Die Stadt erzittert unter dem Dröhnen alliierter Bomber. Suchscheinwerfer schneiden den Himmel, Flugabwehrkanonen donnern von den Dächern und Zivilisten eilen in die Schutzräume, während ganze Stadtviertel in Flammen aufgehen. Die Reichshauptstadt, einst das stolze Symbol von Hitlers Imperium, liegt in Trümmern und Asche. Inmitten der Verwüstung breitet sich nicht nur Angst vor Bomben aus, sondern auch vor Denunzianten und der gefürchteten Gestapo, der nationalsozialistischen Geheimpolizei.

Im Bendlerblock, dem Hauptquartier des Ersatzheeres, entfaltet sich unterdessen ein anderer Kampf. Hinter verschlossenen Türen flüstern einige Offiziere von einem Umsturz. Andere bekunden ihre Loyalität, während viele nur an ihr Überleben denken. Die deutsche Armee ist gespalten.
Einige träumen davon, Hitler zu beseitigen, um Deutschland vor dem Zusammenbruch zu retten, während die meisten an Disziplin und Gehorsam festhalten. Zwischen diesen Lagern steht der Mann, der das Ersatzheer befehligt – ein General mit enormer Macht, dessen Zögern letztlich sein Schicksal besiegelt. Sein Name ist Friedrich Fromm. Friedrich Wilhelm Ludwig Fromm wurde am 8.
Oktober 1888 in Charlottenburg im damaligen deutschen Kaiserreich geboren. Sein Vater war der ehemalige Generalleutnant Johannes Richard Fromm, und der junge Friedrich wuchs in einem Haushalt auf, der Ordnung und Ehrgeiz hochschätzte. Von Beginn an zeigte er Eigenschaften, die sein Leben prägen sollten: Fleiß, Vorsicht und die Fähigkeit, sich den Erwartungen von Autoritäten anzupassen. Er studierte in verschiedenen Städten des deutschen Kaiserreichs, unter anderem in Berlin, Mainz und Straßburg.
Im Jahr 1906 trat Fromm im Alter von 18 Jahren in die deutsche Armee ein. Er schloss sich der Artillerie an, einer Waffengattung, die technisches Können und exakte Berechnungen verlangte. Friedrich Fromm war sehr methodisch, ernst und präzise, und seine Laufbahn entwickelte sich dank professioneller Kompetenz statt charismatischer Ausstrahlung. Das Offizierskorps war weiterhin von Adeligen geprägt, und Fromm musste ohne Adelstitel auf stille Entschlossenheit und stetigen Aufstieg setzen.
Er wurde zum Offizier ernannt und fand seinen Platz in der geordneten Welt des Militärs. Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, zog er wie der Rest seiner Generation an die Front. Fromm diente sowohl als Truppenoffizier als auch in Stabsverwendungen und sammelte wertvolle Erfahrungen in Planung, Logistik und Führung. Er wurde einmal verwundet, überstand jedoch die langen Jahre des Kampfes.
Auszeichnungen für seinen Dienst folgten, darunter erhielt er beide Klassen des Eisernen Kreuzes. Nach dem Krieg brach das Kaiserreich zusammen. Kaiser Wilhelm II. dankte ab, und Deutschland wurde zur Republik.
Die siegreichen Mächte zwangen dem Land den Versailler Vertrag auf. Die Armee wurde auf 100. 000 Mann begrenzt, und viele moderne Waffentypen wurden verboten. Fromm passte sich problemlos an die neuen Gegebenheiten an.
Er blieb in der Reichswehr, die später zur Wehrmacht wurde, und stieg stetig auf. Seine Karriere verlief gradlinig, ohne Skandale, aber auch ohne besondere Glanzlichter. Er galt als zuverlässig, fleißig und loyal – Eigenschaften, die ihm die Gunst seiner Vorgesetzten einbrachten. In den 1930er Jahren, als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, sah Fromm die Veränderungen mit gemischten Gefühlen.
Einerseits profitierten er und die Armee von der Wiederaufrüstung, andererseits beunruhigten ihn die Radikalität und die Rechtsbrüche der neuen Regierung. Dennoch blieb er im Dienst und machte Karriere. 1938 wurde er zum General der Artillerie befördert. 1939, kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, übernahm er das Kommando über das Ersatzheer.
Diese Position machte ihn zu einem der mächtigsten Männer im Deutschen Reich, denn das Ersatzheer war für die Ausbildung, Ausrüstung und Bereitstellung aller Ersatztruppen verantwortlich. Er kontrollierte damit Millionen von Soldaten und ein riesiges Netzwerk an Depots und Einrichtungen. Fromm war eine ambivalente Figur. Er war kein überzeugter Nazi, aber auch kein aktiver Widerstandskämpfer.
Er hoffte, sich heraushalten zu können, während die Weichen gestellt wurden. Als der Krieg begann und sich die militärischen Erfolge einstellten, schwieg er. Als sich jedoch die Lage an den Fronten wendete und die Niederlagen sich häuften, begann er zu zweifeln. Doch er blieb vorsichtig und abwartend.
Im Laufe des Krieges wurde das Offizierskorps von Widerstandsgruppen infiltriert. Männer wie Claus Graf Schenk von Stauffenberg, Henning von Tresckow und andere planten einen Staatsstreich. Ihr Ziel war es, Hitler zu töten und eine neue Regierung zu bilden, um einen ehrenvollen Frieden zu erreichen. Sie wussten, dass sie auf die Unterstützung der Armee angewiesen waren.
Deshalb suchten sie Kontakt zu Fromm. Sie wollten ihn als Kommandeur des Ersatzheeres auf ihre Seite ziehen, denn ohne seine Befehle würden die Truppen im Inland den Putsch nicht unterstützen. Fromm war hin- und hergerissen. Er sympathisierte insgeheim mit den Zielen der Verschwörer, denn auch er sah, dass Hitler Deutschland in den Abgrund führte.
Aber er war zu vorsichtig, zu sehr auf seine eigene Sicherheit bedacht. Er wollte keine Risiken eingehen, solange der Ausgang ungewiss war. Er versprach den Verschwörern vage, die Dinge zu beobachten, aber er gab keine feste Zusage. Er zog es vor, abzuwarten, wie sich die Dinge entwickelten.
Die Verschwörer drängten ihn jedoch, eine Entscheidung zu treffen. Stauffenberg, ein enger Mitarbeiter Fromms, wurde zur Schlüsselfigur des Plans. Er trug die Bombe in das Führerhauptquartier „Wolfsschanze


