Nach der Beerdigung meines Sohnes saß ich allein in meinem Arbeitszimmer in Schwabing, als mein Telefon klingelte. Auf dem Display stand der Name von Hugos Professorin. Ihre Stimme zitterte, als sie sagte, ich solle sofort kommen und niemandem etwas sagen, nicht einmal meinem anderen Sohn. Sie hatte etwas in Hugos Sachen gefunden, etwas Gefährliches.

Ich täuschte meinem Sohn Tobias vor, nur eine Ausfahrt zu brauchen, und fuhr zur Universität. In ihrem Büro angekommen, hörte ich durch die geschlossene Tür bedrohliche Stimmen. Durch den Spalt erkannte ich eine Gestalt, die ich dort niemals erwartet hätte. Mein Herz blieb stehen.
Professorin Bernhard drückte mir einen Umschlag in die Hand. Er enthielt Fotos und eine Speicherkarte. Auf den Bildern war mein Sohn Hugo in einem Raum mit Männern in dunklen Anzügen. Die Speicherkarte enthielt Sprachnachrichten und E-Mails.
Die Nachrichten sprachen von einer Substanz, von nicht nachweisbaren Giften und Überweisungen. Eine Stimme, die ich nur zu gut kannte, gab klare Anweisungen. Ich erkannte sie sofort. Sie gehörte zu jemandem, dem ich vertraut hatte wie mir selbst.
Die Professorin sagte, Hugo sei nicht an einem Organagen gestorben. Er sei ermordet worden. Sie flüsterte, dass die Männer, die ihn getötet hatten, noch immer hinter ihm her seien. Und dass sie mich als Nächstes holen würden.
Ich starrte auf die Beweise, während die Welt um mich herum zerbrach. Mein Sohn war nicht an einer Krankheit gestorben. Er war gestorben, weil er etwas wusste. Etwas, das die Männer um jeden Preis geheim halten wollten.
Mein Herz hämmerte. Ich wusste nicht, wem ich trauen konnte. Ich wusste nur, dass ich die Wahrheit herausfinden musste, koste es, was es wolle. Zuhause angekommen, stellte ich Tobias zur Rede.
Er wirkte erschüttert, als ich ihm von den Beweisen erzählte. Ich fragte ihn, ob er irgendetwas über Hugos Aktivitäten wusste. Er schüttelte den Kopf und sagte, er habe nur gewusst, dass Hugo oft nächtelang weg war. Er redete von Spielsucht und Schulden, aber ich glaubte ihm nicht.
Da durchsuchte ich Hugos Zimmer und fand ein verstecktes Fach unter dem Dielenboden. Darin lag ein Notizbuch mit Kontonummern und Namen, die ich erkannte, darunter der Name eines Mannes, der unserem Familienunternehmen sehr nahe stand. Ich konfrontierte den Mann in seinem Büro. Er lachte nur und sagte, ich solle mich um meine eigenen Angelegenheiten kümmern.
Sein Lächeln war kalt. Er sagte, ich hätte keine Ahnung, in was für einem Netz ich stecke. Er warnte mich, nicht weiter zu graben. Ich könnte mehr verlieren, als ich mir vorstellen könne.
Ich verließ sein Büro mit brennender Wut. Auf dem Parkplatz traf ich Professorin Bernhard. Sie sah blass aus und zitterte. Sie überreichte mir einen weiteren Umschlag.
Darin war ein Video. Es zeigte meinen Sohn in einem Verhörraum, umgeben von Männern in dunklen Anzügen. Er flehte um sein Leben. Eine der Stimmen befahl, ihn zum Schweigen zu bringen.
Ich erkannte eine zweite vertraute Stimme. Eine, die ich mein ganzes Leben lang gekannt hatte. Ich konnte nicht schlafen. Jedes Geräusch ließ mich zusammenzucken.
Am nächsten Morgen klingelte mein Telefon erneut. Es war Professorin Bernhard. Ihre Stimme war fast ein Flüstern. Sie sagte, ich müsse sofort ins Büro kommen.
Sie habe neue Beweise gefunden. Aber als ich ankam, war die Tür verschlossen. Ich hörte Stimmen von innen. Durch den Spalt sah ich eine Gestalt, die am Schreibtisch saß.
Sie trug einen dunklen Mantel. Mein Herz raste. Dann drehte sich die Gestalt um. Mein Magen zog sich zusammen.
Ich konnte es nicht fassen. Da wusste ich, dass der Verrat viel tiefer reichte, als ich je gedacht hatte. Und ich stand direkt in der Schusslinie.


