Ich habe mich noch mal umgesetzt, weil meine Füße wehtun. Die Kleine da, die hat mich schon wieder angeknurrt. Ich verstehe das schon, sie will gestreichelt werden, aber sie ist dabei einfach grantig. Unheimlich und süß zugleich, dieser kleine Kobold.

Ich fasse dich nicht an, habe ich verstanden. Du bist ein richtig knurriges, witziges Ding. Aber ich muss sagen, bei Freddy saß ich lieber, der hat mich nicht so angeknurrt. Felix hat mir dann erklärt, dass das eine ganz normale europäische Kurzhaarkatze ist, also nichts Besonderes, vielleicht ein bisschen was reingemixt, aber keine eigene Rasse.
Die Mausi, wie sie hier genannt wird, ist einfach eine grantige Gnomin. Die gehört eher zu meinem Oreo, der leidet ein bisschen unter Alice. Mein Mann und ich überlegen ja schon länger, ob wir im Sommer nicht zwei junge Kater dazunehmen, damit Oreo noch mal die Chance auf einen Katzenkumpel hat. Die Entscheidung ist gar nicht so einfach, weil Alice lieber die Einzelprinzessin wäre.
Aber jetzt, in der neuen Wohnung mit 160 Quadratmetern, hätten wir endlich genug Platz, um Alice genug Rückzugsorte zu geben und Oreo einen Kumpel zu holen. Im Chat kam dann eine wichtige Frage auf: Muss man sich nach einem Katzenbiss impfen lassen, oder reicht das auch für Kratzer? Also, wenn man im Tierheim arbeitet oder ehrenamtlich, sollte man auf jeden Fall gegen Tetanus geimpft sein, das ist Standard. Aber Katzenbisse sind eine andere Sache.
Die sind richtig gefährlich, viel gefährlicher als Hundebisse. Nur Menschenbisse sind noch gefährlicher. Die Bakterien in einem Katzenmaul sind unglaublich. Es reicht nicht, die Wunde kurz auszuspülen und zu desinfizieren.
Die Bakterien vermehren sich brutal schnell. Es gibt Leute, die nach einem kleinen Biss, nur ein Zahnabdruck, nicht zum Arzt gegangen sind und dann fast ihre Hand verloren haben, weil die so dick geworden ist. Wenn eine Katze beißt, muss man direkt in die Notaufnahme. Die Wunde wird mehrfach gespült, immer wieder aufgemacht.
Manche haben Glück und es passiert nichts, aber wenn man Pech hat, hat man richtig Pech. Bei Kratzern ist es nicht ganz so schlimm, aber auch die sollte man gut versorgen, weil da Speichel dran sein kann. Also mein Tipp: Lasst euch nicht von der Katze beißen. Daran halte ich mich auch.
Mich hat Gott sei Dank noch nie eine Katze gebissen, und ich hoffe, das bleibt so. Deshalb habe ich vor grantigen Katzen mehr Respekt als vor Hunden. Vor Hundebissen habe ich auch Schiss, die tun höllisch weh, aber die sind nicht so infektiös. Jemand im Chat hat erzählt, dass ihr als Kind eine Katze über den Kopf gesprungen ist und sie bis heute zwei Narben an der Augenbraue hat.
Ist kaum zu sehen, aber trotzdem heftig. Ich habe da auch schon mal was reingemacht, das Schlecki. Ich finde es nur unfassbar schwer, bei so unterschiedlichen Bedürfnissen zu priorisieren und niemandem Leid anzutun. Aber wenn Alice genug Rückzugsorte hat, ist das schon mal gut.
Und wer weiß, vielleicht taut sie ja auf, wenn wieder mehr Leben in der Bude ist. Bei mir zuhause ist es so, dass ich einen Kater streicheln darf, der andere macht direkt die Kralle raus. Aber das ist gut, dann hat man einen Kuschelkater und einen, der einfach da ist und dem anderen Gesellschaft leistet. Die beiden sind auch schon elf und werden dieses Jahr zwölf.
Man muss eben alles bedenken, damit es allen gut geht. Katzen können aber auch unglaublich alt werden, vielleicht haben sie ja noch fünf Jahre. Dann haben sie fünf Jahre lang eine andere Katze an der Seite, oder man wartet, bis sie nicht mehr da sind, und holt sich dann zwei neue Kitten. Ich verstehe total, dass man da struggelt und nicht so richtig weiß, was richtig ist.
Letztendlich sollte man auf sein Bauchgefühl hören, man kennt seine Katzen am besten. Es ist eine schwierige Entscheidung, die gut überlegt sein muss, weil wenn zwei Katzen einziehen, sollen sie auch bleiben dürfen. Dann haben wir uns noch um Freddy gekümmert, der sollte noch einen Snack bekommen. Es ist schon süß, wie die Katzen hier auftauen.
Letzte Woche wollte Frida nicht aus ihrem Versteck, heute will sie einfach ihre Prime Time. Freddy hat nur noch ein Auge, das andere musste entfernt werden, weil er einen grünen Star hatte, ein Glaukom, das ist extrem schmerzhaft. Auf dem zweiten Auge ist er leider auch vollständig blind. Aber er kommt gut klar, macht einen guten Eindruck.
Er hat natürlich keine Kratzbäume drin, das kommt noch, sobald der Kragen ab ist. Der schlaue Kater sammelt die Snacks für später, direkt im Kragen. Aber der kommt da doch gar nicht ran. Er könnte ja nach vorne kippen.
Seine Augen müssen auch noch mal sauber gemacht werden, wegen der OP. Die werden morgens und abends gereinigt, damit die Wunde gut verheilt. Was man sieht, ist Schorf, und der soll schön dran bleiben. Dann habe ich kurz Michelle gesucht, weil sie übernehmen sollte für den Hunde-Teil.
Sie war im Pausenraum. Wir haben eine kurze Werbepause gemacht, dann sollte es mit den Tierheimhunden weitergehen. Paul kriegt heute die Prime Time, und ich dachte, wir gehen mit ihm Gassi. Ich habe das Stativ umgebaut, weil die Frontkamera vorher nicht ging, das Gimbel war im Weg.
Jetzt können wir wieder alles zeigen. Es ist auch schon warm heute, fast zu warm für mich. Ich bin ja selbst so ein kleiner Heizkessel, und wenn dann von außen noch Wärme dazukommt, wird es mir schnell zu viel. Jemand hat gesagt, wir sollen die Zecke mitnehmen, aber ich meinte, es sei noch zu kalt.
Michelle hat dann gesagt, sie geht mit Paul und Zecke Gassi. Gut, dann machen wir das so. Michelle hat noch gesagt, ich soll ein paar Kinder vertreiben, die waren bei den Tieren und haben versucht, die Finger durch den Zaun zu stecken. Die kann man nicht einfach da rankommen lassen, das geht nicht.
Ich habe sie dann weggeschickt. Dann habe ich Paul geholt, und Zecke sollte gleich nachkommen. Paul ist ein Collie-Schäferhund-Mischling, zwölf Jahre alt, aber man sieht es ihm überhaupt nicht an, so ein fitter Typ. Er hat sich erstmal auf den Boden geschmissen, als er raus sollte.
Ach komm, Paul, wir wollen Gassi gehen, du schaffst das, du bist ein ganz starker großer Rüde. Die Zecke ist dann auch gekommen, und man hat sofort gemerkt, dass Paul total verliebt ist. Er war ganz aus dem Häuschen, konnte sein Glück gar nicht fassen, mit so einer hübschen Lady unterwegs zu sein. Aber Zecke war nur mittelbegeistert.
Sie hat ihm schon einmal eine gehauen, so nach dem Motto: Entschuldigung, wir kennen uns noch gar nicht. Wir sind auf einem Tanklagergelände unterwegs, dürfen nicht alles zeigen, deswegen ist es hier immer ein bisschen geheim. Die Schleppleine habe ich Paul angelegt, damit er ein bisschen laufen kann. Er hat direkt die Leine durch die Pisse gezogen, na klasse, so lieben wir das.
Er wollte erst nur Pipi schnüffeln, aber ich wollte ihn spielen sehen. Die zwei haben sich dann ein bisschen beschnuppert, aber ich glaube nicht, dass das die große Liebe wird. Zecke sagt eigentlich nur: Ich bin nicht zu haben. Sie ist generell nicht unverträglich, mit erwachsenen Hündinnen ist es durchwachsen, kommt auf den hormonellen Status an.
Mit jungen Rüden oder ganz jungen Hündinnen, so ein halbes dreiviertel Jahr alt, findet sie es ganz gut. Aber oft hat sie einfach keinen Bock auf Hunde. Paul war trotzdem ganz aufgeregt und wollte immer wieder ran. Zecke, geh mal laufen, sonst muss ich ihn an die kurze Leine nehmen.
Und dann hat er tatsächlich gekackt, mitten im Gassi. Kurze Pause, sorry Leute. Wir sind dann ein Stück gelaufen, und ich habe mich mit dem Chat unterhalten. Es gab eine Anfrage für Paul von älteren Leuten.
Wenn ich älter sage, meine ich nicht fünfundsechzig, das ist für uns noch kein Alter. Die waren tatsächlich älter und fit, aber Paul war ihnen zu alt. Sie wollten noch einen Hund haben, mit dem sie etwas unternehmen können, aber ich denke, guckt euch den doch an. Der stirbt euch nicht morgen weg.
Natürlich weiß man das nie, aber auch eine fünfjährige Isa kann irgendeine blöde Krankheit entwickeln. Es ist immer schade, wenn es am Alter des Hundes scheitert, gerade wenn die Leute fit sind. Ich wünsche denen natürlich ewige Gesundheit, aber es ist trotzdem schade. Das Internet wurde dann schwächer, und wir sind umgedreht.
Zecke musste auch immer genau neben ihm laufen, und wenn er rübergerochen hat, hat sie ihm eine gelangt. Du bist wirklich ein madiges Tier, Zecke, bitte höre auf. Frech, frech, frech. Aber ich liebe das Ding ja sehr.
Paul war weiterhin total aus dem Häuschen, ein Chaosköter, kleiner Mann. Am Ende haben wir uns dann auf den Rückweg gemacht, und ich habe noch kurz über die Futter-Kooperation gesprochen, bei der man mit einem Code zehn Prozent Rabatt bekommt und das Futter einen festen Betrag an uns Tierheime spendet. Dann war das Gassi auch schon vorbei, und es ging zurück zum Tierheim.


