Erkenntnis, dass der Krieg nicht zu gewinnen ist. Heimlich sucht er Kontakt zu den Gegnern des Regimes und spielt eine zwielichtige Rolle.
Er plant, seinen Schwiegervater zu stürzen, um Italien aus dem Krieg zu führen. Am 24. Juli 1943 stimmt er im Faschistischen Großen Rat für die Absetzung Mussolinis – eine Entscheidung, die das Regime zu Fall bringt. Doch dieser Verrat kann seine früheren Taten nicht ungeschehen machen.
Er hat jahrelang loyal gedient und vom System profitiert. Nun wendet sich das Blatt gegen ihn. Mussolinis Anhänger übernehmen die Macht, und Galeo wird verhaftet. Er wird wegen Hochverrats angeklagt, und sein eigener Schwiegervater übergibt ihn dem Tribunal.
In einem kurzen Prozess wird er zum Tode verurteilt. Am 11. Januar 1944 wird Galeo Ciano in Verona hingerichtet. Er stirbt durch ein Erschießungskommando – der Mann, der einst so selbstbewusst durch die Säle Münchens schritt, endet als Verräter, der sowohl für seine Loyalität als auch für seinen Verrat bezahlt.
Sein Leben ist eine Geschichte von Macht, Korruption und letztendlicher Zerstörung. Er war kein unschuldiger Zuschauer, sondern ein aktiver Teil eines verbrecherischen Systems. Sein Name bleibt mit dem Faschismus verbunden, und sein Schicksal ist eine Mahnung, dass jene, die mit dem Feuer spielen, früher oder später verbrennen.


