„Sie trieben meine Großmutter und die anderen in die Kirche. Dann verriegelten sie die Türen und zündeten das Gebäude an.“ Als ich das zum ersten Mal hörte, dachte ich, es sei eine Geschichte aus…

„Sie trieben meine Großmutter und die anderen in die Kirche. Dann verriegelten sie die Türen und zündeten das Gebäude an.“ Als ich das zum ersten Mal hörte, dachte ich, es sei eine Geschichte aus...

April 1941. Nazideutschland überfällt Jugoslawien. Belgrad wird aus der Luft bombardiert. Wohnviertel werden zerstört, der Staat zerfällt innerhalb weniger Tage.

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Danach kommt die Besatzung: Erschießungen, Verhaftungen, Angst. In Serbien, Bosnien, Montenegro und Kroatien formiert sich Widerstand. In Wäldern und Bergen sammeln sich Partisanen. Berlin antwortet mit gnadenloser Repression.

Zivilisten werden zu Feinden erklärt, Dörfer zu Zielen, kollektive Bestrafung wird offizielle Politik. Für diesen Krieg schafft die SS eine Spezialeinheit: die SS-Freiwilligen-Division „Prinz Eugen“. Rekrutiert aus Volksdeutschen Südosteuropas. Ausgebildet nicht für konventionelle Schlachten, sondern für Partisanenbekämpfung und Terror.

Ihr Auftrag: den Widerstand brechen, indem man die Bevölkerung vernichtet, die ihn trägt. Der Feldzug hinterlässt auf dem Balkan niedergebrannte Dörfer, Massengräber, tausende tote Zivilisten. Und als der Krieg endet, zahlen die Täter der „Prinz Eugen“ mit ihrem Leben. Doch bis dahin ist es ein langer Weg voller Blut.

Ende 1941 wird die Division aufgestellt. Benannt nach Prinz Eugen von Savoyen, einem Feldherrn, der im 18. Jahrhundert gegen das Osmanische Reich kämpfte. Die SS-Führung will die Einheit in einen historischen Mythos hüllen – als Fortsetzung jahrhundertealter Grenzkriege.

Der erste Kommandeur, Arthur Phleps, ein siebenbürgisch-sächsischer Offizier, soll den brutalen Charakter der Division prägen. Von Anfang an ist „Prinz Eugen“ nicht für normale Schlachten gedacht, sondern für Partisanenbekämpfung. Eine Kriegsform, in der Zivilisten als Feinde gelten. Im Herbst 1942 beginnt die Division ihre ersten Einsätze in Südserbien.

Die Methoden zeigen sich sofort: Dörfer werden durchsucht, Lebensmittel beschlagnahmt, Zivilisten erschossen – wegen geringfügiger Vergehen oder einfach, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort sind. Flüchtlinge werden angehalten, durchsucht, erschossen. Selbst dort, wo kaum Partisanen aktiv sind, ist die Bestrafung kollektiv und brutal. Im Oktober 1942 nimmt die Division am „Unternehmen Kopaonik“ teil.

Ziel: Tschetnik-Partisanen in den Bergen Zentralserbiens zerschlagen. Militärisch scheitert das Unternehmen – die Tschetniks entkommen der Einkesselung. Doch für die Zivilbevölkerung wird es zur Katastrophe. Im Dorf Krivača werden bei einer brutalen Aktion deutscher und bulgarischer Kräfte rund 330 Zivilisten ermordet.

270 davon sind Einheimische – die Hälfte der gesamten Dorfbevölkerung. Mehr als 60 weitere stammen aus umliegenden Dörfern. Mindestens 46 Opfer werden in die örtliche Kirche getrieben. Die Türen werden verriegelt, das Gebäude angezündet.

Männer, Frauen, Kinder, alte Menschen verbrennen bei lebendigem Leib. Wer zu fliehen versucht, wird erschossen. Das Dorf bleibt in Trümmern zurück. Hundert Häuser werden zerstört, tausende Stück Vieh geraubt.

Die umliegenden Dörfer werden geplündert, hunderte weitere Zivilisten kommen in der Region ums Leben. Das Massaker von Krivača wird zum Symbol für die Brutalität der Division. Im Winter 1942 und Anfang 1943 verbreitet „Prinz Eugen“ Terror in Serbien und Bosnien. Dörfer brennen nieder.

Zivilisten werden verhaftet, gefoltert, erschossen. Arbeiter werden zur Zwangsarbeit gezwungen und erschossen, sobald sie nicht mehr gebraucht werden. Menschen sterben, weil sie Lebensmittel besitzen oder angebliche Verbindungen zu Widerstandskämpfern haben. Die Gewalt ist systematisch.

Plünderungen gehören zum Alltag. Statt den Widerstand zu schwächen, macht die Division aus ihm etwas anderes: einen Flächenbrand. Die Bevölkerung wird zum Feind erklärt, und der Krieg gegen sie wird immer brutaler. Eine der blutigsten Kampagnen gegen Zivilisten beginnt.

An einem einzigen Tag werden 2. 014 Zivilisten aus mehr als 20 Dörfern getötet. Männer, Frauen, Kinder. Ganze Gemeinden löschen sie aus.

Doch der Widerstand bricht nicht. Er wächst. Die Partisanen kämpfen weiter, trotz Terror, trotz brennender Dörfer, trotz der Massaker. Und die Division „Prinz Eugen“ wird tiefer in den Krieg hineingezogen – in eine Spirale aus Gewalt und Vergeltung, die sie nie mehr verlassen wird.

1943 verlagern sich die Einsätze nach Bosnien. Dort treffen sie auf eine Bevölkerung, die zwischen den Fronten lebt – zwischen Partisanen, Tschetniks und der deutschen Besatzung. Die Division reagiert mit noch mehr Härte. Dörfer werden als „Stützpunkte des Bandenwesens“ deklariert und dem Erdboden gleichgemacht.

Wer zurückbleibt, gilt als Feind. Wer flieht, wird gejagt. Es gibt keine Neutralität. Es gibt nur Überleben oder Tod.

Im Sommer 1943 beginnt die „Operation Weiß“ – ein großangelegter Angriff auf Partisanengebiete in Bosnien. Wieder ist „Prinz Eugen“ beteiligt. Wieder zahlen Zivilisten den Preis. Hunderte Dörfer werden niedergebrannt, tausende Menschen getötet oder verschleppt.

Die Partisanen ziehen sich zurück, aber sie sind nicht vernichtet. Sie kämpfen weiter – unter Titos Führung, in den Wäldern, in den Bergen. Ende 1943 wird die Division neu organisiert und in „7. SS-Freiwilligen-Gebirgsdivision Prinz Eugen“ umbenannt.

Doch der Name ändert nichts an den Methoden. Im Frühjahr 1944 folgt die „Operation Maibaum“ – wieder ein Versuch, Partisanen in Bosnien zu zerschlagen. Wieder werden Dörfer zerstört, wieder sterben Zivilisten. Diesmal trifft es auch die eigene Bevölkerung: Volksdeutsche werden evakuiert, ihre Höfe niedergebrannt, damit die Partisanen keine Versorgung finden.

Die Division verwüstet die eigene Heimat. Doch der Krieg wendet sich. Die Rote Armee rückt vor. Die Partisanen werden stärker.

Die deutsche Front auf dem Balkan beginnt zu bröckeln. Die „Prinz Eugen“ wird nach Norden verlegt, nach Kroatien, dann nach Ungarn. Dort kämpft sie gegen eine Armee, die sie nicht mehr besiegen kann. Im Herbst 1944 übernehmen die Partisanen weite Teile Serbiens.

Die Division zieht sich zurück – durch Gebiete, die sie selbst zerstört hat. Die Bevölkerung, die sie terrorisiert hat, wird nun zum Feind. Überall lauern Partisanen, überall gibt es Hinterhalte. Der Rückzug wird zum Blutbad.

1945 ist die Division nur noch ein Schatten ihrer selbst. Viele Soldaten desertieren. Die Disziplin zerfällt. Die SS-Führung befiehlt Durchhaltekämpfe, aber niemand will mehr sterben für einen Krieg, der längst verloren ist.

Einige Einheiten ergeben sich den Partisanen. Andere versuchen, nach Österreich oder Deutschland zu entkommen. Viele werden auf dem Weg getötet – von Partisanen, von der eigenen Bevölkerung, die Rache will. Nach dem Krieg werden die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen.

Viele Offiziere der „Prinz Eugen“ werden vor Gericht gestellt. Einige werden hingerichtet. Andere werden zu langen Haftstrafen verurteilt. Der Kommandeur Arthur Phleps wird 1944 von sowjetischen Truppen gefangen genommen und stirbt in Gefangenschaft.

Die Division selbst existiert nicht mehr. Aber ihre Spuren bleiben – in den verbrannten Dörfern, in den Massengräbern, in den Familien, die ihre Angehörigen verloren haben. Doch Schätzungen gehen von mindestens 20. 000 getöteten Zivilisten aus – Männer, Frauen, Kinder, alte Menschen.

Getötet nicht im Kampf, sondern als Teil einer Strategie: Vernichtung durch Terror, Kollektivschuld, Vergeltung. Am Ende bleibt die Frage: Wie konnte eine Einheit, die aus Nachbarn, aus Landsleuten, aus Volksdeutschen bestand, zu solchen Tätern werden? Die Antwort liegt in den Befehlen, in der Ideologie, in der Gleichgültigkeit gegenüber dem Leben anderer. Und in der Tatsache, dass es immer Menschen gibt, die gehorchen – ohne zu fragen, wohin der Weg führt.

Die Geschichte der „Prinz Eugen“ ist keine Geschichte von Helden. Es ist eine Geschichte von Tätern, von Opfern und von einem Krieg, der bis heute nachwirkt. Die Dörfer sind wieder aufgebaut, die Gräber gepflegt, die Erinnerung wach. Doch die Wunden sind tief.

Und die Frage nach Schuld und Verantwortung bleibt – für jeden, der hinsieht.