Auf der Matte vor den Toren stand das Paket, das Grille partout nicht verlassen wollte. Die Hündin lag quer davor, den Kopf auf die Pfoten gelegt, und sah mich mit diesem Blick an, der eindeutig besagte, dass sie hier bleiben würde. „Grille, kannst du jetzt bitte mal Platz machen? “
Sie seufzte, stand aber nicht auf.

Ich schob sie sanft zur Seite und bückte mich nach dem Karton. Der war schwer, gut verpackt, ohne große Beschädigungen. Oben klebte ein Zettel. „Ah, ein Zettel von Heiko“, sagte ich und zog die Augenbrauen hoch.
„Heiko hat beim letzten Stream zugehört und uns Rinderfeldpulver bestellt. Einfach direkt drei Dosen. “
Ich hob die Dosen aus dem Karton und hielt sie kurz in die Kamera. Rinderfeldpulver war ein wichtiges Hilfsmittel für unsere Hunde, die unter Stress standen.
Es half ihnen, Runterzukommen und Energie abzubauen, gab ihnen etwas auf die Rippen. Kängerung und Belial waren die Kandidaten, die es am dringendsten brauchten. „Vielen, vielen Dank, Heiko. Das nehmen wir sehr gerne.
“
Grille hatte sich inzwischen auf den Rücken gerollt und ließ den Bauch kraulen. Ich ignorierte sie geflissentlich und griff nach dem nächsten Karton. „Da ist noch mehr Rinderfeldpulver drin“, murmelte ich beim Öffnen. „Zwei Dosen.
Aber ohne Zettel. “
Ich suchte den Karton durch, fand aber wirklich keine Notiz. „Leute, packt doch bitte immer einen Zettel mit dazu“, sagte ich in die Kamera. „Manchmal kann man es nicht angeben, ich weiß.
Aber es hilft uns ungemein, wenn wir wissen, wem wir danken müssen. “
Zwei weitere Dosen Rinderfeldpulver. Der Vorrat war mehrmonatig aufgebraucht, und jetzt hatten wir endlich wieder genug. Das würde für ein paar Wochen reichen, je nachdem, wie viele Hunde es brauchten.
Der nächste Karton war kleiner, privat beschriftet. Absender: Berlin. „Mal sehen“, sagte ich und zog an dem Klebeband. Das Messer wollte nicht richtig schneiden, und ich fummelte eine Weile an der Verpackung herum.
Grille nutzte die Gelegenheit, um sich wieder quer über die Matte zu legen. Als ich den Karton endlich offen hatte, kam ein leeres Süßigkeitenpapier zum Vorschein. Ich lachte. „Danke.
Das hat wohl nichts mit Twitch zu tun. “
Es stellte sich heraus, dass jemand uns über WhatsApp angeschrieben hatte, ob wir Näpfe gebrauchen könnten. Die Antwort war ein Paket mit zwei Näpfen gewesen – für Hundefutter, Katzentrockenfutter oder Wasser. Im Chat kam eine Frage auf: Ob wir die gespendeten Produkte testen würden, aus Sicherheitsgründen.
„Nein“, sagte ich und wickelte die Näpfe vorsichtig aus. „Was über unsere Wunschliste kommt, benutzen wir einfach. Das testen wir nicht. Wenn uns eine Firma etwas spendet, erwähnen wir das auf unseren Social-Media-Kanälen und machen Beiträge mit Fotos dazu.
“
Reoaktiv hatte uns zum Beispiel ein riesiges Paket Immuntonikum geschickt, das unsere Katzen dringend brauchten, weil es ihnen nicht so gut ging. Sie hatten das in unseren Streams gesehen und uns angeschrieben. Wir hatten das Paket dann auch live geöffnet und natürlich Bilder gemacht. Und als ob das nicht schon genug gewesen wäre, kam eine zweite Ladung dazu – und dann auch noch Animonda Kittenfutter.
Ich glaube, es waren zweihundert oder dreihundert Dosen. Alles von einer Firma gespendet. Wir waren übel dankbar. Eine Zuschauerin fragte, ob es nicht gemein sei, dass in Geschenken mal etwas drin sein könnte, das den Tieren nicht guttut.
„Dafür suchen wir Tester“, antwortete ich trocken. „Die sagen: Ich habe Bock, Rinderfeldpulver zu testen, und schauen, ob ich daran sterbe. “
Jemand schrieb: „Ihr habt doch eine Meise. “
Ich seufzte.
„Ihr seid schon wieder gut drauf. Ich verstehe heute keine Verarschen. Also bitte verarscht mich nicht. Wir machen das hier heute alles todernst.
“
Der nächste Karton war groß und sperrig. Ich kämpfte eine Weile mit dem Klebeband, zerrte an den Kanten, versuchte es mit dem Messer, aber die Verpackung gab nicht nach. „Ich weiß gar nicht, ob ich das Paket aufmachen muss“, sagte ich. „Wenn da drin ist, was ich vermute, hat uns jemand einen Hundepool geschickt.
Haben wir nicht auf der Wunschliste. Finde ich trotzdem sehr, sehr geil, vor allem, weil die Tage so heiß waren. “
Auf dem Karton stand kein Absender, kein Zettel, nichts. Nur die schlichte Verpackung.
„Vielen Dank an den anonymen Spender. Wirklich. “
Ich zerrte eine Weile an dem Klebeband, gab auf, überlegte, ob ich es einfach lassen sollte. „Wenn es euch sehr wichtig ist, kann ich das Paket aufreißen“, sagte ich in die Kamera.
„Ich mache es jetzt. Ihr sollt wenigstens sehen, was drin ist. “
Mit einem Ruck riss ich den Karton auf. Ein Hundepool kam zum Vorschein.
„Danke, wenn du zuguckst, wer auch immer du bist. Unsere Hunde werden das lieben. Vor allem Otis. Otis wird seinen Pool lieben.
“
Im Tierheim hatten wir vor allem Bademuscheln – diese robusten Plastikmuscheln, die man eigentlich für Kinder am Strand kennt. Die hielten einiges aus, waren aber nicht für jeden Hund geeignet. Manche Hunde gingen zu wild im Wasser ab. Ein stabiler Pool war da besser.
Grille hatte sich inzwischen hingelegt und schaute mich mit halb geschlossenen Augen an. Sie machte mich fertig mit diesem Blick. „Komm her“, sagte ich und streckte die Hand aus. „Komm schon.
“
Jemand im Chat fragte, ob das Frühlingsfest am Samstag stattfinden würde. „Ja“, sagte ich. „Falls ihr aus der Nähe von Potsdam kommt, kommt vorbei. Wir sind am Samstag von zehn bis achtzehn Uhr in Geltow.
Es gibt einen riesigen Pflanzenmarkt – wir haben ganz viele Pflanzenspenden bekommen. Wir machen immer einen kleinen Pflanzenstand auf dem Fest, aber dieses Jahr ist es explodiert. Es gibt Infostände rund um unser Tierheim, handgemachte Sachen, selbstgenähtes, selbstgehäkeltes, Essen, Waffeln, Kuchen, Kaffee und Kuchen. Und Veggiebratwürste vom Grill.
“
Es gäbe auch Tierheimführungen, insgesamt zwei, bei denen man das Gelände anschauen konnte. Und unsere Ponys wären da – sie standen zwar normalerweise auf einer großen Wiese woanders, aber für das Frühlingsfest kamen sie wieder nach Geltow. „Michelle und ich sind für zwei, drei Stündchen auch vor Ort“, sagte ich. „Wir bleiben nicht lange, aber wir sind da und freuen uns, ein paar von euch endlich mal kennenzulernen.
“
Jemand fragte, ob noch Kuchenspenden gebraucht würden. „Ja. Wir nehmen sie sofort an. Jedes Jahr hatten wir zu wenig Kuchen.
Der Kuchen war jedes Jahr leer. Jetzt bestellen wir alles an Kuchen, was wir können. Wenn du also Bock hast, einen Kuchen vorbeizubringen, nehmen wir ihn sehr, sehr gerne. “
Ich griff nach dem nächsten Karton.
Das Paket war von einem Absender, dessen Namen ich mir nie merken konnte – ich sprach es immer als „Reiny Sun“ aus und hoffte, es wäre richtig so. „Was zur Hölle? “
Ich öffnete den Karton und fand ein Fünferpack Sagrotan, Allzweck- und Bodenreiniger. „Michelle meckert gerade, dass ich zu langsam bin“, sagte ich lachend.
„Aber ich nehme mir Zeit für unsere Leute. Wir quatschen ein bisschen. “
Reiny, wie ich den Absender kurzerhand nannte, hatte sofort reagiert, als wir sagten, dass die Reinigungsmittel im Lager komplett leer waren. Wir hätten sie kaufen müssen.
Stattdessen war ein Fünferpack über die Wunschliste gespendet worden. Ich suchte im Karton und fand noch einen zweiten. „Und noch ein Zehnerpack Sagrotan“, sagte ich. „Das ist der Wahnsinn.
“
Reiny war im Chat und schrieb, ich solle den Namen einfach so aussprechen, wie ich wolle. „Okay, dann heißt du jetzt Reini“, sagte ich. „Reini, danke für zehn Flaschen Sagrotan. Wir haben uns schon in der Dienstgruppe gefreut, dass es sofort gespendet wurde.
Das Lager war komplett leer, wir hätten kaufen müssen. Ich dachte, ich frage einfach mal. Und ihr habt geliefert. Danke.
“
Im Chat stand: „Reini sponsert Reiniger. Finde ich gut. “
„Der Kam von mir“, sagte ich. „Nee, wirklich nicht.
“
Grille hatte sich inzwischen wieder auf die Matte gelegt und schlief offenbar. Ich ließ sie. „Hallo Murphy“, sagte ich in die Kamera. „Ja, Murphy, ich mache heute Pakete und brauche viel zu lange.
Das hat mir Michelle gerade gesagt. Wir machen heute nämlich einen kompletten Tierheimrundgang. Deshalb gibt es heute keine Primetime-Auslosung, nur ein paar Snacks. Unsere Hunde haben schon ihre Snacks bekommen.
“
Normalerweise machten wir lange Streams, aber heute sollte es ein entspannter Rundgang werden, einmal komplett durch alle Stationen, weil der Stream kürzer sein sollte. Michelle stand schon neben mir und war bereit loszulegen. Ich wollte nur noch die letzten Pakete durchgehen. Der nächste Karton war von Zo-Plus, ohne Absenderangabe.
Als ich ihn öffnete, kam eine ganze Palette Katzenfutter zum Vorschein. „Von wem ist das? “, fragte ich. „Wer hat direkt von Zo-Plus Katzenfutter gespendet?
Wer auch immer du bist – vielen, vielen Dank für die ganze Palette. Danke, danke, danke. “
Ich stapelte die Dosen zur Seite, und Michelle rief mir etwas zu. „Michelle sagt noch, falls uns jemand auf dem Frühlingsfest besucht“, sagte ich in die Kamera, „ihr könnt Spenden auch direkt vor Ort abgeben.
Wenn jemand sagt: Ich fahre eh noch zu Fressnapf und hole euch eine Tüte Katzenstreu mit oder ein paar Dosen Futter oder ein bisschen Spezi – ihr könnt die Spenden direkt am Eingang abgeben. “
Ich lachte. „Okay, nicht Spezi. Aber alles andere.
Spaß, alles für die Tiere. “
Ich schaute auf die restlichen Kartons. „Ich muss jetzt von den Kisten runterspringen“, sagte ich und machte Anstalten aufzustehen. „Oh nein.
Oh. “
Ich verlor kurz das Gleichgewicht, fing mich aber wieder. „So. Da sind noch zwei sehr große Kartons übrig.
Und Kinderbonss nicht vergessen. “
Zwei große Kartons. Ich hatte keine Ahnung, was drin sein würde. Vielleicht weiteres Futter, vielleicht mehr Näpfe, vielleicht ein weiterer Pool für die Hunde.
Ich würde sie gleich öffnen, bevor wir den Rundgang starteten. Grille rührte sich immer noch nicht. Sie blieb liegen, die Schnauze auf den Pfoten, die Augen halb geöffnet, als wolle sie sagen: Ich habe noch nicht genug Zeit auf dieser Matte verbracht.
Ich schüttelte den Kopf und griff nach dem nächsten Karton.


