„Herr Moser, ich muss mit Ihnen reden. Es ist dringend. “
Es war kurz nach sechs Uhr am Heiligabend, als meine Nachbarin Gertrude Huber vor meiner Tür stand. Normalerweise war sie freundlich, aber zurückhaltend.

Heute wirkte sie aufgelöst, fast verzweifelt. Sie blickte nervös über die Schulter, als fürchtete sie, beobachtet zu werden. . .
. . . .
„Herr Moser, ich weiß nicht, wie ich das sagen soll„, begann sie, „aber ich habe etwas gehört. Über Ihre Tochter und ihren Mann. “
Mein Herz begann schneller zu schlagen.. „Was meinen Sie?
“
„Gestern Abend hatte ich Besuch von meiner Nichte Margarete. Sie arbeitet in einem Seniorenheim in Wien. Sie hat mir erzählt, dass Ihre Tochter dort war. Mehrmals sogar.
“ Frau Huber machte eine Pause und sah mir direkt in die Augen. „Sie hat nach freien Plätzen gefragt. Speziell nach Plätzen für Demenzpatienten. “
Mir wich das Blut aus dem Gesicht..
„Das muss ein Missverständnis sein. Ich habe keine Demenz. Ich bin vollkommen gesund. “
„Das weiß ich, Herr Moser.
Und genau deshalb erzähle ich es Ihnen. “ Sie trat einen Schritt näher. „Aber es kommt noch schlimmer. Margarete hat gesagt, dass Ihre Tochter sehr spezifische Fragen gestellt hat.
Über die Kosten. Über die Aufnahmeverfahren. Über die rechtlichen Voraussetzungen für eine Einweisung gegen den Willen des Patienten. “
Mir wurde übel.
Ich stützte mich an der Wand, um nicht zu fallen.. „Und nicht nur das“, fuhr Frau Huber fort. „Margarete hat auch erwähnt, dass Ihre Tochter gefragt hat, wie man jemanden für geschäftsunfähig erklären lassen kann. Und sie hat nach Ärzten gefragt, die bereit wären, entsprechende Gutachten auszustellen.
“
„Sie wollen mich entmündigen lassen“, flüsterte ich.. Frau Huber nickte traurig. „Es sieht so aus. Und Margarete hat gehört, wie Ihre Tochter mit ihrem Mann über Ihr Vermögen gesprochen hat.
Über das Haus. Ihre Pension. Ihre Ersparnisse. Sie haben Pläne gemacht, Herr Moser.
Sehr detaillierte Pläne. “
Ich sank auf einen Stuhl im Flur. Meine eigene Tochter. Das Kind, das ich großgezogen hatte, dem ich alles gegeben hatte.
Sie plante, mich zu verraten.. „Es tut mir so leid, Herr Moser“, sagte Frau Huber leise. „Ich weiß, wie weh das tun muss. Aber ich dachte, Sie haben das Recht, die Wahrheit zu erfahren.
“
Ich atmete tief durch und versuchte, die Disziplin zurückzugewinnen, die mir dreißig Jahre beim Bundesheer beigebracht hatten. „Sind Sie sicher, dass sich Ihre Nichte nicht geirrt hat? “
„Margarete ist sehr gewissenhaft. Sie hat sogar die Namen notiert.
“ Frau Huber holte einen kleinen Zettel aus ihrer Handtasche hervor. „Dr. Heinrich Stolz. Das ist der Arzt, nach dem Ihre Tochter gefragt hat.
Er ist angeblich bekannt dafür, dass er gegen Bezahlung bereitwillig Gutachten ausstellt. “ Sie deutete auf eine zweite Zeile. „Und Rechtsanwalt Dr. Peter Neumann.
Er soll sich auf Entmündigungsverfahren spezialisiert haben. “
Ich nahm den Zettel und studierte die Namen. Diese Menschen kannte ich nicht. Aber offenbar kannte meine Tochter sie sehr gut..
„Wann soll das passieren? “, fragte ich.. „Margarete meint, dass Ihre Tochter von Januar gesprochen hat. Nach Weihnachten.
Sie wollte angeblich erst die Feiertage abwarten. “
Nach Weihnachten. Ingeborg plante also, die Feiertage mit mir zu verbringen, so zu tun, als wäre sie die liebende Tochter. Und dann wollte sie zuschlagen..
„Was werden Sie jetzt tun? “, fragte Frau Huber besorgt.. Ich stand auf und richtete mich zu meiner vollen Größe auf. „Ich werde kämpfen, Frau Huber.
Aber zuerst muss ich mehr erfahren. “
„Wenn Sie Hilfe brauchen“, sagte sie und legte ihre Hand auf meinen Arm, „lassen Sie es mich wissen. Was Ihre Tochter plant, ist nicht nur herzlos. Es ist auch kriminell.
“
Nachdem Frau Huber gegangen war, saß ich lange in der Stille meines Wohnzimmers. Der Christbaum leuchtete friedlich, aber in meinem Herzen war alles dunkel geworden. Meine eigene Tochter. Das kleine Mädchen, das ich auf meinen Schultern getragen hatte.
Dem ich Märchen vorgelesen hatte. Das ich zur Schule gebracht und wieder abgeholt hatte. Sie wollte mich verraten. .
. . . .
Aber ich war nicht der hilflose alte Mann, für den sie mich hielten. Ich war Franz Moser, ehemaliger Oberst. Ein Mann, der gelernt hatte, strategisch zu denken und zu planen. Wenn Ingeborg einen Krieg wollte, würde sie ihn bekommen.
Aber ich würde nicht das Opfer sein. Ich würde der Sieger sein. . .
Ich ging zu meinem alten Schreibtisch und holte ein Notizbuch hervor. Dasselbe, das ich früher für militärische Planungen verwendet hatte. Mit ruhigen Strichen schrieb ich alles auf, was Frau Huber mir erzählt hatte. Dr.
Heinrich Stolz. Dr. Peter Neumann. Das Heim zur Goldenen Aue.
Jeder Name. Jedes Detail.. Dann begann ich zu planen. Phase eins: Aufklärung.
Ich musste mehr über Ingeborgs Pläne erfahren. Phase zwei: Gegenmaßnahmen. Ich musste mich rechtlich absichern. Phase drei: Vergeltung.
Wenn Ingeborg mich verraten wollte, würde sie die Konsequenzen zu spüren bekommen.. Das Telefon klingelte. Ingeborgs Name erschien auf dem Display. Ich atmete tief durch und nahm ab..
„Hallo Papa”, sagte sie mit ihrer gewohnt fröhlichen Stimme. „Wie geht es dir? Hast du schon alle Geschenke eingepackt? “
„Hallo meine Liebe“, antwortete ich und zwang mich zu einem freundlichen Ton.
„Mir geht es gut. Ich freue mich schon auf morgen. “
„Wir auch, Papa. Die Kinder können es kaum erwarten, ihre Geschenke auszupacken.
Und Klaus hat eine Überraschung für dich. “
„Eine Überraschung? “, fragte ich und fragte mich, ob das der Beginn ihrer Verschwörung war.. „Das verrate ich nicht“, lachte sie.
„Aber es hat mit deiner Zukunft zu tun. Mit deiner Sicherheit. “
Mein Griff um das Telefon verstärkte sich. Sie sprach bereits von meiner Sicherheit..
„Das klingt interessant. “
„Papa, du weißt, dass wir uns Sorgen um dich machen. Du wirst nicht jünger, und dieses große Haus… Vielleicht ist es Zeit, über Alternativen nachzudenken. “
„Alternativen?
Was für Alternativen? “
„Oh, du weißt schon. Betreutes Wohnen. Seniorenresidenzen.
Es gibt heutzutage wunderbare Einrichtungen. Du wärst nicht einsam, hättest Gesellschaft, medizinische Betreuung. “
Ich balte die freie Hand zur Faust. Sie begann bereits mit ihrer Propaganda..
„Ingeborg, ich fühle mich nicht einsam. Und ich bin gesund. “
„Natürlich bist du das, Papa. Aber es schadet nicht, sich zu informieren.
Klaus kennt da jemanden. Einen Experten für solche Dinge. Vielleicht könntest du dich mal unverbindlich beraten lassen. “
„Einen Experten?
“, fragte ich, und meine Stimme wurde kalt. „Was für einen Experten? “
„Ach, nur einen Berater. Jemanden, der sich mit den Bedürfnissen älterer Menschen auskennt.
Er könnte dir erklären, welche Optionen es gibt. “
Ich wusste genau, von wem sie sprach. Von Dr. Heinrich Stolz oder Dr.
Peter Neumann. Von den Männern, die ihr helfen sollten, mich zu entmündigen.. „Weißt du was, Ingeborg? “, sagte ich mit ruhiger Stimme.
„Ich denke darüber nach. Aber lass uns das morgen besprechen. Heute ist Heiligabend. Heute sollten wir uns auf die Familie konzentrieren.
“
„Du hast recht, Papa. Bis morgen dann. Ich liebe dich. “
„Ich liebe dich auch, meine Liebe“, log ich.
Die Worte schmeckten bitter in meinem Mund.. Nach dem Telefonat saß ich wieder an meinem Schreibtisch und erweiterte meinen Plan. Ingeborg hatte sich verraten. Sie plante tatsächlich, bereits morgen mit ihrer Manipulation zu beginnen.
Aber sie wusste nicht, dass ich über ihre Pläne Bescheid wusste.. Ich öffnete meinen Laptop und begann zu recherchieren. Dr. Heinrich Stolz, ein Neurologe in Wien mit einer Praxis in der Nähe des Rings.
Seine Website warb mit „diskreten Begutachtungen“ und „schnellen Lösungen für komplexe Fälle“. Ein Euphemismus für Korruption, wenn ich je einen gehört hatte.. Dr. Peter Neumann, Rechtsanwalt mit Spezialisierung auf Betreuungsrecht und Vermögensschutz.
Ein weiterer Euphemismus.. Diese Männer lebten davon, Familien zu zerstören und alte Menschen zu berauben. Aber sie hatten einen Fehler gemacht. Sie hatten nicht mit Franz Moser gerechnet.
Einem Mann, der sein Leben damit verbracht hatte, Strategien zu entwickeln und Feinde zu besiegen.. Ich griff zum Telefon und wählte eine Nummer aus meinem alten Adressbuch. Anton Hartmann, ein ehemaliger Kamerad, der jetzt als Privatdetektiv in Wien arbeitete.. „Anton, hier ist Franz.
Entschuldige, dass ich so spät anrufe, aber ich brauche deine Hilfe. “
„Franz. Schön, von dir zu hören. Natürlich helfe ich dir.
Was gibt es? “
„Ich brauche Informationen über zwei Männer. Dr. Heinrich Stolz und Dr.
Peter Neumann. Alles, was du finden kannst. Besonders über ihre Geschäftspraktiken. “
„Das kann ich machen.
Kann ich fragen, warum? “
„Meine Tochter plant etwas. Etwas Schreckliches. Ich erkläre es dir später.
“
„Verstehe. Gib mir bis übermorgen Zeit. Ich melde mich. “
Am nächsten Morgen, um elf Uhr, fuhr ein schwarzer BMW in meine Einfahrt.
Ingeborg, Klaus und die beiden Kinder stiegen aus. Ich beobachtete sie durch das Fenster und aktivierte das kleine Aufnahmegerät, das ich in meiner Hemdtasche versteckt hatte. Was auch immer heute gesagt werden würde, ich würde Beweise haben.. „Frohe Weihnachten, Papa“, rief Ingeborg, als ich die Tür öffnete.
Sie umarmte mich herzlich, aber ich spürte die Falschheit in ihrer Geste. Klaus schüttelte mir die Hand und lächelte, aber seine Augen waren kalt. Die Kinder, Thomas und Lisa, wirkten unbehaglich. Als würden sie spüren, dass etwas nicht stimmte..
„Kommt herein, kommt herein“, sagte ich und spielte den glücklichen Großvater. „Der Christbaum wartet auf euch. “
Wir setzten uns ins Wohnzimmer, und die Kinder packten ihre Geschenke aus. Ich hatte ihnen Bücher und kleine Spielzeuge gekauft.
Aber meine Aufmerksamkeit galt nicht ihnen. Ich beobachtete Ingeborg und Klaus, wie sie sich verstohlene Blicke zuwarfen. Sie warteten offensichtlich auf den richtigen Moment.. Nach dem Essen, Wiener Schnitzel mit Kartoffelsalat, Ingeborgs Lieblingsgericht aus der Kindheit, schickten die Erwachsenen die Kinder zum Spielen nach oben.
Jetzt würde es ernst werden.. „Papa“, begann Ingeborg und setzte sich neben mich auf die Couch. „Klaus und ich haben lange über deine Situation nachgedacht. “
„Meine Situation?
“, tat ich überrascht.. „Ja. Du lebst hier ganz allein in diesem großen Haus. Was ist, wenn dir etwas passiert?
Wenn du stürzt oder krank wirst? “
Klaus lehnte sich vor. „Herr Moser, wir machen uns wirklich Sorgen. Vielleicht wäre es besser, wenn Sie näher bei uns wohnen würden.
Oder in einer Einrichtung, wo sie betreut werden. “
„Eine Einrichtung? “, runzelte ich die Stirn. „Ihr meint ein Seniorenheim?
“
„Nicht nur ein Seniorenheim“, sagte Ingeborg schnell. „Es gibt wunderbare Residenzen mit eigenen Apartments. Aber auch mit medizinischer Betreuung und Gesellschaft. “
„Und die Kosten?
“, fragte ich scheinbar naiv.. „Darum würden wir uns kümmern“, antwortete Klaus. „Aber dafür müssten wir ein paar rechtliche Dinge regeln. Vollmachten, Testament, solche Sachen.
“
Ich nickte nachdenklich. „Das klingt vernünftig. Habt ihr schon konkrete Pläne? “
Ingeborg und Klaus tauschten einen schnellen Blick aus..
„Nun ja“, sagte Ingeborg. „Wir haben bereits mit einem Arzt gesprochen. Dr. Heinrich Stolz.
Er ist Spezialist für Altersprobleme. “
„Ach ja“, tat ich interessiert. „Was hat er denn gesagt? “
„Er würde dich gern einmal untersuchen“, erklärte Klaus.
„Nur zur Sicherheit. Um festzustellen, ob alles in Ordnung ist. “
„Und er hätte auch Empfehlungen für geeignete Einrichtungen“, fügte Ingeborg hinzu. „Das Heim zur Goldenen Aue soll sehr gut sein.
“
Ich musste mich zusammenreißen, um nicht zu lachen. Sie verwendeten genau die Namen, die Frau Huber mir genannt hatte.. „Wann könnte diese Untersuchung stattfinden? “
„Dr.
Stolz hat am zweiten Januar Zeit“, sagte Klaus. „Wenn Sie einverstanden sind, könnten wir einen Termin vereinbaren. “
„Und danach? “, fragte ich..
„Danach würden wir gemeinsam entscheiden, wie es weitergeht“, antwortete Ingeborg. „Aber Papa, du musst verstehen, dass wir nur das Beste für dich wollen. “
Nur das Beste für mich. Während sie planten, mich zu entmündigen und mein Vermögen zu stehlen..
„Wisst ihr was”, sagte ich schließlich. „Lasst mich darüber nachdenken. Es ist ein großer Schritt. “
„Natürlich, Papa.
Aber lass es nicht zu lange dauern. Diese Dinge sind wichtig. “
Nach dem Kaffeetrinken verabschiedeten sich die Besucher. Ingeborg umarmte mich wieder..
„Ich liebe dich, Papa”, sagte sie. „Wir wollen nur, dass es dir gut geht. “
„Ich liebe dich auch, meine Liebe“, antwortete ich automatisch. Aber in meinem Herzen war alle Liebe erloschen..
Als sie weg waren, spielte ich die Aufnahme ab. Jedes Wort war klar zu verstehen. Sie hatten sich selbst überführt.. Jetzt hatte ich Beweise für ihre Verschwörung..
Am nächsten Morgen rief ich Dr. Elisabeth Kratzer an und vereinbarte einen Termin für eine umfassende Untersuchung. Dann rief ich meinen alten Freund und Anwalt Dr. Johann Hümer an..
„Johann, ich brauche deine Hilfe. Es ist dringend und vertraulich. “
„Natürlich, Franz. Was ist passiert?
“
Ich erzählte ihm alles. Frau Hubers Warnung. Ingeborgs Pläne. Das gestrige Gespräch…
Dr. Hümer hörte schweigend zu. „Das ist ungeheuerlich“, sagte er schließlich. „Deine eigene Tochter.
Aber Franz, wir können das verhindern. “ Seine Stimme wurde fester. „Und mehr noch: Wir können sie zur Rechenschaft ziehen. “
„Wie?
“
„Zuerst werden wir dein Testament ändern. Sofort. Ingeborg wird enterbt. Dann werden wir eine Vorsorgevollmacht aufsetzen, aber mit einer Person deines Vertrauens.
Nicht mit Ingeborg. “ Er machte eine Pause. „Und schließlich werden wir Strafanzeige erstatten. “
„Strafanzeige?
“
„Versuchter Betrug. Geplante Freiheitsberaubung. Urkundenfälschung. Das sind alles Straftaten.
Mit den Aufnahmen, die du hast, können wir ein starkes Verfahren aufbauen. “
Wir trafen uns noch am selben Tag in seinem Büro. In drei Stunden war alles erledigt. Mein neues Testament besagte, dass Ingeborg nichts erben würde.
Stattdessen ginge mein Vermögen an verschiedene Wohltätigkeitsorganisationen. Die Vollmacht übertrug ich auf Dr. Hümerund einen zweiten Anwalt.. „Was passiert jetzt?
“, fragte ich.. „Jetzt warten wir ab“, sagte Dr. Hümer. „Lass Ingeborg ihre Pläne weiter verfolgen.
Mit Dr. Stolzund Dr. Neumann. Je weiter sie gehen, desto schwerwiegender werden die Anschuldigungen.
“
Am zweiten Januar rief Ingeborg an.. „Papa, erinnerst du dich an Dr. Stolz? Er kann dich heute untersuchen.
“
„Natürlich“, sagte ich. „Wo? “
„In seiner Praxis in Wien. Klaus und ich holen dich ab.
“
„Das ist sehr lieb von euch. “
Dr. Stolz war ein untersetzter Mann mit grauen Haarenund einer goldenen Brille. Seine Praxis war luxuriös eingerichtet.
Was bei seinen zweifelhaften Einkünften nicht überraschte. Das Aufnahmegerät war wieder aktiviert.. „Herr Moser“, sagte er mit öliger Stimme. „Ihre Tochter macht sich Sorgen um Ihre geistige Verfassung.
“
„Meine geistige Verfassung? “
„Ja. Kleine Gedächtnisprobleme, Verwirrung, solche Dinge. Völlig normal in Ihrem Alter.
“
Ich spielte den verwirrten alten Mann perfekt.. „Ich weiß nicht“, sagte ich zögernd. „Manchmal vergesse ich schon Sachen. “
„Sehen Sie?
Das ist bereits ein Symptom. “ Dr. Stolz machte sich Notizen. „Ich denke, eine umfassende Betreuung wäre das Beste für Sie.
“
Die Untersuchung dauerte nur zwanzig Minuten. Dr. Stolz stellte oberflächliche Fragen und notierte meine absichtlich verwirrten Antworten. Am Ende hatte er sein vorbestimmtes Ergebnis.
Ich sei nicht mehr fähig, für mich selbst zu sorgen.. „Wir sollten schnell handeln“, sagte er zu Ingeborg. „Ihr Vater braucht professionelle Hilfe. “
Eine Woche später trafen sich Ingeborg, Klaus, Dr.
Stolzund Dr. Neumann in einem Café in Wien. Dank Anton Hartmann wusste ich von diesem Treffen. Ich hatte einen privaten Ermittler beauftragt, alles zu dokumentieren..
Die Fotos zeigten deutlich, wie Geld den Besitzer wechselte. Dr. Stolz erhielt einen Umschlag von Klaus. Dr.
Neumann einen zweiten.. Sie planten, mich bereits in der folgenden Woche entmündigen zu lassen. Aber sie hatten einen entscheidenden Fehler gemacht. Sie hatten nicht mit Franz Moser gerechnet.
Dem ehemaligen Oberst, der sein Leben dem Schutz Österreichs gewidmet hatte. Jetzt würde er sich selbst schützen.. Am zwölften Januar sollte der Gerichtstermin stattfinden. Doch am elften Januar erschien die Polizei in Dr.
Stolz’ Praxisund in Dr. Neumanns Kanzlei. Die Beweise waren erdrückend. Fotos.
Aufnahmen. Zeugenaussagen von anderen betrogenen Familien.. Gleichzeitig erhielt Ingeborg einen Besuchvon der Staatsanwaltschaft. Die Anklage lautete auf versuchten Betrugin besonders schwerem Fall, geplante Freiheitsberaubungund Urkundenfälschung..
Ich saß in meinem Wohnzimmer, als sie anrief. Ihre Stimme war voller Panik.. „Papa, es ist alles ein Missverständnis. Wir wollten dir nur helfen.
“
„Helfen? “, sagte ich mit eiskalter Stimme. „Du wolltest mich in ein Heim stecken und mein Vermögen stehlen. “
„Das ist nicht wahr.
“
„Ich habe Aufnahmen, Ingeborg. Von unserem Gespräch an Weihnachten. Von Dr. Stolz.
Ich weiß alles. “
Stille.. „Du warst meine Prinzessin“, sagte ich leise. „Ich hätte dir alles gegeben.
Aber du hast mich verraten. “
„Papa, bitte nein…“
„Ingeborg, du hast deine Entscheidung getroffen. Jetzt musst du mit den Konsequenzen leben. “
Sechs Monate später stand ich vor dem Landesgericht Salzburgund sah zu, wie das Urteil verkündet wurde.
Ingeborg: drei Jahre Haft. Klaus: zwei Jahre. Dr. Stolz: fünf Jahreund Verlust der Approbation.
Dr. Neumann: vier Jahreund Berufsverbot.. Der Richter sprach von einem „besonders verwerflichen Fall des Familienbetrugs“ und einer „perfiden Verschwörung gegen einen wehrlosen Senior“. Wehrlos.
Wenn er wüsste.. Heute, ein Jahr später, lebe ich noch immer in meinem Haus in der Mozartgasse. Ich bin gesund. Geistig fit.
Und ich habe meinen Frieden gefunden.. Thomasund Lisa besuchen mich manchmal. Sie haben verstanden, dass ihr Vaterund ihre Mutter schwere Fehler gemacht haben.. Manchmal denke ich an Ingeborg im Gefängnisund frage mich, ob sie bereut, was sie getan hat.
Aber dann denke ich an Frau Huber, die mir die Augen geöffnet hat. An die anderen Familien, die von Stolzund Neumann betrogen wurden. Und an die Gerechtigkeit, die endlich gesiegt hat.. Franz Moser hatte seinen letzten Kampf gekämpft.
Und gewonnen..


