Ihre Schönheit war nur die Fassade einer der grausamsten Frauen des Zweiten Weltkriegs. Als Aufseherin im KZ Stutthof quälte sie Gefangene ohne Reue – und wählte Frauen und Kinder persönlich für…

Ihre Schönheit war nur die Fassade einer der grausamsten Frauen des Zweiten Weltkriegs. Als Aufseherin im KZ Stutthof quälte sie Gefangene ohne Reue – und wählte Frauen und Kinder persönlich für...

Im September 1939 überquerten deutsche Truppen ohne Kriegserklärung die polnische Grenze. Der Angriff war von Anfang an von äußerster Brutalität geprägt. Städte und Dörfer wurden bombardiert, Zivilisten auf offener Straße erschossen. Wer floh, wurde wie ein Feind behandelt.

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Das Ziel war nicht nur die Eroberung Polens, sondern die Vernichtung der polnischen Nation. Das Naziregime betrachtete die Polen als rassisch minderwertig und setzte auf Terror und Massenverhaftungen, um das Land zu zerstören. Gezielte Listen erfassten Lehrer, Priester, Beamte und Gemeindevorsteher. Tausende von ihnen wurden ermordet.

Parallel zur Invasion errichtete Nazideutschland im besetzten Gebiet ein Netz von Lagern. Diese Lager waren darauf ausgelegt, ganze Bevölkerungsgruppen durch Zwangsarbeit, Hunger, Gewalt und Mord einzuschüchtern, zu isolieren und zu brechen. Sie funktionierten nicht allein, sondern waren auf Tausende von Tätern angewiesen, die den täglichen Missbrauch als routinemäßige Arbeit ausführten. Männer und Frauen wurden durch Ideologie, Gehorsam und Gelegenheit in dieses System hineingezogen.

Sie lernten, ohne jede Zurückhaltung zu herrschen und zu töten. Eine dieser Täterinnen war eine junge Frau, die später wegen ihrer Grausamkeit berüchtigt wurde. Gefangene erinnerten sich an sie als das Schöne Gespenst und als verrückte Jenny. Ihr Name war Jenny Wanda Barkmann.

Jenny wurde am 30. Mai 1922 in Hamburg geboren, in der damaligen Weimarer Republik. Ihr Vater arbeitete als Hafenarbeiter im Hamburger Hafen, ihre Mutter blieb zu Hause. Wie viele Arbeiterfamilien kämpfte auch die Familie Barkmann in den Jahren wirtschaftlicher Instabilität ums Überleben.

Als Kind fiel Jenny nicht besonders auf. Sie träumte davon, Schauspielerin oder Model zu werden, und stellte sich ein Leben voller Bewunderung und Schönheit vor, weit entfernt von der Not ihrer Heimatstadt. Doch bald änderte sich alles. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 veränderte sich das gesellschaftliche Klima in Deutschland.

Die Ideologie der Nazis durchdrang das tägliche Leben, auch das von Jenny. Sie fand in der Bewegung eine Art von Anerkennung und Bedeutung, die ihr in ihrer einfachen Herkunft verwehrt geblieben war. Als der Krieg begann, meldete sie sich freiwillig. Zunächst arbeitete sie als Aufseherin im KZ Ravensbrück, später wurde sie in das KZ Stutthof versetzt.

Dort zeigte sie eine bestialische Grausamkeit. Sie schlug Gefangene wahllos, hetzte Hunde auf sie und wählte Frauen und Kinder für die Gaskammer aus. Ihr schönes Äußeres stand in einem grausamen Kontrast zu ihren Taten. Stutthof war kein gewöhnliches Lager.

Es lag in der Nähe von Danzig und wurde 1939 zunächst als Internierungslager für Polen errichtet. Im Laufe des Krieges wurde es zu einem weit verzweigten System von 105 Außenlagern in Nord- und Mittelpolen. Mehr als 100. 000 Menschen durchliefen das Lagersystem, mindestens 60.

000 starben durch Vergasung, Hunger, Krankheit, Erschießungen, Zwangsarbeit und Evakuierungsmärsche. Fast 50. 000 Gefangene wurden bei eisiger Winterkälte auf Todesmärsche getrieben, Tausende starben auf dem Weg. Ende April 1945, als die Alliierten näher rückten, begann die Evakuierung des Lagers Stutthof.

Die SS führte die Häftlinge unter unmenschlichen Bedingungen durch den Schnee. Wer nicht weitergehen konnte, wurde erschossen. Berlau, ein Fluchtversuch war fast unmöglich. Jenny Wanda Barkmann gehörte zu den Aufseherinnen, die die Häftlinge während dieser Märsche bewachten.

Sie zeigte keine Reue, sie ließ keine Gnade walten. Nach dem Krieg wurde Barkmann von britischen Truppen verhaftet und vor ein Militärgericht gestellt. Aufgrund ihrer Taten wurde sie zum Tode verurteilt. Am 4.

Juli 1946 wurde das Urteil auf dem Gelände des ehemaligen KZ Stutthof vollstreckt. Sie wurde durch den Strang hingerichtet. Die Hinrichtung war öffentlich, und rund 200. 000 Menschen waren dabei.

Der Tod durch Erdrosselung dauerte bei jedem der elf Verurteilten zwischen 10 und 20 Minuten. Jenny Wanda Barkmann war eine Frau, die ihre Menschlichkeit verlor und zu einem Symbol der Grausamkeit wurde. Ihre Geschichte erinnert uns daran, dass das Böse oft ein menschliches Gesicht trägt – und dass Ideologie und Gehorsam aus gewöhnlichen Menschen Mörder machen können.