Ich stand vor dem Altar neben einem Mann, den ich erst Monate zuvor kennengelernt hatte, und neben uns lächelte Heinrich Himmler. Mein Bräutigam war zwanzig Jahre älter, hatte eine Frau und ein…

Ich stand vor dem Altar neben einem Mann, den ich erst Monate zuvor kennengelernt hatte, und neben uns lächelte Heinrich Himmler. Mein Bräutigam war zwanzig Jahre älter, hatte eine Frau und ein...

Es begann an einem klaren Morgen im Mai 1940, als der Krieg, der bisher irgendwo anders tobte, plötzlich vor unserer Haustür stand. Deutschland überfiel die Niederlande ohne jede Vorwarnung, Rotterdam wurde in Schutt und Asche gelegt, und nach nur fünf Tagen war alles vorbei. Die Königin floh, die Regierung floh, und die Besatzer übernahmen das Land. Für manche war das eine Katastrophe, für mich war es der Beginn von etwas Großem.

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Ich war damals eine junge Frau, aufgewachsen in einem angesehenen Haus in Hilversum, mit Tennisrunden gegen die Prinzessin Juliana. Mein Vater war ein erfolgreicher deutscher Bankier, der in die Niederlande eingeheiratet hatte. Und ich, ich hatte schon früh den Weg gesehen, den ich gehen wollte. Ich hatte Hitler gelesen, seine Reden verschlungen, die Schriften von Alfred Rosenberg studiert.

Mein Bruder und ich schlossen uns der Jugendorganisation der NSB an, jener niederländischen Partei, die wie die Hitlerjugend aufgebaut war. Aber mir ging das alles nicht weit genug. Als ich für mein Studium in Berlin war und die Bewegung mit eigenen Augen sah, war ich hingerissen von dieser Kameradschaft, dieser Disziplin. Ich trat aus der NSB aus, weil sie mir zu lasch war, nicht radikal genug in ihren Ideen.

Dann kam der Krieg. Ich arbeitete in einem Zoo in Berlin, als die Nachricht kam, dass meine Heimat besetzt worden war. Ich zögerte keine Sekunde. Ich kehrte zurück, um meinen Beitrag zu leisten, für das neue Regime, für die Zukunft, die ich herbeisehnte.

Auf einer großen Versammlung der NSB, die die Besetzung feierte, traf ich ihn. Meinhout Rost van Tonningen. Er war der zweite Mann der Partei, ein radikaler Kopf, der das Denken der NSB komplett nach Berlin ausrichtete. Er war zwanzig Jahre älter als ich, verheiratet, mit einem Kind.

Aber ich war sofort fasziniert von seiner Überzeugungskraft. Nur Monate später machte er mir einen Heiratsantrag. Es gab Hindernisse. Gerüchte über sein Blut, angeblich stammte er von indischen und afrikanischen Vorfahren ab.

Das war ein Problem für die reinen Rassenvorstellungen. Aber Heinrich Himmler persönlich genehmigte die Ehe. Wir heirateten im Dezember 1940, im Kreise der Führungselite der Partei. Mein Mann stieg zur mächtigsten Figur des Landes auf.

Er wurde Präsident der Niederländischen Zentralbank und öffnete die Schleusen, um die Goldreserven des Landes nach Deutschland zu transferieren, ohne jede Rücksicht auf unser Volk. Wir beide glaubten fest daran, dass die Niederlande eigentlich ein verlorener Teil Deutschlands waren, der endlich heimkehren musste. Ich gebar ihm drei Söhne, in rascher Folge, und erfüllte die repräsentativen Pflichten einer Parteigrößen-Gattin. Wir standen an der Spitze der Macht, während Tausende von Juden in den Niederlanden zusammengetrieben und in die Vernichtungslager geschickt wurden.

Wir sahen das nicht als Leid, sondern als notwendigen Schritt. Wir unterstützten das Regime, bedingungslos. Als der Krieg für Deutschland verloren schien, meldete sich mein Mann freiwillig zur Waffen-SS und ging an die Front. Ich floh mit den Kindern nach Goslar.

Dann kam der 8. Mai 1945, das Ende, der Zusammenbruch. Mein Mann starb kurz nach dem Krieg im Gefängnis, wo er auf seinen Prozess wartete. Die offizielle Version lautete Selbstmord, ein Sprung über das Treppengeländer.

Ich habe das nie geglaubt. Mein Mann wurde ermordet. Er wusste als Präsident der Zentralbank zu viel über die dunklen Finanzgeschäfte, in die hochrangige Persönlichkeiten verwickelt waren. Sogar Prinz Bernhard, der Ehemann der Königin, nannte ich in meinem Buch als Drahtzieher.

Ich kehrte 1948 in die Niederlande zurück, wurde sofort verhaftet, aber schnell wieder freigelassen. Ohne Einkommen kümmerte ich mich erst um den Haushalt meines Cousins. Dann bekam ich vom niederländischen Staat eine Witwenrente, weil mein Mann im niederländischen Parlament gesessen hatte. Dazu kam das Erbe meiner deutschen Familie.

Ich kaufte eine Villa in Velp und gründete eine Elektrofirma. Mein Haus wurde zum Treffpunkt für alte Kameraden und neue Bewunderer der Vergangenheit. Wir hielten Feiern zur Sonnenwende ab, ganz im Stil des Dritten Reiches. Die Nachbarn und die Presse nannten mich bald die Schwarze Witwe.

Ich trat im Fernsehen auf und pries die Größe Hitlers und Himmlers. Ich bestritt den Holocaust öffentlich, immer und immer wieder. In den Achtzigern formte sich ein Kreis treuer Anhänger um mich. Wir gründeten eine Organisation zur Förderung der germanischen Kultur und gaben eine Zeitschrift heraus, die offen den Nationalsozialismus propagierte.

Ich half bei der Gründung der Centerparty und sammelte Unterschriften. Ich finanzierte das alles mit dem Geld aus meiner Firma, bis sie bankrottging. Ich verbrachte fast mein ganzes Leben in Gerichtssälen. 1986 tobte eine öffentliche Debatte über meine Witwenrente.

Das Parlament stimmte ab, ob man mir die Zahlungen entziehen sollte, doch am Ende durfte ich sie behalten. Meine eigenen Kinder distanzierten sich von mir, von meinen Ideen, von allem, woran ich geglaubt hatte. In den Niederlanden fand ich keine Wohnung mehr, niemand wollte mich haben. Ich verbrachte meine letzten Jahre in Belgien.

Ich starb mit 92 Jahren in einem Hospiz. Um einen Ansturm von Neofaschisten auf meine Beerdigung zu verhindern, wurde ich in Ede, wo ich schon in den Neunzigern ein Grab erworben hatte, still beerdigt. Ich hinterließ nur Schulden.

Nicht einmal genug Geld für meine eigene Beerdigung war da.