Meine eigene Tochter stand nachts in meiner Tür und beobachtete mich beim Schlafen. Zuerst dachte ich, ich hätte geträumt. Aber dann kam sie näher, beugte sich über mich und flüsterte: „Bald ist es vorbei. “
Ich bin Friedrich Weber, 71 Jahre alt.

Vor drei Monaten zog meine 28-jährige Tochter Sabrina nach ihrer Scheidung wieder bei mir ein. Ich wollte ihr helfen, der beste Vater sein. Die ersten Wochen waren normal. Sie kochte, half im Haushalt, wir sahen fern.
Dann wurde ihr Blick kalt, distanziert. Sie verschwand stundenlang mit Kevin, ihrem neuen Freund, einem Kerl Anfang dreißig, der nie gearbeitet hatte und ständig Geld von ihr wollte. Es war ein Donnerstag im Oktober, als ich nachts aufwachte, weil mich dieses eisige Gefühl im Nacken packte. Jemand beobachtete mich.
Ich öffnete vorsichtig die Augen. Da stand sie, regungslos in der Tür, das Gesicht wie eine Maske im Mondlicht. Am nächsten Morgen sprach ich sie an. Sie antwortete nur: „Du hast geträumt, Papa.
Du wirst alt. Dein Verstand spielt dir Streiche. “
Die nächste Nacht wiederholte sich das Ganze. Diesmal stellte ich mich schlafend.
Sie kam Schritt für Schritt näher, beugte sich über mich und flüsterte diese Worte. Was sollte bald vorbei sein? Ich beobachtete sie genauer. Sie telefonierte heimlich mit Kevin, durchsuchte meine Unterlagen, stellte Fragen über mein Testament und meine Versicherungen.
Eines Dienstags, als sie ausging, bemerkte ich ihre halb offene Zimmertür. Ich trat ein und fand Kopien meines Testaments, Recherchen über Gifte, Anleitungen, wie man einen natürlichen Tod vortäuscht. Meine Hände zitterten. Unter ihrem Bett lag ein Notizbuch.
Ich las: „Kevin sagt, es muss wie ein Herzinfarkt aussehen. Der alte Mann ist krank genug. Die Digitalis-Tabletten aus Omas alten Vorräten sollten reichen. Drei zerkleinert in sein Abendessen und er wird in seinem Schlaf sterben.
“
Digitalis. Das Herzmedikament meiner verstorbenen Frau Margarete, das ich als Erinnerung aufbewahrte. Meine eigene Tochter plante, mich damit umzubringen. Ich hörte die Haustür aufgehen, legte alles zurück und schlich in mein Zimmer.
Die ganze Nacht lag ich wach. Am nächsten Morgen log ich ihr vor, der Arzt hätte mir nur noch sechs Monate gegeben. Für einen kurzen Moment blitzte Freude in ihren Augen auf. Sie kochte mir sogar mein Lieblingsgericht.
Die Henkersmahlzeit. Um zwei Uhr nachts kam sie wieder. In der Hand hielt sie ein Glas Wasser mit zerkleinerten weißen Tabletten. Ich stellte mich schlafend.
Sie weckte mich: „Du hattest wieder Herzprobleme. Ich habe dir deine neuen Tabletten geholt. “ Ich sagte, ich wolle erst den Arzt anrufen, und schob das Glas weg. Ihre Wut war nicht zu übersehen, aber sie konnte nichts sagen, ohne sich zu verraten.
Ich begann Beweise zu sammeln. Eine Kamera versteckte ich hinter einem Bilderrahmen. In der nächsten Nacht kam sie wieder, aber die Tür war verschlossen. Sie rüttelte leise am Türknauf.
Am nächsten Tag erzählte ich ihr, ich hätte so gut geschlafen. Sie schlug vor, ich solle die Tür nicht mehr abschließen, falls etwas passiert. Ich ließ die Tür offen. Mein alter Freund Klaus, ein pensionierter Polizist, gab mir ein professionelles Aufnahmegerät.
In der nächsten Nacht kam sie mit einem weiteren Glas. Ich nahm es, sprach von Dankbarkeit, dann ließ ich das Glas scheinbar versehentlich fallen. Die Flüssigkeit ergoss sich über den Boden. Ich hob heimlich eine Scherbe mit Rückständen auf.
Das Gerät hatte alles aufgezeichnet. Klaus sagte: „Das ist Mordversuch. Du musst zur Polizei. “ Aber ich hatte einen anderen Plan.
Ich rief Kevin an und traf mich mit ihm in einer schäbigen Kneipe. Ich erzählte ihm, Sabrina würde alles verlieren, wenn sie jetzt Aufmerksamkeit erregt. Er solle abwarten, bis der alte Mann von selbst stirbt, dann erbe sie alles ohne Verdacht. Dafür wollte ich zehn Prozent.
Kevin stimmte gierig zu. Dann konfrontierte ich Sabrina. „Ich weiß alles. Ich weiß von dem Gift, von den nächtlichen Besuchen, von euren Plänen.
“ Sie brach in Tränen aus. Ich sagte ihr, sie werde hier wohnen bleiben und sich um mich kümmern. Und ich fügte hinzu: „Kevin wird dich bald verlassen. Ich habe ihm gesagt, du seist durchgedreht.
“
Binnen einer Woche war Kevin verschwunden. Sabrina war am Boden zerstört. Ihre große Liebe war weg, ihr Plan gescheitert, und sie saß fest bei dem Vater, den sie hatte töten wollen. Heute, drei Monate später, leben wir noch immer zusammen.
Sie ist demütiger geworden, kocht und putzt. Aber das Vertrauen wird nie zurückkommen. Wie kann ich einer Tochter vertrauen, die mich töten wollte? Die Beweise bewahre ich sicher auf.
Nur für den Fall. Denn Familie bedeutet nicht automatisch Loyalität, und manchmal ist die größte Rache nicht der Tod, sondern ein Leben voller Reue.


