Die Hochzeit war noch in vollem Gange, die Musik klang bis weit nach Mitternacht durch unser kleines Dorf. Wir feierten die Liebe und das Leben mitten im Krieg. Ein paar Stunden später warfen…

Die Hochzeit war noch in vollem Gange, die Musik klang bis weit nach Mitternacht durch unser kleines Dorf. Wir feierten die Liebe und das Leben mitten im Krieg. Ein paar Stunden später warfen...

Die ersten Granaten explodierten, während das Dorf noch schlief. Innerhalb von Sekunden verwandelte sich die Nacht in ein Inferno aus Feuer und Schreien. Männer, Frauen und Kinder flohen aus ihren Häusern, nur um von Maschinengewehrsalven niedergestreckt zu werden. Am 16.

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August 1943, kurz nach fünf Uhr morgens, umzingelten rund 120 deutsche Gebirgsjäger das kleine Dorf Kommeno am Ufer des Flusses Arachthos. Sie kamen nicht, um zu verhandeln. Sie kamen, um zu vernichten. Der Befehl war klar: Niemand sollte verschont bleiben.

Kommeno hatte bis dahin versucht, unter der Besatzung zu überleben. Die Region Epirus stand unter italienischer Kontrolle, und die italienischen Behörden waren vergleichsweise tolerant gewesen. Die Bauern bestellten ihre Felder, die Fischer warfen ihre Netze in den Fluss. Partisanen, die sogenannten Andartes, tauchten gelegentlich auf, um Lebensmittel zu beschaffen, und die Dorfbewohner wandten ihre Blicke ab.

Am 12. August geriet dieses fragile Gleichgewicht ins Wanken. Ein kleiner Partisanentrupp kam ins Dorf, um Vorräte zu holen. In diesem Moment fuhr ein deutsches Aufklärungsfahrzeug durch Kommeno.

Die beiden Soldaten sahen die Bewaffneten auf dem Dorfplatz, rissen das Steuer herum und rasten davon. Dabei stürzten sie in einen Graben. Es fiel kein Schuss. Niemand wurde verletzt.

Die Dorfbewohner eilten sogar herbei, um den Deutschen zu helfen, das Fahrzeug herauszuziehen. Dennoch breitete sich Angst aus. In Erwartung von Vergeltung verbrachten viele Familien die Nacht versteckt in den Feldern. Am nächsten Tag machten sich der Dorfvorsteher, der Priester und der Lehrer auf den Weg nach Arta, um den italienischen Kommandanten zu sprechen.

Sie erhielten die Zusicherung: Kommeno sei nicht in Gefahr, es werde keine Repressalien geben. Erleichtert kehrten die Bewohner zurück. Das Fest Mariä Himmelfahrt stand bevor, und eine Hochzeit war geplant. Der Abend des 15.

August war erfüllt von Musik, Gelächter und Tanz. Gäste aus umliegenden Dörfern waren gekommen, um zu feiern. Bis tief in die Nacht klangen Geigen und Gesang durch die Gassen. Sie ahnten nicht, dass deutsche Offiziere im Divisionshauptquartier bereits den Untergang des Dorfes geplant hatten.

Die Wehrmacht hatte den Zwischenfall vom 12. August fälschlich als Partisanenangriff gemeldet. Frühere Antipartisanenoperationen in der Region waren gescheitert, und die Kommandeure suchten nach einem Exempel. Am 14.

August wurde der Befehl erteilt, das Dorf zu zerstören. Der Kommandeur des Gebirgsjägerregiments 98, Oberst Josef Salminger, hielt eine kurze, wütende Ansprache. Er nannte Kommeno ein Partisanennest und befahl seinen Männern, niemanden zu verschonen. Angeführt wurde die Aktion von Oberleutnant Willibald Röser, einem fanatischen Nazi, der unter seinen Kameraden den Spitznamen „Der Nero von 12/98“ trug.

Bereits drei Wochen zuvor hatte seine Kompanie im Dorf Musiotitza Zivilisten massakriert. Am Morgen des 16. August war Kommeno voller Menschen. Zu den 317 Einwohnern kamen mehr als 30 Gäste aus Nachbardörfern, die zur Hochzeit und zum Feiertag geblieben waren.

Die Soldaten umstellten das Dorf aus drei Richtungen. Nur der Weg zum Fluss blieb offen. Dann begann das Morden. Granaten flogen in schlafende Häuser.

Maschinengewehre rissen ganze Familien nieder, die in Panik auf die Straßen stolperten. Wer versuchte, durch die von Deutschen kontrollierten Ausgänge zu fliehen, wurde erschossen. Männer starben vor den Augen ihrer Frauen. Frauen wurden beim Versuch, ihre Kinder zu schützen, niedergemäht.

Säuglinge wurden in ihren Betten erschossen oder ihren Müttern aus den Armen gerissen. Der Dorfpriester flehte um Gnade und wurde von Röser persönlich ermordet. Augenzeugen berichteten später von Vergewaltigungen, Misshandlungen und der Schändung von Toten. Rund vierzig Hochzeitsgäste, die noch von der nächtlichen Feier wach waren, wurden ebenfalls getötet.

Der einzige Fluchtweg war der Fluss. Durch dichte Vegetation geschützt, gelang einigen Dorfbewohnern die Flucht – schwimmend oder in kleinen Booten – während hinter ihnen die Schüsse hallten. Sechs Stunden dauerte das Gemetzel. Als die Waffen verstummten, war Kommeno ausgelöscht.

Von den 657 Menschen, die sich an diesem Morgen im Dorf befanden, waren 317 tot. Darunter 172 Frauen und 97 Kinder unter fünfzehn Jahren. Zwei Priester. Ganze Familien.

Das frisch vermählte Paar. Fast dreihundert Häuser standen in Flammen. Nur sieben blieben stehen. Nach den Tötungen durchkämmten deutsche Räumungskommandos die Ruinen.

Sie trieben Vieh zusammen und plünderten Wertgegenstände, bevor sie abzogen. Am Tag danach erreichten die ersten Außenstehenden das Dorf. Der italienische Sergeant Ugo Turi trat in die rauchenden Trümmer. Überlebende schilderten, was geschehen war.

Verbrannte Leichen lagen zwischen den Ruinen. Die italienische Militärführung protestierte bei Generalmajor Walter Stettner Ritter von Grabenhofen, dem Kommandeur der 1. Gebirgsdivision. Stettner bestritt, dass deutsche Soldaten Gräueltaten an Zivilisten begangen hätten.

Das Massaker wurde sofort unter falschen Berichten begraben. Das Gebirgsjägerregiment 98 funkte an das Hauptquartier, es habe ein Gefecht mit Partisanen gegeben, bei dem 150 Zivilisten ums Leben gekommen seien. Oberleutnant Kurt Waldheim, der spätere UN-Generalsekretär, vermerkte im Kriegstagebuch, Kommeno sei nach heftigem feindlichem Widerstand eingenommen worden. Durch diese Fälschungen wurde der Massenmord als legitimer Kriegseinsatz dargestellt.

Am 18. August kehrten deutsche Soldaten nach Kommeno zurück – mit dem Befehl, die Leichen zu begraben. Nicht aus Respekt, sondern um das Verbrechen zu vertuschen. Sie hoben Massengräber aus, sammelten die Überreste und beseitigten die sichtbarsten Spuren des Gemetzels.

Innerhalb der Kompanie waren die Reaktionen gemischt. Einige Soldaten gaben später zu, dass sie die Erschießungen für ungerechtfertigt hielten. Andere verteidigten die Morde mit der Behauptung, das Dorf habe die Partisanen unterstützt und seine Bewohner seien potenzielle Feinde gewesen. Doch niemand widersetzte sich offen den Befehlen.

Überleben war einfacher als Gehorsam. Einige der Verantwortlichen zahlten schließlich einen Preis. Am 1. Oktober 1943 wurde Oberst Josef Salminger, der Mann, der seine Truppen mit seiner wütenden Rede zur Auslöschung des Dorfes angestachelt hatte, von griechischen Partisanen in einen Hinterhalt gelockt und getötet.

Sein Tod löste weitere Vergeltung aus. Zwei Tage später drangen deutsche Soldaten derselben Division in das Dorf Lingiades ein und ermordeten 92 Zivilisten, darunter Säuglinge. Das jüngste Opfer war sechs Monate alt. Generalmajor Stettner blieb bis Oktober 1944 im Kommando.

Während der sowjetischen Belgrad-Offensive wurde seine Einheit eingekesselt. Er verschwand in der Nähe von Belgrad. Unbestätigten Berichten zufolge wurde er von Partisanen gefangen genommen und erschossen. Seine Leiche wurde nie gefunden.

Willibald Röser, der Offizier, der das Massaker von Kommeno direkt befehligt hatte, überlebte den Krieg nicht. Er starb im November 1944 bei einem alliierten Luftangriff auf Freiburg. Als Deutschland am 8. Mai 1945 kapitulierte, ergaben sich die Reste der 1.

Gebirgsdivision britischen Truppen in Österreich. Viele Offiziere versuchten, sich als ehrenhafte Soldaten darzustellen, die nur gegen Partisanen gekämpft hätten. Einige wurden nach Jugoslawien ausgeliefert, wo sie wegen Kriegsverbrechen vor Gericht gestellt und hingerichtet wurden. Das Massaker von Kommeno gilt als eines der schlimmsten Verbrechen, die deutsche Truppen im besetzten Europa begingen.

Jedes Jahr am 16. August versammeln sich Menschen in dem wiederaufgebauten Dorf, um der Toten zu gedenken. Sie legen Kränze nieder und schweigen für die 317 Männer, Frauen und Kinder, die an einem einzigen Morgen ihr Leben verloren. Unter ihnen war auch der Bräutigam, der am Abend zuvor seine Hochzeit gefeiert hatte.

Seine Braut überlebte. Sie erzählte die Geschichte bis ins hohe Alter – immer wieder, jedes Jahr am selben Tag.