Ich öffnete die Tür um drei Uhr nachts,und der Mann,der davor stand,hatte Augen wie ein Sturm und einen Mantel,der mehr kostete als meine gesamte Wohnung. „Ihre Schwester schuldet mir…

Ich öffnete die Tür um drei Uhr nachts,und der Mann,der davor stand,hatte Augen wie ein Sturm und einen Mantel,der mehr kostete als meine gesamte Wohnung. „Ihre Schwester schuldet mir...

Ich hätte es wissen müssen, als ich das Klopfen hörte. Drei harte Schläge rissen mich aus dem Schlaf, weit nach Mitternacht, in meiner kleinen Altbauwohnung in Berlin Kreuzberg. Meine Schwester Mira war wieder draußen, wahrscheinlich in irgendeiner Spielhölle, mit Schulden, die sie nie bezahlen würde. Ich hatte längst aufgehört, sie retten zu wollen.

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Aber als die Tür klopfte, öffnete ich trotzdem. . Vor mir stand ein Mann, der nicht in unsere Welt passte. Schwarzer Mantel, perfekt geschnitten, Augen wie ein Sturm über der Ostsee.

Hinter ihm zwei Schatten in dunklen Anzügen. „Mira Winter“, sagte er. Seine Stimme war glatt wie teurer Whisky. „Sie ist nicht hier.

“ Ich hielt die Hand an der Tür. „Wer sind Sie? “ „Dante Foss“, sagte er,als wäre das Erklärung genug. „Ihre Schwester schuldet mir zweihunderttausend Euro.

Ich bin gekommen, um zu kassieren. “ Die Zahl traf mich wie ein Schlag. „Das kann nicht stimmen“, flüsterte ich. „So viel hat sie niemals.

“ „Da sie es nicht bezahlen kann“, sagte er ruhig,„bin ich hier, um Ersatz zu nehmen. “ Mir zog sich der Magen zusammen. „Was für einen Ersatz? “ „Der Ersatz sollte atmen.

“ Er lächelte schmal. „Fräulein Winter, ich bin das Gesetz in dieser Stadt. Zumindest in den Kreisen, in denen Ihre Schwester verkehrt. “ Er trat näher.

„Werden Sie mich reinlassen oder sollen wir dieses Gespräch im Flur führen? “ Ich hätte schreien, fliehen, die Polizei rufen sollen, aber etwas an ihm sagte mir, es wäre sinnlos. Also wich ich zurück. Er trat ein, und mit ihm die Dunkelheit.

„Ihre Schwester hat vor sechs Monaten bei einem meiner Leute Geld geliehen. Kleine Summen zuerst, dann größere. Ihr Glück am Tisch ist versiegt. “ „Ich werde mit ihr reden“, sagte ich, bemüht, ruhig zu klingen.

„Wir finden eine Lösung. “ „Ich bin keine Bank. “ Seine Augen nagelten mich fest. „Ich bin ein Geschäftsmann, und Mira hat mich schwach aussehen lassen.

Das kann ich mir nicht leisten. “ „Also wollen Sie sie töten. “ Das Wort schnitt mir über die Lippen. Ein Zucken huschte über sein Gesicht.

„Ich werde nehmen, was mir zusteht. Auf die eine oder andere Weise. “ Er trat noch näher. „Wie heißen Sie?

“ „Lena. “ „Lena Winter? “ Er wiederholte den Namen,als koste er ihn aus. „Krankenschwester, Charité, Nachtschicht.

Sechzig Stunden pro Woche, um die Schulden Ihrer verstorbenen Mutter abzubezahlen. Sechsundzwanzig Jahre alt. Und Sie haben Ihre Schwester seit fünf Jahren großgezogen. “ Ich erstarrte.

„Woher wissen Sie das? “ „Ich weiß alles,was ich wissen muss“, sagte er leise. „Ich beobachte. Es ist mein Geschäft.

“ „Sie haben mich beobachtet? “ „Ihre Schwester“, korrigierte er. „Sie waren nur beiläufig interessant. Aber jetzt nicht mehr beiläufig.

“ Seine Finger streiften meine Kieferlinie. „Mira ist Chaos. Sie sind Struktur. Sie halten alles zusammen.

Ich brauche jemanden,der das kann. “ „Was wollen Sie von mir? “ „Ihre Zeit, Ihre Loyalität, Ihre Dienste. “ Ich wich zurück.

„Sie wollen, dass ich für Sie arbeite. “ „In gewisser Weise“, seine Augen glitzerten. „Ich brauche jemanden,dem ich vertrauen kann,ganz nah. “ „Sie wollen eine Spionin, eine Krankenschwester,die Wunden versorgt,die kein Krankenhaus behandeln darf.

“ Ich spürte die Falle zuschnappen. „Und wenn ich mich weigere? “ „Dann verschwindet Mira, und Sie finden sie nie wieder. “ Mein Herz raste.

Er sah mich an,als hätte er bereits gewonnen. „Oder Sie kommen jetzt mit mir“, fuhr er fort. „Arbeiten,bis die Schuld beglichen ist. Ihre Schwester lebt,und ich zahle zusätzlich die medizinischen Schulden Ihrer Mutter.

“ „Was ist der Haken? “ „Der Haken“, sagte er ruhig,beugte sich vor,bis seine Lippen fast mein Ohr berührten,„ist,dass Sie mir gehören. Vollständig,ohne Fragen,ohne Flucht. “ Ich hätte Angst haben sollen.

Ich hatte Angst. Doch irgendwo tief in mir regte sich etwas anderes. Etwas,das flüsterte:Vielleicht warst du nie frei. „Ich brauche eine Antwort,Lena“,sagte Dante ruhig.

„Deine Schwester oder du? Wähle! “ Miras Gesicht flackerte vor meinem inneren Auge auf. Lautes Lachen,falsche Versprechen,endlose Nächte,in denen ich sie suchte,nur um sie wieder in Schwierigkeiten zu finden.

Ich hatte sie immer gerettet. Aber dieses Mal war der Preis ich selbst. „Ich brauche Zeit. “ „Nein“,seine Antwort kam sofort.

„Du entscheidest jetzt. “ Die Sekunden dehnten sich. Ich hörte mein eigenes Herz wie ein Uhrwerk ticken. Dann vibrierte sein Handy.

Er sah auf das Display. „Deine Schwester hat gerade weitere fünfzigtausend verloren“, sagte er leise. „Die Summe steigt schnell. “ Etwas in mir riss.

Die Jahre der Opfer,die Nachtschichten,die Schulden,das ständige Retten einer Person,die nicht gerettet werden wollte. „Gut“,sagte ich schließlich mit erstaunlicher Ruhe. „Ich werde für Sie arbeiten. Aber Sie lassen Mira in Ruhe.

“ „Für immer. “ Ein gefährliches Funkeln trat in seine Augen. „Einverstanden. “ „Schriftlich“,fügte ich hinzu.

Eine Augenbraue hob sich. „Du willst verhandeln? “ „Sie sagten selbst,Sie brauchen jemanden,der nicht unter Druck zerbricht. Ich will einen Vertrag.

“ Einen Moment lang schwieg er. Dann lächelte er. Zum ersten Mal sah es fast echt aus. Er rief einen seiner Männer herein.

„Marco,Vertrag aufsetzen. Achtzehn Monate,Dienstverhältnis,medizinische Versorgung,Schuldentilgung. “ Seine Augen ruhten auf mir. „Und eine Klausel:Wenn sie ihre Zeit ohne Verrat erfüllt,geht sie frei.

Keine weiteren Forderungen. “ Ich konnte kaum glauben,was ich hörte. „Pack deine Sachen,Lena“,sagte Dante. „Du hast zehn Minuten.

Nimm,was du brauchst. Du wirst nicht zurückkommen. “ Ich ging wie im Traum in mein Schlafzimmer,packte ein paar Kleider,mein Diplom,ein Foto meiner Eltern,und das silberne Medaillon meiner Mutter. Der Rest bedeutungslos.

Als ich zurückkam,stand Dante am Fenster. „Irgendwelche Reue? “,fragte er. Ich dachte an Mira,an die Jahre der Schuld,an die Müdigkeit,die mich aufgefressen hatte.

Dann an diesen Mann,gefährlich,aber zielgerichtet. „Fragen Sie mich in achtzehn Monaten. “ Sein Lächeln war scharf wie eine Klinge. „Ich werde dich daran erinnern.

“ Draußen wartete ein schwarzer SUV. Als wir losfuhren,verschwamm Berlin hinter den getönten Scheiben. Das Foss-Anwesen lag außerhalb der Stadt,wie ein Schloss. Hohe Tore,eine Auffahrt,flankiert von Marmorstatuen.

Licht glomm hinter den Fenstern. „Willkommen zu Hause,Lena“,sagte Dante. „Das ist nicht mein Zuhause. “ „Ab heute schon.

“ Er öffnete mir die Tür,reichte mir die Hand. Sein Griff war fest,besitzergreifend. Drinnen glänzte alles:Marmor,Kristall,Gemälde. Diener glitten wortlos durch die Flure.

„Hier wirst du wohnen. “ Er öffnete eine Tür im oberen Stockwerk. Ein Raum,so groß wie meine gesamte Wohnung. Cremefarben,goldene Akzente,ein Bett wie aus einem Märchen.

Kleider hingen im Schrank,in verschiedenen Größen. „Meine Haushälterin,Frau Kranz,hilft dir bei allem. Du nimmst die Mahlzeiten mit mir,es sei denn,ich sage etwas anderes. “ Ich ließ die Tasche fallen.

„Und meine Arbeit? “ „Du wirst auf Abruf sein“,sagte er. „Wenn ich medizinische Hilfe brauche oder einer meiner Männer,dann behandelst du sie. Keine Fragen.

egal wie schlimm es ist. “ „Und sonst? “ Er trat näher. „Du begleitest mich zu bestimmten Anlässen,Empfänge,Geschäftsessen.

Man wird dich als meine persönliche Ärztin vorstellen. “ „Warum? “ „Weil es gut aussieht,weil es Respekt zeigt“,seine Augen glitten über mich,„weil ich es will. “ Ich spürte,wie mir der Boden unter den Füßen schwankte.

„Ich will den Vertrag sehen. “ „Morgen früh. “ Er wandte sich zur Tür. „Schlaf jetzt.

Morgen beginnt dein neues Leben. “ „Und Mira? Wie weiß ich,dass Sie Ihr Wort halten? “ Er hielt inne.

„Ich habe sie bereits aus dem Spielclub holen lassen. Sie ist jetzt in einer Klinik bei Potsdam. Drei Monate Entzug,Therapie,Neuanfang. Ich kümmere mich um sie.

“ Mir blieb die Luft weg. „Sie haben das schon getan. “ „Ich bin effizient,Lena“,sagte er. „Und ich halte meine Versprechen.

Aber danke mir nicht. Alles hat seinen Preis. “ Dann schloss er die Tür. Die Stille danach war ohrenbetäubend.

Ich stand mitten in diesem goldenen Käfig und versuchte zu atmen. In dieser Nacht träumte ich von Blut und Regen und einer Tür,die sich hinter mir schloss. Ich wachte schweißgebadet auf. Drei Uhr zwölf.

Mein Herz raste,die Erinnerung an den Albtraum noch frisch. Ich stolperte zum Balkon,riss die Tür auf. Die kalte Nachtluft brannte in meinen Lungen. Ich zwang mich zu atmen.

„Kannst du nicht schlafen? “ Ich erstarrte. Dante stand im Schatten der Tür,barfuß,die Ärmel seines Hemdes hochgekrempelt. „Wie lange stehen Sie da?

“,fragte ich heiser. „Lange genug,um zu hören,wie du nach Luft dringst. “ „Das war ein Albtraum. “ „Ich weiß,wie sich Panik anfühlt“,sagte er leise.

Er trat näher,nahm meine Hand,legte zwei Finger an mein Handgelenk. „Puls zu schnell. “ „Seit wann hast du sie? “ „Seit dem Unfall meiner Eltern.

“ „Wie alt warst du? “ „Einundzwanzig. “ Sein Daumen glitt über meine Haut. „Und seitdem trägst du die Welt allein.

“ Ich lachte bitter. „Jemand musste es ja tun. “ Er hob mein Kinn,zwang mich,ihm in die Augen zu sehen. „Nicht mehr.

Jetzt stehst du unter meinem Schutz. Niemand verletzt dich. Niemand bedroht dich,nicht einmal du selbst. “ „Sie machen mir Angst.

“ „Gut“,sein Lächeln war gefährlich. „Aber nicht so. Nicht aus Panik,sondern aus Respekt,aus dem Wissen,dass ich dich zerstoren könnte,aber nicht will. “ Sein Atem streifte meine Wange.

Ich wich nicht zurück. „Warum ich? “,flüsterte ich. „Weil du mich erinnerst,wie es sich anfühlt,etwas verlieren zu können.

“ Er trat zurück. „Schlaf. Morgen beginnt dein Unterricht. “ Der nächste Morgen roch nach Kaffee und Luxus.

Ein Tablett stand vor meiner Tür. Eine Karte lag daneben:„Trag das schwarze Kleid. Neun Uhr unten. “ Das Kleid war schlicht,elegant,maßgeschneidert.

Es passte perfekt. Unten führte mich eine Haushälterin in ein Arbeitszimmer,welches aussah wie ein Museum. Dante saß hinter einem riesigen Schreibtisch aus Marmor. Vor ihm stand ein Mann,der blass vor Angst war.

„Es war gesichert,Boss. Ich schwöre,ich weiß nicht wie. “ „Du weißt es nicht“,sagte Dante leise. „Ich zahle dich dafür,dass du alles weißt,Carlo.

“ Seine Faust knallte auf den Tisch. „Zwei Millionen Euro verschwunden. Wenn du sie nicht findest,verschwinden du und deine Familie ebenfalls. “ Carlo stolperte hinaus,ohne aufzusehen.

Als die Tür sich schloss,richtete Dante den Blick auf mich. „Du bist pünktlich. Gut. “ Er deutete auf einen Stuhl.

„Setz dich. “ Ich tat es. „Was du gerade gesehen hast,ist Routine. In meinem Geschäft bedeutet Schwäche den Tod.

“ „Ich weiß,was Sie sind“,sagte ich ruhig. „Ein Krimineller,ein Mafiaboss. “ Er lehnte sich zurück. „Und doch bleibst du hier.

“ „Ich habe keine Wahl. “ „Wir haben immer eine Wahl,Lena. Du entscheidest nur,ob du sie nutzt. “ Eine Frau klopfte,bracchte eine Mappe.

„Der Vertrag“,sagte Dante. „Lies,frag,was du willst. Dies ist dein einziger Verhandlungsmoment. “ Ich blätterte.

Achtzehn Monate Dienst. Medizinische Betreuung seiner Leute. Teilnahme an offiziellen Terminen. Unterkunft,Gehalt,Tilgung aller Schulden.

Eine Klausel:Mira bleibt frei,unantastbar. „Was passiert,wenn ich früher gehe? “ „Dann werden alle Schulden wieder fällig,plus Zinsen. Und Mira verschwindet.

“ Ich nickte. „Und wenn Sie mehr verlangen als medizinische Hilfe? “ Er beugte sich vor. „Fragst du,ob ich dich zwingen will,mit mir zu schlafen?

“ Mein Herz stolperte. „Nein. Ich nehme keine Frau gegen ihren Willen. Es wäre langweilig.

Ich will,dass du willst. “ Er stand auf,umrundete den Tisch,blieb direkt vor mir stehen. „Und du willst? “ „Nein.

“ Seine Hand glitt an meine Wange. „Doch du hast es gespürt in der Nacht auf deinem Balkon. Diese Spannung zwischen uns. Dieses Feuer.

“ Ich schluckte schwer. „Was wollen Sie von mir? “ „Alles“,seine Stimme war kaum ein Flüstern. „Deine Loyalität,deine Wahrheit,deine Hingabe.

Und irgendwann dein Herz. “ Ich unterschrieb. Der Stift fühlte sich schwer an wie eine Waffe. „Gut“,sagte Dante,legte das Papier in den Tresor.

„Heute Abend wirst du mich zu einem Geschäftsessen begleiten. Rivalenfamilie. Du beobachtest,du sprichst wenig. Du lernst.

“ „Ich bin keine Spionin. “ „Nein“,sein Blick glitt über mich. „Du bist meine Frau für heute Nacht. “ „Wie bitte?

“ „Nicht wörtlich,nur nach außen. Du wirst dich an mich halten,mich ansehen,mich berühren,wenn ich es verlange. Es ist Taktik,kein Spiel. “ „Und wenn ich mich weigere?

“ „Dann denken Sie,ich hätte die Kontrolle verloren. Und in dieser Welt bedeutet das Blut. “ Ich atmete tief ein. „Verstanden.

“ „Gut,braves Mädchen“,murmelte er. Und das Zittern in meiner Brust hatte nichts mit Angst zu tun. Am Abend klopfte es genau um sieben Uhr. Ich öffnete die Tür.

und verlor den Atem. Dante stand dort in einem schwarzen Smoking,makelos,gefährlich schön. Sein Blick glitt über mich. Und über das smaragdgrüne Kleid,das Frau Kranz für mich herausgelegt hatte.

„Perfekt“,murmelte er,trat näher,streifte mit den Fingerspitzen über meine Schulter. „Jetzt siehst du aus wie jemand,der an meiner Seite stehen darf. “ „Und was genau bedeutet das? Dass du dich benimmst,als würdest du mir gehören?

“ Ich hob das Kinn. „Ich gehöre niemandem. “ „Heute Nacht schon“,seine Stimme war so leise,dass sie mein Herz berührte. Er reichte mir den Arm.

Ich legte zögernd meine Hand darauf. Der Wagen rollte durch die nächtliche Stadt. „Zu wem gehen wir? “,fragte ich.

„Zur Familie Moretti. Alteingesessen,reich,gefährlich. Heute soll Frieden herrschen oder Krieg. “ Das Restaurant lag in einem stillen Hinterhof.

Kein Schild,nur eine rote Tür. Als wir eintraten,verstummten die Gespräche. Männer in Maßanzügen,Frauen mit kalten Augen und Diamanten,die wie Waffen funkelten. Dante führte mich durch die Reihen.

Am hinteren Tisch erhob sich Lorenzo Moretti,graues Haar,wache Augen. Neben ihm drei Söhne. „Dante Foss“,sagte Dante. „Das ist Dr.

Lena Winter,meine persönliche Ärztin und Begleiterin. “ Das Wort „Begleiterin“ hing wie ein bewusst gesetztes Gift in der Luft. „Eine Frau der Wissenschaft unter Gangstern? “,fragte der Älteste.

„Ich habe gelernt,mit Blut umzugehen“,sagte ich dünn. Ein kurzes Lächeln zuckte über Dantes Mundwinkel. Das Essen begann. Ein Ballett aus Worten,Macht,Andeutungen.

Ich sprach kaum,beobachtete stattdessen. Unter dem Tisch lag Dantes Hand auf meinem Oberschenkel. Besitzergreifend,warm. „Ihre Ärztin ist still“,bemerkte Lorenzo schließlich.

„Sie spricht nur,wenn es sich lohnt“,sagte Dante und drückte sanft meine Hand. Ich hob den Blick. „Ich höre lieber zuerst zu. Man erfährt mehr,wenn andere reden.

“ „Und was haben Sie gehört? “,fragte Lorenzo neugierig. „Dass Ihr Jüngster jemandem schreibt,der sie nervös macht. Dass Ihr zweiter Angst hat,das Ostgebiet zu verlieren.

Und dass Ihr ältester zu dicht an meinem Chef sitzt,als wolle er testen,wie weit er gehen darf. “ Die Stille war wie Strom. Lorenzo lachte laut. „Erschaffzüngig diese Frau.

Wo haben Sie sie gefunden? “ „Sie hat mich gefunden“,antwortete Dante,sein Blick auf mir,als gehörte ich ihm tatsächlich. „Es gibt keine Zufälle“,sagte Lorenzo langsam. „Nur Gelegenheiten und Gefahren.

“ „Aber merken Sie sich eins“,sagte Dante kühl. „Sie steht unter meinem Schutz. Jede Bedrohung gegen Sie ist eine Kriegserklärung. “ Das restliche Dinner verlief spannungsgeladener,doch die Machtbalance hatte sich verschoben.

Als wir das Restaurant verließen,legte Dante seine Hand an meine Hüfte. In der Limousine war es still. Dann wandte er sich zu mir. „Du warst brillant.

“ „Ich habe nur beobachtet. “ „Nein. Du hast sie entwaffnet. “ Er griff nach meinem Kinn.

„Du hast sie glauben lassen,dass du gefährlich bist. Und das bist du. “ Seine Lippen streiften meine. „Ich bin nicht wie sie“,flüsterte ich.

„Nein“,sein Daumen zeichnete meinen Mund nach. „Du bist schlimmer. Du machst mich schwach. “ Ich hätte zurückweichen sollen.

Stattdessen blieb ich. „Sag,dass du es willst“,hauchte er. „Ich weiß es nicht. “ „Du weißt es längst.

“ Sein Handy klingelte. Italienische Worte,Scharfund schnell. Sein Gesicht verhärtete sich. „Ein Lagerhaus wurde angegriffen.

Sechs Verletzte. “ Er legte auf,sah mich an. „Jetzt wirst du zeigen,was du wirklich kannst,Lena. “ Das Lagerhaus lag am Rand von Potsdam,eine alte Industriehalle,umgeben von Blaulicht und Chaos.

Nur dass hier kein Notarztwagen stand,keine Polizei,nur Dantes Männer,bewaffnet,lautlos,effizient. Der Geruch von Blut und Schmauch hing in der Luft. „Zwei schwer verletzte,vier stabil“,rief jemand. „Lena,du übernimmst“,sagte Dante.

Ich schob mich nach vorn. Das Adrenalin nahm die Kontrolle. In Sekunden war die Angst weg. Nur noch Handgriffe,Puls,Atmung,Druck.

„Er hat eine Thoraxwunde“,rief ich. „Ich brauche Licht,Infusion,Druckverband. “ Ein junger Mann reichte mir alles. Seine Hände zitterten,aber er gehorchte.

Die nächsten drei Stunden waren ein Rausch aus Blut und Stahl. Ich nähte,drückte,stoppte Blutungen,verlor einen Patienten,rettete vier. Als der letzte Verband saß,brach die Stille über mich herein. Meine Hände zitterten.

Mein Kleid,das grüne Kleid,war ruiniert,dunkelrot getränkt. Dante trat zu mir,still. „Du hast getan,was du konntest. “ „Er ist tot“,flüsterte ich.

„Ein Mann,der unter deinem Schutz stand. “ „Und vier Leben,weil du hier warst“,sagte er. „Das ist kein Sieg. “ „In meiner Welt schon.

“ Seine Hand legte sich auf meine Schulter. „Jetzt geh dich waschen. Ich brauche dich nicht,bis du wieder atmest. “ Zurück im Anwesen stand ich lange unter der Dusche,bis das Wasser nicht mehr rot war.

Ich rieb,schrubte,doch das Blut blieb in meinem Kopf,in meiner Haut. Als ich schließlich in mein Zimmer trat,lag ein Glas Whisky auf dem Nachttisch,daneben eine Karte:„Du hast dich bewährt. Schlaf gut. “ Ich trank das Glas leer.

Der Alkohol brannte. Ich fiel aufs Bett. Als ich aufwachte,floss der Morgen in Gold durch die Fenster. Er saß in einem Sessel.

„Wie lange schon? “,fragte ich. „Eine Stunde. Du redest im Schlaf.

“ „Was habe ich gesagt? “ „Nur Entschuldigungen. “ Ich setzte mich auf. „Ein Mann ist wegen mir gestorben.

“ „Nein,wegen mir“,sagte Dante ruhig. „Du hast getan,was möglich war. Vincent wusste,worauf er sich einließ. “ „Das macht es nicht besser.

“ „Nein“,seine grauen Augen suchten meine,„aber es macht es real. Ich habe gelernt,dass Schuld wie Gift ist. Du kannst sie trinken oder sie töten dich. Wähl selbst.

“ „Wer hat dir das beigebracht? “ „Mein Vater“,antwortete er nach einer Pause. „Kurz bevor ich ihn erschossen habe. “ Ich blinzelte.

„Er war krank,schwach. Seine Entscheidungen hätten uns alle vernichtet. Also tat ich,was nötig war. “ Ich konnte nichts sagen.

„Du mußt mich für ein Monster halten“,sagte er schließlich. „Nein“,ich hob den Blick. „Für einen Menschen,der gelernt hat,dass Liebe und Gewalt denselben Pulsschlag haben. “ Er lachte leise,traurig.

„Du siehst zu viel,Lena. “ Dann wurde sein Blick hart. „Die Männer,die das Lager angegriffen haben,wurden von Marco Moreti bezahlt. “ Ich erstarrte.

„Wegen mir. Weil du ihn bloß gestellt hast. “ „Was willst du tun? “ „Was getan werden muss.

“ Er trat ans Fenster. „Heute Mittag fahren wir zu Ihnen. Du bleibst an meiner Seite. Keine Angst zeigen.

“ Das Moretti-Anwesen wirkte diesmal kleiner. Dantes Leute umzingelten das Gelände. Lorenzo stand auf der Treppe,gefasst. Marco neben ihm,bleich und schwitzend.

„Dein Sohn hat meinen Männern eine Falle gestellt“,sagte Dante. „Einer ist tot,vier verletzt. Ich bin hier,um eine Nachricht zu überbringen. “ Marco öffnete den Mund.

Dante war schneller. In einer Bewegung packte er ihn am Kragen,drückte ihn gegen die Marmorsäule. „Sag mir,dass es nicht stimmt. Gib mir einen Grund,dich leben zu lassen.

“ Lorenzo hob die Hand. „Dante,er ist jung,dumm. “ „Er hat mich verraten“,sagte Dante leise. Dann beugte er sich vor,sein Mund dicht an Marcos Ohr.

„Entschuldige dich bei ihr. “ „Was? “ „Bei ihr. Für die Beleidigung,für die Tat,für alles.

“ Marcos Blick traf meinen,voller Hass,aber auch Angst. Er kniete nieder. „Es tut mir leid,Fräulein Winter. “ Ich wusste,das war das Tiefste,was ein Mann seiner Welt tun konnte.

„Akzeptiert“,flüsterte ich. Lorenzo nickte. „Friede,Dante. “ „Friede,vorläufig.

“ Im Wagen zurück herrschte Stille. Dann drehte er sich zu mir,nahm mein Gesicht in die Hände. „Du warst großartig. “ „Ich habe nichts getan.

“ „Doch. Du standest da,aufrecht neben mir,als wärst du ein Teil von mir. “ Seine Lippen fanden meine. Der Kuss war keine Frage,sondern ein Feuer.

„Ich sollte das nicht wollen“,flüsterte ich. „Aber du tust es“,sagte er lächelnd. „Nicht heute,nicht hier. Wenn ich dich nehme,dann nicht in einem Auto,sondern in meinem Bett.

Und dann gehörst du mir ganz. “ Später in dieser Nacht lag ich in seinem Bett,sein verletzter Arm um mich,seine Haut heiß,sein Atem ruhig. Draußen dämmerte der Morgen über Berlin. „Bereust du es?

“,fragte er leise. „Noch nicht“,flüsterte ich zurück. „Dann frage ich dich morgen wieder. “ Er lachte leise,zog mich enger an sich.

Und zum ersten Mal,seit er in mein Leben getreten war,schlief ich ohne Angst ein.