„Gehst du heute auf den Strand? “, fragte Dad. „Ja, auf Stuff Beach. “
„Gut.

Kannst du dann nach der Stufe schauen? Aber tritt noch nicht darauf. “
Ich versprach es ihm. Die Stufe, die er gestern am Strand repariert hatte, war noch nicht trocken.
Wir hatten sogar Panzer von Pfeilschwanzkrebsen daraufgelegt, damit niemand versehentlich darauf trat, bis der Kleber ausgehärtet war. Vier Stunden später waren die Schalen noch da. Niemand hatte sie angefasst. Mein Vater war gestern in meinem Stream gewesen und hatte die Stufe am Strand repariert.
Er war der Star der Show gewesen, ohne es zu wollen. Alle im Chat hatten geguckt, wie er mit ruhiger Hand arbeitete, den Schritt säuberte, neuen Kleber auftrug. Sogar kleine Augen hatte er auf die Stufe gemalt. Das war der Grund, warum ich heute Morgen wieder hier stand – nicht nur wegen der Aussicht, sondern weil mein Vater mir eine Aufgabe mitgegeben hatte.
„Tritt noch nicht drauf“, hatte er gesagt. Ich würde nicht darauf treten. Ich lief den Strand entlang, die Sonne stand gerade über den Dünen und tauchte die Häuser hinter mir in goldenes Licht. Der Chat plauderte, wie immer.
Jemand nannte uns das süßeste Paar, weil mein Mann JBC gerade Kaffee machte. „Wir sind einfach ein normales Ehepaar“, sagte ich und lachte. „Du weißt schon, wie das ist, oder, Lucy? “
Der Morgen war ruhig.
Ich trank, als mir jemand riet, meinen Hals zu schonen. Ich fühlte mich nicht krank, nur meine Stimme brauchte morgens etwas Zeit, um aufzuwachen. Dann sah ich die Möwe. Sie hatte einen Krebs gefangen und hielt ihn mit dem Schnabel fest.
Ein riesiger Vogel, ganz nah am Ufer. Er zerrte an dem Krebs, brach ihn in der Mitte durch, schüttelte ihn. Und als ich näher kam, lief er ein paar Schritte weg. „Das ist mein Frühstück, Mensch.
Hol dir deins. “
„Er will nur weglaufen von mir“, sagte ich in den Stream. „Er denkt, ich will seinen Krebs. “
Es war absurd, aber ich konnte nicht wegschauen.
Der Vogel pickte, schluckte, versuchte alles aus dem kleinen Tier herauszuholen. Der Chat kommentierte: „Kreis des Lebens. “ Jemand schrieb: „Armer Krebs. “ Jemand anders: „Er braucht Knoblauchbutter.
“
Ich wusste, ich sollte aufhören zu filmen. Aber es war Natur. Es war roh und echt. „Ich gucke mir das nur noch einen Moment an“, sagte ich.
Während die Möwe ihr Frühstück verteidigte, bemerkte ich die anderen Vögel weiter oben. Sie sahen anders aus. Länger, dünner, mit hohen Beinen. Keine Möwen.
„Das könnten Regenpfeifer sein“, sagte ich. „Oder Sandläufer. Ich muss zuhause nachschlagen. “
Ich zoomte näher heran und stellte fest, dass ich eine neue Methode benutzen musste, um auf meinem Handy zu filmen.
Statt der Lautstärketasten benutzte ich jetzt die Pinch-Geste. Meine Handschuhe hatten mich das vorher nie probieren lassen. Aber so war es viel besser. Der Gimbal wackelte nicht mehr so stark.
„Warum habe ich das nicht schon früher gemacht? “, fragte ich in den Chat. Irgendwo in der Nähe war ein Nest, umzäunt mit Seilen, ein Schutzgebiet für Regenpfeifer. Ich zeigte es nicht, aber ich wusste, dass es da war.
Vielleicht waren das die Vögel, die ich jetzt sah. Der Chat plauderte weiter über Vögel, über Emotes, über frühere Streams. Jemand erwähnte eine Robbe, die auf einem anderen Stream eine Tüte Chips gefressen hatte. Jemand fragte mich nach meinen anderen Stränden.
Ich erklärte, dass ich mehrere Strände besuchte, aber Stuff Beach trotzdem mein Favorit war. „Man könnte meinen, ihr habt genug von demselben Strand“, sagte ich. „Aber ich liebe diesen hier einfach. Es passiert so viel.
“
Und es passierte wirklich etwas. Die Vögel hoch oben – die vielleicht Ospreys waren – saßen auf ihrem Nest, das wir gestern angeschaut hatten. Dann flogen sie weg. Die Möwe schluckte den letzten Rest ihres Frühstücks und rannte davon.
Und ich stand da, mit nassen Füßen im Sand, und dachte an meinen Vater. Er hatte gewartet, dass ich die Stufe prüfte. Ich stellte mich auf den Weg zurück. Aber ich wollte vorher noch etwas tun, das ich fast nie machte: in die Stadt gehen.
Einfach so. Nur um aufzuhören, immer denselben Weg zu gehen. „Ich will heute etwas anderes machen“, sagte ich in den Chat. „Ich laufe heute in die Stadt hinauf.
“
Ich wusste nicht, ob das Signal dort gut sein würde. Beim letzten Mal war es okay gewesen. Aber ich wollte es einfach versuchen. „Sagt mir Bescheid, wenn ihr mich verliert.
“
Ich ging am Ufer entlang, vorbei an der Stelle, wo mein Vater gearbeitet hatte. Die Stufe stand da, ruhig, mit den Panzern oben drauf. Ich trat nicht darauf. Ich würde nicht darauf treten.
Er hatte mich gebeten, zu warten. Ich würde warten. Die Sonne war höher gestiegen, und der Strand lag still und golden vor mir, als ich mich Richtung Straße drehte. Ich ließ die Möwe hinter mir, die Vögel, das Geräusch der Wellen.
Vor mir lag die Stadt, klein und ordentlich, ein Ort, den ich viel zu selten besuchte. „Na gut“, sagte ich und ging los. „Schauen wir, wie weit ich komme. “
Der Chat war bei mir.
Und ich wusste, dass mein Vater meine Nachricht bald lesen würde. Vielleicht lächelte er. Vielleicht wartete er schon auf mein Urteil über die Stufe. Ich hatte ihm versprochen, nicht darauf zu treten.
Und ich würde mein Versprechen halten.


