Ich meldete mich freiwillig als KZ-Aufseherin, weil ich dachte, es wäre der Weg, meine Familie zu schützen. Doch als ein junger Häftling mir in die Augen sah und flüsterte: „Du wirst für das…

Ich meldete mich freiwillig als KZ-Aufseherin, weil ich dachte, es wäre der Weg, meine Familie zu schützen. Doch als ein junger Häftling mir in die Augen sah und flüsterte: „Du wirst für das...

Es war ein Spätsommertag im September 1939, als meine Welt in Scherben fiel. Ich war erst siebzehn, hatte gerade meine Arbeit in der Marmeladenfabrik aufgenommen und träumte von einem einfachen Leben. Doch der Krieg hatte begonnen, und die Nationalsozialisten errichteten ein neues Lager in den Wäldern bei Stutthof, nur wenige Kilometer von meiner Heimatstadt Danzig entfernt. Mein Name ist Wanda Klaff, und ich wurde in eine Zeit hineingeboren, in der Loyalität über alles gestellt wurde.

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Meine Eltern waren Deutsche, mein Vater arbeitete als Eisenbahner, und wir waren keine Helden – wir waren normale Menschen, die versuchten, zu überleben. Doch das System verlangte mehr von uns. Es verlangte, dass wir uns entschieden, und ich traf die falsche Wahl. Die SS suchte händeringend nach Frauen, die bereit waren, als Aufseherinnen zu dienen.

In den Zeitungen standen Anzeigen, die uns aufforderten, unsere Liebe zum Reich zu zeigen. Ich meldete mich freiwillig. Ich dachte, es wäre eine Möglichkeit, etwas zu beweisen, meiner Familie zu helfen. Ich wusste nicht, wohin mich dieser Schritt führen würde.

Stutthof war die Hölle auf Erden. Tausende Gefangene – Polen, Juden, Intellektuelle, politische Gegner – wurden in das Lager getrieben. Sie starben an Typhus, an Hunger, an Erschöpfung. Und wenn sie zu schwach zum Arbeiten waren, wurden sie in die Gaskammern geschickt.

Ich stand dabei. Ich habe zugesehen. Ich habe Befehle befolgt, ohne zu fragen. Doch eines Tages änderte sich alles.

Ein junger Häftling sah mir direkt in die Augen und flüsterte: „Du wirst für das bezahlen, was du tust. “ In diesem Moment wusste ich, dass es kein Zurück mehr gab. Die Toten würden mich nie loslassen. Und als der Krieg endete und die Alliierten kamen, begann die Jagd auf uns.

Ich wurde gefasst, vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt. Im Juli 1946 stand ich auf dem Schafott, umringt von 200. 000 Menschen, die meinen Tod beobachteten. Der Henker legte mir die Schlinge um den Hals.

Ich konnte die Gesichter der Menge sehen, ihren Hass, ihre Genugtuung. Und in diesem letzten Augenblick dachte ich nicht an meine Schuld – ich dachte an den Jungen, der mir prophezeit hatte, dass ich zahlen würde. Dann fiel der Boden unter meinen Füßen weg.