„Es war doch nur für drei Tage“, hatte ich gesagt. Doch als Lea mir den Cappuccino reichte und ihre Hand einen Herzschlag zu lange auf der Tasse verweilte, wusste ich, dass ich längst die…

„Es war doch nur für drei Tage“, hatte ich gesagt. Doch als Lea mir den Cappuccino reichte und ihre Hand einen Herzschlag zu lange auf der Tasse verweilte, wusste ich, dass ich längst die...

„Es war doch nur für drei Tage“, hatte Markus gesagt, mit der kühlen Selbstsicherheit eines Mannes, der glaubte, seine Gefühle im Griff zu haben. Drei Tage, um die Fragen seiner Familie zum Schweigen zu bringen, drei Tage, um eine Fassade aufrechtzuerhalten. Doch jetzt, als er die Tasse entgegennahm, die Lea ihm reichte – ein Cappuccino, genau so, wie er ihn mochte –, fühlte sich alles anders an. „Das hättest du nicht machen müssen“, sagte er, und seine Stimme klang rauer, als er beabsichtigt hatte.

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Die Wärme der Tasse brannte sanft in seinen Händen, während er in ihre Augen sah. Lea lächelte, doch an den Rändern ihres Lächelns lag ein Zittern, das er nicht einordnen konnte. „Ich wollte es einfach. “

Das Fernsehgerät rauschte leise im Hintergrund.

Der Geruch von frisch gemahlenem Kaffee hing zwischen ihnen, dicht wie unausgesprochene Gedanken. Markus wollte etwas erwidern, doch ein Klopfen an der Tür ließ ihn zusammenzucken. „Kinder, der Kaffee ist im Garten fertig“, rief eine fröhliche Stimme durch die Tür – seine Mutter. Der Moment zersprang.

Lea trat einen Schritt zurück, sammelte ihre Professionalität wieder ein, und Markus wünschte sich, sie würde es nicht tun. Er stellte die Tasse ab, zu schnell, und ein Tropfen heißer Kaffee lief über sein Handgelenk. Der Schmerz war willkommen. Ein Stück Realität inmitten des Chaos.

„Wir kommen gleich, Mama“, rief er, bemüht um einen normalen Ton. Doch als sich die Tür schloss, spürte er die Stille, die sich zwischen ihnen senkte. Lea schob ihren Laptop in die Tasche. Die Rolle war zurück, aber irgendetwas hatte sich verändert.

Unausweichlich, leise, gefährlich. Drei Wochen zuvor hatte Markus Weber noch geglaubt, sein Leben sei berechenbar. Ein strukturiertes, erfolgreiches Leben und einsam, bis seine Mutter ihm auf die Mailbox sprach: „Schatz, ich habe dich fürs Wochenende auf dem Familiengut am Tegernsee eingetragen, und ich habe eine Überraschung. Susannes Tochter ist auch da.

Hübsch, klug, alleinstehend. Sag nicht nein. “

Er hatte das Telefon gelöscht, Whiskey eingeschenkt, aber den Schluck nie getrunken. Stattdessen hatte er eine alte Visitenkarte aus der Schublade geholt – von einer exklusiven Agentur für Begleitservices.

Diskret, seriös, anonym. Vier Kandidatinnen hatte er abgelehnt. Dann kam das Profil von Lea Köhler, 28, Grafikdesignerin aus München, mit ruhiger Ausstrahlung und wachem Blick. Keine Pose, keine Übertreibung.

Echt. Sie trafen sich in einem kleinen Café am Gärtnerplatz. Lea erschien pünktlich, schlicht gekleidet, mit einer Mappe unter dem Arm. „Herr Weber – oder lieber Markus?

“ „Markus reicht völlig. “ Er schob ihr einen Vertrag über den Tisch. „Alles, was wir hier besprechen, bleibt vertraulich. Wenn Sie sich unwohl fühlen, können wir sofort aufhören.

Lea las jede Zeile. Markus beobachtete, wie ihre Augen über die Paragraphen glitten, wie sie die Stirn runzelte, wie ihre Lippen sich beim Lesen bewegten, leise, konzentriert. „Warum brauchen Sie eine falsche Freundin? “, fragte sie direkt.

„Weil meine Familie nicht versteht, dass ich lieber allein bin. Und weil Lügen manchmal einfacher sind als Erklärungen. “

Sie sah ihn lange an, dann unterschrieb. „Drei Tage“, sagte er und schob ihr eine Mappe zu.

„Freitag bis Sonntag, Familienwochenende am Tegernsee. Ich habe Ihr Profil bereits vorbereitet. “ Lea öffnete die Mappe, ihre Augen weiteten sich. „Wir sind angeblich seit vier Monaten zusammen.

Und du kochst miserabel. “ „Realismus verkauft die Geschichte“, erwiderte Markus trocken. „Und ja, das mit dem Kochen stimmt leider. “

Ein flüchtiges Lächeln huschte über ihr Gesicht.

„Was bekomme ich? “ Er zog einen Umschlag hervor. „Die Hälfte jetzt, die Hälfte nach dem Wochenende. Sollte locker zwei Monatsmieten decken.

“ Ihre Finger zitterten, als sie das Geld nahm. „Warum ich? “

Er wollte sie berühren, sie an der Schulter fassen, irgendetwas Echtes tun, aber er blieb still. Am nächsten Morgen war das Haus still.

Für einen Augenblick war es still. „Du bist still“, sagte Lea. Er sah sie an, und die Stille zwischen ihnen wurde lauter als jedes Wort, das er hätte sagen können. Der Plan war einfach gewesen.

Einfach, sauber, berechenbar. Doch je näher das Wochenende rückte, desto mehr verschwammen die Grenzen zwischen dem, was gespielt war, und dem, was echt zu werden drohte. Und als der Kaffee im Garten fertig war, wusste Markus, dass dieser Moment – dieser eine, flüchtige Augenblick, in dem alles hätte perfekt sein können – bereits verloren war.