Der Regen in Manhattan wusch nichts rein. Er machte den Schmutz nur glitschiger. Josephine Black stand an der Ecke der 57. Straße und der Fifth Avenue, die Glasfassade des Tiffany-Flagschiffladens verschwamm hinter einem grauen Nieselschleier.

Sie sah nicht auf die Diamanten im Schaufenster, sondern auf die Pfütze, ein weites, ölglitzerndes Becken aus trübem Wasser, das sich in der abgesunkenen Asphaltmulde am Bordstein sammelte. Sie überprüfte ihre Uhr, ein bescheidenes Vintage-Stück mit Lederband, das ihrem Vater gehört hatte und nun die Sekunden ihres neuen Lebens heruntertickte. Mit 28 fühlte sich Josephine uralt. Die Scheidung war vor drei Monaten abgeschlossen worden, doch die Narben fühlten sich frisch an, straff gespannt über ihrer Brust.
Jedes Mal, wenn sie den Smog der Stadt einatmete, hörte sie Beckhams Stimme, ein gezackter Glassplitter aus einem Albtraum, aus dem sie geglaubt hatte, bereits erwacht zu sein. Sie erstarrte, ihr Griff um das unter den Arm geklemmte Lederportfolio verspannte sich. Ihre Designskizzen, das einzige, was sie aus den Trümmern ihrer Ehe mit Beckham Drake hatte retten können. Langsam drehte sie sich um.
An der roten Ampel stand ein nagelneuer Porsche Panamera, der Lack in einem matten Schwarz, das wenige Licht des stürmischen Nachmittags regelrecht verschluckte. Das Fenster summte nach unten. Beckham Drake saß am Steuer und sah aus wie der aufstrebende Techmogul, für den er sich hielt. Sein Kiefer war markant, sein Haar trotz der Feuchtigkeit perfekt gegelt, und seine Augen, kalt, blau und spöttisch, glitten über sie hinweg.
Neben ihm saß Poppy Wild, deren künstlich aufgespritzte Lippen in einem grellen Korallton leuchteten. Sie kicherte und legte ihre Hand besitzergreifend auf Beckhams Oberschenkel. „Mein Gott!


