ER WURDE FÜR DEN KRIEG GEFEIERT… DOCH JAHRZEHNTE SPÄTER MUSSTE ER SICH FÜR HUNDERTE ERMORDETE ZIVILISTEN VERANTWORTEN

ER WURDE FÜR DEN KRIEG GEFEIERT… DOCH JAHRZEHNTE SPÄTER MUSSTE ER SICH FÜR HUNDERTE ERMORDETE ZIVILISTEN VERANTWORTEN

Wenn wir heute über den Zweiten Weltkrieg sprechen, erinnern wir uns oft an große Schlachten, berühmte Generäle und politische Entscheidungen, die den Lauf der Geschichte veränderten. Doch hinter jedem Krieg stehen auch Menschen, deren Namen lange verborgen blieben.

Menschen, die keine Armeen führten.

Menschen, die keine Schlachten gewannen.

Aber Menschen, die in kleinen Dörfern über Leben und Tod entschieden.

Dies ist die Geschichte von Albert Schuster.

Ein deutscher Offizier, der während des Zweiten Weltkriegs für seine Härte ausgezeichnet wurde und Jahrzehnte später vor Gericht stand, weil seine Befehle das Leben unschuldiger Menschen zerstört hatten.

Eine Geschichte über Gewalt, Angst und darüber, dass manche Verbrechen niemals vergessen werden.

Am 1. September 1939 begann eine Katastrophe, die Europa für immer verändern sollte.

Der Angriff Deutschlands auf Polen markierte den Beginn des Zweiten Weltkriegs.

Die deutsche Führung rechtfertigte den Angriff mit einer inszenierten Provokation: dem angeblichen Überfall polnischer Kräfte auf einen deutschen Radiosender in Gleiwitz.

Doch die Wahrheit war eine andere.

Der Vorfall war von den Nationalsozialisten selbst vorbereitet worden, um einen Vorwand für den Krieg zu schaffen.

Innerhalb weniger Tage wurde Polen von einer gewaltigen Militärmaschinerie angegriffen.

Städte wurden bombardiert.

Straßen wurden zu Fluchtwegen.

Familien verloren innerhalb von Stunden ihre Häuser und ihre Sicherheit.

Am 3. September erklärten Großbritannien und Frankreich Deutschland den Krieg.

Doch für die Menschen in Polen begann ein Kampf ums Überleben, der nicht nur an der Front stattfand.

Denn nach dem militärischen Zusammenbruch der polnischen Armee begann eine andere Form des Krieges.

Ein Krieg gegen die Zivilbevölkerung.

Die Nationalsozialisten wollten jeden Widerstand brechen.

Partisanenbewegungen sollten zerstört werden.

Die Bevölkerung sollte eingeschüchtert werden.

Dafür entwickelten die Besatzer sogenannte „Befriedungsaktionen“.

Ein harmlos klingender Begriff für brutale Operationen.

Dahinter verbargen sich Massenverhaftungen, Plünderungen und Hinrichtungen.

Dörfer wurden umstellt.

Bewohner wurden aus ihren Häusern geholt.

Familien wurden auseinandergerissen.

Viele Menschen wurden getötet, obwohl sie niemals an Widerstandshandlungen beteiligt gewesen waren.

Unter den Opfern waren Männer, Frauen und Kinder.

Menschen, deren einziges „Verbrechen“ darin bestand, in einem Gebiet zu leben, das die Besatzer kontrollieren wollten.

Inmitten dieses Systems von Gewalt befand sich ein Mann, dessen Name in Polen später mit Angst verbunden wurde.

Albert Hugo Schuster.

Schuster wurde am 13. Februar 1912 in Plauen geboren.

Wie viele seiner Generation wuchs er in einer Zeit großer politischer Unsicherheit auf.

Deutschland war nach dem Ersten Weltkrieg ein Land voller Spannungen.

Die Niederlage von 1918 hinterließ bei vielen Menschen Frustration und Verbitterung.

Der Versailler Vertrag wurde von vielen Deutschen als Demütigung empfunden.

Wirtschaftliche Krisen, Arbeitslosigkeit und politische Konflikte verstärkten die Suche nach einfachen Antworten.

Die Nationalsozialisten nutzten diese Stimmung gezielt aus.

Sie verbreiteten Verschwörungserzählungen.

Sie versprachen nationale Größe.

Und sie machten bestimmte Gruppen für die Probleme Deutschlands verantwortlich.

1933, im Jahr der Machtübernahme Adolf Hitlers, trat auch Albert Schuster der NSDAP bei.

Für viele junge Männer bedeutete die Partei damals den Zugang zu Karriere, Einfluss und Anerkennung.

Doch hinter dieser politischen Bewegung stand ein System, das immer radikaler und brutaler wurde.

Sechs Jahre später begann der Krieg.

Nach dem deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt vom August 1939 glaubte die deutsche Führung, an mehreren Fronten handeln zu können.

Am 1. September marschierte die Wehrmacht in Polen ein.

Warschau kapitulierte Ende September.

Kurz darauf wurde Polen zwischen Deutschland und der Sowjetunion aufgeteilt.

Der letzte organisierte Widerstand polnischer Einheiten endete im Oktober 1939.

Doch der Krieg war nicht vorbei.

Er hatte gerade erst begonnen.

Am 22. Juni 1941 startete Deutschland den Angriff auf die Sowjetunion.

Die ehemalige Partnerin wurde zum Feind.

Und während die deutschen Truppen weiter nach Osten vorrückten, wurden auch Einheiten eingesetzt, deren Aufgabe nicht nur militärische Bekämpfung war.

Sie sollten Angst verbreiten.

Sie sollten Widerstand verhindern.

Sie sollten Menschen vernichten.

Albert Schuster wurde zunächst nach Belarus geschickt.

Dort war er an Operationen gegen Partisanen und an der Verfolgung jüdischer Menschen beteiligt.

Seine Karriere innerhalb des Besatzungssystems führte ihn schließlich nach Zentralpolen.

Im Frühjahr 1943 wurde er in das Heiligkreuzgebirge versetzt.

Dort übernahm er das Kommando über das 62. motorisierte Gendarmerieregiment.

Seine offizielle Aufgabe lautete:

Bekämpfung von Partisanen.

Doch in der Realität bedeutete dies häufig etwas anderes.

Es bedeutete Vergeltung gegen ganze Gemeinden.

Es bedeutete, dass unschuldige Menschen für Handlungen anderer bestraft wurden.

Schon kurz nach seiner Ankunft begannen die ersten sogenannten Befriedungsaktionen.

Schusters Einheit bewegte sich durch die Region.

Sie nutzte teilweise einfache Wagen statt auffälliger Fahrzeuge, um Dörfer überraschend zu erreichen.

Die Vorgehensweise wiederholte sich immer wieder.

In den frühen Morgenstunden oder während der Nacht umstellten Soldaten ein Dorf.

Niemand konnte fliehen.

Die Bewohner wurden aus ihren Häusern getrieben und an einem zentralen Platz gesammelt.

Dann begann die Auswahl.

Frauen.

Kinder.

Männer.

Namen wurden aufgenommen.

Verdächtigungen wurden ausgesprochen.

Und oft genügte bereits ein Gerücht.

Ein Mann, dessen Name angeblich mit Partisanen verbunden war.

Eine Person, die eine ähnliche Kleidung trug.

Jemand, der einfach nicht schnell genug erklären konnte, warum er sich dort befand.

Dann fielen die Schüsse.

Viele Opfer wurden mit einem Schuss in den Hinterkopf getötet.

Die Menschen hatten keine Möglichkeit, sich zu verteidigen.

Keine Chance auf ein Verfahren.

Keine Möglichkeit, ihre Unschuld zu beweisen.

Eine der grausamsten Seiten dieser Verbrechen war, dass sie für die Täter oft als „Routine“ betrachtet wurden.

Für die Opfer aber war jeder Moment der letzte ihres Lebens.

Nach einem erfolglosen Versuch von Partisanen, seinen Stützpunkt anzugreifen, verlegte Schuster seinen Sitz in das Kloster von Święta Katarzyna.

Er glaubte, dass polnische Widerstandskämpfer weniger wahrscheinlich eine religiöse Einrichtung angreifen würden.

Doch der Ort wurde nicht zu einem Schutzraum.

Er wurde zu einem Ort des Schreckens.

Dort wurden Menschen gefangen gehalten.

Dort wurden Verhöre durchgeführt.

Dort starben zahlreiche Gefangene.

Viele Bewohner der umliegenden Dörfer wurden Opfer dieser Besatzungspolitik.

Im Frühjahr und Sommer 1943 häuften sich die Berichte über die Aktivitäten von Schuster und seinen Männern.

Am 25. Mai 1943 erreichte die Einheit das Dorf Wola Chybkowa.

Die gesamte Bevölkerung wurde vor der örtlichen Schule zusammengetrieben.

Schuster verlangte Informationen über Partisanen.

Er gab den Menschen eine kurze Frist.

Doch niemand sprach.

Die Angst war größer als alles andere.

Als keine Antworten kamen, traf Schuster eine grausame Entscheidung.

Er erklärte, jeder siebte Mann werde erschossen.

Am Ende wurden 21 Menschen getötet.

Familien verloren Väter.

Frauen verloren ihre Männer.

Kinder verloren ihre Eltern.

Und das alles unter dem Vorwand, Widerstand zu bekämpfen.

Wenige Tage später folgte eine weitere Aktion.

Im Dorf Borzęcin wurden Männer zusammengetrieben und öffentlich erschossen.

Ende Juni traf die Gewalt Dębno.

28 Menschen wurden getötet.

Unter ihnen waren auch zehn Frauen.

Zwischen März und Juli 1943 starben mehr als 400 Menschen durch Schusters Einheit.

Doch diese Zahl erzählt nur einen Teil der Geschichte.

Denn hinter jeder Zahl stand ein Name.

Eine Familie.

Ein Leben.

Ein Mensch mit Hoffnungen und Träumen.

Und während Albert Schuster seine Befehle ausführte, glaubte er offenbar, dass seine Uniform ihn schützen würde.

Dass der Krieg irgendwann enden würde.

Dass niemand mehr nachfragen würde.

Doch die Geschichte sollte anders verlaufen.

Denn Jahre später würde ein Mann, der einst für seine Brutalität gefürchtet wurde, feststellen, dass die Vergangenheit nicht verschwunden war.

Sie wartete nur.

Und eines Tages würde jemand an seine Tür klopfen…