Am 3. Juni 1944, in Salzburg, Österreich, mitten im fünften Jahr des Zweiten Weltkriegs, während Millionen von Menschen in ganz Europa sterben und die alliierte Invasion des besetzten Kontinents nur noch Tage entfernt ist, richtet Adolf Hitler im Schloss Mirabell eine prunkvolle Hochzeitsfeier aus. Die Braut ist Gretl Braun, die jüngere Schwester von Eva Braun, Hitlers langjähriger Geliebter. Der Bräutigam ist Hermann Fegelein, ein hochrangiger SS-Offizier, ein ehrgeiziger Karrierist und Opportunist.

Albert Speer, Hitlers Chefarchitekt, wird ihn später als einen der widerlichsten Menschen in Hitlers Umgebung bezeichnen. Nach der Zeremonie reist die Hochzeitsgesellschaft zum Kehlsteinhaus hoch über den bayerischen Alpen, wo die Feierlichkeiten noch drei weitere Tage andauern. Obwohl Lebensmittel knapp sind und die großen Städte immer häufiger bombardiert werden, genießen das Brautpaar, die Gäste und die NS-Elite Live-Musik, Tanz und Champagner. Margarete Berta Gretl Braun wird am 31.
August 1915 in München geboren, damals Teil des Deutschen Kaiserreichs. Sie ist die Jüngste von drei Töchtern. Gemeinsam mit ihren Schwestern Eva und Ilse wächst sie in einer bürgerlichen Familie auf. Ihr Vater Friedrich arbeitet als Lehrer, ihre Mutter Franziska als Schneiderin.
Mit 16 Jahren verlässt Gretl die Schule und arbeitet anschließend als Büroangestellte bei der Fotografiefirma von Heinrich Hoffmann, Hitlers offiziellem Fotografen. Dort ist bereits ihre ältere Schwester Eva beschäftigt. Über Hoffmann lernt Eva Adolf Hitler kennen, und wenig später wird auch Gretl in denselben Kreis eingeführt. Diese Anstellung öffnet ihr die Tür zu Hitlers Welt.
Gleichzeitig entdeckt sie gemeinsam mit ihrer Schwester die Leidenschaft für die Fotografie. Als Adolf Hitler und die NSDAP im Januar 1933 an die Macht kommen, verändert sich das Leben der Schwestern grundlegend. Zwei Jahre später, im August 1935, stellt Hitler den beiden Schwestern eine Dreizimmerwohnung in München nahe dem Stadtzentrum zur Verfügung. Zwischen ihren Aufenthalten auf dem Berghof, Hitlers privatem Rückzugsort in den bayerischen Alpen, empfangen sie dort regelmäßig hochrangige Nationalsozialisten.
Im März 1936 ziehen Gretel und Eva in eine kleine Villa in der Wasserburgstraße 12, einem der vornehmsten Viertel Münchens. Ihr Vater ist mit dieser Entwicklung überhaupt nicht einverstanden und schreibt Hitler einen Protestbrief, doch ohne Erfolg. Gretl verbringt einen großen Teil ihrer Zeit gemeinsam mit Eva auf dem Berghof. Dort lockert sie die oft förmliche Atmosphäre auf, indem sie lacht, raucht und mit SS-Offizieren flirtet.
Hitler verabscheut das Rauchen und hält seiner Umgebung immer wieder Vorträge über dessen Gefahren. Einmal verspricht er jeder Frau, die einen Monat lang auf Zigaretten verzichtet, eine goldene Schweizer Armbanduhr und Schmuck. Eva erhält ihre Belohnung, Gretl scheitert. Auch Hitler persönlich versucht, sie zum Aufhören zu bewegen.
Er sagt zu ihr: „Hör mit dem Rauchen auf, dann schenke ich dir eine Villa. “ Gretl antwortet: „Mein Führer, über eine Villa würde ich mich sehr freuen, aber eben nur einmal. Das Rauchen dagegen schenkt mir jeden Tag 20 kleine Freuden, Freuden, die bleiben und sich vermehren. “
Wie viele junge Frauen in Hitlers Umfeld hält auch Gretl Braun Ausschau nach einem einflussreichen und passenden Ehemann.
Hitler selbst ermutigt junge Parteifunktionäre, Wehrmachtsoffiziere und SS-Angehörige, um sie zu werben. Seine erste Wahl ist Heinrich Hoffmann, der Sohn seines offiziellen Fotografen gleichen Namens. Gretl findet ihn jedoch nicht attraktiv und beginnt stattdessen eine Beziehung mit einem amerikanischen Diplomaten. Nachdem diese endet, wendet sie sich Hitlers Adjutanten Fritz Darges zu.
Doch auch diese Beziehung hält nicht lange. Im Jahr 1944 wird Darges nach einer spöttischen Bemerkung vor Hitler, die der Führer überhaupt nicht komisch findet, an die Ostfront versetzt. Außerdem machen Gerüchte die Runde, Gretl sei von Darges schwanger. Seine Weigerung, sie zu heiraten, soll Hitler zusätzlich verärgert haben.
Hitler versucht auch, Walter Hewel mit Gretl zu verkuppeln. Hewel gehört zu Hitlers engstem Kreis und ist Verbindungsoffizier zwischen dem Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop und Hitler selbst. Der Führer bezeichnet Hewel einmal als einen ausgezeichneten Diplomaten, eine Eigenschaft, die, wie er hinzufügt, jeder brauche, der zwischen ihm und Ribbentrop vermittle. Hitler verspricht Hewel sogar den Botschafterposten in Rom, falls er Gretl heirate.
Doch Hewel hat kein Interesse. Stattdessen heiratet er eine andere Frau. Hitler reagiert so verärgert, dass er ihn eine Zeit lang nicht sehen will. Schließlich verzeiht er ihm jedoch, und Hewel kehrt in seinen engsten Kreis zurück.
Schließlich beginnt Gretl eine Beziehung mit Hermann Fegelein, dem SS-Verbindungsoffizier bei Hitler. Zwischen September 1939 und dem Herbst 1943 beteiligen sich Fegelein und die Kavallerieeinheiten unter seinem Kommando an sogenannten Antipartisanenoperationen in Polen und der Sowjetunion. In Wirklichkeit bedeuten diese Einsätze häufig den systematischen Mord an Juden und Zivilisten. In den Gebieten, in denen seine Einheiten operieren, werden Zehntausende Männer, Frauen und Kinder getötet.
Trotz dieser Vergangenheit pflegt Fegelein innerhalb von Hitlers engstem Kreis das Image eines charmanten und ehrgeizigen Offiziers. Wo immer er erscheint, zieht er alle Blicke auf sich. Er besitzt einen erfrischenden, manchmal ausgesprochen trockenen Humor und nimmt kein Blatt vor den Mund. Fast jeden Abend besucht er die Feiern, die Martin Bormann, Hitlers persönlicher Sekretär, veranstaltet.
Dort trinkt er mit den mächtigsten Männern des Regimes, während ihm die Frauen zu Füßen liegen. Einmal gibt er offen zu, dass ihm nichts wichtiger sei als seine Karriere und ein gutes Leben. Viele in Hitlers Umfeld verachten ihn jedoch. Albert Speer, Hitlers Chefarchitekt und späterer Rüstungsminister, bezeichnet ihn als einen der widerlichsten Menschen in Hitlers Umgebung.
Fegelein verschafft sich Heinrich Himmlers Gunst durch Schmeichelei und geschickte Manipulation. So erhält er begehrte Verwendungen, Beförderungen und Auszeichnungen, obwohl die Einheiten unter seinem Kommando erschreckend hohe Verluste erleiden. Für Gretl bedeutet die Ehe mit Fegelein den Ausbruch aus dem Schatten ihrer Schwester und einen festen Platz im engsten Kreis um Hitler. Am 3.
Juni 1944, nur wenige Tage vor der alliierten Landung in der Normandie, heiratet Gretl Braun Hermann Fegelein. Eva organisiert die Hochzeit im Schloss Mirabell in Salzburg. Hitler nimmt persönlich daran teil. Trauzeugen sind Heinrich Himmler, der SS-Reichsführer, und Martin Bormann.
Eva besteht darauf, dass die Feier vollkommen wird, so schön, als wäre es ihre eigene Hochzeit. Sie überwacht jedes Detail der Vorbereitungen. Fegelein heiratet Gretl nur allzu gern, denn die Verbindung festigt seine Stellung innerhalb der NS-Hierarchie. Auch Gretls gesellschaftliches Ansehen verändert sich grundlegend.
Zum ersten Mal tritt sie aus dem Schatten ihrer Schwester heraus und gewinnt erheblich an Prestige. Obwohl Lebensmittel immer knapper werden und die großen Städte unter schweren Bombenangriffen leiden, feiert das Brautpaar drei Tage lang. Gleichzeitig beschäftigt sich die Führung des NS-Regimes mit der sich dramatisch verschlechternden Lage in Frankreich und Italien, wo die Alliierten gerade Rom eingenommen haben. Gretl Braun und Hermann Fegelein bleibt jedoch nur wenig gemeinsame Zeit, bevor der Krieg in seine letzte katastrophale Phase eintritt.
Nur eine Woche nach der Hochzeit, am 10. Juni 1944, wird Fegelein zum SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Waffen-SS befördert. Am 20. Juli 1944 befindet er sich in der Wolfsschanze in Ostpreußen, als Oberstleutnant Claus von Stauffenberg die Bombe zündet, mit der Hitler getötet werden soll.
Fegelein überlebt die Explosion. Die Entscheidung, die Schwester von Eva Braun zu heiraten, hat sich für ihn ausgezahlt. Seine Karriere verläuft steil nach oben. Kurz darauf wird Gretl schwanger und hält sich auf dem Berghof auf, weit entfernt vom Bombenkrieg und der Front.
Während der letzten Monate des Jahres 1944 leitet Fegelein die Ermittlungen zum Attentat vom 20. Juli. Eva pendelt unterdessen zwischen Berlin und dem Berghof, um ihrer Schwester Gesellschaft zu leisten. Im Januar 1945 ziehen Hitler, Eva sowie der größte Teil der Reichsregierung und ihres Gefolges in den befestigten Führerbunker im Zentrum Berlins.
Gretl bleibt auf dem Berghof. Im April 1945 hat die Rote Armee die deutschen Verteidigungslinien durchbrochen und steht kurz vor der Einnahme der deutschen Hauptstadt. Am 23. April 1945 schreibt Eva Braun ihren letzten Brief an ihre jüngere Schwester Gretl.
Darin bittet sie sie, den größten Teil ihrer Korrespondenz zu vernichten, einen kleinen Teil ihrer persönlichen Unterlagen jedoch aufzubewahren und zu vergraben. Keines dieser Dokumente wird nach dem Krieg gefunden. Während die Niederlage unausweichlich wird, versucht Hermann Fegelein aus Berlin zu fliehen und nach Schweden oder in die Schweiz zu gelangen. Als Heinrich Himmler versucht, mit den Westalliierten einen Separatfrieden auszuhandeln, ist Hitler außer sich.
Er ordnet Fegeleins Verhaftung an, weil er überzeugt ist, dass dieser ihn verraten hat. Ein Kommando findet Fegelein in seiner Wohnung, Berichten zufolge betrunken und in Zivilkleidung. In der Nacht zum 28. April 1945 wird Fegelein wegen Fahnenflucht vor ein Standgericht gestellt und erschossen.
Noch in derselben Nacht heiratet Hitler schließlich Eva Braun. Zwei Tage später, am 30. April 1945, nehmen sich Adolf Hitler und Eva Braun im Führerbunker das Leben. Weniger als eine Woche danach, am 5.
Mai 1945, bringt Gretl Braun eine Tochter zur Welt. Sie gibt ihr den Namen Eva Barbara Fegelein, zum Gedenken an ihre verstorbene Schwester. Der Zweite Weltkrieg in Europa endet am 8. Mai 1945.
Nach dem Krieg bricht Gretl den Kontakt zu ihrer Familie ab. Die Fotoalben, Privatfilme und persönlichen Briefe ihrer Schwester Eva versteckt sie auf dem Grundstück des Anwesens ihres verstorbenen Mannes. Irgendwann lernt sie einen deutschen Flüchtling kennen, dem sie vertraut. Aus Liebe oder vielleicht aus finanzieller Not erzählt sie ihm von dem versteckten Archiv.
Doch der Mann ist nicht der, für den sie ihn hält. Er arbeitet für das amerikanische Counter Intelligence Corps. Es gelingt ihm, Gretl dazu zu bringen, das Versteck preiszugeben. Das gesamte Archiv wird nach Washington gebracht, wo die Fotografien anschließend an Nachrichtendienste in aller Welt verteilt werden.
Im Februar 1954 heiratet Gretl in München Kurt Berlinghoff. Die Ehe bleibt kinderlos. Ein schwerer Schicksalsschlag trifft sie im April 1971. Ihre einzige Tochter Eva Barbara Fegelein nimmt sich im Alter von 25 Jahren das Leben, nachdem ihr Freund bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist.
Ende der 1970er Jahre findet einer von Gretls Cousins sie in Bayern wieder. Zu diesem Zeitpunkt leidet sie bereits an Alzheimer. Gretl Braun ist 72 Jahre alt, als sie am 10. Oktober 1987 in der kleinen Stadt Steingaden in Westdeutschland stirbt.
Die Geheimnisse ihrer Korrespondenz mit ihrer Schwester nimmt sie mit ins Grab.


