Ich habe meine Frau beschattet und sie vor der Wohnung meines besten Freundes abgeladen. Drei Stunden saß ich im Auto, die Hände schweißnass, die Gedanken voller Bilder von Verrat. Als ich endlich…

Ich habe meine Frau beschattet und sie vor der Wohnung meines besten Freundes abgeladen. Drei Stunden saß ich im Auto, die Hände schweißnass, die Gedanken voller Bilder von Verrat. Als ich endlich...

Es war ein Freitagabend, als meine Schwiegermutter anrief und mir mitteilte, dass meine Frau mich betrügt. Ich saß auf der Veranda und beobachtete die Sterne, als Frau Hilda mir mit zittriger Stimme erzählte, sie habe Elke gesehen, wie sie sich im Parkhaus mit meinem besten Freund küsste. Ich ließ fast den Hörer fallen. Vierundvierzig Jahre Ehe, ein gemeinsames Leben, ein Sohn – und jetzt das.

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Ich konnte diese Nacht kein Auge zutun. Am nächsten Tag folgte ich Elke, als sie zum Friseur wollte. Stattdessen fuhr sie zum Haus von Nathanael. Drei Stunden wartete ich im Auto und beobachtete die Tür, während tausend Gedanken durch meinen Kopf wirbelten.

Ich erinnerte mich an unsere gemeinsame Kindheit, daran, wie wir zusammen aufgewachsen waren. Nathanael war nicht nur ein Freund, er war wie ein Bruder für mich. Als sie das Haus verließ, sah sie müde aus. Sie ging noch in die Apotheke, bevor sie den Bus nahm.

Ich beschloss, mit Nathanael zu sprechen. Mann zu Mann. Aber als ich vor seiner Wohnung stand und niemand öffnete, benutzte ich den Schlüssel, den er mir vor Jahren für den Notfall gegeben hatte. Und dann sah ich ihn.

Er saß auf dem Sofa, vornübergebeugt und abgemagert. Auf dem Couchtisch lagen eine Perücke und zerstreute Papiere. Er hatte Krebs. Bauchspeicheldrüsenkrebs, fortgeschritten.

Elke war nicht meine Geliebte. Sie war sein Schutzengel. Sie hat ihn zur Chemotherapie begleitet, für ihn gekocht und ihn gepflegt, während ich zu Hause saß und die schlimmsten Dinge dachte. Natanael hatte mich nicht belogen, weil er mich betrog, sondern weil er nicht wollte, dass ich mich um ihn sorge.

Nicht nach dem, was ich mit Hans durchgemacht hatte und mit Elkes eigenem Krebskampf im Jahr 2019. Die Scham traf mich hart. Meine Eifersucht war so kleinlich gewesen, dass ich beinahe die Wahrheit übersehen hätte. Aber da war sie nun, die Wahrheit, und sie war viel grausamer als jeder Betrug.

Mein bester Freund lag im Sterben. Die Ärzte gaben ihm nur noch Wochen. Ich versprach Elke und Nathanael, dass wir das gemeinsam durchstehen würden. Wir holten ihn zu uns nach Hause, in das Gästezimmer, das Elke bereits liebevoll vorbereitet hatte.

Meine Schwiegermutter war am Boden zerstört, als sie erfuhr, was sie mit ihrem Anruf ausgelöst hatte, aber Nathanael verzieh ihr. Auch mein Sohn Jonas und die Enkelkinder kamen und besuchten ihren Paten und Großonkel. Es waren Wochen voller Schmerz, aber auch voller kostbarer Momente und Gespräche. Kurz vor seinem Tod erzählte mir Nathanael von seiner großen Liebe Diana, die er aus Angst nicht geheiratet hatte, und von seinem Wunsch, sein Erbe zu teilen – nicht mit uns, sondern mit denen, die es nötiger hatten als wir.

Er bat mich, drei Familien im Viertel zu helfen, und ich versprach es ihm. Drei Tage später starb er friedlich im Schlaf. Ich saß an seinem Bett und sah zu, wie er einschlief, als hätte er nur auf das Ende gewartet. Seine Beerdigung zeigte mir, wie viele Menschen er heimlich unterstützt hatte.

Eine Frau erzählte mir, er habe ihr über Jahre geholfen, andere nannten ähnliche Geschichten. Aus seinem Vermächtnis entstand ein Raum für kostenlose Nachhilfe, zu dem ich bis heute gehe, um Kindern die Sterne zu erklären – so wie ich es Nathanael versprochen hatte. Sogar Diana, seine verlorene Liebe, tauchte wieder auf und gehört jetzt zu unserer Familie. Meine Schwiegermutter, die so lange allein gelebt hatte, zog zu uns, und ich kümmere mich um sie, wie ich es einst für Nathanael getan habe.

Vor kurzem nahm ich meine Enkelkinder mit auf die Landeskrone, dorthin, wo alles begann. Ich zeigte ihnen mit meinem Teleskop die Sterne und erzählte ihnen von meinem Freund. Sie sahen zu mir auf und fragten, ob er wohl stolz wäre. Ich bin mir sicher, dass er es ist.

Wenn ich heute mit Elke auf unserer Veranda sitze und in den Himmel schaue, denke ich an Nathanael. Elke nimmt meine Hand und sagt: „Das Leben ist wie der Sternenhimmel – es hat dunkle Momente, aber es sind die Lichter, die uns führen. “ Und so gehen wir weiter, wir beide, geführt von den Lichtern derer, die noch da sind und derer, die schon gegangen sind.

Denn er wird immer ein Teil von uns bleiben, dort oben, in den Sternen.