„Warum ist die PIN plötzlich wieder da? Wir hatten das doch abgeschaltet!“ murmelte ich, während mein Laptop mitten im Stream einfror und der Gruppenchat mit genervten Nachrichten explodierte. Es…

„Warum ist die PIN plötzlich wieder da? Wir hatten das doch abgeschaltet!“ murmelte ich, während mein Laptop mitten im Stream einfror und der Gruppenchat mit genervten Nachrichten explodierte. Es...

Der Laptop hatte sich wieder einmal in den Tastenschutz geschmissen, und die PIN-Anfrage ließ sich einfach nicht wegklicken. „Warum ist die plötzlich wieder da? Wir haben die Einstellung extra abgeschaltet“, murmelte ich und versuchte, das Gerät unter Kontrolle zu bringen. Nichts ging mehr.

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Twitch reagierte nicht, das Bild hing, und im Gruppenchat flogen auch schon die ersten genervten Nachrichten raus. Alle waren rausgeflogen, mitten in einer so schönen Runde. Wir hatten das mit J doch damals wirklich so eingestellt, dass die Tastensperre nie wieder auftaucht. Genau so war es gewesen.

Und jetzt das. Natürlich hatte der Laptop, kaum war er wieder hochgefahren, irgendein Windows-Update installiert und damit alle alten Einstellungen über den Haufen geworfen. Bert meinte trocken, es klinge nach einem klassischen Windows-Update, das einen wie immer im unpassendsten Moment erwischt. Es sei ja eine absolute Unverschämtheit und, ehrlich gesagt, auch nicht gerade professionell, mitten im Stream schwarz zu werden.

„Ja, weißt du, das passiert einfach so“, seufzte ich und ließ die Schultern sinken, „vorher ist das nie passiert. “ Aber was sollte ich machen. Ich konnte es nicht mehr ändern, konnte mich nur noch über die kleine Panne ärgern. Also hieß es: durchatmen, Stromspareinstellungen überprüfen, aufräumen.

„Windows macht eben Windows-Dinge“, sagte ich und versuchte, der Sache etwas Humor abzugewinnen, während der Stream langsam wieder hochkam. Die Leute waren alle noch da, zum Glück, und ich konnte weitermachen. Ich erzählte, dass ich mich in letzter Zeit so wohlfühle, dass mein Doppelkinn wieder verschwindet und ich mich wieder trauen kann, mich von unten zu zeigen, ohne zu denken: „Diger, wer hat dich angelogen? “ Die Cellulite an den vorderen Oberschenkeln, die ich plötzlich hatte und die ich vorher nie kannte, war auch weg.

Das war anscheinend nur Wasser gewesen. Keto machte sich bemerkbar, ich wog unter siebzig, was mich wirklich freute. Klar, die Arme könnten für die Hochzeit noch etwas schlanker sein, aber das war nur Schwabbel, kein Bizeps. Die Schönheit kommt ja bekanntlich von innen, und ich fühlte mich einfach gut.

Die neuen Klamotten von New Yorker, die ich mir gekauft hatte, hätte ich ohne meine aktuelle Ernährung nie angezogen. Ich probierte sie an, fand mich süß, und kaufte sie. Im Chat ging währenddessen das Thema weiter über die Smileys, die gesperrt waren, während ich drohte: „Mit Vampir und Zwinkerblock, denkt dran. Vor mir geht die Post ab.

Nicht hinter mir, da ist nur die Wand mit dem Musical. “ Jemand erwähnte, dass Blake Smileys geblockt würden, Lambo, mochte das nicht, kein Plan. Das Gespräch kam auf die alte Pille, auf die ich geschworen hatte, sie nie wieder zu nehmen. Ich kochte innerlich, wenn ich nur daran dachte, wie lange ich mich damit herumgeschlagen hatte.

Ich war schon oft konsequent gewesen, aber die Hormone hatten meine Erfolge einfach maskiert. Der Wasseransatz, diese ganze Fülle, all das gehörte wohl dazu. Jetzt hatte ich zwar ein bisschen mehr mit Haarausfall zu kämpfen, aber dafür keine Pickel. Wenn ich mal einen bekam, dann war er tief unter der Haut und blieb ewig, aber damit konnte ich leben.

Im Hintergrund chillte inzwischen mein Vater vor sich hin. „Was geht, Papa“, rief ich und beschwerte mich, dass wieder etwas drittes nachwuchs, das wie gewohnt aussah wie eine Warze. Irgendwann lachte ich, weil ich mich wieder einmal verquatscht hatte und versehentlich sagte, dass ich mit dem Handy streamen würde. Dabei benutzte ich eine Kamera, eine DJI Pocket, mit Mikrofon.

Plötzlich fiel mir auf, dass ich noch eine Nachricht an meinen Dad schreiben wollte, eine Sprachnachricht. Ich gab sie auf, während ich weiter live war: „Hallo, ich bin gerade live, aber Mama ist anscheinend nicht da. Ich wollte fragen, ob ihr morgen mit in den Wildpark schwarze Berge wollt. Wir fahren morgen mit Tiff und Jenzel, den Kleinen und Eko und Keteknete hin.

Habt ihr auch Bock? “

Beim Ansehen der vorherigen Nachricht stolperte ich über ein Wort und lachte: „Du wirst zu Bert“, konnte aber nicht widerstehen und stelle das Richtige richtig. „Ach so, direkt in der Lachspalte. “ Und irgendjemand flüsterte, dass man mich gleich direkt beleidigt hätte als Bernhard.

Keteknete war einfach ein großartiger Spitzname. Dann kam die Sprache auf den neuen Familienzuwachs. Mein Bruder hatte ein neues Baby, eine kleine Katze, eine braune Britisch Kurzhaar. Mama Muska und Papa Maschina hatten sich gefreut und der Kleine hieß kreativerweise Brownie.

Eine dritte Maus hatten sie jetzt also. Ich hielt inne und dachte über mein Mikrofon-Problem nach. Ich hatte mir einen neuen Selfie-Stick gekauft, aber das Mikrofon funktionierte nicht mit meinem Handy. Ich erklärte im Stream, dass ich eine DJI-Aufsatz habe, den man ins Handy stecken kann, und dass diese DJI-Sachen mittlerweile im TikTok Shop für einen Pisspreis zu haben waren.

Die Werbung konnte ich persönlich ja nicht mehr sehen, wenn ich da durchscrollte. Aber gut. Ich merkte, dass subtile Lockangebote nicht funktionierten, und forderte Pico auf, mit den Baiten loszulegen. Luisa machte das so gut mit ihren Baits auf Twitch mit Ausrufezeichen und so.

Eine Person war ihrem Code im Monat Juli für die Türkei gefolgt. Ein Monat sah gut aus, den würde ich mir merken. Es gab ja nichts Besseres als diese Baits. Und alles aus China, wer wusste schon, wie günstig das Ganze vor Ort war.

Es wurde langsam hell und ich bemerkte, wie schön das Licht war. „Es ist so pretty“, sagte ich, „mein Zeitgefühl ist völlig am Arsch. “ Im Süden wurde es ja noch ein bisschen später hell, das wusste ich. Aber ich spürte, der Sommer kam zurück, die Tage wurden länger.

Irgendwie war ich müde, denn die Zeitumstellung hatte mich noch nicht ganz gepackt. Während ich noch überlegte, ob ich am Wochenende für die Türkei-Reise werben sollte, ging im Chat die Party los. Haram Kids feierte vierhundert und ich lachte: „Oh mein Gott, es wird haram. Jeden schlimmen Emoji hatte er reingenommen.

“ Da musste ich lachen und schüttelte den Kopf. Von Hongkong oder Shanghai hatten wir übrigens auch geträumt. Dafür gab es Aufsätze und diese Adapter, die man einfach ins Handy schieben konnte. Da fragte jemand, ob man dafür eine Streaming-Erlaubnis bräuchte.

In Shanghai lief ein Stream seit drei Monaten problemlos, da würde es schon klappen. Eine China-Rundreise wäre natürlich der Wahnsinn, aber vermutlich teuer. Ja, safe. „Ey, wie können die Leute sich das so lange da leisten?

“, wunderte ich mich laut. Mein Dad meldete sich inzwischen aus dem Wohnzimmer: „Hallo, Mira, Papa hier. Na, wir müssen sehen, wann ihr morgen hin wollt. Eine wunderschöne Grüße an den Chat.

Papa Maschina sagt, Baustelle ab. Ihr kommt mit. “ Ich erklärte, dass Eko morgen noch auf den Flohmarkt wollte, so ein Rentner mit Keteknete, und wir dann von dort aus losfahren würden. Er meinte, so gegen acht würde der Losgehen, und ich schätzte, bis zehn wäre er fertig.

Ich wandte mich wieder dem Thema Subs zu, denn ich wollte die Reisekasse aufbessern. „Ihr chillt doch gerne bei Twitch, besonders bei Folimira“, sagte ich und lachte, „dann lasst doch gerne ein Sub da, um nicht nur ein werbefreies Erlebnis zu genießen, sondern auch die Reisekasse zu stützen. “ Luisa scheute sich nicht, die Global Emotes zu benutzen. „Hört auf, Luisa“, rief ich belustigt in den Chat, aber ich freute mich natürlich über jede Unterstützung.

Mein Blick fiel auf einen merkwürdigen Namen im Chat: „Büttelbaba Höffner“, und ich musste laut lachen. „Was ist denn Twist? “ Da fiel mir wieder ein, wie ich selbst Twitch einmal mit S geschrieben hatte. „Twitch mit S ist krank, ey“, sagte ich kopfschüttelnd.

Die Zeit verging, aber es war alles gut. Es waren diese kleinen Momente, die den Stream so besonders machten. Schließlich kamen wir wieder auf den Feiertag morgen zu sprechen. Der Wildpark schwarze Berge lag ja bei uns in der Nähe, nicht so weit weg von den Eltern.

Es würde voll werden, dachte ich laut, wahrscheinlich. Morgen Feiertag und fünfundzwanzig Grad, das war schon krass. Ein Geruch von Kifferqualm zog durch den Raum, jemand hatte sich wohl einen Johnny angemacht. „Oh mein Gott, wie das stinkt“, rief ich und winkte ab, „da hat jemand richtig einen Dübel reingeknallt.

“ Aber es war geil, heute Abend so lange draußen zu sitzen. Ich überlegte, ob ich später noch zum Edeka gehen sollte für ein Lunchpaket, da morgen wohl vieles geschlossen sein würde. Feiertag, genau, stimmte. Ich kriegte das alles kaum noch auf die Reihe, denn mein Zeitgefühl war so im Arsch.

An dunklen Ecken saß ich sowieso nicht mehr. Gestern habe ich zu Flip gesagt, ob wir noch etwas zu essen machen sollten, und er meinte nur: „Wir haben einundzwanzig Uhr, du gehst doch wieder schlafen. “ Ja, fühlte ich mich gerade auch. Also legte ich los, freute mich auf den nächsten Tag mit den Kleinen und auf die schöne Zeit davor.

Es war alles gut.