Ich weiß noch, wie ich die Treppe hinunterstürzte – ich war 82 und meine eigene Tochter hatte mich gestoßen. Ich stellte mich tot, um zu überleben, während meine Kinder über meiner Leiche planten….

Ich weiß noch, wie ich die Treppe hinunterstürzte – ich war 82 und meine eigene Tochter hatte mich gestoßen. Ich stellte mich tot, um zu überleben, während meine Kinder über meiner Leiche planten....

„Drück jetzt“, hörte ich, bevor ich die Treppe hinunterstürzte. Ich stellte mich ohnmächtig, bis ich hörte: „Wenn er aufwacht, dann müssen wir …“ Aber lassen Sie mich von vorne anfangen. Mein Name ist Siegfried von Eckhard. Ich bin 82 Jahre alt und hätte nie gedacht, dass ausgerechnet meine eigene Tochter versuchen würde, mich zu töten.

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Mein ganzes Leben lang habe ich mit meinen eigenen Händen ein Imperium aufgebaut. Ich begann mit nichts. Als junger Mann in den Nachkriegsjahren schleppte ich Koffer in den Hotels anderer Leute. Heute besitze ich eine Hotelkette, die Millionen wert ist.

Ich verlor meine geliebte Ehefrau Matilde vor drei Jahren bei einem Unfall, der mich bis heute nicht loslässt. Seitdem widmete ich jeden Augenblick meiner Arbeit und meinen beiden Kindern Wolfram und Brunhilde. Ich glaubte, dass ich ein Vermächtnis für sie aufbaute. Ich glaubte, dass Vaterliebe ausreichen würde.

An jenem regnerischen Freitagabend im Juni war ich in meinem Herrenhaus, diesem alten dreistöckigen Anwesen aus Marmor und Eichenholz, das ich mit meinen eigenen Händen restauriert hatte. Der Regen prasselte heftig gegen die Fenster, und der Wind ließ die Vorhänge tanzen. Ich ging die Haupttreppe hinunter, um einen dringenden Anruf entgegenzunehmen, als ich es spürte. Ich sah es nicht.

Ich spürte es nur: feste Hände in meinem Rücken, ein brutaler Stoß. Dann hörte ich die kalte Stimme meiner Tochter Brunhilde: „Drück jetzt. “

Die Welt drehte sich. Mein Körper stürzte die Marmorstufen hinab.

Schmerz explodierte in meinen Rippen. Mein Kopf schlug auf dem Boden auf, und alles wurde rot. Aber ich verlor nicht das Bewusstsein. Trotz der Schmerzen, die durch meine Brust schossen, trotz des Blutgeschmacks in meinem Mund, blieb ich bei Bewusstsein.

Etwas in mir schrie: „Stell dich tot, bleib bewegungslos. “ Also schloss ich die Augen und hielt den Atem an. Da hörte ich Schritte die Treppe herunterkommen. Zuerst die hohen Absätze von Kriemhild, Brunhildes Geschäftspartnerin, dann die schweren Stiefel von Wolfram, meinem Sohn.

Zuletzt die zögernden Schritte von Brunhilde, meiner jüngeren Tochter. „Er ist tot“, sagte Kriemhild ungeduldig. „Bist du sicher? “, fragte Wolfram.

„Ich habe ihn gestoßen. Er hat sich nicht bewegt. Sieh dir das Blut an. “

Brunhilde weinte.

„Wir hätten das nicht tun sollen. “

„Halt den Mund“, zischte Kriemhild. „Das war längst überfällig. Der alte Mann hätte uns sowieso alles hinterlassen.

Jetzt müssen wir es nur noch beschleunigen. “

„Aber der Notar? “, fragte Brunhilde schluchzend. „Den kaufen wir uns.

Oder er ist klüger, als ich denke. Er wird das Testament notfalls selbst ändern. “

Wolfram lachte. „Er kann uns nichts mehr tun.

Er ist tot. Wir müssen nur noch seine Leiche loswerden. “

Sie diskutierten, wie sie meine Leiche beseitigen sollten. Sie sprachen über den hinteren Garten, über die alte Grube, die ich einst für einen Brunnen graben ließ.

Sie erwähnten sogar, dass sie meinen Körper in Säure auflösen könnten, wie in einem schlechten Film. Aber sie wurden sich nicht einig. „Wir können ihn nicht einfach hier lassen“, sagte Kriemhild. „Früher oder später kommt jemand.

Wir müssen uns etwas einfallen lassen. “

Sie gingen in die Küche, um Kaffee zu kochen und zu planen. Ich lag auf dem Boden, Blut lief aus meinem Kopf, und meine Rippen brannten. Ich musste mich bewegen, aber ich wagte es nicht.

Ich wartete, bis ihre Stimmen leiser wurden, bis ich hörte, wie sie die Küchentür schlossen. Dann öffnete ich langsam die Augen. Ich sah die Blutlache unter meinem Kopf. Ich sah die Treppe hinauf, von der ich gestürzt war.

Und ich sah etwas, das mir einen Stich ins Herz gab: Auf der oberen Stufe lag ein Foto – ein Familienfoto von uns vieren, das ich immer auf meinem Schreibtisch hatte. Es war zerbrochen, das Glas gesprungen. Es wirkte wie ein schlechtes Omen. Ich kroch zum Telefon, das in der Nähe der Treppe stand.

Meine Finger zitterten, und der Schmerz in meiner Brust wurde unerträglich. Ich wählte die Nummer meines Anwalts Rudolf Steinbrecher, des einzigen Menschen, dem ich noch vertraute. „Rudolf“, flüsterte ich, „ich bin es, Siegfried. “

„Siegfried?

Du klingst schrecklich. Ist alles in Ordnung? “

„Nein. Meine Kinder haben versucht, mich zu töten.

Sie haben mich die Treppe hinuntergestoßen. “

Ich hörte Rudolf scharf einatmen. „Was? Das ist unmöglich.

Brunhilde und Wolfram? “

„Ich lag im Blut, aber ich lebe. Sie denken, ich sei tot. Sie planen gerade, meine Leiche zu beseitigen.

„Mein Gott. Siegfried, bleib ruhig. Ich komme sofort. Aber zuerst – hast du einen Beweis?

„Ich habe gehört, wie sie darüber sprachen. Aber ich habe keine Aufnahme. Nur meine Worte. “

„Das wird nicht reichen.

Wir brauchen mehr. Können du dich irgendwo verstecken? Bis ich mit der Polizei komme? “

„Ich weiß nicht.

Sie sind gleich hier, wenn sie mich vermissen. Aber ich habe eine Idee. “

Ich sah die Eingangstür, die zum alten Weinkeller führte. Dort, hinter dem Regal, gab es einen engen Raum, den ich vor Jahren einrichtete, um mich bei Luftangriffen zu verstecken.

Niemand wusste davon, nicht einmal meine Kinder. „Es gibt einen Ort“, sagte ich. „Aber ich muss erst dorthin kriechen. “

„Tu es.

Und sei vorsichtig. Ich bin in fünfzehn Minuten bei dir. “

Ich legte auf und begann zu kriechen. Mein Körper schrie bei jeder Bewegung.

Das Blut klebte an meiner Kleidung. Ich ließ eine Blutspur hinter mir, aber ich musste das Risiko eingehen. Ich erreichte die Kellertür und öffnete sie leise. Der Geruch von altem Holz und feuchtem Stein umhüllte mich.

Ich kroch hinein und schloss die Tür hinter mir. Im Keller angekommen, schob ich das schwere Regal ein Stück zur Seite, bis ich den verborgenen Eingang erreichte. Ich drückte gegen die Wandplatte, und sie schwang auf. Ich kroch in den engen Raum und zog die Platte wieder zu.

Ich lag in der Dunkelheit und lauschte. In der Ferne hörte ich die Küchentür aufgehen. „Wo ist er hin? “, rief Kriemhild.

„Er war doch tot“, sagte Brunhilde zitternd. „Offensichtlich nicht mehr. Er ist weg. Blutspuren führen nach unten.

Ich hörte ihre Schritte auf der Treppe. Sie kamen in den Keller. Sie suchten, zogen Regale um, stießen Kisten zur Seite. Sie riefen meinen Namen.

„Siegfried! Komm raus! Wir müssen reden! “

Ich antwortete nicht.

Ich hielt den Atem an. Mein Herz schlug so laut, dass ich dachte, sie müssten es hören. „Er muss hier irgendwo sein“, sagte Wolfram. „Die Blutspur endet hier.

„Vielleicht ist er rausgegangen“, sagte Brunhilde. „Vielleicht hat er die Polizei gerufen. “

„Dann müssen wir schneller sein“, sagte Kriemhild. „Wir holen das Geld und das Testament, und dann verschwinden wir.

Sie verließen den Keller. Ich hörte, wie sie nach oben gingen. Ich blieb noch lange liegen. Minuten vergingen, die wie Stunden wirkten.

Dann hörte ich Schritte vor der Kellertür. „Siegfried? “, rief Rudolf leise. „Bist du hier?

Ich schob die Platte auf. „Hier“, flüsterte ich. „Hinter dem Regal. “

Rudolf kam zu mir, und sein Gesicht wurde blass, als er mich sah.

„Du siehst furchtbar aus. Aber du lebst. Gott sei Dank. “

„Sie glauben, ich hätte die Polizei gerufen“, sagte ich.

„Sie planen, zu fliehen. “

„Ich habe zwei Beamte mitgebracht. Sie warten draußen. Aber zuerst müssen wir dich stabilisieren.

„Nein“, sagte ich. „Zuerst müssen wir die Beweise sichern. Meine Kinder – sie müssen zur Rechenschaft gezogen werden. “

Rudolf half mir auf die Beine.

Mein Körper schmerzte, aber ich konnte stehen. Er stützte mich, als wir die Treppe hinaufgingen. Oben angekommen, hörte ich laute Stimmen aus dem Wohnzimmer. Wolfram schrie: „Wir müssen sofort gehen!

Er hat bestimmt die Polizei gerufen! “

Brunhilde weinte hysterisch: „Das habe ich dir gesagt! Das hätten wir nie tun sollen! “

„Halt doch endlich den Mund“, sagte Kriemhild.

„Wenn wir nichts tun, landen wir alle im Gefängnis. Wir müssen ihn finden und sicherstellen, dass er wirklich tot ist. “

Rudolf sah mich an. „Bist du bereit?

Ich nickte. Wir traten ein. Die drei fuhren herum. Brunhilde schrie auf, als sie mich sah.

Wolfram wurde bleich. Kriemhilds Gesicht verzerrte sich zu einer Mischung aus Wut und Angst. „Du“, sagte sie durch zusammengebissene Zähne. „Du solltest tot sein.

„Das habt ihr gehofft“, sagte ich leise. „Aber ich bin nicht so leicht zu töten. “

Ich sah meine Kinder an. „Wolfram, Brunhilde.

Ihr seid meine Kinder. Ich habe euch alles gegeben. Und ihr bringt mich dafür um. “

Brunhilde brach in Tränen aus: „Vater, es tut mir leid.

Es war nicht meine Idee. “

„Halt den Mund“, schrie Kriemhild. „Du machst alles nur schlimmer. “

Wolfram trat einen Schritt vor.

„Du verstehst nicht, Vater. Du warst nie für uns da. Du hast nur gearbeitet. Wir haben dich gebraucht, aber du hattest immer nur dein geliebtes Unternehmen im Kopf.

„Das ist keine Rechtfertigung, mich zu töten“, sagte ich. „Das ist ein Mordversuch, von deiner eigenen Tochter begangen. “

Kriemhild lachte bitter. „Du bist so naiv.

Du glaubst, dass Liebe irgendetwas bedeutet. Du bist nur eine Geldquelle für uns gewesen. Und jetzt, wo du alt bist, wollten wir unser Erbe einfach früher bekommen. “

„Das habe ich heute Nacht gehört“, sagte ich.

„Alles. “

In diesem Moment traten zwei Polizisten ein, gefolgt von Rudolf, der die ganze Zeit draußen gewartet hatte. Er hatte mir gesagt, dass er sie holen würde, sobald die Kinder im Wohnzimmer waren. „Sie sind alle unter Arrest“, sagte der erste Beamte.

„Hände hoch. “

Wolfram und Brunhilde gehorchten sofort. Kriemhild fletschte die Zähne: „Das werdet ihr bereuen. Mein Anwalt wird euch alle in den Boden stampfen.

„Er kann versuchen, was er will“, sagte Rudolf ruhig. „Aber ich habe genug Beweise gesammelt, um euch alle hinter Gitter zu bringen. “

Kriemhild wurde abgeführt. Wolfram ging ohne ein Wort.

Brunhilde weinte und rief: „Vater, bitte vergib mir! “ Ich wandte mich ab. Als die Polizeiwagen davongefahren waren, setzte ich mich auf die Treppe, genau die Treppe, auf der ich gestürzt war. Das Blut war noch nicht ganz getrocknet.

Rudolf legte eine Hand auf meine Schulter. „Was wirst du jetzt tun? “, fragte er. Ich schloss die Augen.

„Ich weiß es nicht. Sie waren alles für mich. Und jetzt …“ Meine Stimme brach. „Du bist noch am Leben“, sagte Rudolf.

„Das ist das Wichtigste. “

Ich sah auf das zerbrochene Familienfoto auf der Stufe. Mein Blick fiel auf das Gesicht meiner Frau Matilde, die ich so sehr geliebt hatte. Tränen liefen über meine Wangen.

Ich sammelte die Scherben ein und drückte sie an meine Brust. „Ich muss lernen, allein zu leben“, sagte ich leise. „Zum ersten Mal seit drei Jahren. “

Ich stand auf und ging langsam die Treppe hinauf, vorbei an den Räumen, die einst voller Leben waren.

Ich wusste, dass nichts mehr so sein würde wie zuvor. Aber ich atmete noch. Ich war noch da.