„Alle Bewohner sind Feinde.“ Das war der Befehl, den mein Dorf zu spüren bekam. Es war Oktober 1942, und die SS-Division „Prinz Eugen“ hatte uns eingekreist. Die Kämpfer waren längst geflohen –…

„Alle Bewohner sind Feinde.“ Das war der Befehl, den mein Dorf zu spüren bekam. Es war Oktober 1942, und die SS-Division „Prinz Eugen“ hatte uns eingekreist. Die Kämpfer waren längst geflohen –...

Am 12. Oktober 1942 schlossen deutsche und bulgarische Truppen den Ring um das kleine Dorf Kriva Reka. Sie kamen nicht, um zu kämpfen. Sie kamen, um zu vernichten.

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Die SS-Division „Prinz Eugen“ hatte den Befehl, die gesamte Bevölkerung als Feinde zu behandeln. Kein Unterschied zwischen bewaffneten Partisanen und Bauern, Frauen oder Kindern. Dieser Befehl kam von oben, von Arthur Phleps, dem Kommandeur der Division. Er war überzeugt: Wer im Kopaonik-Gebirge lebte, unterstützte die Tschetniks.

Also musste das Dorf ausgelöscht werden. Doch die Tschetniks waren gewarnt worden. Major Dragutin Keserović und seine Männer zogen sich rechtzeitig in die Berge zurück, bevor sich der Ring schloss. Das eigentliche Ziel, die Gefangennahme oder Vernichtung der Widerstandskämpfer, war gescheitert.

Die SS ließ ihre Wut an der Zivilbevölkerung aus. Etwa 330 Menschen wurden an diesem Tag in Kriva Reka ermordet. 270 von ihnen waren Dorfbewohner. Fast die Hälfte des gesamten Dorfes.

Die anderen 60 kamen aus den umliegenden Weilern. Mindestens 46 Menschen wurden in die örtliche Kirche getrieben. Die Türen wurden von außen verschlossen. Dann sprengten die Soldaten das Gebäude.

Wer die Explosion überlebte, verbrannte bei lebendigem Leib. Wer zu fliehen versuchte, wurde erschossen. Das Dorf brannte. Über 100 Häuser wurden zerstört, tausende Tiere geraubt.

Die Soldaten plünderten, was nicht zerstört war. In den Nachbardörfern ging es weiter. Hunderte weitere Zivilisten wurden in den folgenden Tagen getötet. Insgesamt starben bei der Operation Kopaonik fast 700 Menschen – fast alle Zivilisten.

Selbst die deutsche Militärverwaltung in Serbien war entsetzt. General Paul Bader, der Militärbefehlshaber, forderte nach der Operation, dass die Division künftig auf das Erschießen von Zivilisten und das Niederbrennen von Dörfern verzichten solle. Seine Sorge galt nicht den Opfern. Er sah die Disziplin der Truppe und die langfristige Stabilität der Region in Gefahr.

Aber auch er erkannte an, dass das, was in Kriva Reka passiert war, selbst für die deutschen Besatzer außergewöhnlich brutal war. Heinrich Himmler sah das anders. Er war zufrieden. Kurz nach dem Ende der Operation besuchte er die Division persönlich.

Am 18. Oktober 1942 traf er in Kraljevo ein und feierte mit den Offizieren den Geburtstag von Prinz Eugen von Savoyen. Offizielles Lob für die Täter. Von den verbrannten Kindern und erschossenen Bauern sprach niemand.

Die Operation Kopaonik war nur der Anfang. Im Winter 1942 und im folgenden Jahr führte die Division weitere „Antipartisanenoperationen“ in Serbien, Bosnien und Montenegro durch. Immer dasselbe Muster: Einkreisung, Durchsuchung, Plünderung, Brand, Hinrichtung. Militärische Ziele wurden selten erreicht.

Die Zivilbevölkerung zahlte den Preis. Ganze Landstriche wurden verwüstet. Doch die Täter entkamen ihrer Verantwortung nicht. Arthur Phleps, der Mann, der den Befehl gegeben hatte, die Zivilbevölkerung als Feinde zu behandeln, wurde im September 1944 gefangen genommen.

Die deutsche Kontrolle in Südosturopa brach zusammen. Rumänien hatte die Seiten gewechselt, sowjetische Truppen rückten vor. Phleps war auf dem Weg nach Berlin, um Himmler zu treffen. In der Nähe von Arad im Westen Rumäniens fuhr er in das Dorf Schimand – ohne zu wissen, dass die Rote Armee dort bereits stand.

Er wurde ohne Widerstand festgenommen. Am selben Tag griffen deutsche Flugzeuge das Dorf an. Im Chaos der Bombardierung versuchten Phleps und andere Gefangene zu fliehen. Sowjetische Wachposten eröffneten das Feuer.

Phleps wurde erschossen. August Schmidthuber, Kommandeur des 14. SS-Infanterie-Regiments zur Zeit des Massakers, überlebte den Krieg. Aber er entkam der Justiz nicht.

Nach der deutschen Kapitulation ergaben sich die Reste der Division im Mai 1945 in Slowenien den jugoslawischen Partisanen. Schmidthuber wurde festgenommen, vor ein Militärgericht gestellt und wegen Massakern, Deportationen und systematischer Gewalt gegen die Zivilbevölkerung angeklagt. Schuldig. Am 19.

Februar 1947 wurde er in Belgrad gehängt. Richard Kaserer, einer der Bataillonskommandeure während der Operation, wurde in Norwegen gefangen genommen, an Jugoslawien ausgeliefert, wegen Kriegsverbrechen verurteilt und am 24. Januar 1947 ebenfalls in Belgrad gehängt. Die einfachen Soldaten der Division hatten ein noch grausameres Ende.

Nach der Kapitulation gerieten tausende ihrer Angehörigen in jugoslawische Gefangenschaft. Fast alle wurden anschließend getötet. Die Erschießungen wurden von Partisaneneinheiten durchgeführt, oft als Rache für Jahre des Terrors. Bei Bleiburg in Slowenien wurden etwa 2000 ehemalige Angehörige der Division, viele von ihnen Volksdeutsche, nackt ausgezogen, mit Draht zusammengebunden, erschossen und in einem Massengrab verscharrt.

Bis heute sind die genauen Zahlen ungewiss. Kriva Reka wurde nie wieder dasselbe Dorf. Die Täter wurden gerichtet, auf die eine oder andere Weise. Das Massaker blieb jedoch als Teil einer größeren Geschichte der Gewalt im besetzten Jugoslawien.

Eine Geschichte, die mit dem ersten Bombenangriff auf Belgrad am 6. April 1941 begann und mit den Gräbern endete, die niemand vollständig zählen konnte.