Die Bestätigung über das neue Partner-Plus-Programm war erst wenige Minuten alt, da ploppte schon die nächste Nachricht im Chat auf. Die Gewinnausschüttung von sechzig Prozent war seit Mai erreicht, und das bedeutete spürbar mehr Geld in der monatlichen Auszahlung. Ich musste kurz schlucken, als ich die Zahlen sah. Es war kaum zu glauben, wie schnell die Community das möglich gemacht hatte.

Ein Zuschauer namens Fussi Keks hatte fünf verschenkte Abos hinterlassen, und ich bedankte mich überschwänglich, während ich versuchte, meine Aufregung zu zügeln. Die Leute waren so unglaublich großzügig, und ich war immer noch überwältigt davon. Meine Katzen waren wie immer die heimlichen Stars des Streams. Ich hielt eines der Leckerli hoch, und sofort kam eine der schüchterneren Katzen aus ihrem Versteck hervor.
Diese Schleckis waren unsere Geheimwaffe, um scheue Tiere zu zähmen. Letztes Jahr hatten wir damit einen völlig traumatisierten Frischflausch dazu gebracht, uns zu vertrauen. Selbst Hazel, die sonst immer ein bisschen Abstand hielt, kam jetzt angekrochen, um sich das Leckerli zu holen. Ich musste nur aufpassen, nicht zu viele davon zu geben, sonst gab es schnell Probleme mit dem Magen.
Der Chat war wie immer eine einzige Flut aus Bits und Abos. Neon Reklame ohne Strom hatte hundert Bits geschickt, und ich vermutete, dass gleich ein Zug losfahren würde, auch wenn ich die Benachrichtigungen auf meinem Handy nicht sehen konnte. Ich verließ mich da auf das Tablet und die Mods. Hazel war eigentlich zutraulich, aber seit sie ihre Kitten hatte, war sie sehr in sich gekehrt.
Sie beschützte ihre Kleinen mit allem, was sie hatte, und ließ niemanden zu nah heran. Wir respektierten das und fütterten sie mit Schleckis direkt in ihrer Höhle. Es war schön zu sehen, wie fürsorglich sie war, auch wenn sie uns jetzt nicht mehr so nahe kam wie vorher. Die Füße waren mir eingeschlafen, und ich merkte, wie ich langsam unkonzentriert wurde.
Kleiner Gnom hatte fünfzig Bits für eine Bildschirm-Celebration hinterlassen, und Yuki hatte ebenfalls etwas gespendet. Ich bedankte mich bei allen, während ich versuchte, den Überblick zu behalten. Wir hatten derzeit eine trächtige Katze bei uns, Fabi. Wie weit sie genau war, wussten wir nicht, wir ließen uns einfach überraschen.
Sie fraß zum Glück gut, und wir hatten ihr hochkalorische Kittenmilch und Nassfutter hingestellt, um sie zu unterstützen. Sie brauchte die Energie für ihre Jungen, und ich war erleichtert, dass sie so gut zunahm. Ich stand auf, um die Waage zu holen. Die Mods hatten mir bereits die Gewichte von gestern im Discord geschrieben, also konnte ich die neuen Zahlen direkt eintragen.
Die Kitten hatten ordentlich zugelegt – von einhundertzweiundsiebzig auf einhundertachtundachtzig Gramm bei der einen und von einhundertzweiunddreißig auf einhundertzweiundvierzig bei der anderen. Das machte mich glücklich, genau so sollte es sein. Im Chat wurde ich darauf hingewiesen, dass ein Zuschauer namens Shepard gerade zehn Abos rausgehauen hatte. Ich bedankte mich lautstark und versprach, gleich bei ihm vorbeizuschauen, sobald ich Zeit hatte.
Die Zeit war in letzter Zeit mein größter Feind. Irgendwie schaffte ich es kaum noch, bei anderen Streamern reinzuschauen, obwohl ich es früher geliebt hatte. Wir waren gerade dabei, das Katzenklo zu reinigen, als ich beschloss, gleich noch ein frisches aufzustellen. Die Zuschauer bekamen währenddessen ein paar nette Aufnahmen von den Katzen zu sehen.
Ein Zuschauer hatte gefragt, ob man besser zwei Katzen oder eine alleine halten sollte, wenn man oft außer Haus war. Ich erklärte, dass Katzen hochsoziale Tiere seien und man sie mindestens zu zweit halten sollte, außer es gebe Sonderfälle, wo die Sozialisierung schiefgelaufen sei. Dann machten wir uns auf den Weg zu den Hunden. Ich musste mir kurz die Schuhe anziehen, weil wir den Bereich komplett umgebaut hatten.
Unterwegs erwähnte ich unseren Seniorhund Paul. Er war ein Schäferhund-Collie-Mischling, elfeinhalb Jahre alt, und hatte drei Tage neben dem toten Körper seines Besitzers gesessen, bis er gefunden wurde. Das Ordnungsamt hatte keine Angehörigen ausfindig machen können, also war er ins Tierheim gekommen. Er war völlig verloren hier, ein armer Kerl, der sich nichts mehr verdient hatte, als schnell ein neues Zuhause zu finden.
Im Gegensatz zu Paul hatte Otis noch keine einzige Anfrage bekommen, obwohl er ein richtig cooler Typ war. Er hatte Bock auf Arbeit, war ein Schatz zu seiner Bezugsperson und konnte super mit dem Maulkorb umgehen. Das einzige Problem war, dass er beißen würde, wenn es um Manipulation ging, zum Beispiel beim Tierarzt. Deshalb trug er beim Gassi gehen immer einen Maulkorb, um Risiken zu vermeiden.
Er liebte Sport, würde gerne am Fahrrad mitlaufen und ging wahrscheinlich auch gerne baden. Wir hatten ihm versprochen, irgendwann mit ihm schwimmen zu gehen. Bei den Katzen angekommen, öffnete ich die Tür zu Freddys Zimmer. Freddy war unser blinder Kater, der eine Augenoperation wegen eines Glaukoms hinter sich hatte.
Er trug gerade einen Kragen, weil er sich die Wunde wieder aufgekratzt hatte. Die Operation war nötig gewesen, weil das Auge unerträgliche Schmerzen verursacht hatte. Er war als Privatabgabe zu uns gekommen, eine Notaufnahme, obwohl wir eigentlich voll waren. Die Besitzerin hatte behauptet, er sei ein Streuner, aber er war dreimal mit ihr umgezogen.
Nach der Operation stellte sich heraus, dass er auf dem zweiten Auge ebenfalls blind war. Er orientierte sich nur über seine Umgebung, deshalb mussten die Möbel im Zimmer immer genau an derselben Stelle stehen. Der Kragen verhinderte, dass er sich weiterhin die Wunde aufkratzte, aber dadurch mussten wir die Kratzbäume entfernen, um Verletzungen zu vermeiden. Er hatte jetzt weiche Decken und Körbchen und machte einen recht zufriedenen Eindruck.
Die Wunde sah schon viel besser aus als noch vor ein paar Tagen. Sobald sie vollständig verheilt war, würde er ein neues Zuhause suchen, auch wenn es für einen blinden, älteren Kater nicht leicht werden würde. Ich streichelte ihn vorsichtig, und er schnurrte sofort. Er war ein zuckersüßer Kerl, trotz oder gerade wegen seiner Blindheit.
Im Chat wurde noch über die Deo-Frage geredet, die irgendjemand gestellt hatte – irgendwas mit achtundvierzig Stunden ohne Duschen. Ich musste lachen und meinte nur, dass Duschen trotzdem Pflicht sei. Wir hatten die Landschildkröten an unseren zweiten Standort gebracht, wo sie jetzt tagsüber auf der Wiese sein konnten. Die beiden Wasserschildkröten waren noch bei uns, aber für die gab es auch Pläne.
Der Stream lief weiter, fast wie ein normales Gespräch unter Freunden. Die Zuschauer stellten Fragen, ich antwortete, und die Katzen kamen und gingen, wie es ihnen passte. Eine Zuschauerin fragte, ob sie eine zweite Katze aufnehmen sollte, obwohl sie keinen Platz für ein zweites Katzenklo hatte. Ich schlug vor, das Katzenklo einfach in die Badewanne zu stellen und es beim Duschen kurz herauszunehmen.
Das sei eine pragmatische Lösung. Freddy hatte inzwischen das Tablet umgeschmissen, was für einige Lacher im Chat sorgte. Er war ein tollpatschiger, aber liebenswerter Geselle, und ich hoffte inständig, dass sich bald jemand finden würde, der ihm ein liebevolles Zuhause gab. Er hatte es sich mehr als verdient, nach allem, was er durchgemacht hatte.
Paul hingegen hatte Glück. Es hatten sich tatsächlich Interessenten gemeldet, und Michelle hatte bereits mit ihnen telefoniert. Ich hoffte sehr, dass dieser arme Senior endlich ausziehen durfte. Er saß da in seinem Zwinger, und jeder, der ihn sah, musste sofort Mitleid mit ihm haben.
Die Zeit verging wie im Flug, und ich merkte, wie müde ich langsam wurde. Aber die Energie der Community trug mich durch den Abend. Die Mods hatten wieder hervorragende Arbeit geleistet und alle Shoutouts zeitnah herausgehauen. Am Ende verabschiedete ich mich von den Zuschauern, versprach, nächste Woche wieder mittwochs vom Tierheim aus zu streamen, und bedankte mich ein letztes Mal für all die Unterstützung.
Die Katzen lagen schon verschlafen in ihren Körbchen, und ich schaltete die Kamera aus. Der Stream war vorbei, aber die Hoffnung auf viele glückliche Vermittlungen blieb.