Ich saß auf dem Badewannenrand, als der Test zwei rosa Linien zeigte. Mein Freund Jonas, der reiche Geschäftsmann, der mein Herz zum Schmelzen brachte, war mein einziger Gedanke. Ich wollte es ihm…

Ich saß auf dem Badewannenrand, als der Test zwei rosa Linien zeigte. Mein Freund Jonas, der reiche Geschäftsmann, der mein Herz zum Schmelzen brachte, war mein einziger Gedanke. Ich wollte es ihm...

Die Papiertüte aus der Apotheke raschelte in Livias zitternden Händen, als sie am Rand ihrer Badewanne saß. Zwei rosa Linien. Unverkennbar. Sie hatte es geahnt, ihr Körper hatte die Wahrheit seit Wochen geflüstert: die Übelkeit, die Müdigkeit, der plötzliche Ekel vor ihrem geliebten Kaffee.

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Doch es zu wissen und es zu sehen, war etwas anderes. Sie legte die Hand auf ihren flachen Bauch. Ein Leben begann dort. Ein Kind.

Jonas Kind. Allein der Gedanke ließ ihr Herz warm werden, dann überkam sie eine eiskalte Angst. Sie und Jonas waren seit acht Monaten zusammen, eine stürmische Romanze, die begonnen hatte, als sie bei einer Firmenfeier ein Tablett Champagner über ihn kippte. Er hatte gelacht, wirklich gelacht, und sie noch am selben Abend zum Essen eingeladen.

Seitdem war alles wie ein Rausch. Jonas Feigner war charmant, klug, selbstsicher, und er gehörte in eine andere Welt. Er besaß die Hälfte der Bürogebäude in München und speiste mit Investoren, deren Abendessen so viel kosteten wie Livias Monatsgehalt. Sie hingegen war ein Mädchen aus Kassel, ein Kind zweier Lehrer, das sich mit Nebenjobs durchs Studium gekämpft hatte, bis es endlich eine Stelle als Junioranalystin bekam.

Sie hatte sich eingeredet, Liebe habe nichts mit Geld zu tun. Und meistens, wenn Jonas ihre Hand hielt oder nachts ihren Namen flüsterte, glaubte sie daran. Sie zog ihr Handy hervor. Sein lächelndes Foto leuchtete auf dem Bildschirm.

Ihr Finger schwebte über der Anruftaste, doch sie legte das Telefon weg. Diese Nachricht verdiente mehr als einen Anruf. Sie würde es ihm beim Abendessen sagen, in ihrem Lieblingsitaliener in Schwabing, wo der Besitzer ihr Gericht bereits kannte. Sie stellte sich sein Gesicht vor, die Überraschung, die Freude, seine Arme, die sie umschlossen.

Am Abend trug sie das blaue Kleid, von dem Jonas immer sagte, es lasse ihre Augen wie das Meer aussehen. Sie übte vor dem Spiegel, wie sie es sagen sollte, ruhig, direkt, vielleicht mit einem Lächeln. Nichts klang richtig. Bis es klingelte.

Er stand vor der Tür, aber nicht allein. Neben ihm eine Frau, schlank, elegant, mit perfekt frisierten blonden Haaren. Ihm fehlten die Blumen, die er sonst immer mitbrachte, und sein Lächeln war nicht dasselbe. Er sah sie an, als wollte er sie nicht wirklich sehen.

Livias Herz klopfte so laut, dass sie dachte, er müsse es hören. „Livia