Ich hielt die Bürste in der Hand und wollte Belial gerade ein bisschen striegeln, da drehte er sich weg. Keine Zeit für mich. Das Tier hat heute nur eines im Kopf: Primetime. Und ich musste grinsen.

Wir sind im Tierheim, wie fast jeden Tag. Es ist heiß, viel zu heiß für meinen Geschmack. 27 Grad im Schatten, und ich bin schon wieder rot, obwohl ich mich eingecremt habe. Aber es hilft ja nichts, die Tiere brauchen uns.
Vorhin habe ich Rosali gefüttert, unser Schwein. Sie stand schon am Gitter, als ich kam, und hat nur gegrunzt. Früher hatte sie Angst vor uns. Jetzt sagt sie nur noch: „Geben Sie mir Futter.
“ Ich musste lachen. Sie ist voller Heu, lässt es sich gut gehen und ist einfach nur süß. Ich wünschte, sie hätte endlich eine Anfrage. Aber nichts.
Genau wie bei Belial. Dieser Hund ist ein Traum. Jung, gut erzogen, kuschelig, wachsam. Er sieht aus wie ein kleiner Herdenschutzhund, wenn er neben mir sitzt und die Gegend beobachtet.
Und trotzdem: keine einzige Anfrage. Nicht mal eine unpassende. Ich verstehe es nicht. Heute haben wir ihn gebürstet.
Mit dem Striegel kam so viel Fell raus, dass ich dachte, ich hätte ein zweites Tier in der Hand. Er hat sich gewehrt, ist weggerannt, kam dann aber doch wieder. Jetzt liegt er neben mir, zufrieden und sauber. Er sieht gleich zwei Jahre jünger aus.
Ich habe ihm gesagt, dass er nur noch ein Zuhause braucht, wo er genauso geliebt wird wie hier. Er hat mich angeschaut, als hätte er es verstanden. Vielleicht schafft er es ja bald. Ach ja, und da war noch diese Sache mit Berta.
Michelle hat sie vor dem Einschläfern gerettet. Die kleine Hündin ist erst ein Jahr alt, hat eine schwere Vorgeschichte und sucht jetzt ein Zuhause. Sie ist ein bisschen ressourcig gegenüber anderen Hunden, aber ein liebes Tier. Sie kann mit Katzen leben, mit Kindern, fährt gut im Auto und läuft an der Leine.
Aber bisher hat sich niemand gemeldet. Manchmal frage ich mich, warum die Guten immer übersehen werden. Als ich vorhin in der Küche stand, um Rosalis Futter vorzubereiten, merkte ich, dass ich kein Messer hatte. Ich habe improvisiert, wie so oft.
Die Zuschauer haben gelacht, als ich aus Versehen das Kind gefilmt habe. Es ist eben immer etwas los hier. Und dann war da noch diese Sache mit Grille. Jenny ist sauer auf sie.
Das Tier hat es mal wieder übertrieben. Aber ich muss Grille verteidigen: Sie kam zu uns, als wir gerade einen Tuber verloren hatten und ein neugeborenes Kind da war. Da war nicht viel Zeit. Wir hätten es besser machen können.
Aber jetzt ist sie da und bleibt. Sie wird geliebt. Am Nachmittag haben wir dann noch ein paar Junghunde trainiert. Einer hat versucht, sich durch den Zaun zu buddeln.
Wir haben gelacht. Die Hunde genießen den Schatten unter den Sonnensegeln, die uns die Community geschickt hat. Es ist schön zu sehen, wie sie sich entspannen. Ich habe auch noch mal etwas Wichtiges gesagt: In der Hundeschule, die ab Mitte Juni hier im Tierheim wieder startet, können Interessierte kostenlos mit unseren Tierheimhunden teilnehmen.
Das ist eine tolle Sache. Man lernt den Hund kennen, der Hund lernt was und hat einen schönen Tag. Und vielleicht findet so jemand ein neues Familienmitglied. Belial wäre so ein Kandidat, der enorm davon profitieren würde.
Er braucht nur eine Chance. Am Ende des Tages sitze ich mit Belial auf der Decke. Er legt den Kopf auf meine Beine und schaut mich an. Er ist einfach ein guter Hund.
Ich weiß nicht, warum niemand ihn möchte. Vielleicht kommt sein Charakter auf den Fotos nicht rüber. Aber am Charakter kann es nicht liegen. Der ist einfach toll.
Und seine Optik wird auch immer besser. Heute haben wir ihn gestriegelt, sein Bärtchen ist weg. Er sieht richtig schick aus. Jetzt fehlt nur noch ein Zuhause, wo er genauso viel Liebe bekommt, wie er verdient.
Irgendwann finden wir das schon.


