Am 28. September 1942 geschah es. Theodor Schurch, der sich als Captain Richards ausgab, wurde in ein alliiertes Kriegsgefangenenlager in Italien verlegt. Die Männer dort sahen einen freundlichen britischen Offizier mit sauberer Uniform und einem Lächeln, das keine Spur von Misstrauen weckte.

Er setzte sich zu den Gefangenen, fragte nach ihren Einheiten, nach ihren Familien. Er wirkte fürsorglich, fast wie ein Kamerad, den man schon ewig kannte. Die echten Gefangenen erzählten ihm alles. Sie nannten Namen, Truppenteile, geplante Fluchtversuche.
Schurch hörte zu, nickte mitfühlend und verschwand in der Nacht. Am nächsten Morgen wurden Männer abgeführt, Verhöre begannen, Fluchtwege wurden zugemauert. Niemand verdächtigte den freundlichen Captain. Er war einer von ihnen, dachten sie.
Doch Schurch arbeitete für die Abwehr. Seine Tarnung war perfekt. Er wurde zwischen Lagern versetzt, immer neue Gesichter, immer neue Geheimnisse. In Rom lernte er andere Kollaborateure kennen, doch niemand war so geschickt wie er.
Seine Schweizer Staatsangehörigkeit gab ihm eine Aura der Neutralität. Seine Stimme klang echt, sein Lachen wirkte warm. Im Mai 1943 wurde er nach Nordafrika zurückgebracht. Er sollte einen britischen Offizier finden, der in einem bestimmten Lager inhaftiert war.
Doch diesmal ging etwas schief. Ein gefangener Sergeant, der Schurch in einem früheren Lager gesehen hatte, erkannte ihn wieder. „Moment mal“, sagte der Sergeant, „ich kenne Sie. Sie waren in Camp 27.
Sie haben mit mir über Fluchtpläne gesprochen. “ Schurch lachte und schüttelte den Kopf. „Sie verwechseln mich mit jemand anderem. “ Doch der Sergeant ließ nicht locker.
Er meldete seinen Verdacht dem Lagerkommandanten. Schurch wurde in eine separate Zelle gebracht. Verhöre begannen. Zuerst leugnete er alles.
Dann brach sein Alibi zusammen. Ein Offizier der britischen Militärpolizei legte Fotos auf den Tisch: Schurch in italienischer Uniform, Schurch mit deutschen Offizieren in Rom. „Sie sind nicht Captain Richards“, sagte der Offizier. „Sie sind Theodor Schurch, und Sie haben Männer verraten, die Ihnen vertraut haben.
“
Schurch sah auf die Fotos und wurde still. Dann sagte er leise: „Ich habe nur getan, was ich tun musste. “ Er wurde nach England zurückgebracht, vor ein Militärgericht gestellt. Die Anklage lautete auf Hochverrat.
Die Beweise waren erdrückend: Dokumente, Zeugenaussagen, seine eigene Unterschrift unter Berichten an die Abwehr. Am 1. Oktober 1946 wurde das Urteil verkündet. Theodor Schurch wurde für schuldig befunden und zum Tode verurteilt.
Er wurde im Gefängnis von Wandsworth gehängt. Er war der letzte britische Staatsbürger, der wegen Hochverrats hingerichtet wurde. Doch seine Geschichte endet nicht mit seinem Tod. Fragen blieben offen: Hatte er jemals Gewissensbisse?
War er ein überzeugter Faschist oder nur ein Mann, der überleben wollte? Seine letzte Aussage vor dem Gericht lautete: „Ich bereue nichts. Ich habe für das gekämpft, woran ich geglaubt habe.
“ Keiner wusste, ob das die Wahrheit war.


